{"id":21367,"date":"2000-10-15T09:59:17","date_gmt":"2000-10-15T07:59:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21367"},"modified":"2025-04-17T09:09:19","modified_gmt":"2025-04-17T07:09:19","slug":"galater-51-6-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/galater-51-6-4\/","title":{"rendered":"Galater 5,1-6"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #0000a0; font-family: Arial;\">Reformationstag | 31. Oktober 2000 | Galater 5,1-6 | Gerhard M\u00fcller |<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\">Eine Sprachexplosion sei die Reformation gewesen, ist jetzt behauptet worden. Nun l\u00e4\u00dft sich schwer bestreiten, da\u00df damals viel besprochen worden ist: Gerechtigkeit und Benachteiligung, Freiheit und Knechtschaft, Gott und Teufel, Demut und Hochn\u00e4sigkeit. Denn es gab eine Flut von Gedrucktem, wo \u00fcber diese Fragen diskutiert wurde. Flugschriften werden sie genannt, kurze Texte zumeist, teilweise auf einem einzigen Blatt. Das war m\u00f6glich, weil der Buchdruck erfunden worden war. Die Reformation war ein Medienereignis. Aber dahinter stand nat\u00fcrlich, da\u00df diese Fragen bei den Menschen aktuell waren. Das Gesprochene wurde durch Bilder erg\u00e4nzt: der angeblich t\u00f6richte Bauer, der eine viel bessere Figur macht als der eingebildete Priester; der flei\u00dfige Handwerker und der aufgeblasene M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger. Die Sympathien waren deutlich! Ein Sprachereignis war die Reformation, weil sie die Volkssprache benutzte &#8211; nicht nur die Elite wurde angesprochen und konnte mitreden. Worum ging es und worum geht es? In Christus Jesus gelten Glaube und Liebe. So formuliert es der Apostel Paulus im heutigen Predigttext Galater 5,1-6:<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8222;Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und la\u00dft euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden la\u00dft, so wird euch Christus nichts n\u00fctzen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden l\u00e4\u00dft, da\u00df er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen mu\u00df. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe t\u00e4tig ist.&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">1. Freiheit ist nicht nur ein Thema unserer Zeit. Schon die Israeliten flohen aus \u00c4gypten, um der Sklaverei zu entgehen. Auch die Menschen zur Zeit Jesu suchten Freiheit &#8211; politische Freiheit von den R\u00f6mern in Pal\u00e4stina und Freiheit zu Gott: Er ist nicht mehr der Ferne, das Geheimnis und Geheimnisumwitterte, sondern der, den ich anrufen kann als meinen guten Vater. Das sagt Jesus von Nazareth. Und der Apostel Paulus greift es auf: &#8222;Zur Freiheit hat uns Christus befreit!&#8220; Sich selbst schlie\u00dft er ein: Auch ich bin ein Befreiter! Um wahre Freiheit geht es f\u00fcr alle Getauften und Glaubenden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es gibt auch scheinbare Freiheiten. Es werden uns gro\u00dfe Versprechungen gemacht, wenn wir uns auf etwas einlassen, was uns angeboten wird. Aber statt der &#8222;Gro\u00dfen Freiheit&#8220; der Gurus und Menschheitsbegl\u00fccker erleben wir nur neue, andauernde Unfreiheit. Wer nimmt uns unsere Angst ab? Wer befreit uns von den Sorgen, die um unser Lager stehen? Freiheit ist das Thema unserer Tage: Freiheit zur Selbstverwirklichung, Freiheit ohne Grenzen.<\/p>\n<p align=\"justify\">2 Aber wir erleben Knechtschaft. Wir sind abh\u00e4ngig von dem, was uns als unsere Selbstverwirklichung vorgegaukelt wird. Wir suchen Erlebnisse. Das Leben ist schal, wenn der gro\u00dfe Kick fehlt. Ein Abenteuerurlaub mu\u00df her oder irgendein Event, der die folgende graue Zeit der Eint\u00f6nigkeit \u00fcberstrahlt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Da wird die Erlebnisgesellschaft rasch zur Risikogesellschaft. Worauf lasse ich mich ein bei meiner Sucht zu Neuem? Wo wird das enden? Wer ist noch bei mir, wenn ich alle anderen zur\u00fcckgelassen habe, um die Tr\u00e4ume zu realisieren, die durch meinen Kopf und meinen Bauch gegangen sind?