{"id":21474,"date":"2000-05-15T11:08:03","date_gmt":"2000-05-15T09:08:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21474"},"modified":"2025-04-17T09:28:36","modified_gmt":"2025-04-17T07:28:36","slug":"predigt-im-gottesdienst-am-vorabend-der-konfirmation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-im-gottesdienst-am-vorabend-der-konfirmation\/","title":{"rendered":"Predigt im Gottesdienst am Vorabend der Konfirmation"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial;\">Predigt im Gottesdienst am Vorabend der Konfirmation | Fr\u00fchjahr 2000 | <\/span><span style=\"font-family: Arial;\">Ele Brusermann |<\/span><\/h3>\n<p>Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und Jesus Christus unserem Bruder. Amen.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmationsfamilien, liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wie feiert man eigentlich ein christliches Fest?<br \/>\nDas werden sich einige im Blick auf die Konfirmation gefragt haben in den letzten Wochen und Tagen.<\/p>\n<p>Klar, da gab es so typische, traditionelle Dinge vorzubereiten. Wahl eines Essens, zu Hause oder im Gasthaus, die Kleidung war auch so ein Thema. Macht man das eigentlich noch mit dem T\u00fcchlein im Gesangbuch und den Maigl\u00f6ckchen? wurde ich h\u00e4ufig gefragt. Oder die Einladung: wie gestalte ich eine Einladung zur Konfirmation? Gibt es christliche Symbole die ich nutzen m\u00f6chte?<br \/>\nWie feiert man so ein Fest?<\/p>\n<p>Eines ist, finde ich ganz wichtig: n\u00e4mlich dass wir es jetzt beginnen.<br \/>\nChristliche Feste beginnen am Abend. Das mag manchen \u00fcberraschen, &#8211; obwohl es uns eigentlich ganz selbstverst\u00e4ndlich ist. Denn wir feiern jedes Jahr den Heiligen Abend &#8211; den Abend vor dem Weihnachtsfest.<br \/>\nUnd am Abend vor dem Verrat und der Kreuzigung feierte Jesus das Abendmahl am Gr\u00fcndonnerstag.<br \/>\nUnd wir feiern die Osternacht, weil die Frauen am fr\u00fchen Morgen des Ostertags vor dem leeren Grab standen. Die Auferstehung war Ereignis, Geschichte geworden.<\/p>\n<p>Dass christliche Feste am Abend beginnen, zumindest f\u00fcr den inneren Kreis, die Insider, die J\u00fcnger damals, und uns heute, hat mit der j\u00fcdischen Tradition zu tun.<br \/>\nIm Unterricht haben wir dar\u00fcber gesprochen: F\u00fcr die Juden beginnt der neue Tag nicht um Mitternacht, sondern am Abend, genau: wenn der dritte Stern am Himmel sichtbar wird. Denn es hei\u00dft im Sch\u00f6pfungsbericht der Bibel: <i>es ward aus Abend und Morgen der Tag. <\/i><\/p>\n<p>In dieser Tradition sind die christlichen Feste im Ursprung gefeiert worden, und feiern wir heute unsere Konfirmation. Jetzt beginnt sie mit dem Abendmahl im inneren famili\u00e4ren Kreis &#8211; morgen fr\u00fch der \u00f6ffentliche H\u00f6hepunkt &#8211; und morgen Abend wird sie bei den meisten auch beendet sein, sitzt man wieder im kleinen Kreis zusammen.<\/p>\n<p>Mit den Wurzeln unseres christlichen Glaubens in der j\u00fcdischen Tradition haben auch die Steine zu tun, die am Eingang der Kirche im Weg lagen!<br \/>\nJetzt liegen sie vor uns.<br \/>\nUnd jeder dieser Steine hat seine eigene besondere Form und Gr\u00f6\u00dfe und Farbe. Wenn jeder seinen Stein eine Weile betrachten w\u00fcrde, in der Hand wiegen und ertasten, dann k\u00f6nnten wir die Steine auf einen Haufen zusammenlegen &#8211; und jeder w\u00fcrde seinen wieder herausfinden. Sie sind so individuell, einmalig und einzigartig wie wir selbst.