{"id":21449,"date":"1999-12-15T10:55:12","date_gmt":"1999-12-15T09:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21449"},"modified":"2025-04-16T20:35:57","modified_gmt":"2025-04-16T18:35:57","slug":"1-johannes-3-1-und-lukas-2-7-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-johannes-3-1-und-lukas-2-7-2\/","title":{"rendered":"1. Johannes 3, 1 und Lukas 2, 7"},"content":{"rendered":"<h3>1. Weihnachtsfeiertag | 25. Dezember 1999 | 1. Joh 3,1 und Lk 2,7 | Rolf Wischnath |<\/h3>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #0000a0;\"><b>Gottes Kind und wir Gotteskinder &#8211;<br \/>\nMenschen Kind und wir Menschenskinder <\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Heute am Ersten Weihnachtstag 1999 h\u00f6ren wir als vorgeschlagenen Predigttext das Wort aus dem 1. Johannesbrief, Kapitel 3, Vers 1:<\/p>\n<p align=\"center\"><i>\u201eSeht doch, wie sehr uns der Vater geliebt hat!<br \/>\nSeine Liebe ist so gro\u00df,<br \/>\ndass er uns seine Kinder nennt.<br \/>\nUnd wir sind es wirklich: Gotteskinder!\u201c<\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Und wir verbinden dieses Wort aus dem ersten Johannesbrief mit <i>einem<\/i>Wort aus der Weihnachtsgeschichte des Lukas. Es spricht vom Ereignis der Liebe Gottes im Zur-Welt-Kommen des Menschenkindes, &#8211; Lukas 2, Vers 7:<\/p>\n<p align=\"center\"><i>\u201eUnd Maria gebar ihren ersten Sohn.\u201c<\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"justify\">Heute Nacht hat Papst Johannes Paul II. das Heilige Jahr 2000 in Rom er\u00f6ffnet. So wie Martin Luther es auch oft gepredigt hat, bringt der Papst dadurch zum Ausdruck, dass die Jahre der Christen von der Geburt des Kindes Gottes an gez\u00e4hlt werden und eigentlich Weihnachten der Beginn des neuen Jahres ist. Von daher k\u00f6nnen auch wir evangelische Christen getrost und ohne Umst\u00e4nde teilnehmen an der Freude \u00fcber den Beginn des Heiligen Jahres. Denn auch wir bekennen vor der Welt, dass eben auch unsere Generation im 2000. Jahr der Geburt des Gotteskindes Jesus Christus Anteil hat an seinem Werk des Heils: an dem Werk der Befreiung der Menschheit aus der Gewalt der Schuld und des Todes. Durch Ihn, das Kind Gottes und der Menschen, sind auch wir Menschenkinder zu Kindern Gottes geworden. Christus hat uns zu Christen gemacht. Und der Johannesbrief unterstreicht es zu Recht: <i>\u201eWir sind es wirklich: Gotteskinder!\u201c<\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Was war das f\u00fcr ein Ereignis, das <i>so<\/i> weitreichende Folgen hat und nun von heute an bis zum 6. Januar 2001 wieder mit einem besonderen Heiligen Jahr durch die katholische Schwesterkirche gefeiert wird? Es war in seinem \u00e4u\u00dferen Geschehen nicht mehr als die Geburt eines Menschenkindes durch eine junge Frau mit Namen Maria. \u00dcber die Begleiterscheinungen bei diesem Ereignis wird bei den Evangelisten Lukas (Kapitel 2) und Matth\u00e4us (Kapitel 1) einiges berichtet &#8211; und gedeutet. Und die anderen Schriften des Neuen Testaments, eben so auch der Johannesbrief, legen es aus in seiner uns alle betreffenden und umfassenden Bedeutung. Aber von dem Faktum als solchem, vom Geburtsvorgang und seinen besonderen Umst\u00e4nden wissen wir nur einen Satz: <i>\u201eUnd sie gebar ihren ersten Sohn\u201c<\/i> (Lukas 2,7). Der allerdings hat es in sich:<\/p>\n<p align=\"justify\">Denn er verbietet uns die Vorstellung, die Geburt des Kindes Gottes