{"id":21451,"date":"1999-12-15T10:56:23","date_gmt":"1999-12-15T09:56:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21451"},"modified":"2025-04-17T09:48:59","modified_gmt":"2025-04-17T07:48:59","slug":"1-johannes-3-1-6-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-johannes-3-1-6-5\/","title":{"rendered":"1. Johannes 3, 1-6"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial;\">1. Weihnachtsfeiertag | 25. Dezember 1999 | 1. Johannes 3,1-6 | <\/span><span style=\"font-family: Arial;\">Ulrich Nembach |<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Liebe Gemeinde, <\/span><\/p>\n<p>\u201eGelobet seist Du, Jesu Christ, da\u00df Du Mensch geboren bist&#8230;.\u201c, sangen wir eben. Nachher werden wir stehend singen \u201eO, du fr\u00f6hliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. Andere singen \u201eGo tell it on the mountains all, over the hills Jesus Christ is born.\u201c Zahlreiche Ch\u00f6re singen \u201eLasset uns gehen nach Bethlehem\u201c. Manche singen deutsch wie Bach in seiner Kantate, andere lateinisch \u201eTranseamus usque Bethlehem\u201c. Manche nehmen den Satz w\u00f6rtlich und fahren nach Bethlehem. Andere holen sich Bethlehem bzw. die Krippe in ihre Kirche oder nach Hause unter den Tannenbaum. Manche Kirchen wie die St. Johanniskirche in G\u00f6ttingen bauen gleich eine ganze Ausstellung von Krippen auf und singen auch. Wir sind ganz eifrig zu Weihnachten.<\/p>\n<p>Weihnachten ist ein fr\u00f6hliches Fest. Was hei\u00dft eigentlich \u201efr\u00f6hlich\u201c und wie geht es weiter? Ich meine nicht die n\u00e4chste Party oder die Megafete in 7 Tagen zur Jahrtausendwende. Ich habe die Fragen grunds\u00e4tzlich gestellt, ich k\u00f6nnte auch sagen: Was geschieht am 3. Januar 2000 nach unserem Weihnachtsfest? Andererseits hilft der Wechsel von einem Jahrtausend zum n\u00e4chsten uns bei anderen Fragen. Jedenfalls helfen will uns der heutige Predigttext. Er liegt etwas abseits im Neuen Testament wie viele Predigttexte in dem gerade begonnenen Kirchenjahr. Wahrscheinlich h\u00f6ren wir darum heute beim Lesen des Textes genauer zu als sonst. Mir erging es jedenfalls so.<\/p>\n<p>Verlesung des Textes: 1. Joh. 3,1-6<\/p>\n<p>Der Text macht 2 Aussagen. Er spricht zun\u00e4chst von der Liebe, von Gottes Liebe zu. uns, und dann spricht er von den Konsequenzen der Liebe f\u00fcr uns. Um was geht es eigentlich zu Weihnachten? Und wie geht es weiter, was sind die Konsequenzen?<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Weihnachten meint das Kind, das Kind in der Krippe. Es ist klein, so klein, da\u00df wir es oft gar nicht sehen. Selbst wer genau hinschaut, sieht es nicht vor Ochs und Esel, auch wegen Maria und Josef, die gro\u00df in der Krippe stehen.<\/p>\n<p>Wir bauen unsere Krippen so, da\u00df die Nebenfiguren gro\u00df und das Kind, die Hauptfigur, klein wird, da\u00df Jesus kaum zu sehen ist. Uns f\u00e4llt dieser Bauplan der Krippen nicht einmal auf. Wir bauen n\u00e4mlich unser Leben genauso.<\/p>\n<p>Unwichtiges nehmen wir wichtig und Jesus, den Gottes Sohn, schieben wir an den Rand, auf die Sonntage des Jahres ab. Dabei wollen die Krippen urspr\u00fcnglich nicht unseren Alltag spiegeln, sondern das Kind als Ausdruck der Liebe Gottes herausstellen. Gott liebt uns. Er liebt uns so sehr, da\u00df er uns nicht allein l\u00e4\u00dft. Er vertraut uns seinen Sohn an, schickt ihn in unsere Mitte.