{"id":21483,"date":"2000-12-15T11:32:08","date_gmt":"2000-12-15T10:32:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21483"},"modified":"2025-04-16T20:53:06","modified_gmt":"2025-04-16T18:53:06","slug":"weihnachtsspiel-in-fuenf-akten-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/weihnachtsspiel-in-fuenf-akten-2\/","title":{"rendered":"Weihnachtsspiel in f\u00fcnf Akten"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\">\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/archiv.php\"><span style=\"font-family: Arial;\"><b>G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/b><\/span><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><span style=\"color: #0000a0; font-family: Arial;\"><b>Weihnachten 2000<\/b><br \/>\n<b>Weihnachtsspiel in f\u00fcnf Akten, verfa\u00dft von Elisabet Mester<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Weihnachtsspiel in f\u00fcnf Akten<br \/>\n1. Auf dem Weg nach Bethlehem<br \/>\n2. Die Hirten auf dem Feld<br \/>\n3. Die Hirten in Bethlehem<br \/>\n4. Die Steuererfassungsstelle<br \/>\n5. Auf dem Weg nach \u00c4gyptenPersonen:<br \/>\nMaria Josef 3 Hirten Engel Beamter R\u00f6merin Wirtin<b>1. Auf dem Weg nach Bethlehem <\/b><\/p>\n<p>Maria: Da\u00df die aber auch immer mehr Steuern haben wollen&#8230;.ich wei\u00df gar nicht, woher sie die noch nehmen wollen.<\/p>\n<p>Josef: Von uns, meine Liebe, von uns wollen sie es nehmen. Sie nehmen&#8217;s von den Lebendigen. Von wem denn sonst?<\/p>\n<p>Maria: Wahrscheinlich werden wir dann auch gleich die Kopfsteuer f\u00fcr das Kleine bezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Josef: Das ist doch noch gar nicht auf die Welt gekommen.<\/p>\n<p>Maria: Das dauert aber nicht mehr lange, mein Lieber. Es klopft schon an und will raus.<\/p>\n<p>Josef: Oh weh. Das kann ja heiter werden. Wenn das vor der Steuererfassung geboren wird, kommt uns das teuer zu stehen.<\/p>\n<p>Maria: Guck, das sind schon die ersten H\u00e4user von Bethlehem! Ach, wie ich mich darauf freue, endlich ein dach \u00fcber dem Kopf zu haben! Bei dem Wetter drau\u00dfen \u00fcbernachten, das ist wirklich kein Vergn\u00fcgen &#8211; erst recht nicht in meinem Zustand.<\/p>\n<p>Josef: Das soll sich nun alles \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Maria: Das mit dem Zustand oder mit dem Dach \u00fcber dem Kopf?<\/p>\n<p>Josef: Beides, Maria. Beides.<\/p>\n<p>Maria: (h\u00e4lt sich den Bauch) Hoffentlich \u00e4ndert sich das mit dem Dach zuerst. Das andere hat n\u00e4mlich leider nicht mehr viel Zeit.<\/p>\n<p>Josef: Was sagst du da?<\/p>\n<p>Maria: Das Baby kommt bald.<\/p>\n<p>Josef: Woher willst du das wissen? Du hast doch noch nie ein Baby gekriegt!<\/p>\n<p>Maria: Das w\u00e4re ja auch noch sch\u00f6ner. Ich bin schlie\u00dflich erst sechzehn. Aber es f\u00fchlt sich so komisch an. Ich hab so ein Ziehen im Leib.