{"id":21414,"date":"1999-11-15T10:33:06","date_gmt":"1999-11-15T09:33:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21414"},"modified":"2025-04-18T17:05:30","modified_gmt":"2025-04-18T15:05:30","slug":"daniel-12-1b-3-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/daniel-12-1b-3-5\/","title":{"rendered":"Daniel 12, 1b-3"},"content":{"rendered":"<h3>Ewigkeitssonntag | 21. November 1999 | Daniel 12,1b-3 | <span style=\"font-family: Arial;\">J\u00fcrgen Berghaus |<\/span><\/h3>\n<p><b>Liebe Gemeinde !<\/b><\/p>\n<p>Viele von Ihnen sind heute morgen hier in der Kirche, weil sie durch den Tod einen geliebten Menschen verloren haben. Der Totensonntag am Ende des Kirchenjahres bietet sich an als ein wichtiger Schritt unter vielen anderen auf dem Weg der Trauer und der Trauer-\u00dcberwindung. Das schmerzhafte Ereignis ist schon eine gewisse Zeit vorbei, aber so richtig zur\u00fcckgekehrt zur normalen Tagesordnung des Lebens sind wir nun doch noch nicht. Der heutige Gottesdienst will genau dazu einladen, zur R\u00fcckkehr ins normale Leben. Er erinnert an den schmerzhaften Verlust, aber er stellt zugleich mein pers\u00f6nliches Leid in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang. La\u00dft uns also von der Bibel her nach Wegen des Lebens suchen !<\/p>\n<p>Viele von Ihnen sind heute morgen hier in der Kirche, weil sie durch den Tod einen geliebten Menschen verloren haben. K\u00f6nnen Sie sich noch erinnern an die Gef\u00fchle, die das damals bei Ihnen ausl\u00f6ste ? Vielleicht haben Sie das Sterben ja pers\u00f6nlich miterlebt. Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Wohnung oder unterwegs, vielleicht aber auch die lang erwartete Erl\u00f6sung von einem schweren Krankheitsleiden. Pl\u00f6tzlich ist jener Mensch nicht mehr da, dem vorher meine ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung galt. Fast scheint es, da\u00df der Todesfall einen Teil von mir selbst mit weggerissen hat. Wie in einem Erdbeben f\u00fchle ich mich, das vorher Vertraute und Best\u00e4ndige kriegt auf einmal Risse und ist keineswegs so verl\u00e4\u00dflich, wie ich immer dachte. Es scheint nahezu unm\u00f6glich, in solch einer Situation einen klaren Kopf zu behalten &#8211; und wenn es mir gelingt, so doch meistens nur f\u00fcr eine gewisse Zeitspanne, und dann bricht das Chaos nur umso h\u00e4rter \u00fcber mich herein . . .<\/p>\n<p>Unser heutiger Predigttext entstand in einer \u00e4hnlichen Verzweiflungs-Situation. Wir schreiben das Jahr 165 vor Christus. Nach den einander abl\u00f6senden Gro\u00dfreichen der Assyrer, Babylonier, Meder und Perser hatten zuletzt die Griechen unter Alexander dem Gro\u00dfen die damalige Welt erobert und unter sich aufgeteilt. Damit begann ein Zeitalter, in dem der Mensch wie bis dahin nie zuvor die Gr\u00f6\u00dfe und die Grenzen seiner M\u00f6glichkeiten offenbarte. Aufgrund der \u00fcberlegenen, alles durchdringenden Kultur, Technik, Zivilisation und Religiosit\u00e4t der Griechen war eine Art <i>Welteinheitsdenken <\/i>heraufgezogen. Die e i n e Welt und Menschheit, das Ziel und die Vollendung aller geschichtlichen Entwicklungen schien zum Greifen nahe.