<\/p>\n<p>Wir sind sehr vorsichtig, ja z\u00f6gerlich, wenn wir jemanden etwas anvertrauen. Eltern \u00fcberlegen, fragen hier, fragen dort, bevor sie ihren Sohn, ihre Tochter zum Sch\u00fcleraustausch ins Ausland reisen lassen. Der Sohn, die Tochter ihrerseits erkundigen sich bei Mitsch\u00fclern nicht weniger genau.<\/p>\n<p>Wir sind sehr vorsichtig, ja z\u00f6gerlich, wenn wir jemandem unsere Firma, unseren Hof, unsere Bibliothek, unser Lebenswerk anvertrauen. Hier gibt es keine Unterschiede zwischen Bauern, Handwerkern, Mittelst\u00e4ndlern, Professoren. Gott \u00fcbergibt uns seinen Sohn, macht ihn zu einem von uns und damit uns zu seinen Kindern. Wir sind \u2013 so k\u00f6nnte man sagen \u2013 quasi Mit-Erben Gottes. So nennt uns direkt Paulus (R\u00f6m. 8,17; vgl. auch Eph.3,6; 1. Petr. 3,7) So sehr liebt uns Gott. Es ist darum richtig, wenn wir Weihnachten ein Licht anz\u00fcnden, ja einen ganzen Lichterbaum. Freude ist angesagt, fr\u00f6hliche Lieder werden gesungen.<\/p>\n<p>\u00dcber den allen d\u00fcrfen wir nicht vergessen, da\u00df die Weihnachtsgeschichte bewu\u00dft ganz unspektakul\u00e4r beginnt. Gott schickt seinen Sohn zu uns, in unseren Alltag. Ein Paar sucht eine Unterkunft wenigstens f\u00fcr eine Nacht, kein Hotelbett ist frei. Es ist Hochsaison. Es bleibt nur ein Stall. Dort mu\u00df die Frau geb\u00e4ren. Keine hygienisch reine Klinik, keine Schwestern, kein freundlicher Arzt. Die Frau hat keine Erfahrung. Es ist ihre erste Geburt. Josef hat keine Zeit, aufgeregt irgendwelche Flure auf- und abzulaufen. Dann geht die Geschichte aber ganz anders weiter. Ein Engel erscheint und dann ein ganzer Chor. Sie singen: \u201eGloria in excelsis deo!\u201c \u201eEhre sei Gott in der H\u00f6he\u201c. Wir singen seitdem diesen Vers in unseren Gottesdienst auf Deutsch oder Latein.<\/p>\n<p>H\u00f6he meint, Gott \u00fcberblickt alles und hat alles in seiner Hand. \u201eHe hold the whole world in his hand.\u201c H\u00f6he meint nicht einen Himmel im Sinne einer alten, \u00fcberholten Vorstellung von der Welt. Dieser Gott, der alles in seiner Hand hat, schickt uns seinen Sohn, und l\u00e4dt uns durch ihn ein, mit seinem Sohn zusammenzuleben. Das meint Weihnachten.<\/p>\n<p>Der Unterschied zu dem, was wir sonst erleben, ist kaum gr\u00f6\u00dfer denkbar. Die Weihnachtsgeschichte weist auf diesen Widerspruch hin. Ein Stall, ein Chor der Engel und gleich davor noch nennt sie den Kaiser Augustus. Ein Ausleger, Stuhlmacher (in Z\u00fcricher-Kommentar z.St.) spricht von \u201efeiner Ironie\u201c. Augustus, der Kaiser in Rom, der m\u00e4chtige Herrscher, f\u00fchrt ein neues Steuersystem ein, um die Leute besser, d.h. h\u00e4rter zur Kasse bitten zu k\u00f6nnen. Und durch diesen Befehl kommt es dazu, da\u00df Jesus in Bethlehem geboren wird. Gott benutzt den gro\u00dfm\u00e4chtigen Kaiser f\u00fcr seine Zwecke. Und \u2013 gleich eine weitere Ironie, die die Leser zu Lukas Zeit sehr gut verstanden \u2013 Augustus lie\u00df sich gern \u201eWeltheiland\u201c nennen. Er, Augustus, mu\u00df daf\u00fcr sorgen, da\u00df der wahre Weltheiland in der Stadt Davids geboren wird.