{"id":21509,"date":"2000-10-15T11:59:58","date_gmt":"2000-10-15T09:59:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21509"},"modified":"2025-04-16T20:22:29","modified_gmt":"2025-04-16T18:22:29","slug":"luthers-magnificat-1520-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/luthers-magnificat-1520-21\/","title":{"rendered":"Luthers &#8222;Magnificat&#8220; (1520\/21)"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\">\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/archiv.php\"><span style=\"font-family: Arial;\"><b>G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/b><\/span><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><span style=\"color: #0000a0; font-family: Arial;\"><b>Predigtreihe &#8222;Maria&#8220;<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000a0; font-family: Arial;\"><b>16. Sonntag nach Trinitatis (8. Oktober 2000)<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000a0; font-family: Arial;\"><b>Luthers &#8222;Magnificat&#8220; (1520\/21)<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000a0; font-family: Arial;\"><b>Klaus Schwarzw\u00e4ller<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><u><i>Vorbemerkung<\/i><\/u><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>Luther schrieb 1520\/21 eine Auslegung jenes Lobgesangs, den Maria nach Lukas 1,46-55 aus Anla\u00df der Botschaft des Engels angestimmt habe, sie werde vom Heiligen Geist mit dem Messias schwanger werden. Dieser Lobgesang wird nach dem ersten Wort seiner lateinischen Fassung traditionell das \u00bbMagnificat\u00ab genannt. Wir wissen l\u00e4ngst, da\u00df das Magnificat ein Psalm ist, den Lukas hier eingef\u00fcgt hat, als er gem\u00e4\u00df den Regeln und Gesetzen der antiken Historiographie das Geschehen so beschrieb, da\u00df das Gesamtbild einen auch in den Nuancen und Valeurs zutreffenden und angemessenen Eindruck der Ereignisse und Bedeutsamkeiten vermittelt. (Sehr vereinfacht und im modernen Jargon gesagt: Die antike Geschichtsschreibung war nicht sach-, sondern leserorientiert.) Insofern ist es auf der Ebene der Aussage nicht allein m\u00f6glich, sondern auch geboten, diesen Psalm als Lobgesang der Maria aufzunehmen gleichsam als das Paradigma menschlicher Antwort auf Gottes \u00fcberw\u00e4ltigendes gro\u00dfes Wunder. <\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>Luther, aufgewachsen und theologisch gebildet im Zusammenhang der intensiven Marienfr\u00f6mmigkeit seiner Zeit, sah sich bald vor der Aufgabe, die Stellung und Bedeutung der Gottesmutter theologisch zu kl\u00e4ren und zu pr\u00e4zisieren. Mit der ganzen Christenheit (431 hatte man auf dem dritten \u00d6kumenischen Konzil, zu Ephesus, formuliert, Maria sei nicht nur \u201eChristusgeb\u00e4rerin\u201c, sie sei vielmehr \u2013 da Christus von Anfang an wahrer Gott sei \u2013 \u201eGottesgeb\u00e4rerin\u201c [theot\u00f3kos]) hielt er selbstverst\u00e4ndlich daran fest, da\u00df sie die Gottesmutter, ja wirklich Gottes Mutter sei. Was das bedeutet, was es ein- und was es ausschlie\u00dft, entfaltet er zusammenh\u00e4ngend mit dieser Auslegung des Magnificat, die durch die Vorrede als zugleich politische Schrift erkennbar wird: Luther widmet sie Herzog Johann Friedrich von Sachsen, dem nachmaligen Kurf\u00fcrsten, dem er dann zu dessen Amtsantritt mit seiner wohl wichtigsten Schrift zur sogenannten \u201eZwei-Reiche-Lehre\u201c, der Auslegung von Psalm 101, 1534, auch einen F\u00fcrstenspiegel widmet. <\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>In Luthers Auslegung des Magnificat, abgefa\u00dft vor und nach dem Wormser Reichstag, kreuzen sich also verschiedene Ziele, Impulse und Gegenstandsbereiche. Ihre innere Ordnung hat diese Schrift, indem das Magnifiat Zeile um Zeile ausgelegt wird. Dabei ist die leitende Frage: Was ist es, das die Gottesmutter hier verk\u00fcndigt? In dieser Frage steckt eine Grundentscheidung, die durch den Text in das Tat nahegelegt wird: Maria wird aufgefa\u00dft als Verk\u00fcndigerin, als Zeugin Gottes, seiner Gnade und seiner Wunder, also als in herausragender Weise von Gott erhobener Mensch, der aufgrund des Widerfahrenen Gott preist. Damit ist es gegeben, da\u00df Maria selber eingezeichnet wird in den Zusammenhang der Aussagen, also da\u00df sie