{"id":21476,"date":"2000-05-15T11:29:45","date_gmt":"2000-05-15T09:29:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21476"},"modified":"2025-04-16T20:59:40","modified_gmt":"2025-04-16T18:59:40","slug":"predigt-zur-konfirmation-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zur-konfirmation-3\/","title":{"rendered":"Predigt zur Konfirmation"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zur Konfirmation | Fr\u00fchjahr 2000 | Ele Brusermann |<\/h3>\n<p>Vorbemerkung: Im Altarraum stehen eine alte Parkuhr (hatte ein Freund im Garten stehen) und eine Autobahnnotrufs\u00e4ule ( wurde mir sehr freundlich von der Autobahnfernmeldemeisterei Achim-Oyten ausgeliehen)<\/p>\n<p>Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und Jesus Christus unserem Bruder. Amen.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde!<\/p>\n<p>Letzten Sommer in Holland, ein paar von euch waren dabei, bei der Segeltour auf dem Ijsselmeer: Da sa\u00df einer der Erwachsenen an der Reeling der Mermaid, unseres Zweimasters, schaute in die Ferne, aufs Wasser, geno\u00df Wind, Wellen und Sonne. Bis einer sich zu ihm setzte, der Lust hatte zu reden und viel zu erz\u00e4hlen. Der an der Reeling h\u00f6rte ihm erst geduldig zu, schlie\u00dflich wurde es ihm aber doch zu viel. \u201eDu\u201d, sagte er, \u201epa\u00df auf, ich geb Dir \u2018nen Gulden! Such dir \u2018ne Parkuhr, dann kannst Du die vollquatschen!\u201d<br \/>\nEine Parkuhr: bei dieser noch ein Groschen, heute ist es l\u00e4ngst mehr: 1,50 DM f\u00fcr eine halbe Stunde Bremen, ein \u00c4rgernis. Da mu\u00df ich f\u00fcr etwas zahlen, f\u00fcr das ich eigentlich nichts zahlen will, oder schon gezahlt habe.<\/p>\n<p>Gottesdiensterfahrungen von Konfirmanden: Eine der ersten war: da mu\u00df man Geld mitbringen! Schock! Da steht pl\u00f6tzlich mitten in so einem Lied, einer mit so einem Beutel an der Stange vor einem! Wer in die Kirche geht soll zahlen &#8211; und darf dann nicht einmal quatschen!<br \/>\nWer alte Bilder aus der Leester Kirche sieht, der kann an den B\u00e4nken Namen entdecken. Fr\u00fcher war das selbstverst\u00e4ndlich, da hat jede Familie f\u00fcr ihren Platz in der Kirche bezahlt. Ob die Pl\u00e4tze vorne teuer waren als hinten wei\u00df ich nicht, aber heute, h\u00e4tte mancher das auch gerne gehabt. Einen festen Platz. Gibt\u2019s nicht mehr. H\u00f6chstens an Sonntagen, wo nicht alle anderen auch kommen.<\/p>\n<p>Trotzdem die Erfahrung: Der Glaube ist nicht umsonst. &#8211; das ist doppeldeutig.<br \/>\nNicht umsonst: er kostet mich was. Man mu\u00df etwas beitragen, wenn man zu den Christen geh\u00f6ren will. Das kostet: Zeit, oder auch Geld, machmal auch Nerven. Umsonst l\u00e4uft auch in der Kirche gar nichts, steht die Bibel nur rum, hat Jesus keine Bedeutung mehr. Umsonst, vergeblich.<\/p>\n<p>Was er gesagt hat, macht nur dann Sinn, wenn es Menschen gibt, die auf die eine oder andere Art daf\u00fcr sorgen, da\u00df es in die Tat umgesetzt wird. Nur dann ist es eine Tatsache, ist es Wirklichkeit. Dann werden Leute von den Worten Jesu angesprochen.<br \/>\n<i>La\u00df meinen Gang in deinem Wort fest sein, und kein Unrecht \u00fcber mich herrschen! (Psalm 119,133) <\/i>Hat jemand gew\u00e4hlt<i>. <\/i>Denn<i>: \u201eDer Spruch bedeutet f\u00fcr mich die Wahrheit zu sagen und mit Wort und Tat f\u00fcr die Wahrheit einzutreten.\u201d <\/i><br \/>\nDer Glaube nimmt was &#8211; etwas von mir, gibt es an andere weiter, er nimmt mich in Anspruch.<\/p>\n<p><i>Die Liebe nimmt sich keine Freiheiten heraus, sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie l\u00e4\u00dft sich nicht zum Zorn reizen und tr\u00e4gt das B\u00f6se nicht nach. (1. Kor. 13,5) <\/i>Begr\u00fcndung:<i> \u201eIch habe den Spruch vor einem Jahr das erste Mal gelesen, seit dem will ich ihn haben, weil er mit der Realit\u00e4t verbunden ist ! Es steckt auch eine Lebensweisheit dahinter !