{"id":21423,"date":"1999-11-15T10:37:55","date_gmt":"1999-11-15T09:37:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21423"},"modified":"2025-04-17T10:23:33","modified_gmt":"2025-04-17T08:23:33","slug":"offenbarung-51-5-6-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-51-5-6-14-2\/","title":{"rendered":"Offenbarung 5,1-5 (6-14)"},"content":{"rendered":"<h3>1. Advent | 28. November 1999 | Offenbarung 5,1-5 (6-14) |\u00a0<span style=\"font-family: Arial;\">Henry von Bose |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wie sieht die Zukunft aus? Welche Bilder machen sich die Menschen von der Zukunft der Welt? Solche Bilder geh\u00f6ren zu einem bewu\u00dften Wahrnehmen von Zeit. Selten wird das Vergehen von Zeit so deutlich erlebt wie jetzt am Jahrtausendwechsel.<\/p>\n<p>Am 1. Advent, heute, beginnt ein Kirchenjahr, dessen Z\u00e4hlung schon in das neue Jahrtausend hineinreicht: das Kirchenjahr 1999\/2000. In dem Predigttext f\u00fcr diesen Sonntag werden \u00fcberraschend klare und \u00fcberw\u00e4ltigend sch\u00f6ne Zukunftsbilder gezeigt. Ihre Beschreibung h\u00f6rt sich geheimnisvoll fremd an.<\/p>\n<p>In der Offenbarung des Johannes \u00f6ffnet sich eine \u00fcberaus bewegte Szene im Thronsaal Gottes. Der Thron wird beschrieben, der Seher Johannes ist in den Himmel gef\u00fchrt worden und darf ihn sehen; er kann ihn beschreiben in seiner ganzen Herrlichkeit. Gottes Thron ist umspannt von einem Regenbogen, \u201eanzusehen wie ein Smaragd\u201c (4,3). Der Regenbogen ist das uralte Zeichen f\u00fcr den ewigen Bund, den Gott zur Zeit Noahs und der Sintflut zwischen sich und allem geschlossen hat, was auf der Erde lebt. Sich selbst wollte Gott mit diesem bunten Lichtbogen in den von der Sonne beschienenen Wetterwolken w\u00e4hrend der ganzen jahrtausendlangen Geschichte der Sch\u00f6pfung an seinen Bund erinnern (1. Mose 9, 12-17). Zum Erweis dessen, dass er seinen Bund nie vergessen hat \u2013 der Bund gilt weiter \u2013, l\u00e4\u00dft Gott den Regenbogen \u00fcber seinem Thron stehen \u2013 ein Zeichen des ewigen Friedens zwischen Gott und der Sch\u00f6pfung. Der Regenbogen steht f\u00fcr die nicht endende Treue Gottes.<\/p>\n<p>Jetzt sieht ihn Johannes \u00fcber Gottes Thron. Um den Thron im himmlischen Saal werden \u00c4lteste, Gestalten und Engel beschrieben. Alle haben ihren Platz in einer beziehungsreichen Ordnung. In der Mitte des Geschehens wird Gott gehuldigt, ihm wird Ehre erwiesen und Dank gesagt. Gott wird angebetet: \u201eHerr, unser Gott, du bist w\u00fcrdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen\u201c (4,11). Dann hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eUnd ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sa\u00df, ein Buch, beschrieben innen und au\u00dfen, versiegelt mit sieben Siegeln.<\/p>\n<p>Und ich sah einen starken Engel, der rief mit gro\u00dfer Stimme: Wer ist w\u00fcrdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?<\/p>\n<p>Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen.<\/p>\n<p>Und ich weinte sehr, weil niemand f\u00fcr w\u00fcrdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen.<\/p>\n<p>Und einer von den \u00c4ltesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat \u00fcberwunden der L\u00f6we aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.