sei in einem besonderen \u201eheiligen Jahr\u201c, unter w\u00fcrdigen und gem\u00e4\u00dfen Umst\u00e4nden, hebammenm\u00e4\u00dfig korrekt begleitet worden, sie sei etwa hygienisch oder gar \u00fcbermenschlich abgelaufen. Nein, im Gegenteil: Lukas radikalisiert die Realistik seiner Erz\u00e4hlung durch seine Knappheit. Er l\u00e4sst uns in seiner Geburtsgeschichte dieses Menschenkindes, die wir gern \u201eWeihnachtsgeschichte\u201c nennen, davon ausgehen, dass die junge Maria ihr Kind unter freiem Himmel und allein bekommen hat, indem er nichts von einer \u00fcberdachten Geburtsstelle berichtet. Stall und Krippe stehen nur zur sp\u00e4teren Unterbringung zur Verf\u00fcgung. Und erst recht berichtet der Evangelist nichts davon, dass dieses junge, erstgeb\u00e4rende M\u00e4dchen &#8211; Maria war vermutlich nicht \u00e4lter als dreizehn oder vierzehn Jahre alt -, dass sie in dieser Geburt einen menschlichen Beistand gehabt h\u00e4tte. Ja, er gebraucht f\u00fcr das Wort \u201egeb\u00e4ren\u201c ein griechisches Wort, dass ausschlie\u00dflich das Tun und Erleiden einer Frau ausspricht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber von Josef muss doch die Rede sein? Durchaus nicht: Von einer Geburtshilfe des bei dieser Menschwerdung ohnehin so eigent\u00fcmlich passiven Josef erz\u00e4hlt Lukas nichts. Nicht nur die ohnehin geburtsscheue M\u00e4nnlichkeit stand ihm im Wege. Auch von seiner religi\u00f6sen Herkunft war er als Geburtshelfer denkbar schlecht vorbereitet: Nach j\u00fcdischer Vorstellung hatten M\u00e4nner nichts mit einer Geburt zu schaffen. Ja, sie waren dazu erzogen, sich von einer Frau mit Blutungen, auch und gerade bei der Geburt, fernzuhalten. Man sch\u00fcttele nicht zu schnell den Kopf: Auch in unserem abendl\u00e4ndischen Kulturraum war und ist das Dabeisein von V\u00e4tern bei der Geburt ihrer Kinder bis in unsere Generation hinein alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Erst seit der Mitte des 16. Jahrhunderts tauchen in Entbindungszimmern M\u00e4nner auf. Bis dahin musste jeder Mann, der Zeuge einer Geburt sein wollte, sogar mit harter Bestrafung rechnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieser Zug der Weihnachtsgeschichte wird \u00fcbrigens in einer anderen christlichen Kultur als der europ\u00e4ischen viel st\u00e4rker beachtet: Wenn man in Afrika die Geburtsgeschichte des Kindes Gottes erz\u00e4hlt und afrikanische Christinnen sie zum ersten Mal h\u00f6ren, dann halten die Frauen sich vor allem an einem auf: dass Maria so <i>allein<\/i> war bei der Geburt ihres ersten Kindes. Das ist das h\u00e4rteste Kapitel in dieser ohnehin harten Geschichte, sagen Afrikanerinnen. Frauen brauchen doch Frauen, vor allem, wenn sie etwas Schweres zu bew\u00e4ltigen haben. Und eine Frau braucht eine Frau, wenn sie zum ersten Mal ein so einschneidendes, unausweichliches Erlebnis wie eine Geburt durchzustehen hat. Warum hat Gott es nicht anders eingerichtet? Warum waren keine freundlichen und erfahrenen Frauen in der N\u00e4he? Warum war Maria so allein? So fragen Afrikanerinnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">In der Antwort auf diese Frage entscheidet sich, ob es sich wirklich lohnt, die Zeitrechnung \u201enach Christi Geburt\u201c ernst zu nehmen und dieses Ereignis als ein solches zu glauben, durch das wir selber \u201eGotteskinder\u201c werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Denn ist die Geburt dieses