{"id":21470,"date":"2000-04-15T11:05:10","date_gmt":"2000-04-15T09:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21470"},"modified":"2025-04-23T09:22:04","modified_gmt":"2025-04-23T07:22:04","slug":"jesaja-40-1-11-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-40-1-11-4\/","title":{"rendered":"Jesaja 40, 1-11"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zum Beginn der 13. \u00d6kumenischen Bibelwoche | Jesaja 40, 1-11 | Hans Joachim Schliep |<\/h3>\n<p>Text: Jesaja 40, 1-11<\/p>\n<p>[&#8230;..] wird nicht gelesen, da es sich um Regieanweisungen im biblischen Text handelt<\/p>\n<p>1. Stimme \u2013 Altar: Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk:<br \/>\n[sprich euer Gott].<br \/>\nRedet Jerusalem zu Herzen<br \/>\nund verk\u00fcndet der Stadt,<br \/>\nda\u00df ihr Frondienst zu Ende geht<br \/>\nda\u00df ihre Schuld beglichen ist:<br \/>\ndenn sie hat die volle Strafe erlitten<br \/>\nvon der Hand des Herrn<br \/>\nf\u00fcr alle ihre S\u00fcnden.<\/p>\n<p>2. Stimme \u2013 Lesepult: [Eine Stimme ruft:]<br \/>\nBahnt f\u00fcr den Herrn<br \/>\neinen Weg durch die W\u00fcste!<br \/>\nBaut in der Steppe eine ebene Stra\u00dfe<br \/>\nf\u00fcr unseren Gott!<br \/>\nJedes Tal soll sich heben,<br \/>\njeder Berg und H\u00fcgel sich senken.<br \/>\nWas krumm ist, soll gerade werden,<br \/>\nund was h\u00fcgelig ist, werde eben.<br \/>\nDenn offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn,<br \/>\nalle Sterblichen werden sie sehen.<br \/>\nJa, der Mund des Herrn hat gesprochen.<br \/>\n[Eine Stimme sagte:]<br \/>\nVerk\u00fcnde!<\/p>\n<p>3. Stimme \u2013 Kanzel: [Ich fragte:]<br \/>\nWas soll ich verk\u00fcnden?<br \/>\nAlles Sterbliche ist wie das Gras<br \/>\nund all seine Sch\u00f6nheit ist wie die Blume auf dem Feld.<br \/>\nDas Gras verdorrt, die Blume verwelkt,<br \/>\nwenn der Atem des Herrn dar\u00fcber weht.<br \/>\nWahrhaftig, Gras ist das Volk:<\/p>\n<p>2. Stimme \u2013 Lesepult: Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt,<br \/>\ndoch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.<\/p>\n<p>1. Stimme \u2013 Altar: Steig auf einen hohen Berg,<br \/>\nZion, du Botin der Freude!<br \/>\nErheb deine Stimme, f\u00fcrchte dich nicht!<br \/>\nSag den St\u00e4dten in Juda:<br \/>\nSeht, da ist euer Gott.<\/p>\n<p>3. Stimme \u2013 Kanzel: Seht, Gott der Herr kommt mit Macht,<br \/>\ner herrscht mit starkem Arm.<br \/>\nSeht er bringt einen Siegespreis mit:<br \/>\nAlle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.<br \/>\nDie L\u00e4mmer tr\u00e4gt er auf dem Arm,<br \/>\ndie Mutterschafe f\u00fchrt er behutsam.<\/p>\n<p>2. Stimme \u2013 Lesepult: Herr, dein Wort ist meines Fu\u00dfes Leuchte<br \/>\nGemeinde: und ein Licht auf meinem Wege!<\/p>\n<p>Jesus Christus \u2013 gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p>Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk.<br \/>\nHimmlische Worte, liebe Gemeinde, am Beginn unserer 13. \u00d6kumenischen Bibelwoche.