<\/p>\n<p>Josef: Dann versuch ich&#8217;s mal hier. (Klopf, klopf) Haben Sie vielleicht ein Zimmer frei? Meine Verlobte&#8230;<\/p>\n<p>Wirtin: Was, Verlobte? Noch nicht mal verheiratet? Und dann sowas? Ich glaube, Sie sind nicht ganz richtig im Kopf! Dies ist ein anst\u00e4ndiges Haus! (Wendet sich ab) Ein Zimmer! Und nicht verheiratet! Na, man sieht ja, was dabei rauskommt! Eine Schande, sag ich. Eine Schande!<\/p>\n<p>Maria: La\u00df es, Josef! Das hat keinen Sinn. In Bethlehem sind viele H\u00e4user. Wir versuchen es woanders. Hier zum Beispiel.<\/p>\n<p>Josef: (Klopf, klopf) Haben Sie vielleicht ein Zimmer frei? Meine Frau ist schwanger, und&#8230;<\/p>\n<p>Wirtin: Das sehe ich. In so einem Zustand geht man ja wohl auch nicht auf die Reise. Wir haben hier doch keine Entbindungsstation. (T\u00fcr zu)<\/p>\n<p>Maria: Sei nicht so bedr\u00fcckt, Josef. Du machst das schon ganz gut. Pa\u00df auf, beim n\u00e4chsten Mal klappt es. Es mu\u00df einfach sein. (Sie bleibt stehen und h\u00e4lt sich den Bauch fest.)<\/p>\n<p>Josef: (Klopf, klopf) Haben Sie vielleicht&#8230;<\/p>\n<p>Wirtin: Haben Sie vielleicht, haben Sie vielleicht&#8230; Den ganzen Tag geht das schon so. Wissen Sie, was wir haben? Wir haben Volksz\u00e4hlung! Das ganze Land ist auf den Beinen, und jede Herberge ist voll! Wir haben hier genug, sage ich Ihnen, das haben wir, und sonst gar nichts! (Will die T\u00fcr zumachen)<\/p>\n<p>Josef: H\u00f6ren sie, gute Frau! Meine Frau ist hochschwanger! Bald kommt das Baby, und wir wissen nicht, wohin! Wir brauchen ja gar kein Zimmer! Wir brauchen nur ein Dach \u00fcber dem Kopf!<\/p>\n<p>Maria: Wir sind von Nazareth gekommen, zu Fu\u00df, weil mein Mann aus Bethlehem stammt. Und haben wir schon mehrere N\u00e4chte drau\u00dfen geschlafen, im Gebirge&#8230;<\/p>\n<p>Wirtin: Das ist ja furchtbar. Armes M\u00e4dchen. Wie alt sind Sie denn?<\/p>\n<p>Maria: Sechzehn.<\/p>\n<p>Wirtin: Und dies ist Ihr Vater?<\/p>\n<p>Maria: Nein, mein Verlobter.<\/p>\n<p>Wirtin: Und von dem haben Sie nun das Kind?<\/p>\n<p>Maria: Nein, nicht direkt&#8230;<\/p>\n<p>Wirtin: Was hei\u00dft hier &#8222;nicht direkt&#8220;?<\/p>\n<p>Maria: Also, nein. Ich hab das Kind von Gott.<\/p>\n<p>Wirtin: Na, von dem kommen nat\u00fcrlich alle Kinder, irgendwie. Also, wolln wir doch mal sehn, was sich da machen l\u00e4\u00dft. Sind ja wirklich erb\u00e4rmliche Verh\u00e4ltnisse. So ein s\u00fc\u00dfes junges M\u00e4dchen und dann schon schwanger und dann dieser alte Mann und dann nicht verheiratet und dann ist das Kind noch nicht mal von ihm&#8230; Also, wolln wir doch mal sehn, was sich da machen l\u00e4\u00dft. Wissen Sie, wir haben da hinten einen Stall, da k\u00f6nnten Sie vielleicht &#8230; ich meine, vor\u00fcbergehend &#8230; es soll auch nichts kosten&#8230;<\/p>\n<p><b>2. Die Hirten auf dem Felde <\/b><\/p>\n<p>Ahab: He, Baruch, hast du dich schon registrieren lassen?<\/p>\n<p>Baruch: Was, regi-wie?<\/p>\n<p>Cadesch: Na, eintragen, meint er. In die Steuerlisten.<\/p>\n<p>Baruch: In die Steuerlisten? Ich bin doch nicht bl\u00f6d. Dann mu\u00df ich ja bezahlen. Den R\u00f6mern.<\/p>\n<p>Cadesch: Das m\u00fcssen nun alle.