<\/p>\n<p align=\"justify\">Auch die Lustgesellschaft ist l\u00e4ngst am Ende. Die Mega-Ereignisse m\u00f6gen nachklingen. Aber hat mich das gl\u00fccklich gemacht? Zufrieden? Ist meine Sehnsucht gestillt oder wird sie nur immer neu geweckt? Die Abh\u00e4ngigkeit von dem, was uns als lebenswert gezeigt wird, mag uns h\u00e4ufig nicht bewu\u00dft werden. Aber wenn die Ern\u00fcchterung kommt, stellen wir fest: Das war sie nicht, die gro\u00dfe Freiheit. Das war die Jagd nach ihr, aber nicht mehr.<\/p>\n<p align=\"justify\">3 Gesetz und Gnade schlie\u00dfen einander aus. So der Apostel Paulus. Da gibt es in den Gemeinden Menschen, die sich doppelt absichern wollen. Kann doch nicht schaden. So denken sie. Sie werden auch von manchen, die behaupten, es mit ihnen gut zu meinen, gemahnt, das Gesetz zu \u00fcbernehmen. Aber Freiheit und Gesetz widersprechen sich. So der Apostel Paulus. Niemand kann sich zur wahren Freiheit befreien lassen und dann noch durch das Gesetz eine &#8222;Zusatzversicherung&#8220; eingehen. Das war damals der Weg des GGesetz und Gnade schlie\u00dfen einander aus. So der Apostel<\/p>\n<p align=\"justify\">Doch Paulus mahnt: Christus oder &#8222;das Joch der Knechtschaft!&#8220; Beschneidung ist f\u00fcr uns kein Thema. Wir wissen von Juden, die aus der ehemaligen Sowjetunion kommen, die nicht beschnitten sind. F\u00fcr sie ist das ein Thema. Aber f\u00fcr uns geht es um den Gegensatz von Gesetz und Gnade: Wer den Weg des Gesetzes geht, mu\u00df das dann total tun. Aber es ist nicht der Weg der Gnade. Es steht Gottes Gnade auf dem Spiel. Seine Zuwendung zu uns in Christus Jesus hat Freiheit geschaffen, Freiheit vom Gesetz und Freiheit vom B\u00f6sen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Worin besteht f\u00fcr uns heute der Gegensatz? Es geht darum, ob uns Christus gen\u00fcgt oder ob wir weitere Heilslehren suchen, die wir damit verbinden m\u00f6chten. Der Apostel Paulus mahnt: entweder &#8211; oder! Christus Jesus allein oder das vielf\u00e4ltige Sinnangebot, das durch unsere Welt geistert.<\/p>\n<p align=\"justify\">4 Glaube erhofft Gerechtigkeit. Auch wir Befreiten sind noch nicht am Ziel. Wie sollten wir auch? Unser Weg geht weiter. Aber wir warten &#8222;auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen mu\u00df.&#8220; Wir k\u00f6nnen mit Geschick und gutem Willen die Ungerechtigkeit mildern, die wir bemerken. Aber die endg\u00fcltige Gerechtigkeit, wo alle den ihnen zustehenden Platz erhalten, die m\u00fcssen wir schon Gott \u00fcberlassen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber das bedeutet nicht zu resignieren. Im Gegenteil. Wir Befreiten vertrauen dem, der uns von vordergr\u00fcndigen und hinterh\u00e4ltigen Knechtschaften l\u00f6ste. Dieses Vertrauen, dieser Glaube, ist lebendig. Er ist &#8222;durch die Liebe t\u00e4tig&#8220;. Es war ein grandioses Mi\u00dfverst\u00e4ndnis zu meinen, die Reformatoren h\u00e4tten auf Taten keinen Wert gelegt. In Wahrheit ist nur der Glaube dieser Bezeichnung w\u00fcrdig, der &#8222;durch die Liebe t\u00e4tig ist.&#8220; Glaube ohne Liebe ist ein Unsinn. Glaube ohne Liebe ist Unglaube.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dar\u00fcber wurde vor 450 Jahren gesprochen und geschrieben: \u00dcber die Freiheit, unser so modernes Thema; \u00fcber Knechtschaften, die so \u00fcbel sind, da\u00df sie kaum als solche erkannt werden; \u00fcber Gesetz oder Gnade, \u00fcber Vertrauen oder zus\u00e4tzliche Absicherungen; \u00fcber die erhoffte Gerechtigkeit &#8211; das geheime Thema auch heute. In Christus Jesus gelten Glaube und Liebe. Nicht auf \u00c4u\u00dferlichkeiten und Moden kommt es an. Denn diese kommen und gehen. Aber Glaube, Hoffnung und Liebe bleiben &#8211; in und durch Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"justify\"><b>Landesbischof i.R. Prof. Dr. Gerhard M\u00fcller D.D.<br \/>\nSperlingstr. 59<br \/>\n91056 Erlangen<br \/>\nTel.: 09131 \/ 490 939<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reformationstag | 31. 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