gleichsam zur Kronzeugin ihres eigenen Lobgesangs wird. Es entsteht so durch Luthers Auslegung eine Marienpredigt im doppelten Sinn des Wortes: als Predigt ihres Lobgesangs und darin als Predigt der Maria selbst. Mit seiner Auslegung des Magnificat schreibt Luther eine genuine evangelische Marienpredigt. <\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>Mir wurde die Aufgabe zuteil, diese Auslegung bzw. Marienpedigt f\u00fcr die G\u00f6ttinger Predigten im Internet so zu bearbeiten, da\u00df sie der Reihe der Marienpredigten gleichsam zur Einstimmung vorangestellt werden k\u00f6nne. Das stellte insbesondere vor zwei Schwierigkeiten. <\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>Zum einen galt es, den Text auf 7 %, h\u00f6chstens jedoch 10 % seines Umfangs zu k\u00fcrzen, genauer gesagt: ihn also zu amputieren und bis auf Rudimente zu verst\u00fcmmeln. Zwar heiligt der Zweck nicht die Mittel, doch scheint mir, da\u00df das Ziel diesen Eingriff legitimiere. Ich bin nach langem Schwanken und W\u00e4gen so vorgegangen, da\u00df ich die Passagen, in denen von Maria selbst die Rede ist, herausgezogen (also buchst\u00e4blich \u201eperikopiert\u201c) und aneinandergef\u00fcgt habe, was nat\u00fcrlich \u00dcberleitungen, Angleichungen usf. ebenso erforderlich machte wie auch Umstellungen und innerhalb der S\u00e4tze kleinere Auslassungen. Insgesamt jedoch war ich bem\u00fcht, den Duktus der Auslegung Luthers m\u00f6glichst zu wahren. Dabei ergab sich allerdings keine geschlossene Predigt im modernen Sinn, sondern eine Verbindung aus Homilie und Lehrpredigt. Mir erschien es als unangebracht, das in eine moderne, uns gel\u00e4ufige Form umzugie\u00dfen. <\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>Zum anderen galt es, den Wortlaut in heutiges Normaldeutsch zu transponieren. Wer einmal auf das Verlesen eines besonders gelungenen Bildes aus Luthers Feder hin dann auch bei mittleren Semestern von Studierenden der Theologie in leere Augen geblickt hat, hat insoweit nachhaltige Lektionen gelernt. Da\u00df ich mir bei dem notwendigen Transponieren immer wieder nicht nur als Barbar, sondern schier wie ein geheimer J\u00fcnger der 75er Revisoren des Neuen Testaments vorkam, sei weder als Klage noch zu meiner Entlastung, sondern allein vermerkt, um anzudeuten, da\u00df ich insoweit ganz gewi\u00df nicht rasch und leicht mit meiner Aufgabe fertig wurde. Gerade weil \u2013 anders als eine Bibel\u00fcbersetzung, die laut und solenn soll <u>verlesen<\/u> sowie meditiert werden (k\u00f6nnen) \u2013 ein Predigttext unmittelbar adressiert ist, darf er einerseits sprachlich nicht ablenken, denn er soll sofort eingehen, andererseits jedoch nicht platt sein, denn er soll nachschwingen. Die daraus erwachsenden Probleme sind hier besonders brennend, weil Luther ja wahrlich <u>deutsch<\/u> schrieb \u2013 und was f\u00fcr ein plastisches, gekonntes und unmittelbar ins Sprechen dr\u00e4ngendes Deutsch, in dem jedes Wort \u201esitzt\u201c! <\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>Ich gebe ein Beispiel von der Aufgabe. Luther schreibt: \u201eSiehe, wie rein tr\u00e4gt sie (sc. Maria) alle Dinge in Gott\u201c (BoA 2, 162,40.163, 1) Es geht nicht darum, ob das wohl \u201everst\u00e4ndlich\u201c oder auch \u201everstehbar\u201c sei \u2013 was immer das hei\u00dfen mag; es geht darum, da\u00df damit Zusammenh\u00e4nge, Konnotationen, Assoziationen, Vorstellungen, Horizonte aufgerufen werden \u2013 oder auch nicht. Und was wird in uns Heutigen beim einmaligen H\u00f6ren oder Lesen insoweit wach? Es ist ja deutlich nicht<u>unsere<\/u>, es ist eine vergangene Welt und Sprache. (Es beginnt bereits mit dem ersten Wort: Wir sagen nicht \u201esiehe\u201c, wir sagen etwa: \u201eSieh her\u201c oder \u201eGuck mal\u201c oder \u201eMan bemerke\u201c oder \u201eNotabene\u201c oder&#8230;) Ein anderes Beispiel: \u201eDie Mutter Gottes lehrt es hier fast wohl\u201c (BoA 2, 164, 3). Das w\u00fcrde in w\u00f6rtlicher Wiedergabe lauten: \u201eDie Mutter Gottes lehrt es hier recht gut\u201c, was den unangenehmen Klang herablassender Schulmeisterlichkeit erbr\u00e4chte. \u2013 Hier ist nicht der Ort, Gr\u00fcnde und Kriterien der Entscheidungen zu diskutieren, auch nicht, um darzulegen, warum ich am Ende (nach einem langen Vormittag) geschrieben habe: \u201eMan kann nur staunen, wie eindeutig sie wirklich alles Gott zuschreibt.