{"id":21468,"date":"2000-10-15T11:04:21","date_gmt":"2000-10-15T09:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21468"},"modified":"2025-04-17T09:44:34","modified_gmt":"2025-04-17T07:44:34","slug":"reformationstag-1999-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/reformationstag-1999-3\/","title":{"rendered":"Reformationstag 1999"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial;\"><b>Edward Idris Cardinal Cassidy, Pr\u00e4sident, P\u00e4pstlicher Rat zur F\u00f6rderung der Einheit der Christen: <\/b><\/span><span style=\"font-family: Arial;\"><b>Predigt anl\u00e4\u00dflich der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre | Reformationstag | 31. Oktober 1999 |<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\"><b>in Augsburg, St. Anna<\/b><\/span><\/p>\n<p>1. Im ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther legt der V\u00f6lkerapostel den ersten Christen von Korinth die besondere Rolle dar, die Gott ihm verliehen hat, als er ihn dazu berief, die gute Nachricht von der Erl\u00f6sung der heidnischen Welt zu verk\u00fcnden. Er war dazu berufen worden, die Kirche Christi aufzubauen, indem er die festen Grundlagen legte, auf denen der ganze Bau ruhen sollte. Er war dazu bestimmt, der Baumeister zu sein und derjenige, der das Werk beginnen sollte. Andere w\u00fcrden dann kommen und dieses Werk fortsetzen. &#8222;Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde&#8220;, so schreibt er, &#8222;habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt, ein anderer baut darauf weiter.&#8220;<\/p>\n<p>2. Um gut zu bauen, ist es wesentlich, da\u00df die Grundlagen um den Eckstein gelegt sind, der einen neuen Bau unterst\u00fctzt und fest zusammenh\u00e4lt. F\u00fcr den Heiligen Paulus konnte dieser Eckstein nur einer sein, Jesus Christus. In diesem Namen hatte er den Bau begonnen, und wer auch immer den Bau weiterf\u00fchren wollte, w\u00fcrde es auf dieser Grundlage tun m\u00fcssen: &#8222;Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.&#8220;<\/p>\n<p>3. Wir, die wir heute hier versammelt sind, zwanzig Jahrhunderte sp\u00e4ter, sind dazu aufgerufen, diesen Bau fortzusetzen. Wir z\u00e4hlen zu denen, an die sich der Heilige Paulus wendet, wenn er von &#8222;einem anderen&#8220; spricht, &#8222;der darauf weiterbaut&#8220;. Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, den Bau fortzusetzen, sondern wir haben leider auch die Pflicht, den Schaden zu reparieren, der diesem Bau durch die St\u00fcrme, Auseinandersetzungen und zuweilen durch Menschen verursachte Erdbeben zugef\u00fcgt worden sind. Wir m\u00fcssen dies zusammen tun, indem wir auf dem einen Grundstein aufbauen, der bereits gelegt wurde, Jesus Christus und sein Evangelium. Die Gute Nachricht von Jesus Christus ist heute ebenso g\u00fcltig wie sie es f\u00fcr die Menschen von Korinth zur Zeit des Heiligen Paulus war. Sie ist die gute Nachricht der Erl\u00f6sung f\u00fcr alle Menschen zu allen Zeiten.<\/p>\n<p>4. Der Heilige Paulus hatte Erfolg in seiner Aufgabe &#8222;der Gnade Gottes entsprechend, die ihm geschenkt wurde&#8220;. Auch uns ist es hier an diesem Tag gelungen, ein Dokument mitzubringen, das in bedeutsamer Weise die Arbeit, die Einheit unter den Anh\u00e4ngern Christi wiederherzustellen, vorantreibt. Da\u00df es uns gelungen ist, ist mit Sicherheit &#8222;der Gnade Gottes entsprechend, die uns geschenkt wurde&#8220;, einer Gnade, die frei zu uns gekommen ist und unsere Herzen und unser Denken den Eingebungen des Heiligen Geistes ge\u00f6ffnet hat. Wir danken Gott f\u00fcr diese Gnade genauso wie wir versprechen, die Aufgabe fortzuf\u00fchren, den Bau, der seine Kirche ist, wiederherzustellen.<\/p>\n<p>5. Schlie\u00dflich erinnert der Heilige Paulus die, welche am Reich Gottes mitarbeiten, daran, &#8222;darauf zu achten, wie sie weiterbauen&#8220;. Achten wir auf diese Warnung. Seien wir uns bewu\u00dft, wie dringend die Aufgabe ist, die uns anvertraut wurde. Die <i>Gemeinsame Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre<\/i> hat neues Leben und neue Hoffnung f\u00fcr die gesamte \u00f6kumenische Bewegung gebracht, wo wir uns jetzt dem Ende dieses zweiten Jahrtausends n\u00e4hern. Wir m\u00fcssen auf dieser Hoffnung aufbauen, da wir hier in Europa im besonderen dazu herausgefordert sind, unsere Anstrengungen zu erneuern und vielen, die sich weit von ihrem traditionellen Glauben entfernt haben, das Evangelium zu verk\u00fcnden. Unsere Trennungen sind ein gro\u00dfes Hindernis f\u00fcr diese Aufgabe. Unser Mangel an Liebe zueinander, die wir Br\u00fcder und Schwestern im einen Herrn Jesus Christus sind, zerst\u00f6rt die Glaubw\u00fcrdigkeit unserer Predigt vom Evangelium der Liebe. Wenn wir f\u00fcr den erreichten Fortschritt danken, la\u00dft uns erkennen, da\u00df die vor uns liegende Stra\u00dfe noch lang und schwierig ist, aber auch &#8222;so voller Freude&#8220;, wie es Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika <i>Ut Unum Sint &#8211; \u00dcber den Einsatz f\u00fcr die \u00d6kumene (Nr. 2) <\/i>ausgedr\u00fcckt hat. Diese Freude wird die unsrige sein, und sie wird in der Tat von Millionen von anderen geteilt werden, wenn wir heute von der Erfahrung von Augsburg lernen, wie wir mit offenem Geist und gro\u00dfz\u00fcgigem Herzen weitergehen &#8222;von der Liebe geleitet, an der Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt. Durch ihn wird der ganze Leib zusammengef\u00fcgt und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk. Jedes tr\u00e4gt mit der Kraft die ihm zugemessen ist&#8220; (Eph 4, 15-16).<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\"><b>Edward Idris Cardinal Cassidy<\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Edward Idris Cardinal Cassidy, Pr\u00e4sident, P\u00e4pstlicher Rat zur F\u00f6rderung der Einheit der Christen: Predigt anl\u00e4\u00dflich der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre | Reformationstag | 31. Oktober 1999 | in Augsburg, St. Anna 1. 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