einen Kindes Gottes mit Namen \u201eJesus\u201c allenfalls die Geburt eines bettelarmen Menschenkindes durch eine gesellschaftlich m\u00f6glicherweise ge\u00e4chtete junge Frau, dann ist sie nicht mehr als ein Beispiel f\u00fcr die Ungerechtigkeit der Welt. An ihr leiden skandal\u00f6serweise die Kinder der Menschen am meisten &#8211; und zugleich am allerwenigsten schuldig. Die Geburtsgeschichte Jesu eignet sich unter diesem Blickwinkel f\u00fcr die Erregung unseres Mitleid, und sie kann Ansto\u00df zur Solidarit\u00e4t sein. Das w\u00e4re nicht wenig. Aber die Geschichten heutiger Menschenkinder, die in Lateinamerika und Afrika derzeit betr\u00e4chtlich schrecklicher zur Welt kommen, wenn sie denn \u00fcberhaupt noch zur Welt kommen, verm\u00f6gen das Mitleid st\u00e4rker zu erregen und zur Solidarit\u00e4t aktueller zu provozieren. Warum da noch die alte Geburtsgeschichte Jesu? Und wieso werden wir \u2013 im Unterschied zu den anderen Menschheitsgeburten \u2013 durch diese \u201eNiederkunft\u201c selber zu \u201eGotteskindern\u201c?<\/p>\n<p align=\"justify\">Alles h\u00e4ngt daran, ob die Geburt Jesu eine \u00fcber ihre beispielhafte Funktion hinausreichende, eine betr\u00e4chtlich weitreichendere Bedeutung hat als jede andere Geburt eines Menschenkindes. Anders und direkt gesagt: Alles h\u00e4ngt daran, ob wahr ist, dass <i>Gott selbst<\/i> bei dieser Geburt zur Welt kommt:<\/p>\n<p align=\"justify\">Lukas nennt an dieser entscheidenden Stelle der Geburtsgeschichte das neugeborene Kind der Maria: den \u201eersten\u201c Sohn, genau: \u201eden Erstgeborenen\u201c. Und der Erstgeborene, die Erstgeburt &#8211; das ist in Israel der, auf den nach dem alten Gottesgesetz der heilige und ewige Gott ein Recht hat: <i>&#8222;Weihe mir alle Erstgeburt bei den Israeliten&#8220;,<\/i> hei\u00dft es als Gotteswort im zweiten Buch Mose, <i>&#8222;alles was zuerst den Mutterschoss durchbricht, unter den Menschen und unter dem Vieh; mir geh\u00f6rt es &#8230;&#8230; du sollst es dem Herrn, deinem Gott, darbringen&#8220;<\/i> (2. Mose 13, 2.12). Der Erstgeborene geh\u00f6rt ganz Gott. Er soll ganz in seinem Dienst stehen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit nur <i>einem<\/i> Wort erinnert der Evangelist so in seinem zentralen Satz an das Geheimnis dieser Geburt, an den <i>einen<\/i> und <i>einzigen<\/i> Grund, weswegen, von Christi Geburt an, post Christum natum, die Zeit neu gez\u00e4hlt wird und warum diese Geburt in ihrer ganzen H\u00e4rte die Zeitenwende, ja die Gottes- und Menschenwende ist, durch die wir alle zu Kindern dieses Gottes, zu \u201eGotteskindern\u201c werden:<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieser Erstgeborene geh\u00f6rt im Unterschied zu uns ganz und gar zu Gott, ganz und gar auf Gottes Seite. Ja, Gott selbst wird in ihm ein Menschenkind! In dieser Geburt geschieht die Menschwerdung Gottes. Das ist die alte, bleibend g\u00fcltige Lehre der Kirche: Der wahre Gott wird ein wahrer Mensch. <i>&#8222;Gott wird Mensch dir Mensch zugute, Gottes Kind, das verbindt sich mit unserm Blute&#8220;<\/i>, singt vor dreihundertf\u00fcnfzig Jahren der heute in der Welt bekannteste Brandenburger, der brandenburgische Dichter Paul Gerhardt, in seinem Weihnachtslied &#8222;Fr\u00f6hlich soll mein Herze springen&#8220;.