{"id":21396,"date":"1999-10-15T10:20:33","date_gmt":"1999-10-15T08:20:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21396"},"modified":"2025-04-18T17:29:59","modified_gmt":"2025-04-18T15:29:59","slug":"matthaeus-10-34-39-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-10-34-39-6\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 10, 34-39"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial;\">21. Sonntag nach Trinitatis | 24. Oktober 1999 | Matth\u00e4us 10,34-39<\/span> | <span style=\"font-family: Arial;\">Georg Plasger |<\/span><\/h3>\n<p>\u201eIhr sollt nicht meinen, da\u00df ich gekommen sei, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird\u2019s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird\u2019s finden.\u201c (Mt 10,34-39)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wer diese harten Worte aus dem Evangelium h\u00f6rt, der hat es schwer, denen etwas entgegenzuhalten, die immer schon auf die negativen Wirkungen des Christentums und vielleicht sogar aller Religion verweisen. \u201eDie Religion bringt Kriege hervor, die ganze Geschichte zeigt, wie sehr Blutvergie\u00dfen gerade durch die Christenmenschen und ihre Vertreter in die Welt gebracht wurde.\u201c So h\u00f6re ich es immer wieder, sei es als ernstgemeinte Frage, an der Menschen verzweifeln k\u00f6nnen oder sei es auch nur aus einer Biertischlaune heraus oder vielleicht sogar nur, um herauszufordern. Egal \u2013 dahinter steckt eine ernsthafte Frage. Und vielleicht stellen Menschen die Frage nicht ganz so deutlich, weil sie auch gar nicht wagen, sie zu stellen.<\/p>\n<p>Ist das Christentum nicht von seiner Wirkung her letztlich negativ, die Welt negativ beeinflussend? Kriege verursachend oder doch zumindest f\u00f6rdernd?<\/p>\n<p>Wer die Geschichte der Kirche kennt, wird sich h\u00fcten, zu schnell von den positiven Wirkungen zu erz\u00e4hlen, die die christliche Kirche verursacht hat. Nicht, da\u00df da gar nichts berichtet werden k\u00f6nnte \u2013 aber damit l\u00e4\u00dft sich nun einmal der christliche Glaube, das Christentum nicht rechtfertigen. Selbst mit ihren besten Werken und selbst mit einer sehr gut arbeitenden Diakonie kann die Kirche sich selbst nicht begr\u00fcnden. Daf\u00fcr gibt es eben auch die anderen Seiten, die immer wieder dem christlichen Glauben vorgehalten werden k\u00f6nnen \u2013 und vorgehalten werden.<\/p>\n<p>Und wenn wir, diese Fragen im Hinterkopf &#8211; diese Fragen von anderen, die vielleicht auch ein bi\u00dfchen unsere eigene Fragen sind &#8211; wenn wir damit den Bibeltext h\u00f6ren, dann kann uns das Grausen kommen. Denn: Hat denn Jesus in diesem Abschnitt nicht genau das gesagt, genau das angek\u00fcndigt, was an Schrecklichkeiten eingetreten ist? Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Grausamer geht es ja nicht. Was machen wir mit solchen biblischen Aussagen? Tun wir sie beiseite, nach dem Motto: Es gibt ja auch andere Bibelstellen, wo von Frieden die Rede ist, an die wollen wir uns halten. Und an diese Stelle eben nicht, die ist uns zu grausam. So verfahren wir immer wieder gerne. Das, was uns passt, nehmen wir uns heraus, und das, was uns nicht passt, \u00fcbergehen wir gerne. Aber das ist kein guter Rat. Denn damit basteln wir uns unseren christlichen Glauben selber und zimmern uns letztlich unseren eigenen Gott. Also: wir werden, wenn wir denn ernsthaft bei der Sache sind, uns schon auf diese harten Worte einlassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Schauen wir also einmal genau hin, was da gesagt wird.<\/p>\n<p>Es ist wahr, Jesus redet hier vom Schwert. Aber damit ist nicht das Schwert auf dem Schlachtfeld gemeint, sondern es geht, wie im weiteren Verlauf deutlich wird, um Trennungen. Ein Schwert trennt, schneidet durch. Darauf wird Bezug genommen. Es geht nicht um die t\u00f6tende Wirkung des Schwertes, in der Tat, das kann ein Schwert ja auch, aber hier geht es um die trennende Funktion. Das, was sich hier im ersten Vers unseres Abschnittes gegen\u00fcber steht, ist nicht: Krieg und Frieden, sondern Friede und Trennung. \u201eIch bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern die Trennung.