{"id":21376,"date":"2000-11-15T10:06:44","date_gmt":"2000-11-15T09:06:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21376"},"modified":"2025-04-17T10:34:35","modified_gmt":"2025-04-17T08:34:35","slug":"hiob-14-1-6-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hiob-14-1-6-7\/","title":{"rendered":"Hiob 14, 1 \u2013 6"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #0000a0; font-family: Arial;\">Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres | 12. November 2000 | Hiob 14,1\u20136 | Ernst Arfken |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Manche Dinge sind so wichtig, dass wir nicht darum herum kommen, \u00fcber sie gr\u00fcndlich nachzudenken. Zu diesen wichtigen Dingen geh\u00f6rt auch unser menschliches Leben. Wenn wir es vers\u00e4umen, dar\u00fcber nachzudenken, hat das verheerende Folgen. Es ist dann so, als w\u00fcrden wir an einer Reise teilnehmen, ohne zu wissen, wohin. Eine \u201eFahrt ins Blaue\u201c kann zwar sehr reizvoll sein, aber jeder wei\u00df: Unser Leben ist nicht nur ein Vergn\u00fcgungs-Ausflug. Manchmal packt es uns sehr hart an.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht gr\u00fcndlich dar\u00fcber nachdenken, droht uns ein schlimmes Ende. Kommt der Tod in Sicht, haben wir keine Ahnung, warum wir \u00fcberhaupt gelebt haben. Wir werfen dann unser Leben weg wie einen alten, unansehnlich gewordenen Mantel. Das ist es doch nicht, was wir uns gew\u00fcnscht haben. Dabei kann unser Leben etwas ganz Wundersch\u00f6nes und Kostbares sein bis zum letzten Atemzug. Es kommt darauf an, wie wir es betrachten und was wir daraus machen. Weichen wir also der Frage lieber nicht aus, sondern strengen wir uns an, gr\u00fcndlich zu \u00fcberlegen: Was ist unser Leben?<\/p>\n<p>Viele vergleichen es mit einer Blume (vor allem bei atheistischen Beerdigungen).Sie w\u00e4chst heran, bl\u00fcht auf, welkt und vertrocknet. Ein sch\u00f6nes, aber tr\u00fcgerisches Bild! Sterben als ein Vertrocknen &#8211; ein entsetzlicher Gedanke! Wie qualvoll D\u00fcrsten und dabei nicht trinken D\u00fcrfen ist, davon wissen vor allem Patienten nach einer Magen- oder Darmoperation ein Lied zu singen. Werfen wir das Blumenbild lieber beiseite.<\/p>\n<p>Ein anderer Vergleich mit unserem Leben ist das Bild von der Sonne. Sie geht auf, durchl\u00e4uft ihren H\u00f6hepunkt und geht unter. Auf den ersten Blick ein sch\u00f6nes Bild:, hell und freundlich: der Mensch wie die Sonne. Aber auf der Mitte des Weges beginnt schon der Abstieg.. Dabei kann auch die zweite Lebensh\u00e4lfte noch so viel Sch\u00f6nes bringen. Und mit dem Untergang ist endg\u00fcltig Schluss, nichts mehr zu erwarten. Es folgt die schwarze Nacht. Ist es das, was wir uns gew\u00fcnscht haben? Gewiss nicht. Werfen wir also auch das Sonnenbild lieber beiseite.<\/p>\n<p>Stattdessen ist es an der Zeit, den Predigttext dieses Sonntags zu Wort kommen zu lassen. Er steht im Alten Testament im Buche Hiob Kapitel 14 und beginnt:<\/p>\n<p>Der Mensch , vom Weibe geboren,<br \/>\nlebt kurze Zeit und ist voll Unruhe,<br \/>\ngeht auf wie eine Blume und f\u00e4llt ab,<br \/>\nflieht wie ein Schatten und bleibt nicht.