<\/p>\n<p>Baruch: Wenns aber zum Leben zu wenig ist, was wir haben, und zum Sterben zuviel?<\/p>\n<p>Cadesch: Dann m\u00fcssen wir trotzdem zahlen.<\/p>\n<p>Ahab: Und verhungern.<\/p>\n<p>Baruch: Genau. Oder gar nicht erst hingehen. Also, ich geh einfach nicht hin.<\/p>\n<p>Cadesch: Und wenn sie zu uns kommen?<\/p>\n<p>Ahab: Zu uns kommt keiner.<\/p>\n<p>Baruch: Zu uns ist noch nie einer gekommen.<\/p>\n<p>Ahab: Kein Jude und kein Heide.<\/p>\n<p>Baruch: Das kommt, weil wir der letzte Dreck sind.<\/p>\n<p>Cadesch: In deren Augen vielleicht.<\/p>\n<p>Ahab: In wessen Augen denn nicht?<\/p>\n<p>Baruch: Komm, mach das Feuer wieder an. Sonst kommen noch die W\u00f6lfe und fressen uns die Schafe weg.<\/p>\n<p>Cadesch: Ich denke, zu uns kommt keiner.<\/p>\n<p>Ahab: Weil wir auch nicht lesen und nicht schreiben k\u00f6nnen. Unsere verachten uns, weil wir nicht die Bibel lesen, und die anderen verachten uns, weil wir nicht schreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Baruch: Die R\u00f6mer werden nicht zu uns aufs Feld kommen. Wir haben auch genug zu tun mit den anderen W\u00f6lfen.<\/p>\n<p>Cadesch: Vielleicht kommt ja der Messias.<\/p>\n<p>Ahab: Der kommt nicht. Und wenn, dann kommt er in Jerusalem an.<\/p>\n<p>Cadesch: Das wei\u00df man nicht. Der K\u00f6nig David ist auch hier geboren.<\/p>\n<p>Baruch: Aber nicht bei den armen Leuten.<\/p>\n<p>Ahab: Dann wird&#8217;s wohl mal Zeit.<\/p>\n<p>Baruch: Was?<\/p>\n<p>Ahab: Zeit. Da\u00df einer kommt und uns hier rausholt aus dem ganzen Elend.<\/p>\n<p>Baruch: Oder wir gehen zu den Partisanen.<\/p>\n<p>Cadesch: Die holen uns hier auch nicht raus.<\/p>\n<p>Ahab: Du kannst das Feuer ausmachen. Es wird schon hell.<\/p>\n<p>Baruch: Du spinnst. Es ist erst zwei Uhr in der Nacht.<\/p>\n<p>Cadesch: Legt euch schlafen. Ich wecke euch um drei.<\/p>\n<p>Ahab: Nein. Da hinten wird es hell. Guckt doch mal hin!<\/p>\n<p>Baruch: Um Himmels willen! Der Himmel brennt!<\/p>\n<p>Ahab: Oder die Welt geht unter.<\/p>\n<p>Cadesch: Oder zu uns kommt einer.<\/p>\n<p>Baruch: Wird ja auch Zeit.<\/p>\n<p>Ahab: Was klappert denn da so?<\/p>\n<p>Cadesch: Meine Z\u00e4hne. Ich hab Angst.<\/p>\n<p>Engel: Ihr sollt keine Angst haben. Ich komme zu euch. Ich komme zu euch als den ersten. Ich sage euch etwas, was au\u00dfer euch noch niemand wei\u00df. Weil es Zeit wird, da\u00df einer kommt und euch hier rausholt aus dem Elend. Habt keine Angst. H\u00f6rt zu.<\/p>\n<p><b>3. Die Hirten in Bethlehem <\/b><\/p>\n<p>Baruch: Das ist nun das letzte Hotel, in dem ich gefragt habe. Andere Hotels haben die hier nicht.<\/p>\n<p>Ahab: Ich versteh das nicht. Irgendwo mu\u00df der doch geboren sein, der Messias.<\/p>\n<p>Cadesch: Nun h\u00f6rt doch endlich mal zu, was ich sage. &#8222;In einer Krippe liegend&#8220;, hat der Engel gesagt, in einer Krippe. Und nicht in einem Hotel. Das erz\u00e4hl ich euch jetzt schon seit zwei Stunden!<\/p>\n<p>Ahab: Der Messias wird doch nicht in einem Stall geboren. das ist ja wohl unnm\u00f6glich!