{"id":21441,"date":"1999-12-15T10:48:52","date_gmt":"1999-12-15T09:48:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21441"},"modified":"2025-04-17T09:42:10","modified_gmt":"2025-04-17T07:42:10","slug":"jesaja-91-6-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-91-6-9\/","title":{"rendered":"Jesaja 9,1-6"},"content":{"rendered":"<h3>Heiligabend | 24. Dezember 1999 | Jesaja 9,1-6 | J\u00fcrgen Berghaus |<\/h3>\n<p>Lieder: EG 36, 1 &#8211; 3 . 9 . 10 (Fr\u00f6hlich soll mein Herze springen); EG 23, alle 7 (Gelobet seist du, Jesus Christ); EG 56, alle 5 (Weil Gott in tiefster Nacht); EG 44, alle 3 (O du fr\u00f6hliche)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde !<\/p>\n<p><i>\u201eDie Angst vergeht, die Nacht ist um, das Gottesreich will kommen !\u201c <\/i>Diese knappen Zeilen sind zu finden in dem Gedichtband<i>\u201eWeihnachtsnachrichten\u201c <\/i>von <i>Armin Juhre. <\/i>Ich meine, sie fassen das Wesentliche des heutigen Tages und auch unseres Predigttextes in einer gelungenen Weise zusammen. Gewi\u00df w\u00e4re da noch viel mehr zu sagen, aber <i>Nachrichten <\/i>sind eben kurz &#8211; und gerade so bewahren sie das, worauf es ganz besonders ankommt.<\/p>\n<p>Weihnachten : Jesus ist geboren! Die Sehnsucht der Menschheit wird erf\u00fcllt! Gott kommt in Israel zur Welt! Himmel und Erde begegnen sich! Engel k\u00fcnden vom geschehenen Heil! Hirten und K\u00f6nige knieen vor dem Krippenkind! Eine ganze Nachrichtensendung k\u00f6nnte man f\u00fcllen mit solchen Schlagzeilen. Kein Wunder also, da\u00df Weihnachten sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem Fest entwickelt hat, dem heutzutage allergr\u00f6\u00dfte Bedeutung zukommt innerhalb des Christentums und wohl auch noch ein St\u00fcck \u00fcber seine Grenzen hinaus.<\/p>\n<p>In einer einzigen Predigt ist es nicht m\u00f6glich, s\u00e4mtliche Aspekte dieses Gro\u00dfereignisses anzusprechen. Unser Bibeltext aus Jesaja 9 jedoch kann eine gute Hilfe sein, Wesentliches zu entdecken und dies vielleicht sogar nach dem Ende der Festtage nicht gleich wieder zu vergessen. Dem will ich jetzt weiter nachgehen unter den Stichworten : Menschen im Dunkel &#8211; Freude \u00fcber Befreiung &#8211; Die Herrschaft des k\u00f6niglichen Kindes. Am Ende soll noch danach gefragt werden, wie sich unser Glaube an Jesus Christus zu den Verhei\u00dfungen des Alten Testaments verh\u00e4lt.<\/p>\n<p>1. MENSCHEN IM DUNKEL<\/p>\n<p>Unser Predigttext beginnt mit einer eher negativen Wahrnehmung: Ein Volk sitzt im Finstern, Menschen wohnen im \u201eTal der Todesschatten\u201c. Es ist keineswegs selbstverst\u00e4ndlich, so zu beginnen. Allzuoft richten sich unsere Augen doch nur auf das, was im Scheinwerferlicht passiert. Die \u201eStars\u201c wecken unser Interesse, die Gewinnertypen, die Leute ganz oben.<\/p>\n<p>Und die anderen? \u201eEure Armut kotzt mich an!\u201c habe ich mal als Aufkleber an einem gar nicht so billigen Auto gelesen. Wie gehen wir mit jenen Mitmenschen um, deren Einkommen weit unter dem des Durchschnitts liegt \/ die ohne Aussicht auf Heilung chronisch krank sind \/ deren geistige und k\u00f6rperliche Kr\u00e4fte im Alter sp\u00fcrbar nachlassen ? Nehmen wir sie wirklich ernst in ihrer Bed\u00fcrftigkeit, und leisten wir unseren Solidarbeitrag als Geldzahlung oder als Zeitspende ? Oder schieben wir sie nicht eher zur Seite, diese l\u00e4stigen Abfallprodukte unserer Wohlstands- und Leistungsgesellschaft ?