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und das ist der Kern der Sache: <i>\u201eGottes Kind, das <u>verbindt<\/u> sich mit unserm Blute\u201c<\/i> Gott selbst verschm\u00e4ht nicht, Menschenskind zu werden, unser menschliches Blut anzunehmen; er geht den Weg in eine zutiefst menschliche Geburt, ohne aufzuh\u00f6ren Gott zu sein und ohne den Menschen aus seinem Menschsein zu entlassen. Als Gott Menschenskind wird, als Gott zur Welt kommt, da erf\u00e4hrt eine junge Frau ihre Erstgeburt in allen Schmerzen und in Einsamkeit. Als Gott zur Welt kommt, da hat er weniger, als es bei unsereinem der Fall ist. Da ist Gott \u00e4rmer und menschlicher, als wir es in der Regel sind: Schon in seiner Geburt zeigt sich an, dass Gott bereit ist, in seiner Menschwerdung die bedr\u00fcckende Last aller Menschenskinder, ja sogar ihren Tod auf sich zu nehmen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Warum tut er das? Im Neuen Testament ist es der 1. Johannesbrief, der wie kein anderer Gottes Grund nennt, Gottes Herzensgrund: Der wahre Gott wird wahrer Mensch &#8211; <i>aus Liebe<\/i>. Gott ist Liebe, sagt der Johannesbrief, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und der ganze Ausdruck dieser Liebe Gottes ist das Gottes- und Menschenkind Jesus Christus. Von der Person des Gottes Kindes sagt der Johannesbrief:<\/p>\n<p align=\"justify\">Jesus ist der wahre Gott, und als solcher das ewige Leben. Und darin ist die Liebe Gottes zu uns Menschen offenbar geworden, dass Gott ihn, seinen eingeborenen Sohn, in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn das Leben haben sollen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Darum d\u00fcrfen wir es sagen: Ihr Menschenskinder seid keine verlorenen und gottverlassenen, keine einsamen und gottverdammten Menschen. Ihr seid die ins Leben und in die Liebe Gottes geretteten Kinder Gottes. Darin besteht die Liebe Gottes zu uns, sagt der Johannesbrief, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat, damit wir wieder &#8211; trotz aller Trennung und Schuld, dennoch! &#8211; wieder zu ihm, dem lebendigen Gott, geh\u00f6ren. In diesem Zusammenhang hei\u00dft es: <i>\u201eSeht doch, wie sehr uns der Vater geliebt hat! Seine Liebe ist so gro\u00df, dass er uns \u2013 seinetwegen! &#8211; seine Kinder nennt. Und wir sind es wirklich: Gotteskinder!\u201c<\/i><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">Zu Weihnachten feiert die Christenheit das Hinsehen, die Wahrnehmung der Liebe des Vaters. Sie feiert den Beginn dieser Geschichte des einen Menschenkindes und Gotteskindes, durch den alle Menschenskinder zu Gotteskindern werden. Dieses Ereignis, das nicht abgeschlossen und vergangen hinter uns liegt wie alle anderen Fakten und Geburten der Menschengeschichte, sondern \u00fcbergreift auf Deine und meine Lebensgeschichte, dieses einmalige Ereignis, &#8211; <i>\u201eda uns schl\u00e4gt die rettende Stund: Christ in deiner Geburt\u201c<\/i> [EG 46,3]- feiert und z\u00e4hlt die Christenheit mit dem Jahr 2000. Ob es ein \u201eHeiliges Jahr\u201c wird, ein wirkliches \u201eJubeljahr\u201c, das h\u00e4ngt daran, wie es gelingt, die besondere Geschichte des vor 2000 Jahren geborenen Jesus von Nazareth den Menschen von heute zu bezeugen und f\u00fcr die von ihm er\u00f6ffnete Kindschaft aller Menschenkinder Gottes in der Welt einzustehen. Der ewige Gott helfe uns dazu, dass es auch in unserer Generation gelingt. Amen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><i>Hier besteht die M\u00f6glichkeit zu enden \u2013 z.B. mit dem gemeinsamen Bekenntnis der Erkl\u00e4rung des Zweiten Artikels aus Martin Luthers Kleinem Katechismus. \u2013 Eine m\u00f6gliche Foprtsetzung k\u00f6nnte lauten: <\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Was hei\u00dft das, f\u00fcr unsere Gotteskindschaft einzustehen? Und was haben Menschen davon, Gotteskinder zu sein und sich als solche wahrzunehmen und zu bew\u00e4hren?