<\/p>\n<p>Freilich war dies nicht ohne milit\u00e4rischen und auch geistigen Zwang zu erreichen. Die neuen Herrscher trugen deshalb Beinamen wie \u201eEpiphanes\u201c = \u201eauf Erden erschienener Gott\u201c oder \u201eSoter\u201c = \u201eHeiland, Retter\u201c. F\u00fcr Israel zust\u00e4ndig war damals Antiochus IV. Epiphanes. Mit gro\u00dfer Strenge und Konsequenz unterdr\u00fcckte er den j\u00fcdischen Glauben und entweihte ganz bewu\u00dft den Tempel in Jerusalem. Das war Anla\u00df f\u00fcr den Aufstand der Makkab\u00e4er : fromme j\u00fcdische Terroristen, f\u00fcr die Geschichte und Gegenwart keineswegs ruhig dahinflossen und einem heilvollen Endzustand entgegenstrebten. Die Makkab\u00e4er glaubten vielmehr g\u00f6ttliche Bilder zu sehen, in denen die gegenw\u00e4rtige, von vielen als so hoffnungsvoll empfundene Weltzeit brutal zuende geht, um Platz zu machen f\u00fcr das v\u00f6llig neue Reich Gottes.<i> \u201eApokalyptik\u201c<\/i> nennt man diese religi\u00f6se Str\u00f6mung &#8211; wegen der besonderen g\u00f6ttlichen Offenbarung, der sich die zeitkritische Sichtweise verdankt.<\/p>\n<p>Die Johannes-Offenbarung im NT und das Danielbuch im AT sind Beispiele f\u00fcr solchen Denken.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren als P.T. einige Verse aus Daniel 12 (1-3) : (&#8230;)<\/p>\n<p>Rettung &#8211; Auferstehung &#8211; glanzvolles Erinnern : das sind die drei Handlungen, die mit dem erhofften Erscheinen des Engelf\u00fcrsten Michael verbunden werden. \u201eMichael\u201c = \u201eWer ist wie Gott ?\u201c Ein Name als Programm, un\u00fcberbietbare Machtproklamation f\u00fcr den Gott Israels, der seinem Volk hilft auch gegen jene Gottk\u00f6nige, die nur scheinbar das Sagen im Lande haben. Aus aller Not und Bedr\u00e4ngnis will und wird Gott sein erw\u00e4hltes Volk erretten.<\/p>\n<p>L.G., am vergangenen Dienstag sahen sich unsere Konfirmanden den Manforter Friedhof genau an. Gelegentlich fanden wir Grabsteine in Form eines Buches mit den Namen der an dieser Stelle Beerdigten. Was f\u00fcr eine tr\u00f6stliche Vorstellung : Bei Gott sind unser aller Namen aufgeschrieben &#8211; damit ER blo\u00df keinen von uns vergi\u00dft bei seiner Rettungsaktion. Welch tiefes Gottvertrauen weit \u00fcber den Horizont des eigenen Lebens hinaus. Und wenn schon <i>Schindler\u00b4s Liste <\/i>Hunderten von Juden w\u00e4hrend der Nazi-Verfolgung das Leben rettete, wieviel gr\u00f6\u00dfere Rettung wird dann mit <i>Gottes Liste <\/i>verbunden sein, auf der sich unsere Namen und die unserer Verstorbenen geschrieben finden ?<\/p>\n<p>\u201eMichael\u201c = \u201eWer ist wie Gott ?\u201c Eine un\u00fcberbietbare Machtproklamation f\u00fcr den Gott Israels, der nicht an der Grenze des Todes mit seinem Latein am Ende ist, sondern der die Welt diesseits und jenseits der Todesgrenze gestaltet. Nachdr\u00fccklich wird in Dan 12 die von Gott bewirkte Aufersteh-ung angek\u00fcndigt &#8211; es ist die einzige Stelle dieser Art im ganzen AT, zugleich auch die einzige mit der Hoffnung auf das ewige Leben. Umstritten ist unter den Experten die richtige Auslegung. Was hei\u00dft es wohl, da\u00df \u201eviele\u201c auferstehen werden &#8211; sind es \u201eunerme\u00dflich viele\u201c oder nur \u201eviele, aber nicht alle\u201c ? Und gibt es einen doppelten Ausgang bei der Auferstehung &#8211; ewiges Leben auf der einen Seite und ewige Schmach und Schande auf der anderen &#8211; oder gilt das Negative blo\u00df f\u00fcr die, die ihre eigene Auferstehung (aus welchen Gr\u00fcnden auch immer) verschlafen ?