\u201c Die Alternative ist Friede oder Trennung. Die Alternative kennen wir aus anderen Zusammenh\u00e4ngen wohl auch. Es gibt Ehen, die in einer Phase stecken, wo man geneigt ist, eine Trennung einem letztlich unfriedlichen Zusammenleben vorzuziehen. Der Friede, vielleicht den Kindern zuliebe, der \u00e4u\u00dfere Friede, der in Wirklichkeit im Inneren nicht existiert, ist zuweilen ein fauler Friede. Hier kennen wir die Wahl \u2013 und da kann Trennung manchmal der bessere Weg sein, wenn alle anderen friedensstiftenden Ma\u00dfnahmen versagt haben.<\/p>\n<p>Wenn wir mit dieser M\u00f6glichkeit des faulen Friedens unseren Vers noch einmal bedenken, dann hei\u00dft es: \u201eIch bin nicht gekommen, faulen Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, faulen und falschen Frieden zu bringen, sondern die Trennung.\u201c<\/p>\n<p>Aber was ist das denn in dieser Hinsicht: ein fauler oder falscher Friede, gegen den Jesus sich wehrt. Wann ist denn ein Friede falsch?<\/p>\n<p>Das wird im weiteren Abschnitt von Jesus ganz genau erl\u00e4utert. \u201eWer Vater und Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.\u201c (Vers 37)<\/p>\n<p>Das \u201emehr\u201c ist hier das entscheidende Wort. Es geht in unserem Abschnitt um Entscheidungen, die vollzogen werden m\u00fcssen, aber in der Gefahr stehen, nicht vollzogen zu werden. Es gibt, so Jesus, die M\u00f6glichkeit und vielleicht sogar die Notwendigkeit zu Entscheidungen. Wenn jemand vor der Frage steht, welcher Autorit\u00e4t in letzter Hinsicht zu folgen ist, dann, so Jesus, mu\u00df es eine Entscheidung geben. Aber wann ist das? Wann gilt es, eine Trennung zu vollziehen, und wann, gerade das nicht zu tun?<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt auf, da\u00df Jesus hier allgemein bleibt und keine konkreten Situationen benennt. Da\u00df er uns und keinem anderen vorschreibt, wann eine Trennung von den Eltern zu erfolgen hat oder von den Kindern.<\/p>\n<p>Es gibt diese Aufforderungen zur Trennung, zur Wahl zwischen dem Weg des Gehorsams und Treue Jesus gegen\u00fcber und dem Weg, der als Weg des Ungehorsams zu sehen ist. Von drei Konkretionen will ich Ihnen erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Da ist zum einen Jesus selber. Seine Familie h\u00e4lt nichts vom Weg Jesu. Akzeptiert nicht, da\u00df er als Wanderprediger auftritt und J\u00fcnger um sich sammelt. \u201eEr ist von Sinnen\u201c (Mk 3,21), er ist verr\u00fcckt, er spinnt \u2013 so sagen sie sich. Und weil es ihr Sohn bzw. Bruder ist, wollen sie ihn nicht einfach gew\u00e4hren lassen, sondern wollen ihn bewegen, von seinem Weg zu lassen. W\u00e4hrend er \u2013 so berichtet das Markusevangelium \u2013 mit Schriftgelehrten spricht, kommen Mutter und Geschwister Jesu zu ihm und lassen ihn rufen. Also: wollen ihn aus seiner T\u00e4tigkeit herausholen zur\u00fcck in die Familie. Sie wollen nicht nur einfach zu ihm kommen und mit ihm reden, sie wollen ihn aus dem Gespr\u00e4ch, aus seiner T\u00e4tigkeit herausholen. Und dann wird Jesus deutlich: \u201eWer ist meine Mutter und meine Br\u00fcder?\u201c Jesus distanziert sich hier von seiner Familie, nicht aus prinzipiellen Gr\u00fcnden, sondern in einer Situation, in der die Familie von Jesus erwartet, da\u00df er nicht Gott, sondern ihr folgt. Die Familie h\u00e4lt nat\u00fcrlich Jesu Weg nicht f\u00fcr Gottes Weg und kann darum auch Jesu Argumentation kaum verstehen. Aber darum geht es nicht. In Situationen, in denen nach einer Entscheidung gefragt wird, kann man dieser Entscheidung nicht ausweichen, ohne seinen Weg zu verraten. Das also ist die erste Konkretion: Jesus selber hat so gelebt, wie er es hier verk\u00fcndet. Zu anderen Zeiten ist sein Umgang mit der Familie anders gewesen, so steht Maria auch unter dem Kreuz \u2013 ihr scheint Jesu Weg einsichtiger geworden zu sein. Aber am Anfang der T\u00e4tigkeit Jesu ist das noch anders.