\u201d <\/i><\/p>\n<p>Der Glaube ist nicht umsonst: er nimmt etwas &#8211; und &#8211; er gibt mir was:<br \/>\n( Ich meine jetzt zwar eigentlich nicht die Geschenke des heutigen Tages, doch die haben auch was damit zu tun: Wer den Christen, der Glaubensgemeinschaft christliche Kirche begegnet, der kann reich beschenkt werden! Das d\u00fcrft ihr heute auch erfahren.<br \/>\nEinige haben gew\u00e4hlt: <i>Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die gr\u00f6\u00dfte unter ihnen.<\/i> (1. Kor. 13,13) Jemand schrieb dazu:<i> \u201eLiebe Glaube Hoffnung: das was ich mir nicht nur f\u00fcr mich selbst, sondern auch f\u00fcr alle anderen w\u00fcnsche und eigentlich jeder haben sollte.\u201d <\/i><br \/>\nBleibendes: Ich stehe nicht allein da. Da sind andere, die f\u00fchlen sich mir verbunden, denen bedeute ich was.<br \/>\nNicht nur Verwandte und Freunde haben Euch Gl\u00fcckw\u00fcnsche geschickt, auch andere, die Euch eher fremd sind. Da sind auch Gl\u00fcckw\u00fcnsche dabei, die eher was von euch wollen: Sie m\u00f6chten euch gerne zu ihren Gesch\u00e4ftspartnern z\u00e4hlen. Da m\u00fc\u00dft ihr jetzt selbst entscheiden, mit wem ihr in Verbindung tretet.<\/p>\n<p>EinSpruch: <i>La\u00df dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn Gott ist mit dir, wohin du auch gehn wirst<\/i> <i>(Josua 1,9) \u201eDen finde ich sch\u00f6n, weil er mir vertrauen zu Gott einfl\u00f6\u00dft. Er sagt mir, da\u00df ich keine Angst haben mu\u00df und das ist ein sch\u00f6ner Gedanke.\u201d <\/i><\/p>\n<p>Ein Christ ist in seinem Leben nicht f\u00fcr sich allein. Gott ist mit dir, wohin du auch gehen wirst. Leben ist unterwegs sein. Und da kann man viel erleben.<\/p>\n<p>Manchem ist am wichtigsten das da ein Gott ist, an den man sich wenden kann, wenn man ihn braucht: im Notfall.<br \/>\n<i>Psalm 50,15: Rufe mich in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen. <\/i><br \/>\nIst der Glaube so etwas wie diese Notrufs\u00e4ule von der Autobahn:<br \/>\nWenn es eine Panne oder einen Unfall gibt, dann kann man an dieser S\u00e4ule Hilfe anfordern. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden stehen sie an den Autobahnen, geben ein beruhigendes Gef\u00fchl: Da ist immer jemand f\u00fcr dich erreichbar: Pannendienst, Rettungsdienst, Stra\u00dfenmeisterei: Du bist nicht allein.<\/p>\n<p>Zugleich empfinde ich ein Kribbeln, wenn ich sie sehe: Es geht eine Warnung von Ihnen aus: Auch wenn hier alles ganz ruhig und friedlich l\u00e4uft: Es kann sich jederzeit \u00e4ndern, es kann schnell etwas passieren. Und weil dann sonst weit und breit nichts ist, stehen die Notrufs\u00e4ulen da. Aber: Verla\u00df dich nicht auf dein Gl\u00fcck, sei achtsam, vorsichtig, und wisse trotzdem: dir kann etwas passieren.<br \/>\nNotrufs\u00e4ulen: Beruhigend: Hier kannst du Hilfe holen, mahnend: hier kracht\u2019s auch mal.<br \/>\nF\u00fcr manche sind die Kirchen so etwas wie die Notrufs\u00e4ulen des Lebens: Es kommt vor, das jemand bei mir klingelt und sagt: Ich wei\u00df nicht mehr weiter. Und ebengerade habe ich den Kirchturm gesehen, und gedacht, ich will mal mit ihnen reden.<br \/>\nUnd dann kommen die Notruffragen: Wo bist du, Gott &#8211; ich f\u00fchle mich so allein? Welches Ziel hat mein Leben &#8211; lebe ich, um zu arbeiten, oder arbeite ich, um zu leben? Wie soll es weiter gehen ?<\/p>\n<p>Warum l\u00e4\u00dft es Gott zu, da\u00df ich krank bin? &#8211; Dann besinnen sie sich wieder auf das, was sie vielleicht seit den Tagen des Konfirmandenunterrichts dunkel noch wissen: da\u00df es Gott gibt, der sie begleitet, auch in den schweren Stunden, da\u00df es Worte aus der Bibel gibt oder auch Strophen von Liedern, die jetzt auf einmal wichtig werden.