<\/p>\n<p>Bei diesen strittigen Punkten sind wir Christen ein gewaltiges St\u00fcck weitergekommen. F\u00fcr uns geh\u00f6rt die Auferstehungshoffnung zum Grundbestand unseres Glaubens. Nicht etwa, weil das eine besonders attraktive Zukunftssicht w\u00e4re, sondern einzig und allein deswegen, weil Jesus Christus auferstanden ist zu Ostern in Jerusalem und uns auf diese Weise den Weg gezeigt hat, den auch wir und unsere Verstorbenen gehen werden. Auferstehung also nicht blo\u00df ein netter Gedanke, ein frommer Wunsch an der Klagemauer des Todes &#8211; sondern vielmehr Auferstehung als in einzigartiger Weise an Jesus vollzogene Machttat Gottes, und als solche Vorbild und Hoffnung f\u00fcr unsere eigene Zukunft. Da\u00df mit dem Tode alles aus und vorbei ist <i>oder <\/i>da\u00df es danach noch jede Menge Wiederverk\u00f6rperungen in anderer Gestalt gibt &#8211; \u00fcber solche Ideen l\u00e4\u00dft sich trefflich streiten, man kann sie glauben oder auch nicht. Aber da\u00df Jesus Christus auferstanden ist und auf diesem Weg den Toten aller Zeiten vorangeht &#8211; diese christliche Grundhoffnung entspringt nicht irgendeinem schlauen Kopf, sondern sie zieht eindeutige Konsequenzen aus einem geschichtlichen Ereignis, das wie kein anderes in der Bibel vielstimmig bezeugt ist und dem zu vertrauen wir alle eingeladen sind.<\/p>\n<p>La\u00dft uns darum niemals irre werden an der Auferstehungshoffnung. So sieht eben der besondere Weg Gottes aus, seine Liebe zu uns auch jenseits der Todesgrenze lebendig und kr\u00e4ftig zu erhalten. Es ist also nicht aus und vorbei mit unseren Verstorbenen, und sie f\u00fchren auch kein neues Leben als Regenwurm oder Kaninchen &#8211; sondern sie warten mit uns zusammen auf die Auferstehung der Toten und werden dann als jene einzigartigen Menschen, die sie zu Lebzeiten waren, in das ewige Leben eingehen &#8211; nun aber nicht mehr eingeschr\u00e4nkt durch Krankheit, Leiden und Tod.<\/p>\n<p>\u201eMichael\u201c = \u201eWer ist wie Gott ?\u201c Ein Name als Programm, un\u00fcberbietbare Machtproklamation f\u00fcr den Gott Israels, der keinen Menschen verloren gibt und der uns dazu einl\u00e4dt, es ebenso zu halten. L.G., wir sind die Fachleute f\u00fcr Erinnerungen, wir sind die verantwortlichen Gestalter des Ged\u00e4cht-nisses unserer Toten. Wir selbst haben es in der Hand, ob unsere Verstorbenen leuchten wie der tag-helle Himmel und gl\u00e4nzen wie die Sterne f\u00fcr ewige Zeiten. Als es noch keine elektronischen Navigationsinstrumente gab, da orientierten sich die Seefahrer an den Sternen, um ihren Weg durch das wilde Meer zu finden. W\u00e4re das nicht auch eine gute Handlungsanweisung f\u00fcr uns ? Als leuchtende Sterne am Himmel k\u00f6nnen mir meine Verstorbenen doch viel besser weiterhelfen, als wenn ich sie wie eine schwere Last auf dem Buckel mit mir herumtragen m\u00fc\u00dfte. Sie sind dort oben, und ich bin hier unten &#8211; wir bleiben auf Sichtweite, aber wir behindern uns nicht gegenseitig. Gebe Gott unseren Toten ihren Platz im Himmel, auf da\u00df wir mit Blick zu ihnen weiterleben k\u00f6nnen ! (&#8230;)<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>J\u00fcrgen Berghaus, Pfr.<br \/>\nEv. Johanneskirche, LEV-Manfort<br \/>\n<a href=\"mailto:eki-manfort@telda.net\">E-Mail: eki-manfort@telda.net<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=991121-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewigkeitssonntag | 21. November 1999 | Daniel 12,1b-3 | J\u00fcrgen Berghaus | Liebe Gemeinde ! Viele von Ihnen sind heute morgen hier in der Kirche, weil sie durch den Tod einen geliebten Menschen verloren haben. 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