{"id":21466,"date":"1999-10-15T11:03:17","date_gmt":"1999-10-15T09:03:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21466"},"modified":"2025-04-16T21:04:56","modified_gmt":"2025-04-16T19:04:56","slug":"reformationstag-1999-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/reformationstag-1999-2\/","title":{"rendered":"Reformationstag 1999"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\">\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/archiv.php\"><span style=\"font-family: Arial;\"><b>G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/b><\/span><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><b>St. Petersburg: Predigt anl\u00e4\u00dflich der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre | Reformationstag | 31. Oktober 1999 | Georg Kretschmar |<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b>Predigt am 31. Oktober 1999 in Augsburg, St. Ulrich<\/b><\/p>\n<p>Hohe und liebe Festgemeinde,<\/p>\n<p>in diesen Tagen und Monaten geht mir immer wieder ein Text durch den Kopf, der vor 100 Jahren entstanden ist aus der Feder der gro\u00dfen russischen Religionsphilosophen Wladimir Sergeewitsch Solowjow. Wir nennen diesen Text \u201eDie Legende vom Antichrist\u201c. Da der Autor im Jahr darauf starb, ist sie gleichsam sein geistliches Testament. Er kam aus orthodoxer Tradition, aber am Ende ging es ihm nur um die eine Kirche Christi auf Erden. Solowjow schildert im R\u00fcckgriff auf uralte Traditionen die letzten Tage der Menschheit. Im 21. Jahrhundert entstehen die Vereinigten Staaten von Europa, der Materialismus als Ideologie bricht zusammen, die Erdteile r\u00fccken politisch und \u00f6konomisch immer mehr zusammen. Und diese umfassende Globalisierung wird der Rahmen f\u00fcr das Auftreten des Antichristen. Er bringt Frieden und Wohlstand und kann die Mehrzahl der Christen und Juden auf seine Seite ziehen. Die geistlichen F\u00fchrer der gro\u00dfen christlichen Gemeinschaften allerdings durchschauen ihn. Sie ziehen aus der gro\u00dfen Weltkonzil aus. Schlie\u00dflich treffen Papst Peter, Bischof und Starez Johannes und der evangelische Theologieprofessor Ernst Pauli zusammen. Sie umarmen sich. \u201eSo vollzog sich die Vereinigung der Kirchen in finsterer Nacht an einem hochgelegenen und einsamen Ort\u201c. Es gibt keine Lehrerkl\u00e4rungen, keine Neubestimmung fr\u00fcherer Verurteilungen. Es z\u00e4hlt nur noch eins: das Christusbekenntnis, das \u201eJa\u201c zu Christus und das \u201eNein\u201c zum Antichrist.<\/p>\n<p>Das hat etwas mit Rechtfertigung zu tun, obgleich Solowjow, als orthodoxer Christ, kaum das Wort Rechtfertigung kannte, noch gelernt hatte, in der Sprache dieser Tradition zu denken. Aber er hat die Mitte des Glaubens, das Evangelium, herausgestellt: Christus allein.<\/p>\n<p>Wir werden schon das nun zu Ende gehende 20. Jahrhundert nur mit apokalyptischen Kategorien erfassen k\u00f6nnen. Millionen von M\u00e4rtyrern, wie nie zuvor in der Geschichte, Millionen ermordeter Juden. Die meisten dieser Toten lebten in der damaligen Sowjetunion.<\/p>\n<p>Bei Solowjow ziehen am Ende Juden und Christen vom Jordantal und vom Sinai her dem in Herrlichkeit erschienenen Christus in Jerusalem entgegen.<\/p>\n<p>2. Das ist Vision der Zukunft. Wir haben erfahren, dass sich nach dem Ende der Verfolgungen und Repressionen Kirche, faktisch die Kirchen auf dem Gebiet der fr\u00fcheren Sowjetunion, wieder sammeln konnte. Es ist f\u00fcr mich ein kaum fassbares Wunder: obgleich wohl vier f\u00fcnftel der Menschen, die vor der Wende zu unseren lutherischen Gemeinden z\u00e4hlten, inzwischen ausgewandert sind, haben wir kaum weniger Gemeinden, als damals. Im Europ\u00e4ischen Russland und in der Ukraine sind neue junge Gemeinden gewachsen, mit einer anderen Spiritualit\u00e4t, als die Br\u00fcdergemeinden in Asien. Beide Traditionen zusammen zu sehen und zusammen zu halten ist eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Kirche.<\/p>\n<p>3. Vor einer Woche war ich in einer kleineren Stadt Sibiriens zu einem Gottesdienst geladen. Eine Diakonisse aus Deutschland, aus der Michowitzen Schwesternschaft, sammelt jetzt zweimal in der Woche meist alleinstehende Frauen, die auf der Suche nach einem Ort sind, wo sie Kraft und Sinn f\u00fcr ihr meist schweres Leben finden. Es sind gro\u00dfartige Frauen, die hungern und d\u00fcrsten nach Gottes Gerechtigkeit, dem Evangelium. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Traditionen. Aber am Gottesdienst der lutherischen Ortsgemeinde, in der alten bruderschaftlichen Tradition, k\u00f6nnen sie faktisch nicht teilnehmen. Dort stehen noch die alten Festungsmauern aus der Zeit des Bekenntnisses gegen den Antichristen: es wird noch Deutsch gesprochen, Kleidervorschriften sind zu beachten, Frauen d\u00fcrfen den Mund nicht auftun, Kinder sind ausgeschlossen. Diese Gemeinde tapferer und treuer Bekenner wird recht bald ausgestorben sein. Die Engel werden sie im Himmel empfangen und zu Ehrenpl\u00e4tzen geleiten. Aber auf Erden haben sie sich ihre Zukunft verbaut.<\/p>\n<p>Sind die Frauen um Schwester Brigitte die neue Gemeinde? Das weiss nur Gott allein. Aber sie werden wohl dazugeh\u00f6ren. So wie an diesen sibirischen Ort, ist es nicht \u00fcberall in Asien. Gerade in Mittelasien haben die alten Gemeinden sich ge\u00f6ffnet, sammeln Menschen, die auf dem Wege zum Glauben sind, aus vielen Nationalit\u00e4ten und Sprachen. Auch diese Spiritualit\u00e4t ist Christus Bekenntnis.<\/p>\n<p>4. Aber nun f\u00fchrt uns ja heute das Thema Bekenntnis in einer besonderen Zuspitzung zusammen. Theologische Lehraussagen als Christusbekenntnis. Das ist ein spezifisch lutherischer Sprachgebrauch, der viel mit Augsburg zu tun hat. Hier ist die von Melanchton 1530 erarbeitete Schutzschrift der Protestanten zur \u201eConfessio Augustano\u201c geworden. Auch die altkirchlichen Symbole, Apostolicum und Nicaenum, nennen wir, Lutheraner, Glaubensbekenntnisse. Andere Kirchen haben das in der Regel nicht \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Kann man Jahrhunderte alter Lehrstreit um die Wahrheit des Glaubens, um das Evangelium, durch gemeinsame Lehraussagen heute \u00fcberwinden? Gemeinsam Christus bekennen gegen\u00fcber dem Antichristen, gemeinsam sterben, das kann man. Kann man das auch in Worte fassen? Ist ein Text wie die \u201eGemeinsame Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre\u201c \u00fcberhaupt im Zusammenhang des Herrenwortes zu stellen: \u201eWer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem Himmlischen Vater\u201c?<\/p>\n<p>Man muss es doch wohl; denn es geht jedes Mal um Christus allein, den gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes, es geht um das Evangelium und unser Heil hier und vor Gottes Thron. Wir sollten uns davor h\u00fcten, nur die Schlachten von gestern zu schlagen, wie die tapferen Schwestern und Br\u00fcder in ihrem Bethaus in Sibirien, von dem ich sprach.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wird alten Lehrstreit nur \u00fcberwunden, wenn klar ist, dass wir die gleiche Kirche sind, wie unsere V\u00e4ter damals. Deshalb muss eine gemeinsame Erkl\u00e4rung ganz lutherisch und ganz katholisch sein, sonst kann sie niemand unterschreiben. Aber vor allem muss sie den Weg freimachen f\u00fcr das gemeinsame Christusbekenntnis heute vor den Menschen, nicht den Menschen von damals, sondern unseren Zeitgenossen, sollten Christen sein oder Suchende, wie die Frauen aus Sibirien, oder Atheisten.<\/p>\n<p>Vom gemeinsamen Sterben in den Lagern der Sowjetunion und auch den Konzentrationslagern in Deutschland ist in der Regel wenig nach Au\u00dfen gedrungen. Aber ich bin \u00fcberzeugt, dass die Gebete der M\u00e4rtyrer von Gott darin erh\u00f6rt worden sind, dass Er uns in unseren Kirchen eine Neuanfang geschenkt hat. Was die Zukunft bringen wird, wissen wir nicht. Aber heute sollen und d\u00fcrfen wir gemeinsam Zeugen des Evangeliums sein und damit gemeinsam Christus bekennen.<\/p>\n<p>M\u00f6ge der heutige Tag uns darin gemeinsam voran bringen.<\/p>\n<p>Amen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b>Erzbischof Prof. Dr. Georg Kretschmar, St. Petersburg<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/noch%20zu%20bearbeiten\/augsburg-2.html#top\"><b>(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/b><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=augsburg-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch St. Petersburg: Predigt anl\u00e4\u00dflich der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre | Reformationstag | 31. 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