<\/p>\n<p>Hier begegnen uns wieder die schon bekannten Bilder von der Blume, deren Bl\u00e4tter und Bl\u00fcten abfallen, und vom Sonnenuntergang, hier dichterisch umschrieben mit den Schatten, die abends immer l\u00e4nger werden und schlie\u00dflich ganz verschwinden. Aber Hiob begn\u00fcgt sich damit nicht. Er f\u00e4hrt fort mit einem kr\u00e4ftigen \u201eDoch du\u201c. Das hei\u00dft: Hier wendet sich Hiob an Gott und betritt damit eine neue Ebene. Heute sagt man gern: \u201eEr begibt sich in eine neue Dimension. \u201cEr sagt damit: Unser Leben ist nicht nur unsere eigene Privatangelegenheit, sondern hat seinen Ursprung bei Gott. Und noch einen weiteren Gedanken \u00fcber unser menschliches Leben bringt Hiob hier ins Gespr\u00e4ch \u2013 einen Gedanken, der uns zwar unangenehm ist, aber nicht zu umgehen. Er besagt, dass unser Leben unvermeidlich damit verbunden ist, dass wir uns schuldig machen. Keiner ist davon ausgenommen. Niemand bleibt ein Engel. Hiob dr\u00fcckt es so aus:<\/p>\n<p>Doch du tust deine Augen \u00fcber einen solchen Menschen auf,<br \/>\ndass du mich vor dir ins Gericht ziehst.<br \/>\nKann wohl ein Reiner kommen von Unreinen?<br \/>\nAuch nicht einer!<\/p>\n<p>Zum Wesen unseres menschlichen Lebens geh\u00f6rt weiterhin, dass es eine Grenze hat, die wir nicht beseitigen k\u00f6nnen. Der Mensch lebt nicht ewig.<\/p>\n<p>Sind seine Tage bestimmt,<br \/>\nsteht die Zahl seiner Monde bei dir<br \/>\nund hast du ein Ziel gesetzt,<br \/>\nso blicke doch weg von ihm,<br \/>\ndass er Ruhe hat, bis sein Tag kommt,<br \/>\nauf den er sich wie ein Tagel\u00f6hner freut<\/p>\n<p>Mit diesen Worten w\u00fcnscht Hiob sich seinen Tod, denn er war ein \u00e4u\u00dferst gequ\u00e4lter Mann. Er litt an Aussatz.. Nach damaligem medizinischem Brauch sa\u00df er auf einem Aschenhaufen und kratzte mit einer Tonscherbe seine Wunden, um den unertr\u00e4glichen Juckreiz zu lindern. Hiob wusste noch nichts von einer Auferstehung der Toten und vom ewigen Leben. Dieser Glaube hat erst durch Jesus Christus klare Umrisse bekommen. Vorher gab es bestenfalls eine Ahnung davon.<\/p>\n<p>Als Jesus zum Tode verurteilt war und am Kreuz sterben musste, hat er, wie die Bibel im Lukas-Evangelium berichtet, Worte aus einem uralten Sterbegebet gerufen: \u201eVater, ich befehle meinen Geist in deine H\u00e4nde.\u201c Das war ein anderes Sterben als das Verwelken oder ins Nichts Hin\u00fcbergehen.<\/p>\n<p>Die Worte Hiobs sind urspr\u00fcnglich ein wundersch\u00f6nes Gedicht in hebr\u00e4ischer Sprache. Matthias Claudius hat sich dadurch wiederum zu einem Gedicht anregen lassen, das lautet:<\/p>\n<p>Der Mensch lebt und bestehet<br \/>\nnur eine kleine Zeit<br \/>\nund alle Welt vergehet<br \/>\nmit ihrer Herrlichkeit.<br \/>\nEs ist nur einer ewig<br \/>\nund an allen Enden<br \/>\nund wir in seinen H\u00e4nden<\/p>\n<p>Kommen wir noch einmal auf die Frage vom Anfang zur\u00fcck: Was ist unser Leben, oder womit k\u00f6nnen wir es vergleichen? Letzten Endes muss wohl jeder f\u00fcr sich selbst eine Antwort darauf finden. Ich m\u00f6chte es hier mit folgendem Vergleich versuchen: Das Leben ist eine Wanderschaft. Man kann sie allein antreten. Man kann sich aber auch einen treuen Begleiter w\u00e4hlen. Das Beste ist, man w\u00e4hlt Gott und l\u00e4sst sich von ihm f\u00fchren, denn sein Weg f\u00fchrt nicht in ein dunkles Ende hinein, sondern \u00fcber den Tod hinaus.<\/p>\n<p>Der Dichter Paul Gerhardt bittet Gott:<\/p>\n<p>St\u00e4rk unsre F\u00fc\u00df` und H\u00e4nde<br \/>\nund la\u00df bis in den Tod<br \/>\nuns allzeit deiner Pflege<br \/>\nund Treu befohlen sein.<br \/>\nSo gehen unsre Wege<br \/>\ngewi\u00df zum Himmel ein.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Dr.Ernst Arfken<br \/>\nMTS-Str.4<br \/>\n18556 Altenkirchen<br \/>\nTel.: 038391-12326<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres | 12. November 2000 | Hiob 14,1\u20136 | Ernst Arfken | Liebe Gemeinde! 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