<\/p>\n<p>Auch der \u201eMessias\u201c (1742), das gro\u00dfe Oratorium, beginnt mit der Tenor-Arie: \u201eTr\u00f6ste dich, mein Volk\u201c. Schon im Barock hat der Komponist und Theatermann H\u00e4ndel empfunden, wie neuerdings die Lieder und Spr\u00fcche im zweiten Jesaja-Buch ausgelegt werden: als Text- und Dreh-Buch eines \u201eliturgischen Dramas\u201c.Gottesdienst als Szenen-Spiel, aufgef\u00fchrt von Tempels\u00e4ngern, verfa\u00dft nach alten Texten in Priester- und Propheten-Kreisen. Einst geh\u00f6rten sie zum Jerusalemer Tempel. Der liegt seit 587 v. Chr. in Schutt und Asche. Die gro\u00dfe Mehrheit des Volkes von Juda und Jerusalem wurde verschleppt nach Babylon.<\/p>\n<p>Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk&#8230; Worte vom Himmel. Ein heiliges Spiel beginnt, das auf Erden aufgef\u00fchrt wird. Auf Erden: in einer schwierigen und schmierigen, besch\u00e4digten und schuldbeladenen Welt Die &gt;Scena&lt;, zu deutsch: das Zelt, die B\u00fchne f\u00fcr dieses heilige St\u00fcck steht am unheiligen Ort. Verbannte spielen es f\u00fcr Verbannte. Selbst in Konzentrationslagern wurden heilige St\u00fccke gespielt: \u201eSie werden uns das Leben rauben, aber nicht unsere Hoffnung!\u201c Und die Steine schreiben, wie es schon beim alten Propheten hei\u00dft (Hab 2,11). Am 27. Januar 1945 endlich betraten die H\u00e4ftlinge von Auschwitz die Stra\u00dfe der Freiheit. \u201eZu Ende die Fron. An der Stra\u00dfe durch die W\u00fcste wird schon gebaut.\u201c So klingt es durch die Jahrtausende vom zweiten Jesaja her: Mitten im alten ein neues Spiel. Zwischen irdischen Dissonanzen ein himmlisches Lied.<\/p>\n<p>Ist noch bei Trost, wer solchen Trost spenden will \u2013 an keine Bedingungen mehr kn\u00fcpft? \u201eNur aus dem Unm\u00f6glichen heraus kann die Welt gerettet werden.\u201c \u2013 sagt Dietrich Bonhoeffer, als sich unser Volk v\u00f6llig verrannt, gleichsam selbst verbannt hat in der organisierten Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus. Am 30. Januar 1933 ergriff er auch offiziell die Macht.<\/p>\n<p>\u201eNur aus dem Unm\u00f6glichen heraus kann die Welt gerettet werden.\u201c So ist dieses heilige Spiel angelegt: Hinter dem Vorhang, ohne ansage, v\u00f6llig unvermittelt der Zu-Spruch: Tr\u00f6stet..! Ein Zu-Ruf, der eine Ruf-Kette in Gang setzt: Redet&#8230;! Bahnt&#8230;! Baut&#8230;! Steig&#8230;! Erheb&#8230;! Sag&#8230;! Seht&#8230;!<\/p>\n<p>Dieser &gt;Prolog im Himmel&lt; ist das Vor-Spiel f\u00fcr das Spiel, das in den folgenden Akten, den weiteren Kapiteln des prophetischen Buches ohne eigenen Namen vorgef\u00fchrt wird. Wie bei Hiob, wie in Goethe\u2019s \u201eFaust\u201c.<\/p>\n<p>Ein solcher Trost-Ruf mu\u00df erst einmal aus dem &gt;Off&lt; kommen, kann keine andere als eine Stimme vom Himmel sein. Denn auf Erden ist von alledem noch nicht das Geringste zu sp\u00fcren, da r\u00fchrt sich noch nichts. Aber im Himmel werden l\u00e4ngst die letzten Vorbereitungen zur Rettung der Welt getroffen. Das ist Prophetie: gl\u00e4ubiges Wahrnehmen dessen, was sich im Verborgenen entwickelt. Prophetie sagt an, was dran ist, wenn man die Welt im Lichte Gottes betrachtet.