\u201c (5, 1-5)<\/p>\n<p>F\u00fcr den Seher erschlie\u00dft sich eine ersch\u00fctternde Erfahrung. Alle Aufmerksamkeit gilt einem Buch mit sieben Siegeln. Niemand, wirklich niemand ist w\u00fcrdig, die Siegel zu brechen, das Buch zu \u00f6ffnen und darin zu lesen. Das ist f\u00fcr den Seher zum Weinen. Er darf von dem Zeugnis geben, was sich im Thronsaal Gottes ereignet, und darf doch nur zusehen. Er muss erkennen, wie gro\u00df der Abstand zwischen Gott und allen anderen in der Sch\u00f6pfung ist. Un\u00fcberbr\u00fcckbar gro\u00df ist dieser Abstand. Das l\u00f6st seine Tr\u00e4nen. Nicht w\u00fcrdig sind alle \u00fcberall, das Buch \u201eaufzutun und hineinzusehen\u201c: niemand darf Einblick nehmen in den Plan Gottes. Was aus der Sch\u00f6pfung werden soll, was Gott mit ihr vorhat, kann niemand wissen. Allen bleibt es verschlossen. Johannes\u2018 Tr\u00e4nen k\u00fcnden die Machtlosigkeit der Menschen vor Gott.<\/p>\n<p>Denn um Macht geht es hier. Ein Buch mit sieben Siegeln ist eine Urkunde; innen und au\u00dfen beschrieben, doppelt also, zur Best\u00e4tigung wird der Inhalt auf der H\u00fclle wiederholt, vor Verf\u00e4lschung gesichert. In den weiteren Kapiteln der Offenbarung des Johannes wird deutlich, dass dieses eine Buch die Zukunft von Himmel und Erde enth\u00fcllt: Wer seine Siegel l\u00f6sen kann, der wei\u00df, was darin steht, der kennt die Zukunft, der hat die Macht \u00fcber die Zukunft. Der hat alle Macht in seiner Hand.<\/p>\n<p>Menschen und alle g\u00f6ttlichen Wesen, so nah sie Gott in ihrer Anbetung sein d\u00fcrfen, bleiben hier au\u00dfen vor. Ihnen fehlt die W\u00fcrde, die Macht, in Gottes versiegeltes Buch, in die Zukunft zu sehen, die er bestimmt.<\/p>\n<p>Aber die Blicke derer, die Johannes\u2018 Beschreibung dieser Szene im Himmel betrachten, werden auf den weinenden Seher gelenkt. Damit wird ihnen zugleich der tiefe Sinn dieser Offenbarung erschlossen. Gottes Macht, alle Zukunft zu bestimmen, \u00e4u\u00dfert sich im Trost f\u00fcr den einzelnen Menschen. \u201eWeine nicht!\u201c Zur Begr\u00fcndung weist der \u00c4lteste Johannes in seiner Ersch\u00fctterung auf Jesus Christus. \u201eDer L\u00f6we aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids\u201c \u2013 die Familie Jesu geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten in Israel, ihre Geschichte reicht bis zu den Anf\u00e4ngen der 12 St\u00e4mme. Als Jakob sie segnete, hat er sie alle beim Namen genannt, sie in ihrer Eigenart beschrieben und ihnen die Zukunft aufgedeckt. \u201eJuda ist ein junger L\u00f6we\u201c (1. Mose 49,9). Hier in der gro\u00dfen Endzeitvision klingt es wieder an. Von Juda stammt David ab und Jesus, der Messias. \u201eEr hat \u00fcberwunden\u201c \u2013 Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi kommen in den Blick. Er hat \u00fcberwunden und deshalb hat er von Gott, dem Vater, die Macht, die Siegel zu l\u00f6sen und das Buch zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>\u201eUnd ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den \u00c4ltesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet\u201c. Das darf der Seher ebenfalls betrachten. \u201eChriste, du Lamm Gottes, der du tr\u00e4gst die S\u00fcnd der Welt\u201c: Das Bild f\u00fcr die Befreiung der Menschen von ihrer Schuld. Der Regenbogen \u00fcber dem Thron und vor ihm das Lamm \u2013 das sind die tr\u00f6stenden Bilder f\u00fcr den ersch\u00fctterten Seher.