<\/p>\n<p align=\"justify\">In der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg haben dieser Tage Christen versucht, in zehn einfachen S\u00e4tzen auszudr\u00fccken, was das \u201eKind Gottes-sein\u201c, was das \u201eChrist-sein an der Schwelle zum 21. Jahrhundert\u201c bedeutet. \u00dcberall, wo in diesen S\u00e4tzen das Wort \u201eChristen\u201c vorkommt, k\u00f6nnen wir zugleich h\u00f6ren: \u201eGotteskinder\u201c. Denn \u201eGotteskinder\u201c sind wir geworden durch die Liebe des Vaters, die er uns in seinem Kind, dem erstgeborenen Menschenkind der Maria, gezeigt hat. Darum hei\u00dfen wir \u201eChristen\u201c. Denn \u201eChristen\u201c sind wir geworden &#8211; durch Christus.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich schlie\u00dfe die Weihnachtspredigt mit diesen zehn S\u00e4tzen \u00fcber das \u201eChrist-sein an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Sie sollen diese zehn Grunds\u00e4tze der Kindschaft Gottes auch am Ende dieses Gottesdienstes auf einer Kopie mit nach Hause nehmen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p align=\"justify\">An der Schwelle zum 21. Jahrhundert fragen viele: Was kommt auf uns zu? Woran sollen wir uns ausrichten? Welche Wert sind wichtig? Woran Christen sich halten und was sie tr\u00e4gt, sagen wir weiter in der Gewissheit, dass es f\u00fcr alle Menschen heilsam ist.<\/p>\n<ol type=\"1\">\n<li>Christen vertrauen auf Gott, den Sch\u00f6pfer allen Lebens. Bei ihm suchen sie Wahrheit und erf\u00fclltes Leben. Ihr Glaube bef\u00e4higt zu einem Leben, in dem die Hoffnung gr\u00f6\u00dfer ist als die Angst.<\/li>\n<li>Christen halten sich zu Jesus Christus. Sein Leben ist Gottes Liebeserkl\u00e4rung an die Welt. Auch angesichts von Bedrohung vielf\u00e4ltiger Art ist der christliche Glaube lebensbejahend und menschenfreundlich.<\/li>\n<li>Christen hoffen auf Gottes lebendigen Geist. Er bewegt und erneuert. Er macht frei. Darum treten Christen daf\u00fcr ein, dass nichts Menschliches verg\u00f6ttert wird \u2013 weder Rasse noch Nation, weder Fortschritt noch Erfolg, weder Leistung noch Macht noch Gewinn.<\/li>\n<li>Christen halten daran fest, dass alle Menschen als unverwechselbare Gesch\u00f6pfe Gottes geachtet werden. Kein Mensch ist mit seinen Taten und Untaten, mit seiner Leistung oder seinen Fehlleistungen gleichzusetzen. Das ist der Kern aller Menschlichkeit in der Gesellschaft.<\/li>\n<li>Christen k\u00f6nnen Schuld bekennen und um Vergebung bitten. Darin gr\u00fcndet ihre Freiheit. Aus dieser Freiheit flie\u00dft die Bereitschaft, Verantwortung f\u00fcr sich und andere zu \u00fcbernehmen.<\/li>\n<li>Christen vertrauen darauf, dass Gottes Liebe sie \u00fcber den Tod hinaus tr\u00e4gt und ihrem Leben Sinn gibt, auch wenn ihr Weg durch Krisen und Leiden f\u00fchrt. Sie erwarten die neue Welt Gottes und mit ihr die Antwort auf ungel\u00f6ste Fragen.<\/li>\n<li>Christen wollen zur Achtung unter den Menschen, zur Gerechtigkeit und zum Frieden beitragen. Sie setzen sich f\u00fcr ein gerechtes Miteinander von Frauen und M\u00e4nnern, von Jungen und Alten ein. Sie widersetzen sich der wachsenden Ungleichheit in der einen Welt.