<\/p>\n<p>Lasse ich nur mein eigenes Licht leuchten \u2013 schnell stocke und stolpere ich. Das Wort, das mir weiterhilft, ist das Wort, das mich an-spricht. Der hier den Trost weitergeben soll, dr\u00fcckt es so aus: Was soll ich verk\u00fcnden? Alles Sterbliche ist wie das Gras und all seine Sch\u00f6nheit ist wie die Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, wenn der Atem des Herrn dar\u00fcber weht. Ihm selbst wird erst einmal eine Antwort zuteil: Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.<\/p>\n<p>\u201eSag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?\u201c Wird hier zum wiederholten mal die allgemeine Verg\u00e4nglichkeit beklagt? Keineswegs. Es geht um wahren und falschen Trost. Wer noch halbwegs bei Trost ist, wei\u00df ja: Alles, was Menschen ersinnen, kann keinen letzten Trost und Halt bieten.<\/p>\n<p>\u201eWann wird man je verstehn? Wann wird man je verstehn?\u201c Ein Trost, der in Ablenkung und Vergn\u00fcgen gesucht wird, kommt ganz schnell abhanden. Die epidemische Lustigkeit unserer Zeit scheint mir nur Ausdruck tragisch-trostloser Lustlosigkeit zu sein. Aber gerade um fr\u00f6hlich und lebens-zugewandt, kreativ und phantasievoll zu sein, brauchen wir tiefes Getr\u00f6stet-Sein.<\/p>\n<p>Ein Trost, der durch Gerichts- und Bu\u00df-Predigt wie mit Stahlruten erzwungen werden soll, ist ein Widerspruch in sich. Immer wieder haben Fanatiker des Zorns ganze L\u00e4nder aufgeschreckt. \u00dcber die redet man zwar lange, aber sie scheitern doch alle. Wirklich aufr\u00fctteln, meinetwegen auch anklagen kann doch nur, wer mit Vollmacht tr\u00f6sten kann! Ja, tr\u00f6sten kann nur, wer etwas von Gott auszurichten hat!<\/p>\n<p>Was also soll gepredigt werden? Da\u00df alles verg\u00e4nglich ist, ist ein zwar ern\u00fcchterndes, aber trostloses Wissen. Gepredigt werden soll von der Ewigkeit, von der Best\u00e4ndigkeit und Kraft also des Gottes-Wortes, das wirksam bleibt und Neues wirkt. Davon wissen wir nur aus Gottes Wort selbst.<\/p>\n<p>Lied \u2013 EG 449,8: \u201eAlles vergehet, Gott aber stehet..\u201c<\/p>\n<p>Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk&#8230;!<\/p>\n<p>Das Wort Gottes schafft neue Beziehungen. Dieser Zu-Ruf kn\u00fcpft ein neues Band zu den Verbannten. Sie denken ja, sie haben Jerusalem, den Tempel und damit ihren Gott verloren. Nun werden sie selbst an-gesprochen als \u201eJerusalem\u201c. Auch fern von dieser Stadt kann Jerusalem zu Herzen geredet werden, in die Lebens-, Verstehens- und Willens-Mitte hinein. Denn das Herz dieser Stadt sind sie, diese Menschen \u2013 und bleiben es. Ja, bald werden sie wieder in dieser Stadt leben als ihr pulsierendes, menschliches Herz.