<\/p>\n<p>Der Trost bleibt das Innerste der Zukunftsschau am Thron Gottes. Das Lamm bricht die einzelnen Siegel des Buches. Auf dem H\u00f6hepunkt, als es an das siebente Siegel kommt, \u00f6ffnet sich eine nicht zu \u00fcberbietende Verhei\u00dfung. Ein Bild von der Zukunft der Menschen bei Gott wird beschrieben, das alle Schrecken \u00fcberwindet, und jede Angst wegnimmt. Aus dem Zusehen w\u00e4chst Zuversicht. Dieses Bild tr\u00f6stet wie kein anderes in der Sorge um die Zukunft der Welt.<\/p>\n<p>Eine unz\u00e4hlbar gro\u00dfe Schar \u201eaus allen Nationen und St\u00e4mmen und V\u00f6lkern und Sprachen\u201c steht vor dem Thron (7,9), betet an und h\u00f6rt nach anderen Verhei\u00dfungen zuletzt die h\u00f6chste: \u201eDas Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen.\u201c (7,17)<\/p>\n<p>Das wird am Ende wiederholt, wie zum Beweis, dass wirklich dies in der Zukunft, die Gott herbeif\u00fchrt, das Wichtigste ist: der Trost f\u00fcr die Leidenden, f\u00fcr die in der Tiefe ihres Empfindens Ersch\u00fctterten.<\/p>\n<p>Am Ende des Buches der Offenbarung des Johannes f\u00fchrt der Seher den Betrachtenden das Bild vom neuen Jerusalem vor Augen, \u201edie heilige Stadt\u201c, \u201evon Gott aus dem Himmel herabgekommen\u201c (21,2).<\/p>\n<p>\u201eUnd ich h\u00f6rte eine gro\u00dfe Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die H\u00fctte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron sa\u00df, sprach: Siehe, ich mache alles neu!\u201c (21,3-5)<\/p>\n<p>Zwischen Gott und der ganzen Sch\u00f6pfung ist so lange ein weiter Abstand, wie er selbst ihn nicht schlie\u00dft. Der Anfang daf\u00fcr ist von Gott gemacht: Er hat den Regenbogen in die Wolken gesetzt, er hat der Welt seinen Sohn zum Retter gegeben. Vielen einzelnen in allen Generationen seitdem hat Gott seine N\u00e4he geschenkt, indem er sie durch sein Wort zum Glauben gef\u00fchrt hat. Das tut er auch heute. Zum Bekenntnis des christlichen Glaubens geh\u00f6rt die Erwartung, dass Gott einmal, zu seiner daf\u00fcr bestimmten Zeit, zu der Menschheit und der ganzen Sch\u00f6pfung kommt und sie erl\u00f6st.<\/p>\n<p>Der Glaube macht die Menschen ebenso empfindlich f\u00fcr Leid wie empfindlich f\u00fcr Zeit. Die Offenbarung des Johannes kann verstanden werden als eine \u201eVision von der befristeten Zeit\u201c (J. B. Metz). Sie tr\u00f6stet mit dem Blick auf das Ende, an dem Gott alles neu macht. Sie bringt aber auch in Bewegung, weil sie die Einsicht vermittelt, dass noch Zeit ist, noch eine Frist gegeben ist, die Sch\u00f6pfung nach Kr\u00e4ften zu bewahren und die Lebensverh\u00e4ltnisse gerechter zu ordnen.<\/p>\n<p>Der Advent er\u00f6ffnet das neue Kirchenjahr auf Weihnachten und sp\u00e4ter Ostern und Pfingsten zu. Er bringt uns von Neuem die Hoffnung nah, dass Gott die Zukunft der Welt bestimmt; er st\u00e4rkt in der Kraft des Heiligen Geistes den Glauben, dass Gott den Anbruch des neuen Himmels und der neuen Erde mit dem Trost f\u00fcr alles Leid auf der alten Erde verbindet; er befreit uns aber auch zu der Liebe, mit der wir Gottes Sch\u00f6pfung insgesamt neu sehen lernen.<\/p>\n<p>Trost und die Kraft zu neuer Verantwortung geh\u00f6ren zusammen. Des Sehers Tr\u00e4nen werden im himmlischen Thronsaal getrocknet, in dem das Bekenntnis zu Gottes Sch\u00f6pfermacht erklingt. Der Advent weckt mit seiner Botschaft von dem Trost, dass Gott zu seiner Zeit kommt, von neuem Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung. Diese Verantwortung geht auch von den Fragen nach der Zukunft aus, die sich immer mehr Menschen stellen, \u2013 heute erst recht beim bewu\u00dften Wahrnehmen der