\u201c und: \u201eDie Mutter Gottes stellt\u2019s uns vor die Augen.\u201c \u2013 Es ist mir nur darum zu tun, Art und Umfang dieser Aufgabe zu verdeutlichen (deren L\u00f6sungen in jedem Fall zu Fragen reichlich Anla\u00df geben!). <\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>Der Hinweis mag nicht \u00fcberfl\u00fcssig sein, da\u00df die ganze Auslegung Magnificat durch Luther bequem und in der unseren angeglichener Sprache zug\u00e4nglich ist in den von Gerhard Ebeling herausgegebenen \u201eAusgew\u00e4hlten Schriften\u201c Luthers im Insel-Verlag (1982), dort in Band 2, S. 115-196. <\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: large;\">Und Maria sprach: <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><b><span style=\"font-family: Arial;\">Meine Seele erhebt den Herrn<br \/>\nUnd mein Geist freut sich Gottes, meines Heilands<br \/>\nDenn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen<br \/>\nSiehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder<br \/>\nDenn er hat gro\u00dfe Dinge an mir getan<br \/>\nDer da m\u00e4chtig ist und dessen Name heilig ist<br \/>\nUnd seine Barmherzigkeit w\u00e4hrt von Geschlecht zu Geschlecht<br \/>\nBei denen, die ihn f\u00fcrchten<br \/>\nEr \u00fcbt Gewalt mit seinem Arm<br \/>\nUnd zerstreut, die hoff\u00e4rtig sind in ihres Herzens Sinn<br \/>\nEr st\u00f6\u00dft die Gewaltigen vom Thron<br \/>\nUnd erhebt die Niedrigen<br \/>\nDie Hungrigen f\u00fcllt er mit G\u00fctern<br \/>\nUnd l\u00e4\u00dft die Reichen leer ausgehen<br \/>\nEr gedenkt der Barmherzigkeit<br \/>\nUnd hilft seinem Diener Israel auf<br \/>\nWie er geredet hat zu unsern V\u00e4tern<br \/>\nAbraham und seinem Samen in Ewigkeit*<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">* Unser Neues Testament in der Revision von 1985 schreibt \u201eseinen Kindern\u201c und transponiert damit in unseren Sprachgebrauch. Der griechische Text schreibt \u201eSamen\u201c. Da Luther sich in seiner Auslegung auf \u201eSamen\u201c bezieht, nehme ich hier die w\u00f6rtliche Fassung. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Will man diesen heiligen Lobgesang angemessen verstehen, so ist darauf achtzuhaben, da\u00df die hochgelobte Jungfrau Maria aus ihrer eigenen Erfahrung redet. Diese wurde ihr durch den Heiligen Geist geschenkt; er hat sie gelehrt und erleuchtet. Wie \u00fcberhaupt niemand Gottes Wort zu verstehen vermag, dem es nicht vorher unmittelbar gegeben wurde durch den Heiligen Geist. Es vom Heiligen Geist empfangen aber hei\u00dft: es erfahren, es mit ihm versuchen und insgesamt es sich einziehen lassen. Durch diese Erfahrung belehrt der Heilige Geist; das ist seine spezielle Schule. Wer hier nicht lernt, empf\u00e4ngt nur leere Worte und Geschw\u00e4tz. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Entsprechend belehrt uns auch die zarte Mutter Christi mit dem Beispiel ihrer Erfahrung und mit Worten, wie man Gott erkennen, lieben und loben soll, zumal sie mit fr\u00f6hlichem, beschwingtem Sinn sich hier r\u00fchmt und Gott lobt, da\u00df er sie angesehen hat, obschon sie ohne Stand und Ansehen war. Und auch unter ihren Nachbarn und deren T\u00f6chtern war sie ein einfaches M\u00e4dchen, das das Vieh und den Haushalt versorgt, also nicht mehr als was man jetzt eine Hausmagd nennt, die im Hause zu tun hat, was man ihr zuweist. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: large;\">Meine Seele erhebt den Herrn<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Dieser Satz sprudelt hervor aus innerster Betroffenheit und \u00fcberschwenglicher Freude, die sie in ihrer Seele ergriffen haben. Darum sagt sie: \u201eMeine Seele erhebt Gott&#8230;\u201c, als wollte sie sagen: Mein Leben und alle meine Sinne schweben in Gottes Liebe, Lob und Freude, und das so sehr, da\u00df ich mehr erhoben werde, als da\u00df ich mich selber zu Gottes Lob erh\u00f6be. \u2013 Denn Gott wird nicht in seiner Natur von uns gro\u00df gemacht, sondern in unserer Erkenntnis und Empfindung: da\u00df wir viel von ihm erwarten und von seiner Gr\u00f6\u00dfe erf\u00fcllt sind, insbesondere von seiner G\u00fcte und Gnade. \u2013 Darum sagt die heilige