{"id":21435,"date":"1999-12-15T10:45:22","date_gmt":"1999-12-15T09:45:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21435"},"modified":"2025-04-17T09:50:41","modified_gmt":"2025-04-17T07:50:41","slug":"2-korinther-1-18-22-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-1-18-22-8\/","title":{"rendered":"2. Korinther 1, 18-22"},"content":{"rendered":"<h3>4. Advent | 19. Dezember 1999 | 2. Korinther 1, 18-22 | <span style=\"font-family: Arial;\">Heinz Behrends |<\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=991219-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/h3>\n<p>Predigttext 2. Korinther 1, 18-22:<\/p>\n<p>&#8222;Gott ist mein Zeuge, da\u00df unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist.<br \/>\nDenn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm.<br \/>\nDenn auf alle Gottesverhei\u00dfungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.<br \/>\nGott ist&#8217;s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt<br \/>\nUnd versiegelt und in unsere Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.&#8220;<\/p>\n<p><b>Predigt:<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Du redest auch lange, wenn der Tag lang ist. Warum kommst Du denn nicht? Hattest uns doch versprochen, zu kommen. Wir brauchen dich hier.&#8220;<\/p>\n<p>Leute in Korinth \u00e4rgern sich \u00fcber Paulus. Da hat er schon lange seinen zweiten Besuch angesagt. Diskussionsstoff gibt es genug. Am meisten Unruhe verbreiten die Leute in der Gemeinde, die meinen, schon so nahe bei Gott zu sein, da\u00df sie sich um das Leben hier gar nicht mehr k\u00fcmmern m\u00fcssen und die dabei ziemlich \u00fcber die Strenge schlagen.<\/p>\n<p>Aber Paulus sagt seinen Besuch ab. Um der Liebe willen, sagt er. Das soll einer verstehen. &#8222;Ja gilt denn dein Wort in Zukunft noch etwas oder sollen wir jedes Mal abwinken, wenn du anf\u00e4ngst zu reden. Ist dein Ja noch ein Ja?&#8220; Der leidenschaftliche Paulus setzt zur Gegenrede an. Und in seiner manchmal verwegen komplizierten Art zu argumentieren, geht er gleich ins Grunds\u00e4tzliche. Aus dem geringen Anla\u00df des abgesagten Besuches wird eine Vorweihnachts-Predigt. Paulus erweist sich als der Mann der eindeutigen Rede des Ja und Nein.<\/p>\n<p>&#8222;Unser Wort ist nicht Ja und Nein zugleich.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist mehr als eine Rechtfertigung. Wir wissen das aus all seinen Briefen. Man mu\u00df wohl sehr erfahren und selbstbewu\u00dft sein, um zu einem eindeutigen Verhalten und Leben zu finden. Wenn es das Wort &#8222;Jein&#8220; g\u00e4be, w\u00e4re es das meist benutzte Wort zwischen Menschen. Weil es das Wort aber nicht gibt, kommt das &#8222;Jein&#8220; dort, wo Menschen sich begegnen, anders daher.<\/p>\n<p>&#8222;Ich wei\u00df nicht so recht.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ich mu\u00df mich erst selber finden.&#8220;<br \/>\n&#8222;Das geht mir zu schnell. Da f\u00fchl ich mich \u00fcberfahren.&#8220;<br \/>\n&#8222;Das mu\u00df ich noch \u00fcberlegen.&#8220; Und wenn man eine Woche sp\u00e4ter nachfragt: &#8222;Ich bin noch nicht soweit. Ich kann es nicht sagen.