<\/p>\n<p>Soll etwa die Zukunft nur die Vergangenheit wiederholen? Es ist anders. Zwar werden die Verbannten im heiligen Spiel erinnert an das, was einmal war. Das ganze Spiel ist auch eine An-Spielung darauf, wie einst Israel aus der Knechtschaft in \u00c4gypten herausgef\u00fchrt wurde. So bleibt ihnen ihr Gott, den sie in den Tr\u00fcmmern des Tempels verloren glaubten, nah und lebendig. So getr\u00f6stet lernen sie eine neue Seite kennen an ihrem Gott: So sehr der Mensch einen Ort f\u00fcr seinen Glauben braucht, so sehr Gott im Menschen selbst seinen Ort haben will, Gott ist allem weit voraus, begegnet auch in der Fremde und im Fremden, auch in der Verbannung, auch in den finsteren T\u00e4lern, im Allerheiligsten ebenso wie in den Tr\u00fcmmern des Tempels. Denn dieser Gott ist der Gott des ganzen Erdkreises. Davon zeugen andere Texte, die in dieser Bibelwoche bedacht werden.<\/p>\n<p>Als das herauskam bei diesem Spiel, wird es nicht nur Beifall, sondern auch Buh-Rufe gegeben haben. K\u00f6nnen Sie sich das vorstellen? F\u00fcr uns h\u00f6rt es sich selbstverst\u00e4ndlich an, viele Israeliten machte es erst einmal fassungslos. Denn daraus folgt: Dieser Gott JHWH kann v\u00f6llig fremde Menschen in Dienst nehmen \u2013 Menschen, denen JHWH gleichg\u00fcltig ist, die den Glauben Israels nicht einmal kennen, geschweige denn teilen. Das sollen wir glauben?<\/p>\n<p>Wir sollen wirklich glauben, da\u00df dieser wildfremde Perser-K\u00f6nig Kyros einen Erla\u00df herausgegeben hat, der uns die R\u00fcckkehr nach Jerusalem gestattet? So geschehen 538 v. Chr., nach fast 50 Jahren Exil. Das ist mehr als Gorbatschows Bereitschaft, die Mauern fallen zu lassen, die Schlagb\u00e4ume zu heben.<\/p>\n<p>Sollen wir wirklich glauben, da\u00df es in der W\u00fcste unseres Lebens, durch die Mauern unserer Angst hindurch Stra\u00dfen der Freiheit gibt? Stra\u00dfen, auf denen wir heimziehen k\u00f6nnen im Licht des Glanzes unseres Gottes wie einst in der W\u00fcste Sinai angesichts der Wolken- und Feuers\u00e4ule?<\/p>\n<p>Ein j\u00fcdisches Sprichwort sagt: \u201eSchwerer als Israel aus dem Exil zu holen, ist es, das Exil aus Israel zu holen.\u201c Das gilt ja auch f\u00fcr uns. Es gibt eine Verkettung in die eigenen Ketten, ein H\u00e4ngen am eigenen Verh\u00e4ngnis, da\u00df man aus alledem gar nicht heraus will.<\/p>\n<p>Und man ger\u00e4t da wieder hinein, wenn man einen wie Kyros zum Gott erhebt. Das ist ja die andere Seite, um die es in den folgenden Akten dieses St\u00fcckes geht: Kyros, der den R\u00fcckkehrwilligen Wege bahnt, ist ein Werkzeug Gottes \u2013 nicht weniger, vor allem nicht mehr. Gott mu\u00df Gott bleiben, damit der Mensch Mensch werden kann. Denn der \u00dcber-Mensch ist allemal der Un-Mensch. Kyros\u2018 irdische Macht ist nur verliehen. Gott beauftragt ihn und begrenzt ihn.<\/p>\n<p>Dieses heilige Spiel aus der Wende vom 6. zum 5. Jahrhundert vor Christus ist f\u00fcr mich an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert nach Christus wichtig und aktuell.<\/p>\n<p>Kyros hat ein moderneres Regierungs- und Wirtschaftssystem eingef\u00fchrt. In dem ausgeweiteten Perser-Reich hatten die Regionen und Religionen mehr Freiheit \u2013 sie mu\u00dften nur ordentlich Tribut zahlen, also Geld bringen. Heute nennen wir so etwas &gt;Globalisierung&lt;. es kommt darauf an, Gewinne zu erzielen \u2013 wie und wo, das ist gleich.