<\/p>\n<p>Und das hat unseren Konfirmandenkurs in ganz besonderer Weise und st\u00e4rker als in anderen Jahren gepr\u00e4gt: Ihr habt eure Individualit\u00e4t sehr stark eingebracht. Da sind die Eigenarten und Eigenheiten manchmal ganz sch\u00f6n aufeinandergeprallt, steinhart. Manch einer ist dem Anderen zum Stein des Ansto\u00dfes geworden, und so war denn unser Weg auch immer wieder ganz sch\u00f6n steinig.<\/p>\n<p>Letztes Jahr auf einen Reise in Israel sind meine Frau und ich auch immer wieder auf Steine gesto\u00dfen. F\u00fcr Juden ist es eine Tradition bei einem Besuch an einem Ort des Gedenkens, einem Grab auf dem Friedhof oder einem Mahnmal einen kleinen Stein niederzulegen.<br \/>\nEin Zeichen: ich war hier.<br \/>\nUnd auch: ich lasse ein St\u00fcck von mir hier liegen.<br \/>\nVielleicht habe ich mir etwas von der Seele geredet, vielleicht ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, eine Last von mir genommen.<br \/>\nAn manchen Gedenkst\u00e4tten haben sich so beeindruckende Steinhaufen gebildet.<br \/>\nSteine k\u00f6nnen ein Zeichen f\u00fcr Verbindungen, f\u00fcr Bindungen sein. Nicht nur Diamonds, girls best friends, sondern auch einfache Kiesel oder Felssteinchen. Da hat einer einen Stein in der Hand gehabt &#8211; und ihn weggelegt. Erinnert ihr euch?<\/p>\n<p>In der ersten Zeit unseres Kurses haben wir eine Geschichte von Jesus nachgespielt:<br \/>\n<i>Da hatten die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten eine Frau zu ihm gebracht, die beim Ehebruch erwischt worden war.<br \/>\nUnd sie sprachen zu ihm: \u201e Meister, diese Frau ist des Ehebruchs schuldig. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst Du?\u201d<br \/>\nDas sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen k\u00f6nnten. Aber Jesus b\u00fcckte sich und schrieb mit dem Finger in dem Sand.<br \/>\nAls sie fortfuhren ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: \u201eWer unter euch frei von jeder Schuld ist, der werfe den ersten Stein.\u201d<br \/>\nUnd er b\u00fcckte sich wieder und malte weiter in dem Sand.<br \/>\nAls die Leute das h\u00f6rten, gingen sie weg, einer nach dem anderen; und Jesus blieb allein mit der Frau.<br \/>\nEr richtete sich auf und fragte sie: \u201eWo sind sie, hat dich niemand verdammt?\u201d<br \/>\nSie antwortete: \u201eNiemand, Herr!\u201d Und Jesus sprach: \u201eSo verurteile ich dich auch nicht, gehe hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr!\u201d (Joh. 8,3-11)<\/i><\/p>\n<p>Eine Geschichte, die Gef\u00fchle frei macht, weil wir sp\u00fcren, wie es pl\u00f6tzlich nicht mehr um das Problem Ehebruch geht, sondern viel grunds\u00e4tzlicher und zugleich hautn\u00e4her um die Frage, wie wir mit Schuld und Versagen von uns und anderen umgehen.<br \/>\nUnd da sind wir gerne sehr kleinlich, diskutieren \u00fcber Schuld und S\u00fchne, gr\u00f6\u00dfere und kleinere S\u00fcnden, geringe und unverzeihliche Schuld. Der ganze Krampf und Kampf um anklagen und verteidigen, nachtragen und rechtfertigen, den wir aus Diskussionen und Streitereien kennen, wenn es um Eingest\u00e4ndnis und Aufrechnen geht.<br \/>\nUnd am Ende ist dann alles verdorben, weil jeder jeden bezichtigt und das eigene nicht mehr sehen will.<\/p>\n<p>Jesus l\u00e4\u00dft sich nicht ein auf dieses miese Spiel, in das wir ganz leicht geraten. Er f\u00e4ngt keinen Streit an sondern gibt Zeit zum Nachdenken, jeder \u00fcber seine Schuld, und es wird m\u00f6glich, das jeder sich seine Schuld eingestehen kann, ohne sein Gesicht zu verlieren, und es fliegt kein einziger Stein.