<\/p>\n<p>Am Anfang der Weihnachtsbotschaft steht der klare Blick auf all das Elend in unserer Welt. Die Krippe im Stall von Bethlehem und die Menschen im Tal der Todesschatten ziehen unsere Aufmerksamkeit weg von der Glitzerpracht und hin zu real existierenden Notlagen. Gewi\u00df w\u00fcrde es bei weitem unsere M\u00f6glichkeiten \u00fcberschreiten, alle Probleme dieser Welt sehen und beheben zu wollen. Aber an <i>einem <\/i>Punkt genau hinzuschauen, sich von den Sorgen der jeweils Betroffenen anr\u00fchren zu lassen und hier ganz gezielt etwas zum Besseren zu wenden &#8211; das ist uns wohl allen aufgetragen.<\/p>\n<p>2. FREUDE \u00dcBER BEFREIUNG<\/p>\n<p>Unser Predigttext aus Jesaja 9 verf\u00e4llt angesichts der Menschen im Dunkel nun aber keineswegs in Tr\u00fcbsinn. Die ganze Stimmung dieses Bibelabschnitts ist vielmehr auf Jubel, Freude und Fr\u00f6hlichkeit hin ausgerichtet. Nicht unsere still-besinnliche Weihnachtsbaum-Idylle steht hier im Hintergrund, sondern eher ein Polterabend, ein Hochzeitsfest, eine Millenniumsfeier der knalligen Sorte.<\/p>\n<p>Grund f\u00fcr das ausgelassene Treiben ist eine tiefgehende Befreiungserfahrung: das dr\u00fcckende Joch und die Peitsche des Antreibers sind zerbrochen, Milit\u00e4rstiefel und Uniformen werden verbrannt. Liebe Gemeinde, la\u00dft uns solch ein Gef\u00fchl f\u00fcr Befreiung nicht zustopfen mit Festtagsessen und S\u00fc\u00dfigkeiten, sondern la\u00dft uns danach Ausschau halten, wo <i>wir <\/i>unter schweren Lasten st\u00f6hnen \/ wo uns eigene oder fremd gesetzte Ziele gnadenlos antreiben \/ wo wir (vielleicht unbewu\u00dft) teilhaben an Strukturen der Gewalt gegen andere oder wo wir selbst von solcher Gewalt als Opfer betroffen sind.<\/p>\n<p>An Weihnachten soll die Botschaft von der Befreiung laut werden, und wir d\u00fcrfen uns davon anstecken lassen und ausgelassen jubeln &#8211; ohne Angst, da\u00df sich das doch nicht geh\u00f6rt unter gesitteten Menschen. Wer wirklich befreit ist von zentnerschweren Gewichten auf der Seele, dessen Jubel dr\u00e4ngt nach au\u00dfen und l\u00e4\u00dft einen nicht reglos im bequemen Sessel sitzen bleiben.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, Freude \u00fcber Befreiung kann man niemandem vorschreiben. Sie setzt voraus, da\u00df ich mir meiner eigenen Fesseln und falschen Abh\u00e4ngigkeiten bewu\u00dft werde und mich sehnlichst nach einem Loskommen davon ausstrecke. Dann erst bin ich wirklich bereit, der Freudenbotschaft von Gottes befreiendem Wirken aufmerksam zuzuh\u00f6ren und sie auf mich ganz pers\u00f6nlich zu beziehen.<\/p>\n<p>3. DIE HERRSCHAFT DES K\u00d6NIGLICHEN KINDES<\/p>\n<p>Entscheidender Hoffnungsinhalt f\u00fcr Menschen im Dunkel und zentrale Begr\u00fcndung f\u00fcr die Freude \u00fcber Befreiung ist nach unserem Predigttext aus Jesaja 9 die Herrschaft des k\u00f6niglichen Kindes. Darum will ich uns die Verse 5 und 6 noch einmal vorlesen : (&#8230;)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, alles, was Jesaja bisher sagte, l\u00e4\u00dft sich sprachlich und inhaltlich aus seiner Zeit und aus den \u00dcberlieferungen Israels verstehen. Nun jedoch wird die K\u00f6nigssalbung eines jungen Prinzen zum Ausgangspunkt f\u00fcr eine gewaltige, weit in die Zukunft hinausgreifende Hoffnung. Sie macht sich fest an den Ehrentiteln, die dem K\u00f6nigskind zugesprochen werden. Gerade j\u00fcdische Bibelausleger haben immer wieder um das rechte Verst\u00e4ndnis dieser Namen gerungen : wundervoller Ratgeber, m\u00e4chtiger Gott, Vater auf ewig, Friedensf\u00fcrst.