<\/p>\n<p>Baruch: Hoffentlich passiert den Schafen nichts, w\u00e4hrend wir hier durch die Stadt stiefeln&#8230;<\/p>\n<p>Ahab: Und hoffen, da\u00df uns die r\u00f6mischen Steuereintreiber nicht erwischen&#8230;<\/p>\n<p>Cadesch: Und doch mu\u00df es ein Stall sein! Sonst h\u00e4tte der Engel doch nicht gesagt, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend!<\/p>\n<p>Baruch: Na, Engel l\u00fcgen nicht, da hat er recht.<\/p>\n<p>Ahab: Normalerweise nicht, da hat er recht.<\/p>\n<p>Cadesch: Hier ist zum Beispiel ein Stall.<\/p>\n<p>Ahab: Das ist wohl eher ein Schuppen.<\/p>\n<p>Baruch: Und l\u00f6chrig noch dazu.<\/p>\n<p>Cadesch: Wenn eine Krippe drin ist, haben wir eine Chance.<\/p>\n<p>Baruch: Eine was?<\/p>\n<p>Ahab: Eine M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Baruch: Was f\u00fcr eine M\u00f6glichkeit?<\/p>\n<p>Ahab: Den Messias zu finden.<\/p>\n<p>Baruch: Dann nichts wie rein!<\/p>\n<p>Cadesch: Ich meine, wenn der Engel zuerst zu uns gekommen ist, zu den \u00c4rmsten der Armen, dann kann es ja auch sein, da\u00df der Messias dementsprechend&#8230;<\/p>\n<p>Ahab: Arm ist? Meinst du, da\u00df er arm ist?<\/p>\n<p>Baruch: Nichts wie rein, sag ich!<\/p>\n<p>(Alle drei wenden sich um und stehen vor Maria, Josef, und dem Kind)<\/p>\n<p>Baruch: Ist der sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Ahab: Wer, der Esel?<\/p>\n<p>Baruch: Oh, ist der sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Ahab: Was, der Ochse?<\/p>\n<p>Baruch: Sowas Sch\u00f6nes!<\/p>\n<p>Cadesch: Hier sind zwei Menschen und zwei Tiere.<\/p>\n<p>Baruch: Und ein Baby. (Kniet nieder)<\/p>\n<p>Ahab: Ein Baby. Und ist arm. Wirklich.<\/p>\n<p>Baruch: Aber sch\u00f6n, und wie!<\/p>\n<p>Cadesch: Ich nehme an, da\u00df es der Messias ist. (kniet nieder)<\/p>\n<p>Ahab. Ja. H\u00f6rt ihr denn nicht die Engel singen? Sie m\u00fcssen hier direkt \u00fcber dem Stall sein. (Kniet nieder)<\/p>\n<p>Cadesch: Sch\u00f6n ist das, was sie singen. Von Frieden und Gerechtigkeit. Von dem, worauf wir gewartet haben. Die ganze Zeit.<\/p>\n<p>Baruch: Da\u00df endlich mal einer kommt. Zu uns.<\/p>\n<p><b>4. Die Steuerfassungsstelle <\/b><\/p>\n<p>Beamter: Der N\u00e4chste, bitte!<\/p>\n<p>(Maria und Josef kommen rein, Kind auf dem Arm)<\/p>\n<p>Beamter: Name, Beruf, Wohnort?<\/p>\n<p>Josef: Josef, Zimmermann, aus Nazareth<\/p>\n<p>Beamter: (schreibend:) Josef, Zimmermann, Nazareth&#8230; und warum melden Sie sich dann hier in Bethlehem?<\/p>\n<p>Josef: Meine Vorfahren stammen hierher, und meine Familie hat hier noch ein Haus&#8230;<\/p>\n<p>Beamter: Soso, Grundsteuer also auch&#8230;warten Sie mal&#8230;wer ist denn der \u00e4lteste Ihnen bekannte Vorfahr aus Bethlehem?<\/p>\n<p>Josef: K\u00f6nig David.<\/p>\n<p>Beamter: So, Vorname K\u00f6nig, Nachname David &#8230; was? Der K\u00f6nig David? Und dann sind Sie nur Zimmermann?<\/p>\n<p>Josef: Was hei\u00dft hier nur? Das ist doch ein guter Beruf! Wir haben eine kleine Werkstatt in Nazareth&#8230;<\/p>\n<p>Beamter: Wieviele Angestellte?<\/p>\n<p>Josef: Keine.