<\/p>\n<p>Und als alle weg sind, kein Finger mehr auf die Frau zeigt, kein geh\u00e4ssiges Geschw\u00e4tz mehr, da kann die Sache mit ihr beredet werden, miteinander bereinigt. Da h\u00f6rt bei aller Liebe die Liebe nicht auf, sondern kommt es trotz Schuld zur Vergebung, die einen neuen Anfang m\u00f6glich macht, der immer noch schwer genug bleibt.<\/p>\n<p>Ihr habt euch sehr gute &#8211; und vor allem sehr pers\u00f6nliche Bibelspr\u00fcche zu eurer Konfirmation gew\u00e4hlt. Das wird aus den Begr\u00fcndungen euer Wahl deutlich. Einen m\u00f6chte ich vorlesen, nicht weil er irgendwie besser ist, sondern hier so gut herpasst:<\/p>\n<p><i>Gott spricht: Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine S\u00fcnde wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erl\u00f6se dich!<\/i> ( Jes. 44,22) Die Begr\u00fcndung der Wahl: <i>\u201eWenn man sich diesen Spruch durchliest, regt er einen zum Denken an und man stellt sich vor, wie Gott diese ganze Wolke aufl\u00f6st und man ist wieder befreit. Der Spruch hat einen geheimnisvollen Touch, er steht in meinen Augen f\u00fcr Hintergrund, Wahrheit und Tiefe.<\/i>\u201d<\/p>\n<p>Wir haben einen Stein vor uns, einen ganz pers\u00f6nlichen. Ist er als Waffe gegen andere begehrt, oder ein Symbol eigener Last und Fehlerhaftigkeit? Ich m\u00f6chte gerne, das wir nachher zum Abendmahl unsere Steine mit nach vorne bringen und hier auf den Boden legen, am besten in der Form eines Kreuzes.<br \/>\nVielleicht einfach nur zum Zeichen, das wir da waren, vielleicht auch weil wir etwas loswerden, dalassen wollen. Kein anderer wei\u00df, was uns bewegt.<br \/>\nIch denke, das ist ein guter Anfang dieses Festes.<\/p>\n<p>Miteinander Abendmahl feiern hei\u00dft: Miteinander leben, befreit von dem was oft zwischen uns steht. Auch ein Neuanfang ist m\u00f6glich mit Gott und mit unseren Mitmenschen. Und dann ist eine Kirche nicht ein Geb\u00e4ude aus alten Steinen, sondern ein Ort der Begegnung von Menschen, ein Platz, wo man etwas los werden kann, ein Gasthaus &#8211; f\u00fcr fr\u00f6hliche Leute. <i>(Titelbild des Liedblattes)<\/i><br \/>\nWir sind eingeladen, sie immer wieder f\u00fcr uns und andere dazu zu machen.<br \/>\nDenn:<br \/>\nKeinen Tag soll es geben, an dem Du sagen mu\u00dft: Ich halte es nicht mehr aus.-<br \/>\nKeinen Tag soll es geben, an dem Du sagen mu\u00dft: Niemand ist da der mich h\u00f6rt.-<br \/>\nKeinen Tag soll es geben, an dem Du sagen mu\u00dft: Niemand ist da, der mit mir spricht.-<br \/>\nKeinen Tag soll es geben, an dem Du sagen mu\u00dft: Niemand ist da, der mich liebt. &#8211;<br \/>\nDenn Gott ist da, Tag f\u00fcr Tag.<br \/>\nIn Jesu Namen, Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><b><span style=\"font-family: avalon;\">Pastor Ele Brusermann, Schulstr. 1, 28844 Weyhe &#8211; Leeste <\/span><br \/>\n<a href=\"mailto:Ele.Brusermann@evlka.de\">E-Mail: Ele.Brusermann@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n<p>Die Predigt wurde am Vorabend der Konfirmation am 20.5.2000 in Leeste gehalten. Sie entstand mit Verwendung des Beitrags \u201e Wer nimmt den ersten Stein ?\u201d von Hans H. Reimer in: Arbeitsbuch Gottesdienst G\u00fctersloh 1990 Seite 153 ff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt im Gottesdienst am Vorabend der Konfirmation | Fr\u00fchjahr 2000 | Ele Brusermann | Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und Jesus Christus unserem Bruder. Amen. Liebe Konfirmationsfamilien, liebe Gemeinde! Wie feiert man eigentlich ein christliches Fest? 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