{"id":21394,"date":"1999-10-15T10:18:02","date_gmt":"1999-10-15T08:18:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21394"},"modified":"2025-04-18T17:30:34","modified_gmt":"2025-04-18T15:30:34","slug":"1-mose-8-18-22-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-mose-8-18-22-3\/","title":{"rendered":"1. Mose 8, 18-22"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial;\">20. Sonntag nach Trinitatis | 17. Oktober 1999 | 1. Mose 8, 18-22<\/span> | <span style=\"font-family: Arial;\">Johannes Neukirch |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ein gro\u00dfes Schiff, eine riesige \u00dcberschwemmung, Tiere, eine Taube, ein Regenbogen &#8211; ahnen Sie schon, worum es geht? Ja, die biblische Geschichte von der Arche Noah ist \u00fcberaus bekannt. Schon als Kinder haben wir sie kennen gelernt &#8211; im Kindergottesdienst, im Religionsunterricht oder wo auch immer. Diese Geschichte fehlt in keiner Kinderbibel.<\/p>\n<p>Warum ist ausgerechnet diese Erz\u00e4hlung so beliebt? Zu einem gro\u00dfen Teil liegt das sicherlich daran, dass sie sich so sch\u00f6n erz\u00e4hlen und vor allem so sch\u00f6n darstellen und malen l\u00e4sst. Noah baute ein gro\u00dfes Schiff, die Arche, mitten auf dem Land, weit und breit war kein Wasser zu sehen &#8211; schon das ist ein interessantes Bild. In der Bibel gibt es dazu sogar genaue Anweisungen. Gott sprach zu Noah: &#8222;Mache dir einen Kasten von Tannenholz und mache Kammern darin und verpiche ihn mit Pech innen und au\u00dfen.&#8220; Es folgen noch genaue Ma\u00dfangaben, wie gro\u00df das Schiff sein soll. Dann nimmt Noah von allen Tieren je ein Paar und f\u00fchrt sie in die Arche &#8211; das ist eines der beliebtesten Motive f\u00fcr die Illustration der Geschichte. &#8222;Und du sollst&#8220;, sagte Gott, &#8222;in die Arche bringen von allen Tieren, von allem Fleisch, je ein Paar, M\u00e4nnchen und Weibchen, dass sie leben bleiben mit dir. Von den V\u00f6geln nach ihrer Art, von dem Vieh nach seiner Art und von allem Gew\u00fcrm auf Erden nach seiner Art.&#8220; Nachdem die gro\u00dfe Flut gekommen war und nachdem sie schon wochenlang unterwegs gewesen waren, schickte Noah immer wieder V\u00f6gel los, um herauszubekommen, ob schon wieder Land in Sicht ist. Schlie\u00dflich kommt eine Taube mit dem Blatt eines \u00d6lbaums zur\u00fcck &#8211; da wei\u00df Noah, dass die Flut zur\u00fcckgeht. Zu guter Letzt sieht Noah einen Regenbogen &#8211; als Zeichen Gottes, dass so etwas nie wieder passieren wird. Auch dieser Regenbogen ist schon von unz\u00e4hligen Kindern im Kindergottesdienst gemalt worden und die Bilder davon hingen schon in vielen Kirchen und Gemeindeh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Aber die Geschichte von der Arche Noahs ist nicht nur deshalb so beliebt, weil sie so dramatisch und bunt ist. Es ist auch eine spannende Glaubens- und Hoffnungsgeschichte: Nur weil Gott es ihm sagt, baut Noah mitten auf dem Land ein riesiges Schiff. Er tut, was Gott ihm auftr\u00e4gt. In der Geschichte werden Menschen und Tiere vor dem sicheren Tod gerettet. Gott schlie\u00dft einen Bund mit Noah und seiner Familie und gibt ein Versprechen: Es soll keine Sintflut mehr geben.<\/p>\n<p>So haben wir diese Geschichte vor Augen &#8211; die Arche als rettendes Boot, als Ort der Zuflucht, fast schon der Geborgenheit. Dar\u00fcber kann es leicht geschehen, dass wir vergessen, was \u00fcberhaupt zu dieser gewaltigen \u00dcberschwemmung, zur Sintflut gef\u00fchrt hat. Wir vergessen leicht, dass das auch eine brutale und grausame Geschichte ist. Denn es ist doch so: Noah und seine Gro\u00dffamilie (&#8222;du sollst in die Arche gehen mit deinen S\u00f6hnen, mit deiner Frau und mit den Frauen deiner S\u00f6hne&#8220;) und die Tiere werden gerettet. Der Grund daf\u00fcr ist: &#8222;Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott.&#8220;<\/p>\n<p>Alles andere Leben auf der Erde kommt in der Geschichte um. Denn, so beginnt das ganze Drama: &#8222;Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit gro\u00df war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur b\u00f6se war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bek\u00fcmmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gew\u00fcrm und bis zu den V\u00f6geln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe.&#8220;<\/p>\n<p>Und es wird in dieser Geschichte dann auch ganz genau beschrieben, wie das vor sich ging: Vierzig Tage lang regnet es ununterbrochen &#8222;und die Wasser nahmen \u00fcberhand und wuchsen so sehr auf Erden, dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden. Da ging alles Fleisch unter, das sich auf Erden regte.&#8220; Schlie\u00dflich lesen wir: &#8222;Allein Noah blieb \u00fcbrig und was mit ihm in der Arche war.&#8220;<\/p>\n<p>Auf der einen Seite der brutale Gedanke, dass Gott die Sch\u00f6pfung der Menschen bereut und sie alle umbringen will. Auf der anderen Seite das Symbol der Arche, die Rettung, und der Regenbogen als Zeichen, dass Gott mit den Menschen einen Bund schlie\u00dft, ihnen das Versprechen gibt, sie am Leben zu erhalten, ihnen treu zu bleiben. Wie passt das zusammen?