{"id":21464,"date":"1999-10-15T11:02:19","date_gmt":"1999-10-15T09:02:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21464"},"modified":"2025-04-17T09:47:20","modified_gmt":"2025-04-17T07:47:20","slug":"reformationstag-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/reformationstag-1999\/","title":{"rendered":"Reformationstag 1999"},"content":{"rendered":"<h3>Homilie im Gottesdienst zur Unterzeichnung der Gemeinsamen Offiziellen Feststellung zur Rechtfertigungslehre in der St. Anna Kirche zu Augsburg | 31.10.1999 | Christian Krause |<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\">Es gilt das gesprochene Wort<\/p>\n<p><b>Apostolischer Gru\u00df<\/b><\/p>\n<p>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!<\/p>\n<p><b>Das Ereignis auf den Punkt gebracht:<\/b><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder in Christus,<\/p>\n<p>wir sind Zeugen eines bedeutenden Tages in der Geschichte unserer Kirchen. Zum ersten Mal nach Jahrhunderten betreten wir wieder gemeinsamen Boden. Mit der feierlichen Unterzeichnung der Gemeinsamen Offiziellen Feststellung zur Rechtfertigungslehre bekr\u00e4ftigen wir \u00dcbereinstimmung, wo es vor 469 Jahren zum Bruch gekommen war: in der Frage des Verh\u00e4ltnisses Gottes zum Menschen und des Menschen zu Gott.<\/p>\n<p><b>Einordnung in den \u00f6kumenischen Proze\u00df:<\/b><\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten ist es in unseren Gemeinden zu zahllosen Begegnungen zwischen katholischen und evangelischen Christen gekommen. Wir sind aufeinander zugegangen, haben einander zugeh\u00f6rt und miteinander gebetet. Vertrauen und Hoffnung sind gewachsen: Das, was uns verbindet, ist st\u00e4rker als das, was uns unterscheidet oder trennt.<\/p>\n<p>In diesen Erfahrungen wurzelt auch das theologische Gespr\u00e4ch, das mit der Gemeinsamen Erkl\u00e4rung und Offiziellen Feststellung zur Rechtfertigungslehre eine in die Zukunft weisende Etappe erreicht hat. Weitere Schritte sollen und m\u00fcssen folgen. Denn viele Probleme harren noch sorgf\u00e4ltiger Pr\u00fcfung und bed\u00fcrfen umsichtiger Kl\u00e4rung. Doch die Richtung, die den Weg in die Zukunft weist, ist deutlich und klar bestimmt.<\/p>\n<p><b>Dank und Gru\u00df an die weltweite Gemeinschaft<\/b><\/p>\n<p>In dieser Stunde ist aufrichtig zu danken: denen, die in langen Verhandlungen geduldig um Verst\u00e4ndigung bem\u00fcht waren; denen, die durch konstruktive Kritik zu Verbesserungen beigetragen haben; den zahllosen Menschen in unseren Kirchen, f\u00fcr die es ein Herzensanliegen ist, da\u00df wir einander n\u00e4her kommen und die daf\u00fcr beten. Wir gr\u00fc\u00dfen sie als unsere Schwestern und Br\u00fcder und rufen ihnen mit dem Wort des Apostel Paulus zu: Wir danken unserem Gott f\u00fcr Eure Gemeinschaft am Evangelium. (Phil. 1, 3).<\/p>\n<p><b>Zur\u00fcckf\u00fchrung auf die ecclesia invisibilis:<\/b><\/p>\n<p>Diesen Tag haben Menschen in unseren Kirchen herbeigef\u00fchrt. Trotzdem wissen wir als Christen, wie es Martin Luther ausgedr\u00fcckt hat: \u201eWir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten k\u00f6nnten. Unsere Vor-fahren sind es auch nicht gewesen. Unsere Nachkommen werden es auch nicht sein, sondern der ist\u00b4s gewesen, ist\u00b4s noch und wird\u00b4s sein, der da sagt: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt \u201c<\/p>\n<p><b>Die vorgegebene Blickrichtung: theologia crucis und Bekenntnis der Schuld<\/b><\/p>\n<p>Gemeinsam richten wir unsere Augen auf das Kreuz. Dort begreifen wir die rettende Botschaft f\u00fcr jeden von uns. \u00dcber dem Kreuz Jesu Christi, der in die tiefste Tiefe des Leidens gesto\u00dfen wurde, breitet der barmherzige Gott seine Arme aus. Gegen\u00fcber so gro\u00dfer Liebe bekennen wir, da\u00df wir als einzelne und als Kirchen gegeneinander und gegen andere schuldig geworden sind.