<\/p>\n<p>Die zweite Konkretion ist der Blick hin zur Reformation. Die Reformatoren, egal ob Luther oder Zwingli oder Calvin, haben die Trennung von der r\u00f6misch-katholischen Kirche nicht erstrebt, nicht gewollt. Vielmehr haben sie das Ziel gehabt, die Kirche zu reformieren, wieder auf den rechten Kurs zu bringen. Oder anders gesagt: Sie haben aufgrund ihrer Erkenntnis der Bedeutung der Rechtfertigungsbotschaft und der Eindeutigkeit der Bibel zu ganz bestimmten Konsequenzen aufgefordert. Sie haben die Trennung von der r\u00f6misch-katholischen Kirche nicht gewollt, aber sie haben sie durchaus in Kauf genommen. Denn in der familia dei, in der Familie Gottes, wie die Kirche immer wieder genannt wird, gilt das Gleiche wie in der normalen Familie: Auch dort gilt, da\u00df in den F\u00e4llen, wo der Gehorsam Gott gegen\u00fcber auf dem Spiel steht, eine Entscheidung und damit eine Trennung vollzogen wird.<\/p>\n<p>Ich nenne eine dritte Konkretion, die etwas ausf\u00fchrlicher. Helmuth James Graf von Moltke, geboren 1907, geh\u00f6rte zu den Gegnern des Nationalsozialismus und sammelte den Kreisauer Kreis um sich. Er wurde im Januar 1944 verhaftet, weil er einen Freund vor dessen bevorstehender Inhaftierung warnte. Am 23. Januar 1945 wurde von Moltke hingerichtet. In einem Brief vom 11. Januar 1945 schreibt er an seine Frau \u00fcber seinen Proze\u00df: \u201eDas Dramatische an der Verhandlung war letzten Endes folgendes: in der Verhandlung erwiesen sich alle konkreten Vorw\u00fcrfe als unhaltbar, und sie wurden auch fallengelassen. Nichts davon blieb. Sondern das, wovor das Dritte Reich solche Angst hat, da\u00df es f\u00fcnf &#8230; Leute &#8230; zu Tode bringen mu\u00df, ist letzten Endes nur folgendes: ein Privatmann, n\u00e4mlich Dein Mann, von dem feststeht, da\u00df er mit zwei Geistlichen beider Konfessionen, ohne die Absicht, irgend etwas Konkretes zu tun, und das ist festgestellt, Dinge besprochen hat, \u201adie zur ausschlie\u00dflichen Zust\u00e4ndigkeit des F\u00fchrers geh\u00f6ren\u2018. Besprochen war: nicht etwa Organisationsfragen, nicht etwa Reichsaufbau &#8230;, sondern besprochen wurden Fragen der praktisch-ethischen Forderungen des Christentums. Nichts weiter; daf\u00fcr allein werden wir verurteilt. Freisler sagte zu mir in einer seiner Tiraden: \u201aNur in einem sind das Christentum und wir gleich: wir fordern den ganzen Menschen!\u2018 Ich wei\u00df nicht, ob die Umsitzenden das alles mitbekommen haben, denn es war eine Art Dialog &#8230; zwischen F.[reisler] und mir &#8230;, bei dem wir uns durch und durch erkannten. &#8230; Nein, es war hier blutiger Ernst: \u201aVon wem nehmen Sie Ihre Befehle? Vom Jenseits oder von Adolf Hitler!\u2018 \u201aWem gilt Ihre Treue und Ihr Glaube?\u2018 Alles rhetorische Fragen nat\u00fcrlich &#8211; &#8230;\u201c(1)<\/p>\n<p>Soweit der Brief von Moltkes an seine Frau. Drei Konkretionen habe ich benannt, in denen mir deutlich geworden ist, wie in der Geschichte der Kirche dieses Wort Jesu verstanden worden ist. Wo bemerkt wurde, da\u00df Entscheidungen getroffen werden m\u00fcssen, die zur Distanzierung von wichtigen Beziehungen f\u00fchren k\u00f6nnen: In der Familie, in der Kirche, im Staat. Es gibt keine Gr\u00f6\u00dfe, keine Beziehung, keine Gegebenheit, die davon ausgenommen w\u00e4re, hier einmal in Frage gestellt zu werden. Es kann die Frage kommen, an jeden und jede unter uns: \u201eHast Du Deine Familie mehr lieb als mich? Hast Du Deine Kirche mehr lieb als mich? Hast Du Dein Land mehr lieb als mich?\u201c<\/p>\n<p>Aber wann diese Frage kommt, wann dieser Aufruf zur Entscheidung und damit zur Trennung kommt, das kann von au\u00dfen nicht wahrgenommen oder beurteilt werden. Es ist auch nicht so, da\u00df der christliche Glaube eine geheime Sehnsucht danach in sich habe, die Trennungen geradezu zu suchen. Nein, keineswegs. Der christliche Glaube ist nicht weltverachtend.