{"id":21429,"date":"1999-12-15T10:40:54","date_gmt":"1999-12-15T09:40:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21429"},"modified":"2025-04-17T10:18:39","modified_gmt":"2025-04-17T08:18:39","slug":"roemer-154-13-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-154-13-7\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 15,4-13"},"content":{"rendered":"<h3>3. Advent | 12. Dezember 1999 | R\u00f6mer 15,4-13 | <span style=\"font-family: Arial;\">Jan Christian Vaessen |<\/span><\/h3>\n<p><b>Hinweise zu den Lesungen und zur Exegese: <\/b><\/p>\n<p>Lesungen: R\u00f6mer 15,4-13 und Offenbarung 21,1-5. In Holland lesen wir auf dem Weg zum neuen Millennium in der Evangelischen Kirche das Buch Offenbarung. Deshalb habe ich versucht, die R\u00f6merlesung f\u00fcr die Offenbarungslesung fruchtbar zu machen. Ich glaube, wir verstehen die Offenbarung besser vom R\u00f6merbrief aus und umgekehrt. Und dann geht es besonders um die Beziehung von Juden und Christen. Wenn diese Beziehung geheilt ist und wir zusammen den Messias erwarten, dann entsteht eine wirklich neue Liebe, die nur von dem Allerh\u00f6chsten, dem Sch\u00f6pfer von Himmel und Erde, kommen kann und darum &#8211; auch schon in der Gegenwart &#8211; als Fundament des kommenden Reichs Gottes dienen kann.<\/p>\n<p><b>Liebe Gemeinde, <\/b><\/p>\n<p>&#8222;Siehe, ich mache alles neu, sprach er, der auf dem Throne sa\u00df&#8220;. Das ist die typische Weise, wie Johannes im Buche Offenbarung den Allerh\u00f6chsten andeutet. Er sagt nicht &#8222;Gott&#8220;, er sagt auch nicht &#8222;der Gott Israels&#8220; oder &#8222;der Vater von Jesus&#8220; oder &#8222;der Allerh\u00f6chste, Sch\u00f6pfer von Himmel und Erde&#8220;. Nein, ein Wort ist zu wenig und auch ein Ausdruck nur mit Substantiven gen\u00fcgt nicht. Johannes deutet Gott an mit einem ganzen Satz, und er ben\u00fctzt dabei Substantiv, Pronomen, Verbum, Pr\u00e4position, Artikel und mehr: &#8222;der auf dem Throne sa\u00df&#8220;. Und sogar das gen\u00fcgt nicht, um den Allerh\u00f6chsten zu beschreiben. Johannes versucht das eigentlich auch gar nicht. Der Allerh\u00f6chste ist immer gr\u00f6\u00dfer, als wir je mit unseren beschr\u00e4nkten F\u00e4higkeiten verstehen k\u00f6nnen. Das ist die typisch j\u00fcdische Weise, wie man mit Gott umgeht: Fixiere ihn nicht in einem Bild, um ihn anzubeten, denn das geht schief. Er ist immer mehr, als das was wir mit einem Bild festlegen k\u00f6nnen. Darum verlass dich auf sein blo\u00dfes Dasein und seine Hilfe gerade in den Situationen, die du selber nicht mehr verstehen kannst und die dich verwirren.<\/p>\n<p>Der Thron, so steht es im Anfang des Buches &#8222;Offenbarung&#8220; (4:6), stand vor &#8211; oder in enger Beziehung mit &#8211; so etwas wie einem gl\u00e4sernen Meer und rings um den Thron waren vierundzwanzig \u00c4lteste und vier Tiere. Die vierundzwanzig \u00c4ltesten sind die zw\u00f6lf St\u00e4mme Israels und die zw\u00f6lf Apostel Jesu. Die vier Tiere sind die vier Evangelisten. Das Meer verweist auf den Anfang der Sch\u00f6pfung, als die Erde noch w\u00fcst und leer war und der Geist Gottes \u00fcber den Wassern schwebte. Der Thron steht vor einem<i>gl\u00e4sernem<\/i> Meer, das hei\u00dft einem Wasser, worin man nicht ertrinken kann, das Urwasser, worin kein Zeichen von Chaos und Tod zu entdecken ist, die Bestimmung, die Gott seiner guten Sch\u00f6pfung mitgegeben hat. Wenn dann am Ende sich alle Plagen vollzogen haben, wenn aller Streit zwischen Gutem und Schlechtem beendet ist, dann erscheinen der neue Himmel und die neue Erde. Das Fundament des K\u00f6nigreichs Gottes ist nur Freude und Friede, Liebe ohne Angst. Und dieses Reich meint nicht nur den Thron des Allerh\u00f6chsten und die \u00dcberwindung von Chaos und Tod (15:2), sondern das ganze Universum mit allen Kreaturen, die sich darin befinden. &#8222;Siehe, ich mache alles neu&#8220;.