<\/p>\n<p>Dann suchen sie jemanden der erstmal zuh\u00f6rt und vielleicht auch was zu sagen wei\u00df. Dann steht weder eine Parkuhr in meinem Zimmer, noch die Frage nach der Mitgliedschaft im Raum.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial;\">Jemand fand f\u00fcr sich in der Bibel: <i>Doch der Herr regiert f\u00fcr alle Zeiten, sein Richterstuhl ist aufgestellt. Der ganzen Welt spricht er gerechtes Urteil, unparteiisch entscheidet er \u00fcber alle V\u00f6lker: <\/i><\/span><br \/>\n<i>Den Unterdr\u00fcckten bietet er sicheren Schutz, in schlimmer Zeit sind sie bei ihm geborgen. &#8230; und schrieb dazu: ansprechend finde ich, dass Gott denen die Schutz brauchen auch Schutz gew\u00e4hrt; das Gott \u00fcber alle Taten der Menschen gerecht urteilt. (Psalm 9, 8-10) <\/i><\/p>\n<p>Wie die Notrufs\u00e4ulen haben auch die Kirchen eine mahnende Funktion:<br \/>\nWenn wir uns Lebensziele stecken und sie verfolgen, uns unser eigenes Lebensprogramm suchen oder machen, gibt unendlich viele Angebote und M\u00f6glichkeiten.<br \/>\nZum Erwachsen sein geh\u00f6rt es, sich immer wieder klar zu machen: Worauf gr\u00fcndet sich mein Leben? Von wem und wodurch soll es bestimmt sein.<\/p>\n<p>Ihr habt gesagt: Eure Kirche soll ein Ort sein wo jeder gut aufgenommen wird, wo ihm weitergeholfen wird, wo Leben erm\u00f6glicht wird.<\/p>\n<p>Allein wegen unseres Glaubens, der sagt: jeder von uns ist ein lebendiggewordener Gedanke Gottes. Jeder Mensch ist einmalig, und ist es wert.<\/p>\n<p>Mehrere w\u00fcnschen sich: <i>Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn<\/i> <i>immerdar<\/i>. (Psalm 23,6) einer begr\u00fcndete es so:<br \/>\n<i>\u201eWeil es sowenig Gutes und Barmherzigkeit in unsere Zeit gibt. Ich glaube das Wort Barmherzigkeit kennt die Jugend nicht mehr.\u201d <\/i><\/p>\n<p>In unseren Kirchen versuchen wir eine Gemeinschaft zu sein, in der das anders ist !<\/p>\n<p>Und der Frieden Gottes, \u00f6ffne unsere Herzen bewahre unseren Glauben st\u00e4rke unsere Hoffnung und wecke unsere Liebe. In Jesu Namen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Pastor Ele Brusermann, Schulstr.1, 28844 Weyhe-Leeste<br \/>\n<a href=\"mailto:Ele.Brusermann@evlka.de\">E-Mail: Ele.Brusermann@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n<p>Die Predigt wurde zur Konfirmation am 21.5.2000 in Leeste gehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zur Konfirmation | Fr\u00fchjahr 2000 | Ele Brusermann | Vorbemerkung: Im Altarraum stehen eine alte Parkuhr (hatte ein Freund im Garten stehen) und eine Autobahnnotrufs\u00e4ule ( wurde mir sehr freundlich von der Autobahnfernmeldemeisterei Achim-Oyten ausgeliehen) Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und Jesus Christus unserem Bruder. Amen. Liebe Konfirmandinnen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[727,157,114,1612,127,128,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21476","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archiv","category-beitragende","category-deut","category-ele-brusermann","category-kausalpredigten","category-konfirmation","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21476","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21476"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21476\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22818,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21476\/revisions\/22818"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21476"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21476"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21476"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21476"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21476"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21476"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21476"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}