Zeit am Jahrtausendwechsel. Bei Vielen w\u00e4chst die Einsicht, dass durch die Wirtschaftsweise und den Lebensstil eines Teils der Weltbev\u00f6lkerung der Sch\u00f6pfung kaum wieder gutzumachender Schaden zugef\u00fcgt worden ist. Angst vor der Zukunft greift um sich. Von ihr ist der Glaube im Advent besonders herausgefordert. Solche Angst gilt es aufzunehmen und wom\u00f6glich zu \u00fcberwinden. Die Energie solcher Angst gilt es umzuleiten in die Bereitschaft zu Ver\u00e4nderung. Dem Aberglauben ist in den Kirchengemeinden und von ihnen aus zu widersprechen, es sei bereits zu sp\u00e4t, das vom Menschen selbst herbeigef\u00fchrte Ende, und das hie\u00dfe doch: das Verderben der Sch\u00f6pfung sei nicht mehr aufzuhalten.<\/p>\n<p>Ebenso ist aber denen zu widersprechen, die Nachrichten so in Umlauf bringen, als sei beruhigtes Zur\u00fccklehnen angesagt. Auch dieser Widerspruch geh\u00f6rt zur Verantwortung im Advent. Ich gebe zwei Beispiele. Da wird von den daf\u00fcr bestellten Fachleuten, den \u201eWeisen\u201c im Lande, f\u00fcr das kommende Jahr ein h\u00f6heres Wirtschaftswachstum vorausgesagt. Das klingt in den knappen Nachrichten so wie vor Jahren schon. Es geht also wieder aufw\u00e4rts, Wachstum ist doch noch m\u00f6glich. Die beklemmende Voraussage seit den fr\u00fchen 70er Jahren, das Wachstum sei an seine Grenzen gekommen, wird abermals \u00fcberh\u00f6rt. Sie drohen ohne Folgerungen f\u00fcr politische Entscheidungen zu bleiben. Weiterhin n\u00e4hren solche Wachstumsvoraussagen die Erwartung dauerhafter Entwicklungen, die auch sp\u00e4teren Generationen zugute kommen. Eben diese Erwartung ist aber l\u00e4ngst und wird aktuell zum Jahrtausendwechsel von Zukunftsforschern erneut ernsthaft angezweifelt. Es sieht mit den Frischwasserreserven der Welt, mit der Fruchtbarkeit des Agrarlandes und der Umweltbelastung der W\u00e4lder weltweit, mit den Fischbest\u00e4nden der Meere und den Vorr\u00e4ten an Rohstoffen alarmierend schlecht aus. Unverantwortliche Ausbeutung steht dauerhafter Entwicklung besserer Lebensverh\u00e4ltnisse entgegen. Wer also heute von Wirtschaftswachstum in unserem Land spricht, ist zu fragen, ob es wirklich frei von weiterer unverantwortlicher Sch\u00f6pfungsbelastung erzielt werden wird. Was kostet der notwendige, aber heilsame Verzicht auf Ausbeutung? Was bedeutet solcher Verzicht f\u00fcr den Lebensstil? Das geh\u00f6rt zu den Fragen im Advent.<\/p>\n<p>Das zweite Beispiel ist ebenso aktuell: Viele Menschen in unserem Land haben im Sommer sehr viel Geld f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge im Kosovo gegeben. Zahlreiche Kirchengemeinden tun es weiter f\u00fcr Aufbauprojekte in dem zerst\u00f6rten Land, die langfristig R\u00fcckkehr und Lebensm\u00f6glichkeiten aller Fl\u00fcchtlinge er\u00f6ffnen sollen. Die kirchlichen und anderen Hilfsorganisationen mit Erfahrungen vor Ort melden unzweifelhaft, vor dem Winter k\u00f6nnen nicht mehr Fl\u00fcchtlinge ins Land kommen, als jetzt schon zur\u00fcck sind. Die Diakonie verantwortet mit dem Geld der Kirchengemeinden wirkungsvoll eigene Wiederaufbauprojekte in verschiedenen Landesteilen des Kosovo. Dennoch urteilte der Bundesinnenminister im Herbst: R\u00fcckkehr ist m\u00f6glich, jetzt. Die Innenministerkonferenz erkl\u00e4rte daraufhin Ende Oktober die Aufenthaltsbefugnis der im Kontingent aufgenommenen Kosovofl\u00fcchtlinge f\u00fcr beendet. Die einzelnen L\u00e4nder versandten Briefe an die Fl\u00fcchtlinge