<\/p>\n<p>Aus Gegnerschaft, oft auch Feindschaft zwischen unseren Kirchen sind Konflikte, Not und Leid f\u00fcr viele Menschen in vielen L\u00e4ndern dieser Erde erwachsen. Wir bitten um Gottes gn\u00e4dige Vergebung. M\u00f6ge er uns neue Kraft zur Vers\u00f6hnung und Mut zum Frieden schenken!<\/p>\n<p><b>\u00d6kumenische Diakonie:<\/b><\/p>\n<p>Keine Macht der Welt kann uns von Gottes Liebe scheiden. Niemand kann sie sich verdienen oder erzwingen. Gott gibt sie umsonst, aber nicht vergeblich! Die Liebe Gottes geht weiter in den Spuren der G\u00fcte, der Gerechtigkeit und der Wahrheit. Sie ist die unsichtbare Kraft im Dienst und Opfer aller, die in Treue das Gute tun. Der erreichte Konsens im Wort wird glaubw\u00fcrdig im gemeinsamen Tun und in der gemeinsamen Anstrengung unserer Kirchen, wo wir Menschen in leiblicher und seelischer Not helfend begegnen.<\/p>\n<p><b>Taufe und \u00d6kumene der historischen Kirchen:<\/b><\/p>\n<p>Mit dem Kreuz werden die Kinder bei der Taufe gezeichnet. Auch wir haben dieses Zeichen empfangen, sind in Christi Tod und Auferstehung einbezogen. Das Band der Taufe vereint die Christen \u00fcberall auf der Erde. \u201eEin Herr, ein Glaube, eine Taufe\u201c (Epheser 4,5). In der Taufe sind auch die gro\u00dfen Kirchenfamilien miteinander verbunden. Von daher gilt, was Papst Johannes Paul II 1980 zum 450-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Augsburgischen Bekenntnisses in seiner Gru\u00dfbotschaft geschrieben hat: \u201eDer Wille Christi und die Zeichen der Zeit dr\u00e4ngen uns zu einem gemeinsamen Zeugnis in wachsender F\u00fclle der Wahrheit und Liebe.\u201c<\/p>\n<p><b>Die Universalit\u00e4t der Friedensbotschaft von Bethlehem:<\/b><\/p>\n<p>Es ist eine Kostbarkeit in der Nachfolge Jesu, da\u00df wir zu einer universalen Gemeinschaft geh\u00f6ren, die auch weltweit f\u00fcreinander einzustehen vermag. Das gilt gerade f\u00fcr die Schwachen, die nicht mehr mithalten k\u00f6nnen und die bei dem, was wir heute Globalisierung nennen, unterzugehen drohen. Die Friedensbotschaft von Bethlehem braucht ihre Tr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger. Wie sollte das gehen, wenn wir nicht bei uns selber damit anfangen? So will auch die Gemeinsame Erkl\u00e4rung den Weg freimachen zur Gastfreundschaft in der Teilhabe an den Gaben Gottes f\u00fcr alle Menschen.<\/p>\n<p><b>Schlu\u00df und noch einmal der entscheidende Punkt:<\/b><\/p>\n<p>Wir hoffen, da\u00df unsere Kinder eines Tages zur\u00fcckblicken und sagen: &gt;&gt; Der Reformationstag in Augsburg 1999 war ein wichtiger Schritt zum gemeinsamen Zeugnis unserer Kirchen. Von diesem Tag an hat sich unsere Gemeinschaft weiter vertieft und gefestigt.&lt;&lt; Die H\u00e4nde, die wir einander reichen, d\u00fcrfen wir nicht wieder loslassen. In Dankbarkeit beten wir zu Gott, da\u00df er diesen Tag segnen und uns in seiner Wahrheit leiten m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Pr\u00e4sident des Lutherischen Weltbundes, Landesbischof Christian Krause<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Homilie im Gottesdienst zur Unterzeichnung der Gemeinsamen Offiziellen Feststellung zur Rechtfertigungslehre in der St. Anna Kirche zu Augsburg | 31.10.1999 | Christian Krause | Es gilt das gesprochene Wort Apostolischer Gru\u00df Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! 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