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re Sie richtig, wenn Sie denken: &#8222;Es wird Zeit, dass alles neu wird. Ich frage mich oft, wann, o Gott? Das Warten dauert schon so lange. Es gibt Leiden, Unsicherheit, Verwirrung in und um uns herum. So hast Du Deine Sch\u00f6pfung doch nicht gemeint und gewollt! So viele Menschen, V\u00f6lker, Kirchen, die bis auf den Tod Kriege f\u00fchren und einander nicht das Brot zum t\u00e4glichen Leben g\u00f6nnen, so viele Religionen, die ihren eigenen Platz statt Deinen Frieden verteidigen mit Mord und Totschlag. Was ist denn dies f\u00fcr eine Welt, worin wir Dein Reich von Frieden und Liebe bauen m\u00fcssen. Das geht doch gar nicht!&#8220;<\/p>\n<p>Ich schlage vor, wir sollten wieder einmal Paulus, ja, den alten Paulus, um Rat fragen. Der Brief, den Paulus an die R\u00f6mer geschrieben hat, will eigentlich nur eines: die Vers\u00f6hnung zwischen Juden und Christen bearbeiten. Kurz und gut: Jesus ist vor allem gekommen f\u00fcr die Juden. Keiner kann das leugnen. Und wie Gott immer in den unm\u00f6glichsten Situationen sein Volk bewahrt hat, so wird Er das auch immer tun. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob das Volk sein Heil vom Allerh\u00f6chsten erwartete oder nicht. Wie viel goldene K\u00e4lber sind von dem Volk verehrt worden im Laufe der Jahrhunderte? Wie oft haben sie Gott f\u00fcr ihre eigenen Zwecke benutzt und vergessen, dass man Gott nicht in irgend einem Bild oder auf irgend einen Zweck festlegen kann? Hat Er darum das Volk fallen gelassen? Nein! Sehr oft war es nur ein kleiner Rest, der \u00fcberblieb, aber immer wieder lie\u00df der Gott Israels sein Volk wachsen, neue Lebensf\u00e4higkeit gewinnen. Auch, selbst das Faktum, dass sie Jesus nicht als ihren Messias annehmen, \u00e4ndert nichts an der Liebe Gottes f\u00fcr sein eigenstes Volk: Israel. Diese Liebe wird immer bleiben, wie sie auch immer gewesen ist. Das ist die Botschaft des Paulus an die Nicht-Juden, die Christen geworden sind: seid Euch bewusst des Platzes in Euerer Beziehung zu dem Volk Gottes und versucht nie, aber auch wirklich nie, diesen Platz einzunehmen! G\u00f6nnt es den Juden, Gott ganz nah zu sein! G\u00f6nnt es ihnen, anders zu sein! Das ist das Evangelium Christi.<\/p>\n<p>Und zu den Juden sagt Paulus, erinnert euch an das goldene Kalb! Bindet den Allerh\u00f6chsten nicht fest an alte Gesetze, die heute vielleicht nicht mehr so viel n\u00fctzen. Seid weitherzig zu Andersdenkenden, wie der Herr lange zu euch weitherzig gewesen ist. Ist Er nicht der Sch\u00f6pfer von Himmel und Erde, der allerh\u00f6chste Gott von allen V\u00f6lkern? Also g\u00f6nnt dann auch den Anderen seine N\u00e4he und traut es eurem Gott zu, dass Er seine sonderbaren Wege gehen wird, um Sein Reich zu bauen &#8211; in unserem ganzen Universum und f\u00fcr alle Kreaturen, denen er darin das Leben gegeben hat. Auch das ist das Evangelium Christi.<\/p>\n<p>Wie lange noch o Gott? Was sind die Bedingungen? Wie k\u00f6nnen wir Dein Reich hier auf Erden ein bisschen vorbereiten und ihm Gestalt geben? Paulus sagt: ich bete zu Gott, der unser aller Hoffnung ist, dass er euch erf\u00fcllt mit aller Freude und mit Frieden im Glauben und dass Ihr \u00fcberstr\u00f6mt an Hoffnung in der Kraft des heiligen Geistes. Was ist die Bedingung in dem R\u00f6merbrief, um die Freude und Frieden des Allerh\u00f6chsten zu empfangen? Dass Juden und Christen einander akzeptieren zu Ehren Gottes wie Christus uns alle &#8211; Juden und Christen &#8211; angenommen hat. Ja, und so kommen wir zur\u00fcck zum Buch der Offenbarung, denn da finden wir vierundzwanzig \u00c4lteste rings um den Thron. Die zw\u00f6lf Stamme Israels und die zw\u00f6lf Apostel Jesu singen einig den Lobgesang f\u00fcr ihn, der auf dem Thron sitzt. Die Freude und der Frieden des K\u00f6nigreichs Gottes finden eine Gestalt in der wechselhaften und liebevollen Annahme von Juden und Christen, die zusammen den Allerh\u00f6chsten, den Gott von Himmel und Erde, ehren und den Messias erwarten. Das ist es, was die vier Tiere &#8211; die vier Evangelisten &#8211; uns berichten als Evangelium Christi. Das Evangelium, das durch die Kraft des heiligen Geistes realisiert werden wird, bevor der neue Himmel und die neue Erde kommen werden.