mit der Aufforderung, innerhalb von vier Wochen auszureisen und in ein Land zur\u00fcckzukehren, in dem sie allermeist dem Winter schutzlos ausgeliefert sein werden. Ihnen drohe zwangsweise Abschiebung, wenn sie unser Land nicht verlassen. Die Diakonie hat in ihrer Fl\u00fcchtlingsarbeit keine L\u00f6sung des Widerspruchs zwischen der Kenntnis von der Lage im Kosovo und ihrer Einsch\u00e4tzung durch die Minister gefunden. Deshalb hat sie zusammen mit anderen Hilfsorganisationen in der \u00d6ffentlichkeit darum gebeten, dass die Fl\u00fcchtlinge den Winter \u00fcber noch bei uns im Land bleiben d\u00fcrfen und erst ab dem n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr freiwillig zur\u00fcckkehren sollten. Wir sind froh, dass die Innenministerkonferenz vor einer Woche ihre Beschl\u00fcsse von Ende Oktober ge\u00e4ndert und der Bitte der Diakonie und anderer entsprochen hat. Erst im Fr\u00fchjahr 2000 sollen die Fl\u00fcchtlinge ins Kosovo zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Keiner darf sich mit Einsch\u00e4tzungen von Politikern zufrieden geben, die auf Schutz angewiesene Fl\u00fcchtlinge wie eine Bedrohung des \u00f6ffentlichen Lebens erscheinen lassen. Auch dagegen anzugehen, geh\u00f6rt zur Verantwortung im Advent.<\/p>\n<p>Im Lied \u201eAlle Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und gro\u00dfe Treu\u201c hei\u00dft es: \u201eTreib aus, o Licht, all Finsternis, &#8230;und reich uns Tag und Nacht dein Hand, zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.\u201c (Vers 3 \u2013 4)<\/p>\n<p>Erleben wir uns getr\u00f6stet und zur Verantwortung neu befreit, dann erkennen wir darin auch etwas von der Sch\u00f6pferkraft Gottes. Beides, Trost und die Kraft zur Verantwortung, wendet er aus der Hand zu, die in der Vision des Johannes das Buch mit den sieben Siegeln h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a name=\"entscheid\"><\/a>Entscheidungen f\u00fcr die Predigt:<\/p>\n<p>Ich habe mich f\u00fcr die k\u00fcrzere Fassung der Perikope entschieden, um Kapitel 4 noch mitber\u00fccksichtigen zu k\u00f6nnen. Lediglich 5,6a habe ich einbezogen, um das Lamm-Motiv zur Verst\u00e4rkung von 5,5 zu gewinnen. Exegetisch liegt mir an der Verbindung von 5,4. 7,17 und 21,4: So kann das zum Tragen kommen, was A. Gr\u00f6zinger in GPM 48, 1993 die \u201eseelsorgerliche Dimension\u201c bei der Ber\u00fccksichtigung des Weinens nennt. Dogmatisch leitet mich J. B. Metz\u2018 Verst\u00e4ndnis des Glaubens mit seiner Leid- und Zeitempfindsamkeit sowie der Apokalyptik als \u201eVision von der befristeten Zeit\u201c (kurz zusammengefa\u00dft in: Gotteskrise. Versuch zur \u201egeistigen Situation der Zeit\u201c in: Diagnosen zur Zeit, D\u00fcsseldorf 1994). Homiletisch lege ich entsprechend den Akzent auf die Verbindung von Trost und Verantwortung.<\/p>\n<p>Henry von Bose, Kirchenrat<br \/>\nKlopstockweg 13, 72076 T\u00fcbingen<br \/>\n<a href=\"mailto:vonBose.H@diakonie-wuertemberg.de\">e-mail: vonBose.H@diakonie-wuertemberg.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Advent | 28. November 1999 | Offenbarung 5,1-5 (6-14) |\u00a0Henry von Bose | Liebe Gemeinde, wie sieht die Zukunft aus? Welche Bilder machen sich die Menschen von der Zukunft der Welt? Solche Bilder geh\u00f6ren zu einem bewu\u00dften Wahrnehmen von Zeit. Selten wird das Vergehen von Zeit so deutlich erlebt wie jetzt am Jahrtausendwechsel. 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