<\/p>\n<p>Beamter: Soso. Kleinbetrieb. Gering zu besteuern. Und das Haus hier in Bethlehem wird wohl von Ihren Verwandten besteuert?<\/p>\n<p>Josef: Ja. Aber mit denen haben wir keinen Kontakt.<\/p>\n<p>Beamter: Und die junge Frau? Name, Beruf, Wohnort?<\/p>\n<p>Josef: Das ist meine verlobte Freundin, \u00e4h, Frau, ich meine, wir wollen heiraten&#8230;<\/p>\n<p>Maria: Ich kann selber sprechen. Ich hei\u00dfe Maria und bin Weberin und komme auch aus Nazareth. Zur Zeit bin ich nicht berufst\u00e4tig, wegen ihm hier&#8230;(Zeigt auf das Kind)<\/p>\n<p>Bemater: Also, Maria, Hausfrau, Nazareth, keine Steuerpflicht, das Kind&#8230; wie hei\u00dft das Kind?<\/p>\n<p>Maria: Jesus.<\/p>\n<p>Beamter: Wie alt?<\/p>\n<p>Maria: Ganz neu.<\/p>\n<p>Beamter: Ach so. Gratuliere. Sie zahlen heute drei Taler und dann jedes Jahr weitere zwei Taler bei der Kommandantur an Ihrem Wohnort. Es sei denn, da\u00df Ihre Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnisse sich bessern sollten (guckt an Maria und Josef rauf und runter), was ich nat\u00fcrlich hoffe.<\/p>\n<p>Maria: was, drei Taler? Soviel verdienen wir nicht mal in einem Monat!<\/p>\n<p>Beamter: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, das ist ein altes Sprichwort. Ihr Juden k\u00f6nnt froh sein, da\u00df Ihr dem Kaiser nur bezahlen m\u00fc\u00dft, und ihn nicht anzubeten braucht.<\/p>\n<p>Josef: Sowas t\u00e4ten wir auch nicht.<\/p>\n<p>Beamter: Ich verbitte mir Ihre Bemerkungen. Das ist ja politisch!<\/p>\n<p>Josef: Hier sind die drei Taler.<\/p>\n<p>Beamter: (nimmt die Taler) Jawohl.<\/p>\n<p>Maria: Wir h\u00e4tten gern eine Quittung.<\/p>\n<p>R\u00f6merin: (kommt reingerauscht) Guten Tag, mein Schatz, ich bringe dir hier eine kleine Erfrischung, Datteln und Limonen, wie geht&#8217;s dir, Schatz, jaja, schlimm mit diesem Pack, nicht wahr, aber warte nur, wenn du deinen Dienst hier rum hast, dann gehen wir wieder nach Italien, ich wette, du wirst n\u00e4chstes Jahr bef\u00f6rdert, und dann kommen wir raus aus diesem f\u00fcrchterlichen Israel, meinst du nicht auch, Schatz?<\/p>\n<p>Beamter: Danke, danke, Schatz, da\u00df du mir soviel zutraust, ach ja, und danke f\u00fcr das Obst.<\/p>\n<p>R\u00f6merin: Und wei\u00dft du, Schatz, was ich heute fr\u00fch geh\u00f6rt habe, nachdem du aus dem Haus gegangen warst? Der K\u00f6nig Herodes l\u00e4\u00dft alle kleinen Jungen unter zwei Jahre t\u00f6ten, weil er angeblich Konkurrenz bekommen hat, da soll n\u00e4mlich einer geboren sein, der neuer K\u00f6nig von Israel werden soll, und \u00fcbermorgen kommen hier die Truppen an aus Jerusalem, die das machen sollen&#8230;<\/p>\n<p>Beamter: Was machen sollen?