<\/li>\n<li>Christen leben vom Erbarmen Gottes. Darum treten sie f\u00fcr R\u00fccksicht gegen\u00fcber Schw\u00e4cheren und das Recht von Fremden ein. Sie unterst\u00fctzen Chancen eines Neuanfangs f\u00fcr die, die schuldig geworden sind oder sich verrannt haben.<\/li>\n<li>Christen wissen sich als Teil von Gottes Sch\u00f6pfung. Sie bem\u00fchen sich pfleglich mit ihrer Umwelt umzugehen. Sie tragen Sorge f\u00fcr die Umwelt der nachfolgenden Generation.<\/li>\n<li>Christen sind angewiesen auf die Gemeinschaft in der Kirche. In der Begegnung mit der christlichen Botschaft finden sie R\u00fcckhalt und Orientierung im Leben und im Sterben. Diese Botschaft weiterzusagen, sind sie beauftragt. Die Kirche bietet allen Menschen Raum f\u00fcr Stille und Besinnung, f\u00fcr Feier und Aktion, Begegnung und Dialog.<\/li>\n<\/ol>\n<hr \/>\n<p><a name=\"vorbemerkung\"><\/a><span style=\"color: #0000a0;\"><b><u>Vorbemerkung: <\/u><\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Predigt ist konzipiert f\u00fcr eine H\u00f6rerschaft, die tats\u00e4chlich (auch \/ erst) am Ersten Weihnachtstag zum Gottesdienst geht: In Cottbus, in der Oberkirche St. Nikolai (die Kirche, an der ich einen Predigtauftrag habe) sind das in der Mehrzahl Leute, denen das Gew\u00fchl, die Dr\u00e4ngelei und die Kurzatmigkeit der \u00fcberf\u00fcllten Christvespern am \u201eHeiligen Abend\u201c nicht gef\u00e4llt, und die am Morgen des 1. Weihnachtstages eine \u201eanspruchsvolle Besinnung\u201c suchen. Die Predigt versucht, das Dogma der Inkarnation zu entfalten. Wem die Predigt zu lang ist \u2013 sie dauert nach meinem Ma\u00df exakt 22 Minuten \u2013 kann sie ohne die Zehn Thesen \u201eChrist-sein an der Schwelle zum 21. Jahrhundert\u201c beenden. Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re auch, entsprechend der Erneuerten Agende als antwortendes Bekenntnis der Gemeinde gemeinsam zu sprechen: Martin Luthers Erkl\u00e4rung zum 2. Artikel aus dem Kleinen Katechismus, der ja in jeder Ausgabe des EG in der Abteilung \u201eBekenntnisse\u201c zu finden ist.<\/span><\/p>\n<p>Eine kopierfertige Vorlage der Thesen \u201eChrist-sein an der Schwelle zum 21. Jahrhundert\u201c finden Sie im <b><a href=\"http:\/\/www.ekibb.com\/info\/thesen.htm\">Internet: www.ekibb.com\/info\/thesen.htm<\/a><\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Die leichte sprachliche Variation zwischen \u201eGottes Kind\u201c und \u201eGotteskinder\u201c, \u201eMenschenkind\u201c und \u201eMenschen<u>s<\/u>kinder\u201c (oder ohne \u201es\u201c: \u201eMenschenkinder\u201c) ist gewollt. Der Gro\u00dfe Duden gibt sehr interessante Ausf\u00fchrungen \u00fcber die leichten Bedeutungsdifferenzen, die hier sprachlich mitschwingen.<\/p>\n<p><b>Generalsuperintendent Dr. Rolf Wischnath<br \/>\nSeminarstra\u00dfe 38<br \/>\n03044 Cottbus \/ Niederlausitz<br \/>\nTelefon: 0355 \/ 23369 Fax: 0355 \/ 702145 <\/b><br \/>\n<b><a href=\"mailto:generalsuperintendent.cottbus@t-online.de\">E-Mail: generalsuperintendent.cottbus@t-online.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Weihnachtsfeiertag | 25. Dezember 1999 | 1. Joh 3,1 und Lk 2,7 | Rolf Wischnath | Gottes Kind und wir Gotteskinder &#8211; Menschen Kind und wir Menschenskinder Heute am Ersten Weihnachtstag 1999 h\u00f6ren wir als vorgeschlagenen Predigttext das Wort aus dem 1. 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