Mutter nicht: Meine Stimme oder mein Mund noch meine Gedanken oder mein Wille erhebt den Herrn. Sie sagt vielmehr: Meine Seele macht ihn gro\u00df, das meint: Mein ganzes Leben, Wesen, Sinn und Kraft sind erf\u00fcllt von ihm, so da\u00df sie wie verz\u00fcckt sich emporgetragen f\u00fchlen in seinen gn\u00e4digen guten Willen. Dabei ist es wichtig, hier auf das letzte Wort zu merken: \u201eGott\u201c. Denn Maria sagt gerade nicht: Meine Seele macht sich selber gro\u00df oder ist von sich selbst erf\u00fcllt. Sondern allein Gott erhebt sie; ihm allein gilt ihre Rede. Denn obgleich sie das \u00fcberschwengliche Wunder Gottes in ihr wohl f\u00fchlte, war und blieb sie doch so gesinnt, da\u00df sie sich nicht selber erhob. Sie war \u00fcberhaupt nicht um sich selber bek\u00fcmmert und hat es Gott \u00fcberlassen, seine G\u00fcter auszuteilen. Sich selbst hat sie dabei lediglich als eine fr\u00f6hliche Herberge und als gute Wirtin dieses hohen Gastes aufgefa\u00dft; mehr nicht. Darum hat sie das alles auch ewig behalten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"font-size: large;\">Und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilands<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wie sehr ist hier der wundervolle reine Geist der Maria zu preisen, da\u00df sie trotz \u00fcberreicher Ehre sich nicht zu \u00dcberheblichkeit verf\u00fchren l\u00e4\u00dft! Sie tut, als merke sie es nicht, geht ihren allt\u00e4glichen Weg wie zuvor auch und hat unverwandt nur die g\u00f6ttliche G\u00fcte im Sinn, die sie doch weder sieht noch sp\u00fcrt. Die G\u00fcter, die erfahrbar sind, gibt sie preis, sucht sie nicht zu gewinnen und ist nicht auf ihren Genu\u00df aus, so da\u00df sie wahrlich aus gutem, rechtem Grund singt: Mein Geist hat seine Freude in Gott, meinem Heiland. Genauer gesagt, ist es ein Geist, der nur im Glauben diese Freude erf\u00e4hrt und der auch nicht von solchen Gaben Gottes erf\u00fcllt ist, die sie sp\u00fcren konnte, sondern von Gott allein, den sie nicht sp\u00fcrt. In ihm ist sie voller Freude als ihrem Heil; und sie erkennt ihn nur im Glauben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: large;\">Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen<br \/>\nSiehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Maria meint hier dies: Gott hat auf mich arme, verachtete, unansehnliche junge Frau geblickt und h\u00e4tte wohl reiche, hohe, edle und m\u00e4chtige K\u00f6niginnen oder F\u00fcrsten- und Herrent\u00f6chter finden k\u00f6nnen. Er h\u00e4tte etwa die Tochter des Hannas oder des Kaiphas finden k\u00f6nnen, die die Obersten im Lande waren. Aber er hat auf mich seine lauteren, g\u00fctigen Augen geworfen und eine so geringe und \u00fcbersehene Magd f\u00fcr sein Wunder in Anspruch genommen, damit sich vor ihm niemand br\u00fcsten k\u00f6nne, er sei\u2019s von sich aus w\u00fcrdig, sondern bekennen mu\u00df: Es ist lauter Gnade und G\u00fcte Gottes und nicht meine eigene Leistung oder W\u00fcrdigkeit. Weil nun die zarte Jungfrau, von unansehnlicher Geburt und Stand, v\u00f6llig unversehens zu dieser Ehre kam, da\u00df Gott sie so \u00fcber die Ma\u00dfen gn\u00e4dig angesehen hat, r\u00fchmt sie sich nicht ihrer W\u00fcrdigkeit, aber auch nicht ihrer Unw\u00fcrdigkeit. Sondern sie r\u00fchmt allein Gottes Hinblicken, das so \u00fcberschwenglich g\u00fctig und gnadenvoll ist, da\u00df er sogar eine solche niedrige Magd angesehen hat und sie so herrlich und ehrenvoll auch ansehen wollte. Darum tun ihr diejenigen unrecht, die da sagen, sie habe sich nicht ihrer Jungfr\u00e4ulichkeit, sondern ihrer Demut ger\u00fchmt: Sie hat sich weder ihrer Jungfr\u00e4ulichkeit noch ihrer Demut ger\u00fchmt, sondern einzig des gnadenvollen Hinsehens Gottes. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Die Jungfrau Maria ist also eine verachtete und geringe junge Frau ohne Ansehen gewesen, die so, wie sie war, Gott diente, ohne auf den Gedanken zu kommen, da\u00df ihre unansehnliche Stellung so gro\u00df angesehen w\u00e4re bei Gott. Damit sollen wir unsererseits getr\u00f6stet werden, da\u00df wir, auch wenn wir gern uns erniedrigen und verachten lassen sollen, darin doch nicht verzagen, als ob Gott uns z\u00fcrne, sondern um so mehr hoffen, da\u00df er uns gn\u00e4dig sei.