<\/p>\n<p>Lassen Sie uns einen Blick auf das Ende der Sintflut richten, auf den Augenblick, als die Wasser wieder weg waren. Gott sagt dann zu Noah, er soll zusammen mit seiner Familie und allen Tieren die Arche verlassen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;So ging Noah heraus mit seinen S\u00f6hnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner S\u00f6hne, dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle V\u00f6gel und alles Gew\u00fcrm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen. Noah aber baute dem Herrn einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen V\u00f6geln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist b\u00f6se von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufh\u00f6ren Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>An dieser Szene merken wir wieder, warum die Noah-Geschichte so beliebt ist: Gott hat hier so menschliche Z\u00fcge! Er l\u00e4sst sich von dem dankbaren Noah beeinflussen. Es ist ihm offensichtlich nicht egal, ob auf seiner Erde Menschen sind oder nicht. Denn wenn da niemand mehr gewesen w\u00e4re, k\u00f6nnte ihm auch niemand ein Dankopfer bringen, dann w\u00fcrde er nicht den &#8222;lieblichen Geruch&#8220; riechen. &#8222;Gott spricht in seinem Herzen&#8220; &#8211; das ist ein anr\u00fchrender Gedanke: Gott hat eine Beziehung zu uns Menschen. Weil Noah ihm dankbar ist, l\u00e4sst sich Gott in seinem Herzen ansprechen! Und nicht nur das: Er beschlie\u00dft, dass so etwas wie diese grausame Sintflut nie mehr geschehen soll.<\/p>\n<p>Da stellt sich doch aber die Frage: Was hat sich denn durch die Sintflut grundlegendes ge\u00e4ndert? Vor der Sintflut war es doch so: &#8222;Gott sah, dass der Menschen Bosheit gro\u00df war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur b\u00f6se war immerdar.&#8220; Und nach der Sintflut ist es immer noch so: &#8222;denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist b\u00f6se von Jugend auf.&#8220; Letzten Endes, so folgt daraus, hat sich durch die Sintflut bei den Menschen nichts ge\u00e4ndert. Aber Gott hat sich ge\u00e4ndert: Er hat zwar immer noch genug Gr\u00fcnde daf\u00fcr, immer wieder eine neue Sintflut zu schicken, er tut es aber nicht mehr! Statt dessen nehmen Gott und Noah einen Kontakt auf, treten in eine Beziehung zueinander.<\/p>\n<p>Ich glaube, wir sollen durch diese Geschichte von der Arche Noah begreifen, wie Gott zu uns steht, was er f\u00fcr ein Verh\u00e4ltnis zu uns hat. Offensichtlich will er gar keine anderen Menschen haben als die, die es gibt, keine anderen als uns. Wenn er das gewollt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte er nicht Noah und seine Familie die Arche bauen lassen. Gott hat sich sozusagen damit abgefunden, dass wir so sind, wie wir sind. Er hat die Sch\u00f6pfung nicht wiederholt und versucht, es beim zweiten Mal besser zu machen. Aber er m\u00f6chte, dass wir, so wie Noah, &#8222;mit Gott&#8220;, also mit ihm &#8222;wandeln&#8220;. Er m\u00f6chte, dass wir eine Beziehung zu ihm haben, er m\u00f6chte &#8211; so ist es in unserer Geschichte ausgemalt &#8211; &#8222;den lieblichen Geruch&#8220; unserer Dankopfer riechen! Er tut sehr viel f\u00fcr diese Beziehung: Er h\u00e4lt er sich zur\u00fcck, er legt sich selbst eine Grenze auf, er will uns retten.<\/p>\n<p>Dieses ganze Drama mit der Sintflut, der Arche und dem Regenbogen sagt uns: Du, Mensch, bist wertvoll f\u00fcr Gott. Er will etwas von dir! Wegen dir h\u00e4lt er seine Gerechtigkeit zur\u00fcck und schickt keine zweite Sintflut. Wegen dir spricht er in seinem Herzen: Ich will das Leben erhalten! Genug Grund f\u00fcr uns, Gott treu zu sein, dankbar zu sein und mit ihm zu wandeln.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Johannes Neukirch, Geversdorf<br \/>\n<a href=\"mailto:johannes.neukirch@t-online.de\">E-Mail: johannes.neukirch@t-online.de<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=991017.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. Sonntag nach Trinitatis | 17. Oktober 1999 | 1. Mose 8, 18-22 | Johannes Neukirch | Liebe Gemeinde, ein gro\u00dfes Schiff, eine riesige \u00dcberschwemmung, Tiere, eine Taube, ein Regenbogen &#8211; ahnen Sie schon, worum es geht? Ja, die biblische Geschichte von der Arche Noah ist \u00fcberaus bekannt. Schon als Kinder haben wir sie kennen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,541,2,727,157,853,114,920,963,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21394","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-genesis","category-20-so-n-trinitatis","category-at","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-johannes-neukirch","category-kapitel-08-chapter-08-genesis","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21394"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21394\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22941,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21394\/revisions\/22941"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21394"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21394"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21394"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21394"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}