<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Unser Predigttext formuliert diese Tatsache auf gut biblisch. Wir, Sie liebe Gemeinde und ich, kennen die biblische Sprache gut, vielleicht so gut, da\u00df wir sie schon \u00fcberh\u00f6ren. Unser Predigttext stellt die Bedeutung von Weihnachten heraus, indem er auf die Konsequenzen hinweist. Die entscheidende Konsequenz ist, wie der Text sagt, die \u201eS\u00fcnde\u201c. Damit ist alles das gemeint, was unsere Zeitung f\u00fcllt, Krieg gegen die eigene Bev\u00f6lkerung in Jugoslawien, in Tschetschenien und anderswo, Politikskandale in Deutschland und anderswo. Diese S\u00fcnde ist so allt\u00e4glich, da\u00df wir l\u00e4ngst mit ihr umzugehen gelernt haben. So entr\u00fcsten wir uns und verweisen auf die anderen, die jeweils anderen mit deren Skandalen. Aber so billig geht es nicht. Der Predigt nennt deshalb S\u00fcnde auch Gesetzlosigkeit. Sie ist der Gegensatz von Gerechtigkeit. Sie hat mit jener nichts gemein. Die Krimis im Fernsehen meinen das Problem dadurch zu l\u00f6sen, da\u00df die Handschellen am Ende klicken. Goethes Faust geht hier tiefer. Gretchen liebt Faust. Sie liebt ihn mit Hingabe. Sie tut alles f\u00fcr Faust. Schlie\u00dflich landet sie im Gef\u00e4ngnis. Faust gelingt es mit Hilfe des Teufels ins Gef\u00e4ngnis hineinzukommen und mit Gretchen zu sprechen. Er will sie befreien. Sie will nicht. Sie bleibt lieber im Gef\u00e4ngnis, obwohl sie dort der Tod erwartet. Sie ruft, sie schreit: \u201eGericht Gottes! dir hab\u2018 ich mich \u00fcbergeben! &#8230; dein bin ich, Vater! rette mich!.\u201c Gericht \u2013 Rettung. Zwei Gegens\u00e4tze. Gericht f\u00fcr Gesetzlosigkeit, Rettung f\u00fcr Hilfe, Liebe.<\/p>\n<p>Gott selbst kann nur helfen. Faust beklagt den Gegensatz der Welt. Er lebt in beiden, m\u00f6chte in beiden Welten leben, wenn er auch dar\u00fcber beredt klagt: \u201eZwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.!\u201c Aber auch er, Faust, mu\u00df am Ende erkennen, da\u00df nur Liebe ihn rettet.<\/p>\n<p>Wie geht es nach Weihnachten weiter? Was sind die Konsequenzen fragten wir vorhin. Die Antwort ist: Die Liebe von Weihnachten, von damals in der Krippe, wirkt weiter. Gott vergi\u00dft uns nicht. Jesus vergi\u00dft seine Br\u00fcder und Schwestern nicht. Daran d\u00fcrfen und k\u00f6nnen wir uns halten, wenn wir wieder einmal tief in die Gesetzlosigkeit hinabgerutscht sind. Gott h\u00e4lt die ganze Welt in seiner Hand mit Liebe.<\/p>\n<p>Unser Predigttext beginnt mit den Worten: \u201eSeht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, da\u00df wir Gottes Kinder hei\u00dfen sollen \u2013 und wir sind es auch!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Lieder: Gelobet seist du Jesu Christ. O, du fr\u00f6hliche<\/p>\n<p><b>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\">E-Mail: unembac@gwdg.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Weihnachtsfeiertag | 25. Dezember 1999 | 1. Johannes 3,1-6 | Ulrich Nembach | Liebe Gemeinde, \u201eGelobet seist Du, Jesu Christ, da\u00df Du Mensch geboren bist&#8230;.\u201c, sangen wir eben. Nachher werden wir stehend singen \u201eO, du fr\u00f6hliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. 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