<\/p>\n<p>Die Probleme sind \u00e4hnlich: Israel erh\u00e4lt neue Freiheit \u2013 die ebenen Stra\u00dfen sind zuerst die offenen Handelswege. Zugleich bekommt die Geldwirtschaft ein gr\u00f6\u00dferes Gewicht. Wer aber nur in Oliven, Wein und Getreide zahlen, wer nur seine Arbeitskraft verkaufen kann, macht schnell Schulden und ger\u00e4t in Schuldknechtschaft.<\/p>\n<p>Wie kann vermieden werden, da\u00df Ausweitung zu Ausweidung f\u00fchrt? Priester- und Propheten-Kreise entwickeln dazu noch im Exil ein Sozial- und Wirtschafts-Programm, nach dem nach einer gewissen Zeit die Schulden erlassen und die pers\u00f6nlichen Rechte und Freiheiten wieder hergestellt werden.<\/p>\n<p>Die christlichen Kirchen fordern im Jahr 2000 einen begrenzten Schulden-Erla\u00df f\u00fcr die \u00e4rmsten der armen L\u00e4nder. Weltbank und Internationaler W\u00e4hrungsfonds halten das f\u00fcr vern\u00fcnftig.<\/p>\n<p>Das Programm der &gt;Sozialen Marktwirtschaft&lt; wurde, angesto\u00dfen durch Pastor Dietrich Bonhoeffer, von evangelischen und katholischen Christen in Zeiten schwerer Bedr\u00fcckung \u2013 1943 \u2013 f\u00fcr Zeiten der Freiheit entwickelt.<\/p>\n<p>Das alles schwingt mit, wenn vom Ende des Frondienstes und von der bereits beglichenen Schuld die Rede ist. Es wird im Laufe der Bibelwoche noch eine Rolle spielen, wenn es um &gt;Recht und Gerechtigkeit&lt; geht. Und am Ende stehen werden Worte aus Jesaja 55: \u201eAuf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen.\u201c<\/p>\n<p>Lied \u2013 EG 10,2: \u201eBereitet doch fein t\u00fcchtig..\u201c<\/p>\n<p>Die Trostgemeinschaft, die da ein heiliges Spiel auff\u00fchrt, ist auch eine Widerstandsgemeinschaft, die f\u00fcr sozialen Ausgleich eintritt. Der &gt;Trost&lt;, von dem hier die Rede ist, ist zugleich pers\u00f6nlich und politisch. Das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr &gt;Trost&lt; (n-h-m) ahmt das seufzende Einatmen und das befreite Ausatmen nach. Es wird in den Texten des zweiten Jesaja als Wortspiel \u2013 eines der vielen \u2013 mit dem Wort f\u00fcr &gt;Erbarmen&lt; verwendet: r-h-m \u2013 und das kommt von \u201eMutterscho\u00df\u201c! Der starke Arm, von dem am Schlu\u00df die Rede ist, \u00fcbt ja auch eine f\u00fcrsorgliche, bergende T\u00e4tigkeit f\u00fcr die L\u00e4mmer aus.<\/p>\n<p>&gt;Trost&lt; ist also dort, wo ein Mensch wieder durchatmen kann. Luther hat &gt;Trost&lt; gelegentlich \u00fcbersetzt mit &gt;Raum gewinnen&lt;. Die ebene Bahn, der freie Weg: da sind sie wieder. Das deutsche Wort &gt;Trost&lt; kommt von &gt;Treue&lt;. Es hat also mit Festigkeit zu tun. Es geht um Standverm\u00f6gen und neue Horizonte. Dazu geh\u00f6ren Lebensrechte und Lebenschancen auf einer festen Lebensbasis.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt ebenso die pers\u00f6nliche Zuwendung. &gt;Tr\u00f6sten&lt; hei\u00dft im Lateinischen &gt;con-solari&lt;. mit dem sein, der allein ist, alleingelassen mit seinem Schmerz, mit seinem Verlust, mit seiner Not. &gt;Tr\u00f6ster&lt; ist dann, eintreten bei dem, der in sich selbst verschlossen ist, dem die Not, die Gewalt, die Schuld den Mund und das Herz verschlossen hat. Tr\u00f6sten kann im Grunde nur, wer die Wege mitgeht und die Tr\u00e4nen mitweint, die abgewischt werden sollen.