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Nachdem die Mutter Gottes ihren Gott und Heiland mit lauterem, reinem Geist gelobt und dabei von seinen Gaben abgesehen und gerade dadurch das rechte Lob seiner G\u00fcte verk\u00fcndet hat, beginnt sie nunmehr \u2013 also danach! \u2013 auch seine Taten und Wohltaten zu loben. Denn man soll sich nicht auf Gottes Gaben st\u00fcrzen und an sie klammern, sondern durch diese hinauf zu ihm selbst dringen, allein auf ihn blicken, sich von seiner G\u00fcte durchdringen lassen \u2013 und dann daraufhin auch sein Wirken und Schenken loben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Das erste Werk Gottes an ihr bekennt Maria: Er hat sie angesehen. Daran h\u00e4ngt alles Weitere. Man achte auf die Worte: Sie sagt nicht, man werde ihr viel Gutes nachsagen, ihre Tugend preisen, ihre Jungfr\u00e4ulichkeit oder Demut r\u00fchmen oder wom\u00f6glich ein Lied von ihrer Tat singen. Sie spricht vielmehr allein davon, da\u00df Gott sie angesehen hat: das ist es, woraufhin man sagen wird, sie sei selig. Wahrlich, reiner kann man nicht die Ehre Gott allein geben: Sie zeigt auf sein Hinsehen; daraufhin werden sie alles Kindeskinder selig preisen. Darin wird nicht sie gelobt, sondern Gottes Gnade \u00fcber ihr. Ja, sie wird verachtet und verachtet sich selbst, indem sie sagt, ihre Nichtigkeit sei von Gott angesehen worden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Nur ungern h\u00f6rt sie die unn\u00fctzen Schw\u00e4tzer, die viel von ihrem Verdienst predigen und schreiben, womit sie doch nur die eigene gro\u00dfe Kunst beweisen wollen und dabei nicht sehen, wie sie das Magnificat entleeren, die Mutter Gottes L\u00fcgen strafen und die Gnade Gottes verkleinern. Denn soviel man ihr W\u00fcrdigkeit und Verdienst zuschreibt, so viel spricht man der Gnade Gottes ab und mindert die Wahrheit des Magnificat. Darum sind alle, die ihr so viel Lob und Ehre beilegen, nicht weit davon, da\u00df sie einen Abgott aus ihr machen, gerade als h\u00e4tte sie selber etwas dazu beigetragen, da\u00df man sie ehrt und von ihr Gutes erwartet. Dabei will sie, da\u00df Gott in ihr gelobt sei, und will durch sich jedermann zu unersch\u00fctterlichem Vertrauen in Gottes Gnade bringen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Darum, wer sie recht ehren will, der mu\u00df sie vor und weit unter Gott stellen ohne allen Ruhm und ihre Nichtigkeit ansehen und daraufhin ins Staunen kommen \u00fcber die \u00fcberschwengliche Gnade Gottes, der ein so geringes, nichtiges Menschenwesen so voller Gnaden ansieht, umf\u00e4ngt und selig spricht, so da\u00df du durch dieses Bild dazu bewegt wirst, deinerseits Gott zu lieben und zu loben, und dadurch gelockt wirst, von einem solchen Gott alles Gute zu erwarten. Was meinst du, k\u00f6nnte ihr Lieberes begegnen, als da\u00df du durch sie auf diesem Weg zu Gott kommst und an ihr lernst, in Gott zu vertrauen und zu hoffen, auch wenn du verachtet und vernichtet wirst? <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Zugleich auch, da\u00df du lernst, dich vor all dem hohen Streben zu f\u00fcrchten, das Menschen antreibt, wenn du siehst, da\u00df Gott auch in seiner Mutter hohes Ansehen weder fand noch haben wollte. Aber die Meister, die uns die selige Jungfrau so malen und darstellen, da\u00df nichts Ver\u00e4chtliches an ihr zu sehen ist, sondern nur Hoheit und Gr\u00f6\u00dfe; was tun die anderes, als da\u00df sie lediglich uns der Gottesmutter gegen\u00fcberstellen statt sie ihrerseits Gott? Damit machen sie uns schwach und verzagt und nehmen uns den Blick auf das trostreiche Gnadenbild. Denn nun bleibt kein Beispiel \u00fcbrig, durch das wir uns tr\u00f6sten k\u00f6nnen, sondern sie wird \u00fcber alle Beispiele erhoben. Und dabei sollte sie \u2013 und wollte sie auch gerne selbst \u2013das herausragende Beispiel der Gnade Gottes sein, um alle Welt zur Zuversicht in Gottes Gnade und zu Liebe und Lob gegen ihn zu reizen, so da\u00df alle Herzen durch sie die Erwartung gegen Gott finden, die mit aller Zuversicht sagt: O, du selige Jungfrau und Mutter Gottes! Wie hat uns Gott in dir einen so gro\u00dfen Trost erwiesen, weil er deine Unw\u00fcrdigkeit und Nichtigkeit so voller Gnade angesehen hat. Dadurch werden wir ermahnt, er