<\/p>\n<p>R\u00f6merin: Na, die Kinder umbringen, diese kleinen j\u00fcdischen Jungen sollen sie doch t\u00f6ten, und da dachte ich, Schatz, da kommen bestimmt ein paar interessante Leute in dieses Kaff, Offiziere vor allem, und da k\u00f6nnten wir doch wieder einmal einen kleinen Empfang geben&#8230;<\/p>\n<p>Beamter: Selbstverst\u00e4ndlich, mein Schatz, ein kleiner Empfang ist immer ganz sch\u00f6n, bereite nur alles vor&#8230;<\/p>\n<p>R\u00f6merin: Aber Schatz, ich habe doch gar kein Geld! Ich mu\u00df doch das Essen machen lassen und Diener zur Bewirtung bestellen und Polster mieten und Wein kommen lassen &#8230; was glaubst du, was das alles kostet, Schatz&#8230;<\/p>\n<p>Beamter: Hier hast du drei Taler, die habe ich gerade bekommen, das wird wohl reichen&#8230;<\/p>\n<p>(R\u00f6merin, hochentz\u00fcckt, rauscht ab)<\/p>\n<p>Maria: (sch\u00fcchtern wieder vortretend): Wir h\u00e4tten gern eine Quittung&#8230;<\/p>\n<p>Beamter: Quittungen gibt&#8216; hier nicht, der N\u00e4chste bitte&#8230;<\/p>\n<p>Maria und Josef treten ab.<\/p>\n<p><b>5. Die Flucht nach \u00c4gypten <\/b><\/p>\n<p>(Hinter Maria und Joesf geht, von beiden nicht gesehen, der Engel in segnender Geb\u00e4rde)<\/p>\n<p>Maria: Ach, Josef, ich h\u00e4tte mich so gerne noch etwas ausgeruht. Meinst du nicht, da\u00df wir noch ein paar Tage Station machen k\u00f6nnen, bevor wir weiterziehen nach S\u00fcden?<\/p>\n<p>Josef: Du hast doch geh\u00f6rt, was die Frau des Beamten gestern gesagt hat,<\/p>\n<p>Maria: morgen kommen die r\u00f6mischen Soldaten nach Bethlehem. Und diesmal nicht zum Z\u00e4hlen und Steuereintreiben.<\/p>\n<p>Maria: Nein. Um die Kinder umzubringen.<\/p>\n<p>Josef: Ja. Die kleinen Jungen.<\/p>\n<p>Maria: Weil der Herodes meint, er h\u00e4tte Konkurrenz bekommen.<\/p>\n<p>Josef: Wen die wohl meinen?<\/p>\n<p>Maria: Ich f\u00fcrchte, sie meinen unseren.<\/p>\n<p>Josef: Unseren was?<\/p>\n<p>Maria: Unseren Jungen.<\/p>\n<p>Josef: Was, den kleinen Jesus?<\/p>\n<p>Maria: Ja. Hast du vergessen, da\u00df wir ihn von Gott haben?<\/p>\n<p>Josef: Das ist doch mein Sohn!<\/p>\n<p>Maria: Hast du vergessen, da\u00df du mich verlassen wolltest, als ich schwanger war, und da\u00df der Engel dir im Traum erschienen ist, um dir zu sagen, da\u00df das Kind von Gott ist?<\/p>\n<p>Josef: Kann sein, da\u00df das so war, jaja&#8230;<\/p>\n<p>Maria: Und hast du vergessen, da\u00df der Engel zu mir gekommen ist und mich gefragt hat, ob ich dieses Kind bekommen will? Ich hab&#8217;s dir doch alles erz\u00e4hlt, damals&#8230;<\/p>\n<p>Josef: Ja, stimmt, ich erinnere mich, da war was mit &#8217;nem Engel&#8230;<\/p>\n<p>Maria: Und hast du vergessen, da\u00df die Hirten zu uns gekommen sind, in der Nacht, als er geboren war, und haben uns Schaffelle und Brot geschenkt, weil der Engel ihnen gesagt hatte, da\u00df der Messias geboren ist?<\/p>\n<p>Josef: Von dem Brot essen wir heute noch.<\/p>\n<p>Maria: Und hast du vergessen, was die Engel gesungen haben, \u00fcber dem Stall, in der Nacht der Geburt &#8211; von Gottes Ehre und Friede den Menschen?<\/p>\n<p>Josef: Das werd&#8216; ich nie vergessen, so sch\u00f6n war dieser Gesang.<\/p>\n<p>Maria: Na, und was meinst du, welches Kind die Soldaten suchen?<\/p>\n<p>Josef: Ich wei\u00df nicht. Die spinnen, die R\u00f6mer.<\/p>\n<p>Maria: Vergi\u00df es.