&#8220;<\/p>\n<p>Warum tun Menschen das?<br \/>\nDie Antwort kann sich jeder selber geben.<\/p>\n<p>Wenn ich Stellung beziehe, kann ich Menschen vor den Kopf sto\u00dfen, kann ich Menschen verlieren, die mich nicht verstehen. Aber wer m\u00f6chte sich einfach unbeliebt machen!<\/p>\n<p>Und h\u00e4ufig wei\u00df ich ja wirklich nicht genau zu antworten. Da bin ich froh, wenn andere f\u00fcr mich entscheiden.<\/p>\n<p>In Gremien und Kirchenleitungen hat diese Haltung allerdings l\u00e4hmende Wirkung. Da wird oft eine Entscheidung ausgesessen. Nur lange genug warten, dann hat sich das von selbst erledigt.<\/p>\n<p>Nur, wer sich aus Entscheidungen durch sein &#8222;Jein&#8220; heraush\u00e4lt, der nimmt sich aus einem Proze\u00df, aus einer Entwicklung heraus.<\/p>\n<p>Und er l\u00e4\u00dft andere Menschen im Ungewissen, zeigt kein Gesicht. Und mit einem Gesicht, das ich nicht sehe, kann ich keinen Kontakt aufnehmen.<\/p>\n<p>&#8222;Unser Wort ist nicht Ja und Nein zugleich.&#8220;<\/p>\n<p>Eine andere Art, sich um ein Ja oder Nein zu dr\u00fccken, ist das &#8222;Ich verstehe Dich&#8220;.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Psychologisierung aller Lebensbez\u00fcge in den letzten drei Jahrzehnten hat diese Haltung gro\u00df gemacht.<\/p>\n<p>&#8222;Ja, ich verstehe Dich&#8220;, hei\u00dft es am Ende eines Gespr\u00e4ches, in dem der Gespr\u00e4chspartner lediglich wiederholt hat, was er geh\u00f6rt hat. Der Therapeut als der Spiegel.<\/p>\n<p>Der Sprecher wird in seine Befindlichkeit best\u00e4tigt. Alles ist richtig.<\/p>\n<p>Stellung wird nicht bezogen. Der Gespr\u00e4chspartner mu\u00df allein seinen Weg aus sich heraus finden. Eine Gegenrede, eine Provokation darf man ihm nicht zumuten. Es k\u00f6nnte ihn aus der Bahn werfen. Alles, was der Mensch zur Heilung braucht, kann nur in ihm selbst sein.<\/p>\n<p>Schon viel l\u00e4nger im Gebrauch im Umgang von Menschen miteinander ist das &#8222;Ja, aber&#8220;.<\/p>\n<p>Da wird Ja gesagt, aber nicht gemeint. Da wird sofort die eigene Position aufgebaut. &#8222;Aber ich.&#8220; Was ich zu sagen habe, das ist allein wichtig. Das Ja soll nur den raschen \u00dcbergang zu meiner eigenen Rede beschleunigen.<\/p>\n<p>Das Ziel jeder Beziehung mu\u00df ein Ja oder ein Nein sein.<\/p>\n<p>Das kann man aus dem Geist, in dem Paulus schreibt und lebt, lernen. Nein sagen kann, wer ein gro\u00dfes Ja im R\u00fccken wei\u00df. &#8222;In Jesus Christus war das Ja Gottes.&#8220;<\/p>\n<p>Damit ist kein Ja und Amen Gottes zu all unserem Tun und Wesen gemeint. Das Ja ist sein erkl\u00e4rter Wille, da\u00df ich lebe, da\u00df ich da bin. Ich kann es nur vergleichen mit dem Ja von Mutter und Vater. Sie wollen, da\u00df ich lebe unabh\u00e4ngig von meiner Sch\u00f6nheit, meiner Lernf\u00e4higkeit oder Intelligenz, meines unangepa\u00dften Willens. Unsere Beziehung kann nichts ersch\u00fcttern und grunds\u00e4tzlich in Frage stellen. Kein Mensch kann gedeihen und heranwachsen ohne diese Vertrauensgrundlage. Das Gef\u00fchl wird unter Menschen weniger \u00fcber Worte als \u00fcber Gesten vermittelt, \u00fcber den Blick und die Ber\u00fchrung. In Bezug auf Gott kann ich darauf