werde hinfort uns arme, nichtige Menschen, deinem Beispiel gleich, auch nicht verachten, sondern in Gnaden ansehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: large;\">Denn er hat gro\u00dfe Dinge an mir getan<br \/>\nDer da m\u00e4chtig ist und dessen Name heilig ist<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Wir lesen Genesis 25, da\u00df Abraham den Kindern seiner Nebenfrauen Geschenke gab; aber Isaak, dem legitimen Sohn seiner Frau Sarah, gab er das ganze Erbe. Entsprechend will Gott, da\u00df seine rechten Kinder ihren Trost nicht in seinen G\u00fctern und Geschenken finden, sie seien wie gro\u00df auch immer und leiblich oder geistlich, sondern in seiner Gnade und in ihm selbst, ohne da\u00df dar\u00fcber seine Gaben gering geachtet w\u00fcrden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Die gro\u00dfen Dinge sind hier nichts anderes, als da\u00df sie Gottes Mutter geworden ist. Darin sind ihr so viele und gro\u00dfe G\u00fcter gegeben worden, da\u00df niemand sie begreifen kann. Denn hieraus folgt alle Ehre, alle Seligkeit sowie dies, da\u00df sie im ganzen Menschengeschlecht einzigartig ist, \u00fcber alle anderen hinaus, so da\u00df ihr niemand gleicht: da\u00df sie n\u00e4mlich mit dem himmlischen Vater ein Kind, und zwar ein solches Kind hat, da\u00df sie wegen seiner unausme\u00dflichen Gr\u00f6\u00dfe sie selber au\u00dferstande ist, ihm einen Namen zu geben; sie mu\u00df es dabei belassen, da\u00df die Worte aus ihr nur so hervorsprudeln. Darum hat man in einem einzigen Wort ihre ganze Ehre erfa\u00dft: Indem man sie Gottes Mutter nennt. Niemand kann gr\u00f6\u00dferes von oder zu ihr sagen. Es will aber mit dem Herzen bedacht sein, was das sei: Gottes Mutter. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Sollte sie nun Mutter Gottes sein, mu\u00dfte sie f\u00fcglich eine Frau sein, eine Jungfrau aus dem Geschlecht Juda, und der Botschaft des Engels Glauben schenken, damit sie hierzu geeignet sei. Also ist ihre W\u00fcrdigkeit zu dieser Mutterschaft nur die gewesen, da\u00df sie zu ihr tauglich war und bestimmt wurde. So ist es lauter Gnade und keine Belohnung, auf da\u00df man Gottes Gnade, Lob und Ehre nicht schm\u00e4lert, indem man ihr zuviel zuschreibt. Es ist besser, ihr zuviel aberkannt als der Gnade Gottes. Ja, es ist gar nicht m\u00f6glich, ihr zuviel abzusprechen, da sie doch aus nichts geschaffen ist wie alle Kreaturen. Gottes Gnade jedoch hat man rasch zuviel abgesprochen. Das ist gef\u00e4hrlich und erweist ihr keine Liebe. Man mu\u00df auch Ma\u00df halten und ihren Rang nicht \u00fcberh\u00f6hen, etwa da\u00df man sie Himmelsk\u00f6nigin nennt: Das ist zwar wahr, nur ist sie darin keine Nebeng\u00f6ttin, da\u00df sie etwas gew\u00e4hren oder schenken k\u00f6nnte, wie so viele meinen, die mehr sie als Gott anrufen und bei ihr Zuflucht suchen. Sie gibt gar nichts, sondern allein Gott, wie sie selber sagt: \u201e&#8230;.der da m\u00e4chtig ist\u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Damit erkennt sie alle Macht und Kraft allen Kreaturen ab und schreibt sie allein Gott zu. O, das ist ein verwegener Raub, den hier eine so junges unbedeutende Frau wagt: Sie nimmt sich die Freiheit, mit einem einzigen Wort alle M\u00e4chtigen krank, alle Gro\u00dfartigen kraftlos, alle Weisen zu Narren und alle Ber\u00fchmten zuschanden zu machen, indem sie allein dem einzigen Gott alle Macht, Wirksamkeit, Weisheit und Ruhm zuschreibt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Das also ist hier die Meinung der heiligen Gottesmutter: \u201eIn allen diesen Dingen und gro\u00dfen G\u00fctern liegt \u00fcberhaupt nichts bei mir, sondern bei dem, der allein alle Dinge tut und allein seine Macht in allen aus\u00fcbt. Der hat mir so Gro\u00dfes getan. Allein ihm geb\u00fchren Ehre und Name. Es ist unbillig, da\u00df einer etwas bewirkt und ein anderer dadurch den Namen bekommt und sich ehren l\u00e4\u00dft. Ich bin nur die Werkstatt, in der er wirkt, aber ich habe nichts zu seinem Werk beigetragen. Darum soll auch mich niemand loben oder ehren daf\u00fcr, da\u00df ich Gottes Mutter geworden bin. Sondern Gott und sein Werk soll man in mir ehren und loben. Was mich betrifft, so ist es genug, da\u00df man sich mit mir freut und mich selig daf\u00fcr preist, da\u00df Gott mich gebraucht hat, um dieses sein Werk in mir zu tun.