<\/p>\n<p>Der letzte dieser vier Ehrentitel erf\u00e4hrt noch weitere Ausmalung: ein machtvolles K\u00f6nigreich des Friedens wird dem Davidssohn zugesprochen; es hat ewigen Bestand und ist erf\u00fcllt von Recht und Gerechtigkeit. Welch ein Kontrast zu all dem Zank und Streit, zu jenen ganz menschlichen Verf\u00fchrbarkeiten, wie sie uns auch aus der Politik unserer Tag gut bekannt sind. F\u00fcr mich besteht kein Zweifel : bis zum Jahresbeginn 2000 wird diese Verhei\u00dfung wohl kaum in Erf\u00fcllung gehen !<\/p>\n<p>Damit bin ich bei meiner Schlu\u00dffrage angelangt : Wie verh\u00e4lt sich mein Glaube an Jesus Christus zu den Verhei\u00dfungen des Alten Testaments? Ich will ganz pers\u00f6nlich antworten. Wir leben noch nicht in der von Jesaja erhofften Welt des ewigen Friedens, und gerade darum halte ich mir die Verhei\u00dfung des Propheten immer wieder als Ziel all unserer Wege vor Augen. Andererseits sehe ich im Krippenkind Jesus den gekreuzigten und auferstandenen Christus; im Glauben an IHN habe ich schon jetzt S\u00fcndenvergebung und neues Leben. Das eine ist da, das andere wird ersehnt. Ich freue mich darauf, bei der Vollendung der neuen Welt Gottes jenem erwachsen gewordenem Kind wiederzubegegnen, dessen Geburt im Stall von Bethlehem wir heute und alle Jahre wieder feiern. <i>\u201eDie Angst vergeht, die Nacht ist um, das Gottesreich will kommen !\u201c <\/i>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>J\u00fcrgen Berghaus, Pfr., Ev. Johanneskirche LEV-Manfort<br \/>\n<a href=\"mailto:eki-manfort@telda.net\">E-Mail: eki-manfort@telda.net<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiligabend | 24. Dezember 1999 | Jesaja 9,1-6 | J\u00fcrgen Berghaus | Lieder: EG 36, 1 &#8211; 3 . 9 . 10 (Fr\u00f6hlich soll mein Herze springen); EG 23, alle 7 (Gelobet seist du, Jesus Christ); EG 56, alle 5 (Weil Gott in tiefster Nacht); EG 44, alle 3 (O du fr\u00f6hliche) Liebe Gemeinde ! [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,727,157,545,114,1575,638,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21441","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jesaja","category-archiv","category-beitragende","category-christvesper","category-deut","category-juergen-berghaus","category-kapitel-09-chapter-09-jesaja","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21441"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21441\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22865,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21441\/revisions\/22865"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21441"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21441"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21441"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21441"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}