<\/p>\n<p>Josef: Ich hoffe, da\u00df ich Arbeit finden werde in \u00c4gypten. Ich f\u00fcrchte n\u00e4mlich, wir werden ein paar Jahre dort bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Maria: Arbeit haben sie schon dort. \u00c4gypten ist ja ein reiches Land. Aber sie wollen keine Ausl\u00e4nder da.<\/p>\n<p>Josef: Dann m\u00fcssen wir eben Asyl beantragen.<\/p>\n<p>Maria: Dann d\u00fcrfen wir aber nicht arbeiten.<\/p>\n<p>Josef: Warum denn das nicht?<\/p>\n<p>Maria: Damit nicht so viele Asylanten kommen.<\/p>\n<p>Josef: Aber wir wollen doch nicht auf andrer Leute Kosten leben.<\/p>\n<p>Maria: Es wird uns wohl nicht viel anderes \u00fcbrigbleiben.<\/p>\n<p>Josef: Vielleicht verstehen sie&#8217;s, da\u00df kein Mensch ohne Not seine Heimat verl\u00e4\u00dft. Vielleicht begreifen sie es ja, da\u00df wir dorthin gehen, weil wir um das Leben unseres Kindes xf\u00fcrchten. Vielleicht haben sie ja ein Herz, die Menschen in \u00c4gypten. (Maria uns Josef wandern langsam von der B\u00fchne, w\u00e4hrend der Engel sich an die Gottesdienstbesucher wendet)<\/p>\n<p>Engel: H\u00f6rt, ihr Leut, und la\u00dft euch sagen, unsre Uhr hat zw\u00f6lf geschlagen, f\u00fcnf nach zw\u00f6lfe ist es schon, um Asyl fragt Gottes Sohn. Wandert in ein fernes Land, wird dort Ausl\u00e4nder genannt, ist sich daf\u00fcr nicht zu schade, da\u00df er Hohn und Spott ertrage, w\u00e4chst auf als ein Fl\u00fcchtlingskind, wie es heute viele sind. Hier bei uns sind viele Kinder, und aus aller Herren L\u00e4nder wohnen welche in Baracken, andre nennen sie Kanacken. Wenn ihr solche Reden h\u00f6rt, denkt an das, was Gott uns lehrt, der in seinem eignen Sohn Asylant gewesen schon. H\u00e4tt&#8216; \u00c4gypten ihm verwehrt das Asyl, das er begehrt, w\u00e4re heut&#8216; nicht heil&#8217;ge Nacht. Denkt dran, Leute, und habt Acht!<\/p>\n<p><b>Verfasserin: Elisabet Mester<br \/>\n<a href=\"mailto:E.Mester@gmx.de\">E-Mail: E.Mester@gmx.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=krippenspiel-mester.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Weihnachten 2000 Weihnachtsspiel in f\u00fcnf Akten, verfa\u00dft von Elisabet Mester Weihnachtsspiel in f\u00fcnf Akten 1. Auf dem Weg nach Bethlehem 2. Die Hirten auf dem Feld 3. Die Hirten in Bethlehem 4. Die Steuererfassungsstelle 5. Auf dem Weg nach \u00c4gyptenPersonen: Maria Josef 3 Hirten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[122,157,114,1239,121,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21483","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-adv_weihn_neujahr","category-beitragende","category-deut","category-elisabet-mester","category-festtage","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21483"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22814,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21483\/revisions\/22814"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21483"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21483"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21483"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21483"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}