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Man kann nur staunen, wie eindeutig sie wirklich alles Gott zuschreibt und keinerlei Ehre und keinerlei Ruhm f\u00fcr sich selber beansprucht. Sie verh\u00e4lt sich vielmehr wie vorher auch, als sie eine durchschnittlich junge Frau war, fragt nicht pl\u00f6tzlich nach besonderem Ansehen, br\u00fcstet sich nicht, macht nichts von sich her, geht auch nicht damit hausieren, da\u00df sie nun Gottes Mutter geworden sei, fordert keine Verehrung. Vielmehr macht sie weiter wie bisher, arbeitet im Haus, melkt die K\u00fche, kocht, w\u00e4scht die Sch\u00fcsseln, kehrt und tut insgesamt, was eine Magd oder eine Hausfrau tun soll in ihrer Arbeit, die doch so wenig z\u00e4hlt, gerade so, als h\u00e4tte Gott sie nicht so \u00fcber die Ma\u00dfen mit Gnade \u00fcberh\u00e4uft. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: large;\">Und seine Barmherzigkeit w\u00e4hrt von Geschlecht zu Geschlecht<br \/>\nBei denen, die ihn f\u00fcrchten <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Nun Maria von ihren und Gottes G\u00fctern gesungen und Gott gelobt hat, geht sie die Werke Gottes insgesamt durch, die er bei allen Menschen wirkt, singt ihm auch von ihnen und lehrt uns so Handeln, Art, Wesen und Willen Gottes erkennen. Es haben viele hochgescheite Menschen und Philosophen ebenfalls sich hiermit abgem\u00fcht; sie h\u00e4tten gerne erfa\u00dft, was Gott w\u00e4re. Dar\u00fcber haben sie viel geschrieben, der eine so, der andere so. Aber sie wurden dar\u00fcber allesamt verblendet und haben keine wirkliche Einsicht gewonnen. Es ist ja auch das H\u00f6chste im Himmel und auf Erden, da\u00df man Gott wahrhaft erkenne \u2013 wenn es denn jemand zuteil wird. Die Mutter Gottes stellt\u2019s uns vor die Augen \u2013 wenn man sie nur verstehen will \u2013, so wie sie\u2018s auch oben im Blick auf sich selbst durch ihr Verhalten tut. Wie aber k\u00f6nnte man Gott besser erkennen als aus seinen eigenen Taten? Wer sein Handeln erkennt, der wird sich auch im Blick auf sein Wesen, Willen, Herz und Sinn nicht t\u00e4uschen. Durch diese vier Verse nun f\u00fchrt sie aus, was Gott tut, und malt dabei ein Bild von ihm, wie es besser nicht gemalt werden kann.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: large;\">Er \u00fcbt Gewalt mit seinem Arm<br \/>\nUnd zerstreut, die hoff\u00e4rtig sind in ihres Herzens Sinn<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Wie meisterlich trifft Maria mit ihrem Bild die hohlen Schaumschl\u00e4ger! Sie sieht ihnen nicht auf die H\u00e4nde noch auf den Mund, sondern ins Herz und spricht die an, die in ihrem innersten Sinn \u00fcberheblich sind. Damit hat sie insbesondere die Feinde von Gottes Wahrheit im Blick. Ach, die meinen es so herzlich gut, rufen Gott an und erbarmen sich des armen Herrn Jesus, da\u00df er so unrecht tut und anma\u00dflich ist und nicht so fromm wie sie selbst&#8230; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: large;\">Er st\u00f6\u00dft die Gewaltigen vom Thron<br \/>\nUnd erhebt die Niedrigen<br \/>\nDie Hungrigen f\u00fcllt er mit G\u00fctern<br \/>\nUnd l\u00e4\u00dft die Reichen leer ausgehen<br \/>\nEr gedenkt der Barmherzigkeit<br \/>\nUnd hilft seinem Diener Israel auf<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Nach den Taten Gottes in ihr und unter allen Menschen kommt Maria wieder zur\u00fcck zum Anfang und das zuerst Gesagte und schlie\u00dft das Magnificat ab mit der allergr\u00f6\u00dften aller Gro\u00dftaten Gottes, n\u00e4mlich der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Sie verk\u00fcndet hier, da\u00df Gottes Tat an ihr nicht einfach ihr gilt, sondern da\u00df sie geschah ganz Israel zugut und damit auch dem neuen Israel, der Christenheit, und somit der ganzen Welt. Sie bekennt damit offen, Magd und Dienerin der ganzen Welt zu sein. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: large;\">Wie er geredet hat zu unsern V\u00e4tern<br \/>\nAbraham und seinem Samen in Ewigkeit <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Hier ist es nun endg\u00fcltig vorbei mit Verdienst und Anspr\u00fcchen vor Gott; statt dessen ist die Gnade und Barmherzigkeit Gottes herausgestellt: Denn Gott hat Israel nicht angenommen wegen irgendwelcher Leistungen, sondern allein um seines eigenen Versprechens willen. Aus lauter Gnade hat er sich gebunden und aus lauter Gnade sein Versprechen erf\u00fcllt. Diese Gnade und Zusage preist und r\u00fchmt hier nun auch die Mutter Gottes \u00fcber alles und schreibt dieses Wunder der Menschwerdung Gottes allein dem gn\u00e4digen, unverdienten Versprechen Gottes zu, das er bereits Abraham gegeben hat. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Und das ist es, was hier die zarte Mutter das Samens Abrahams meint, indem sie sagt: Er hat Israel angenommen gem\u00e4\u00df seinem Versprechen an Abraham und seine Nachkommen. Da erkannte sie klar, da\u00df dieses Versprechen in ihr erf\u00fcllt war. Darum sagt sie, es sei jetzt erf\u00fcllt; Gott habe seinen Diener angenommen und seinem Wort entsprochen einzig, weil er an seine Barmherzigkeit dachte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Dieser Same Abrahams aber durfte nicht auf nat\u00fcrliche Weise aus einem Mann und einer Frau hervorgehen. Denn jede normale Geburt geschieht unter Gottes Fluch \u00fcber der Menschheit; was so entsteht, ist entsprechend fluchbeladen. Sollte nun in diesem Samen Abrahams alle Welt von diesem Fluch befreit und gesegnet werden, wie Gottes Versprechen zusagt, so mu\u00dfte dieser Same von Anbeginn her diesem Fluch ganz und gar entnommen und gesegnet, ja an ihm selber Segen sein, \u201evoller Gnade und Wahrheit\u201c (Joh. 1,14). Sollte der Same nun andererseits gem\u00e4\u00df dem Versprechen Gottes, der nicht l\u00fcgen kann, Abrahams nat\u00fcrlicher Nachkomme sein, aus seinem Fleisch und Blut hervorgegangen, so mu\u00dfte er ein nat\u00fcrlicher Mensch sein aus seinem Geschlecht. Nat\u00fcrliches Fleisch und Blut und doch nicht nat\u00fcrlich von einem Mann und einer Frau hervorgegangen: Das bei\u00dft sich. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Und nun Gottes unbegreifliches Wunder, wie er beides miteinander vereinigt hat! Er schenkt Abraham den Samen als einen nat\u00fcrlichen Sohn von seiner Tochter, der reinen Jungfrau Maria, durch den Heiligen Geist, ohne eines Mannes Zutun. Hier vollzog sich also keine nat\u00fcrliche Zeugung und Geburt, und so blieb dieser Same Abrahams unber\u00fchrt von Gottes Fluch. Dennoch ist dieser Same zugleich ganz und gar nat\u00fcrlicher Same Abrahams wie nur irgend eines seiner Kinder. Das also ist der gesegnete Same Abrahams, in dem alle Welt von ihrem Fluch befreit wird. Wer an diesen Samen glaubt, ihn anruft, bekennt und bei ihm bleibt, dem ist aller Fluch vergeben und aller Segen geschenkt. Das ist, wie gesagt, der Same Abrahams. Er ist von keinem seiner S\u00f6hne, sondern allein von seiner einzigen Tochter Maria geboren worden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Hier liegt der Grund des Evangeliums klar vor unseren Augen: warum in ihm alle Aussagen und Verk\u00fcndigung zum Glauben an Christus und dem Scho\u00df Abrahams f\u00fchren. Denn es ist weder Rat noch Hilfe au\u00dfer in diesem Glauben, in dem der gesegnete Same ergriffen wird. In der Tat h\u00e4ngt die ganze Bibel an diesem Versprechen Gottes, denn es geht alles um Christus in der Bibel.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Hier mag f\u00fcr heute der Schlu\u00dfpunkt gesetzt werden. La\u00dft uns Gott bitten um das rechte Verst\u00e4ndnis dieses Magnificat, da\u00df es nicht nur leuchte und rede, sondern auch brenne und lebe bei uns in Leib und Seele. Das verleihe uns Christus durch F\u00fcrbitte und Willen seiner lieben Mutter Maria. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Amen. <\/span><\/p>\n<p><b><span style=\"font-family: Arial;\">Prof. Dr. Klaus Schwarzw\u00e4ller, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:kschwarzwaeller@foni.net\">E-Mail: kschwarzwaeller@foni.net<\/a><\/span><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/noch%20zu%20bearbeiten\/pr-maria-2.html#top\"><b>(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/b><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=pr-maria-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Predigtreihe &#8222;Maria&#8220; 16. Sonntag nach Trinitatis (8. 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