<\/p>\n<p>Wann, ob und wie uns die Frage gestellt wird, ob wir Jesus mehr lieb haben als alles andere, haben wir abzuwarten. Wir haben damit zu rechnen, da\u00df so eine Frage an uns herankommt. Sie mu\u00df nicht in solch gro\u00dfen Dingen vonstatten gehen wie in unseren drei Konkretionen. Sie kann auch in kleinen Trennungen, im Loslassen von diesem oder jenem passieren. Es kann vorkommen, da\u00df es Bereiche unseres Lebens gibt, in denen wir, so formuliert es die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung, anderen Herren gehorchen. Wenn wir das erkennen, sind wir zur Umkehr aufgefordert. Im Kleinen, im pers\u00f6nlichen Bereich, aber auch im Gro\u00dfen. Das Christsein kreist nicht im Zentrum um diese Frage. Der christliche Glaube kommt nicht her und f\u00e4ngt nicht an mit einem \u201eNein\u201c. Sondern am Anfang steht das Ja, das Ja Gottes zu uns. Aber dieses Ja Gottes kann ein Nein zu bestimmten Dingen beinhalten.<\/p>\n<p>Damit bleibt der christliche Glaube ein Fremdk\u00f6rper in dieser Welt, der sich nicht einfach in den Lauf der Welt integrieren l\u00e4\u00dft. Jesus Christus ist nicht ein Teil meiner Existenz, sondern er ist Haupt seiner Gemeinde und jedes Einzelnen. Wenn es in der Bibel hei\u00dft, da\u00df die Christenmenschen ein Heimatrecht im Himmel haben (Phil 3,20), dann ist genau das damit gesagt: Von au\u00dfen kommt Gott in diese Welt hinein. Und Christenmenschen wissen darum, da\u00df dieses \u201eau\u00dfen\u201c alles in Frage stellen kann.<\/p>\n<p>Am Anfang der Predigt stellten wir uns die Frage, ob denn nicht gerade unser hartes Wort vom Schwert, das Jesus in die Welt hineingebracht hat, Wasser auf die M\u00fchlen derjenigen ist, die die christliche Botschaft so sehr durchwoben mit der Gewalt sehen, da\u00df sie ihr keinen rechten Glauben mehr schenken k\u00f6nnen. So kann unser Wort verstanden werden, wenn man nicht genau hinschaut. Aber das wollen wir tun. Und gerade der letzte Vers unseres Abschnittes gibt diesbez\u00fcglich Auskunft. \u201eWer sein Leben findet, der wird\u2019s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird\u2019s finden.\u201c<\/p>\n<p>Wer sein Leben findet, das hei\u00dft: Wer sein Leben gefunden hat, festh\u00e4lt und behalten will, der wird es nicht behalten. Wer sein Leben als seinen Besitz ansieht, den es zu verteidigen gilt, notfalls auch mit Waffengewalt, der ist nicht auf der richtigen Spur. Wer den christlichen Glauben als Habitus, als Besitz ansieht, wer immer schon Bescheid wei\u00df, und nicht mehr fragt, was denn der Weg ist, der dem Herrn Jesus Christus angemessen ist, der wird sein Leben verlieren, der befindet sich auf der Seite derer, von denen Jesus sagt, da\u00df sie seiner nicht wert sind.<\/p>\n<p>Und wenn wir mit diesem Blickwinkel die Geschichte der Kirche durchgehen, dann sind im Namen des Gottes, der uns in Jesus Christus sein menschenfreundliches Gesicht gezeigt hat, immer dann menschenverachtende Taten erfolgt, wenn man Gott sozusagen immer schon sicher auf seiner Seite glaubte. Die Parole \u201eGott mit uns!\u201c ist so eine siegesgewisse und zugleich gottverachtende Parole.<\/p>\n<p>Jesus setzt etwas dagegen: Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird\u2019s finden. Wer sich immer wieder die Frage stellt, wo der Glaube dem Herrn des Glaubens entspricht, wer den Glauben nicht als Besitz, sondern als Infragestellung der eigenen Person, des eigenen Glaubens und auch der eigenen Kirche ansieht, dem wird von Jesus Leben, himmlisches Leben verhei\u00dfen. Das kann zu schmerzhaften Trennungen f\u00fchren, das haben wir geh\u00f6rt. Aber die Trennung und der Schmerz sind nicht das letzte Wort. Das letzte Wort darf sein: Domini sumus, Wir geh\u00f6ren dem Herrn. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>PD Dr. Georg Plasger, G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>(1) Zitiert nach: Du hast mich heimgesucht bei Nacht. Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 bis 1945. Hg. v. H. Gollwitzer, K. Kuhn u R. Schneider, M\u00fcnchen 1954, 86f. Den Hinweis auf den Brief von Moltkes verdanke ich D. Nestle, Neues Testament elementar. Texte der Verfolgten. Sprache der Liebe. Wort Gottes, Neukirchen 1980, 23.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21. 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