<\/p>\n<p>Wie lange noch? Das wei\u00dft keiner. Den Tag, wann er kommen wird, wei\u00df nur der, der auf dem Throne sitzt, und auf ihn kann keiner auch nur den geringsten Einfluss aus\u00fcben. Selbst Jesus vermag das nicht.<\/p>\n<p>Die Bedingungen? Weit denkende Weitherzigkeit, die die Liebe des Allerh\u00f6chsten jedem g\u00f6nnt, der sie empfangen will. Und da haben wir ein bisschen Einfluss, ja, da k\u00f6nnen wir etwas Wichtiges tun.<\/p>\n<p>Das erste, was wir als Christen mitten im Streit zwischen Gut und B\u00f6se tun k\u00f6nnen, ist, dass wir unser Heil von dem erwarten, der auf dem Thron sitzt. Er, der allen unseren Verstand \u00fcbersteigt, wird uns Freude und Frieden geben, die allen Verstand \u00fcbersteigen wird. Keiner fordert uns auf, Jude zu werden, aber weil wir den Juden ihr eigenen Platz bei Gott g\u00f6nnen, d\u00fcrfen auch wir unser eigenen Platz bei Gott einnehmen und g\u00f6nnen jedem Anderem seinen eigenen Platz bei Gott. Als Christen d\u00fcrfen wir uns den j\u00fcdischen Glauben und sein Vertrauen zu eigen machen, dass Gott seine Sch\u00f6pfung gut gemacht hat und auch zu ihrer Bestimmung bringen wird, trotz allem B\u00f6sen, das hinein gekrochen ist. Er hat sogar den Tod \u00fcberwunden, als er Jesus nach dem Kreuz zum Leben bestimmt hat. Das gibt Dir und mir eine herrliche Entspannung, das Leben ruhig anzugehen, mit gutem Mut anzupacken. Dann streitest Du auch nicht um Dein eigenes Recht oder um die Existenz Deiner eigenen Kirche. Nein, du wirst leben aufgrund des Vertrauens, ja eben des Urvertrauens, das st\u00e4rker ist als jedes Chaos, als der Tod und das B\u00f6se zusammen. Ich erfahre das selber so, dass ein Muslim oder Buddhist mein Glaubensvertrauen nicht mehr ersch\u00fcttert, sondern im Gegenteil mich auf seinen Glauben neugieriger macht. Und dann entdecke ich auch da Sachen, die ich gebrauchen kann und Sachen, die nicht mit meinem Glauben \u00fcbereinstimmen und die ich liegen lasse. Das alles aufgrund des Kontaktes statt des Vorurteils.<\/p>\n<p>Was Paulus und Johannes mir gegeben haben, ist dieses entspannte Gef\u00fchl, mit dem man im Vertrauen zu dem Allerh\u00f6chsten, zu dem Gott von Himmel und Erde zusammen mit seinem Mitmenschen &#8211; wer das auch sein mag &#8211; im Leben stehen kann. Und das ist es genau, was die Freude und den Frieden gibt, die alle Verstand \u00fcbersteigen, das Fundament des K\u00f6nigreichs Gottes, das kommt.<\/p>\n<p>Hast du es verloren? Bist Du mehr besch\u00e4ftigt mit dem ekelhaften Zustand der Welt oder mit der Unruhe und der Verwirrung, die das neue Millennium herbei rufen, oder mehr mit Deinem eigenen Zweifel und ersch\u00fcttertem Glaubensleben, als mit Deiner Arbeit an der sch\u00f6nen Zukunft, die Gott uns versprochen hat? \u00d6ffne Dein Herz f\u00fcr den Herrn und bitte ihn, dir das Vertrauen zu schenken, womit du Christ sein kannst, wie Jesus das gemeint hat, n\u00e4mlich weit zu denken und ein weites Herz zu haben. Und der Gott der Hoffnung wird dich erf\u00fcllen mit aller Freude und Frieden im Glauben. Denn so wirkt der Heilige Geist. In Deinem pers\u00f6nlichen Leben und im Leben der Gemeinde. Ich finde das herrlich und wei\u00dft Du, es lohnt die M\u00fche, die es dich kosten kann, in einer \u00fcberf\u00fcllenden Weise.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dozent Dr. Jan Christian Vaessen, Groningen, Niederlande,<\/p>\n<p>E-Mail-Adresse: <u><span style=\"color: #0000ff; font-size: medium;\">jcvaessen@wxs.nl<\/span><\/u><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Advent | 12. Dezember 1999 | R\u00f6mer 15,4-13 | Jan Christian Vaessen | Hinweise zu den Lesungen und zur Exegese: Lesungen: R\u00f6mer 15,4-13 und Offenbarung 21,1-5. In Holland lesen wir auf dem Weg zum neuen Millennium in der Evangelischen Kirche das Buch Offenbarung. 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