<\/p>\n<p>Nicht jeder kann das. Aber der Knecht Gottes, der tut es. Morgen Abend geht es um eines der Gottes-Knecht-Lieder: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht l\u00f6scht er nicht aus. Und dann kann&gt;Trost&lt; bedeuten, da\u00df das Loch, in das du gefallen bist, zur Quelle wird, aus der du lebst.<\/p>\n<p>So wie in diesem Spiel, so wurde bis dahin noch nirgends das Herz Gottes freigegeben. Es ist kein Wunder, da\u00df die fr\u00fche Christenheit von diesen Texten her das Wirken Jesu gedeutet hat. Und wir? Werden wir diesem Trost gewachsen sein? Werden wir uns ansprechen, retten lassen aus dem Un-M\u00f6glichen, also aus dem allein Gott M\u00f6glichen heraus?<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df zwei Fragen: Wer soll hier &gt;tr\u00f6sten&lt;? am Ende ist es Zion selbst, aber nicht mehr die Steine, sondern die lebendigen Menschen, das Herz Jerusalems. Sie sollen auf den Berg steigen als Boten der Freude: \u201eGeh, ruf es von den Bergen!\u201c Mit der Kraft, die sie eingesetzt und deshalb gewonnen haben, als sie das Exil aushielten, werden sie Juda st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Warum hat dieses gro\u00dfartige prophetische Busch keinen eigenen Namen, wird es nur \u201eDeutero-\u201e, der \u201ezweite\u201c Jesaja genannt? Wie auch immer das zu erkl\u00e4ren ist: es gibt uns die Chance, unsere Namen dort mitzulesen und zu vernehmen: La\u00dft euch tr\u00f6sten und werden selbst zu Tr\u00f6stenden! Was im Prolog noch hinter dem Vorhang gesprochen wird, geh\u00f6rt nach vorne auf die B\u00fchne unseres eigenen Lebens:<\/p>\n<p>Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk&#8230;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Nachtrag: Die Predigt ist die f\u00fcr den Gottesdienst zum Auftakt der Bibelwoche. Die ganze Woche wurde von einer Gruppe vorbereitet. Darum kann der Text zu Beginn von verschiedenen Sprechern gesprochen werden, und ist die Predigt etwas lang geraten. Da zu k\u00fcrzen leicht ist, wird die Predigt hier in voller L\u00e4nge wiedergegeben.<\/p>\n<p>Die Auslegung des Textes orientiert sich im wesentlichen an: Klaus Baltzer, Deutero \u2013 Jesaja, KAT, X \/ 2, 1999.<\/p>\n<p>Verfasser: Pastor Hans-Joachim Schliep, Berlagenweg 4, 30559 Hannover, Tel\/Fax: 0511 \u2013 9 50 70 85\/86<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=bibelwoche.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum Beginn der 13. \u00d6kumenischen Bibelwoche | Jesaja 40, 1-11 | Hans Joachim Schliep | Text: Jesaja 40, 1-11 [&#8230;..] wird nicht gelesen, da es sich um Regieanweisungen im biblischen Text handelt 1. Stimme \u2013 Altar: Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk: [sprich euer Gott]. 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