nur innerlich setzen. Die Generation des Paulus hatte es da noch etwas leichter, denn die Verk\u00f6rperung, die Konkretion des Ja Gottes lag nur eine Generation zur\u00fcck: der Stall von Bethlehem, der Mann aus Nazareth. F\u00fcr uns bleibt das ein Akt des Bewu\u00dftseins, der Vertrauens: Ich bin grunds\u00e4tzlich gewollt und mu\u00df mich nicht rechtfertigen oder erkl\u00e4ren in meiner Existenz. Ich bin niemandem schuldig zu erkl\u00e4ren, da\u00df ich ein Recht auf Leben habe, denn Gott hat es mir verliehen.<\/p>\n<p>Alles Handeln Gottes ist darauf ausgerichtet. &#8222;Denn auf alle Gottesverhei\u00dfungen ist in ihm das Ja.&#8220;<\/p>\n<p>Wer diese Vergewisserung in sich aufnimmt, atmet erleichtert aus und spricht &#8222;Amen&#8220;. Das Amen schlie\u00dft ein B\u00fcndnis ab, best\u00e4tigt ein Treueverh\u00e4ltnis. Wo Menschen &#8222;Amen&#8220; sagen, dr\u00fccken sie ihre Zustimmung aus. Ein &#8222;Amen&#8220; ist fast k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar. Mancher kommt in den Gottesdienst, nur um das letzte Wort, den Segen, zu empfangen und ein innerliches Amen zu sprechen.<\/p>\n<p>Paulus empfindet das in seiner Sprache als eine Salbung, eine Versiegelung und meint damit dasselbe.<\/p>\n<p>Sie merken das vielleicht. Von Weihnachten und Geburt in dem Text keine Spur, aber Gott kommt uns schon ganz nahe heute am 4. Advent, f\u00fcnf Tage vor Heiligabend.<\/p>\n<p>Das Ja Gottes wird der Boden f\u00fcr unser Ja, aber auch f\u00fcr unser Nein. Den Ort der Anwendung k\u00f6nnen nur Sie allein benennen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor Heinz Behrends, Distelweg 8, 37077 G\u00f6ttingen Tel\/fax 0551\/21222<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nikolausberg.de\/\">Internet-Seite: www.nikolausberg.de<\/a><\/p>\n<p><a name=\"ueber\"><\/a>\u00dcberlegungen zur Predigt:<\/p>\n<p>&#8222;Ja und Amen&#8220;. Der Text erscheint als Vorlage f\u00fcr die Predigt f\u00fcnf Tage vor Weihnachten zun\u00e4chst fremd, ber\u00fchrt aber mit Ja und Amen zwei elementare Erfahrungen des Menschen.<\/p>\n<p>Ja- und Nein-Sagen ist lebensnotwendig und will gelernt sein. Amen als eines der weit verbreitetsten Worte der menschlichen Sprache vermittelt die elementare Erfahrung von Treue, Beziehung und Segen. Die Predigt arbeitet auf dem Hintergrund der Erfahrung mit Bejahung und Verneinung, mit Zustimmung und Ablehnung die Bedeutung des Ja Gottes heraus. In dem Lob eines kraftvollen Nein in Beziehungen versucht sich der Prediger vor einer trivialen Auslegung zu bewahren, die um einem floskelhaftes &#8222;Gott sagt Ja zu Dir und darum darfst auch Du&#8230;&#8220; kreist &#8211; oft geh\u00f6rt, selten ber\u00fchrt. Da Ja Gottes im Brief des Paulus markiert die Grundhaltung Gottes zu den Menschen, nicht sein freundliches Nicken zu allen Gef\u00fchlen und Haltungen des Menschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Advent | 19. Dezember 1999 | 2. Korinther 1, 18-22 | Heinz Behrends | Predigttext 2. Korinther 1, 18-22: &#8222;Gott ist mein Zeuge, da\u00df unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. 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