{"id":21517,"date":"2001-12-15T12:08:26","date_gmt":"2001-12-15T11:08:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21517"},"modified":"2025-04-16T20:13:24","modified_gmt":"2025-04-16T18:13:24","slug":"offenbarung-3-7-13-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-3-7-13-4\/","title":{"rendered":"Offenbarung 3, 7-13"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">2. Advent, 9. Dezember 2001<br \/>\nPredigt \u00fcber Offenbarung 3, 7-13 , verfa\u00dft von Anna-Katharina Szagun<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b><span style=\"color: #000066;\">Vorplanung<\/span><\/b>:<br \/>\nSoll ein Familiengottesdienst oder eine Gottesdienstgestaltung mit st\u00e4rker aktivierenden Elementen z.B. f\u00fcr einen abendlichen Adventsgottesdienst vorbereitet werden, kann die Predigt eingebunden werden in eine vorausgehende und eine nachfolgende Gestaltungsphase.An <b>Materialien<\/b> werden dazu ben\u00f6tigt:<br \/>\nKleinere Zettel, Stifte, Schnipsgummis, Zweige\/St\u00f6cke in der L\u00e4nge von ca. 12-30cm, Tonklumpen zum Aufstellen der Zweige, alles in der Anzahl der vermuteten GottesdienstbesucherInnen, dazu ein aus Apfelsinen-\/Zitronennetzen zusammengen\u00e4htes vielfarbiges Netz von 1-3 qm Gr\u00f6\u00dfe.<br \/>\nF\u00fcr den Tanz ben\u00f6tigt man pro Person ein Teelicht, Cassettenrecorder und Tontr\u00e4ger: Musik und Tanzanleitung finden sich in Wosien, Maria-Gabriele, Tanz als Gebet. Feiert Gottes Namen beim Reigen, Linz 1991, S.72ff.<br \/>\nDie Phantasiereise und die nachfolgende Schreibphase brauchen etwa 15 Minuten insgesamt; f\u00fcr die Gestaltungsphase nach der Predigt m\u00fcssen &#8211; einschlie\u00dflich Tanz &#8211; weitere 10-15 Minuten eingeplant werden: Von der Lichtwirkung her empfiehlt sich eine solche Gestaltungsphase insbesondere bei Abendgottesdiensten.<\/p>\n<p><b>PHANTASIEREISE<\/b>: Ich m\u00f6chte Sie f\u00fcr ein paar Minuten einladen zu einer Phantasiereise, einer Reise in einen inneren Raum. Wir k\u00f6nnen innere Bilder nur mit geschlossenen Augen wahrnehmen. Bitte schlie\u00dfen Sie die Augen! Wir betreten ein gro\u00dfes vieltoriges Geb\u00e4ude. Es besteht nur aus einem einzigen riesigen Raum. Unendlich viele unterschiedlich hohe S\u00e4ulen tragen die Decke dieses Raumes. An manchen Stellen ist die Decke so niedrig, dass man nur geb\u00fcckt hindurchgehen kann, &#8211; an manchen riesig hoch. Sie k\u00f6nnen die Decke kaum noch wahrnehmen, so weit oben schwebt sie. Mit der H\u00f6he der Decke wechselt in diesem Raum ebenso das Licht wie die Luft und die W\u00e4rme. Sie wandern durch dunkle Partien: D\u00e4mmerlicht umf\u00e4ngt Sie, K\u00fchle&#8230; Sie kommen in lichte Partien, &#8211; in manchen Bereichen ist es so hell, dass es Sie blendet&#8230; Sie sp\u00fcren die Strahlen, die W\u00e4rme&#8230; Auch die Luft ver\u00e4ndert sich: An manchen Stellen scheint sie zu stehen, &#8211; an anderen sp\u00fcren Sie einen frischen Luftzug&#8230; Sie wandern herum, sp\u00fcren W\u00e4rme und K\u00fchle, betrachten die unterschiedlich hohen S\u00e4ulen: Jede ist anders geformt. &#8211; Sie betrachten die Vielfalt an Gr\u00f6\u00dfen und Formen. &#8211; Pl\u00f6tzlich merken Sie: alle diese S\u00e4ulen sind lebendig. Sie atmen, &#8211; sie bewegen sich an ihrem Platz. Und alle sind irgendwie geheimnisvoll miteinander verbunden im Netzwerk der Decke&#8230; Sie gehen langsam durch den Raum bis zu dem Ort, wo Sie den Atem des Lebens, das Geheimnis der Verbundenheit mit allem, was lebt, am besten sp\u00fcren k\u00f6nnen. Sie lehnen sich an eine S\u00e4ule, &#8211; Ihre S\u00e4ule. &#8211; Sie nehmen diesen Raum der Gegenwart Gottes in sich auf&#8230; (Stille)<\/p>\n<p>Und nun kommen Sie langsam &#8211; die Augen \u00f6ffnend &#8211; zur\u00fcck in den Raum hier, lassen bei dem nachfolgenden Musikst\u00fcck all&#8216; das, was Sie gesehen, empfunden und gedacht haben, nachklingen. Und schreiben dann Ihre Bilder, Vergleiche, Assoziationen auf, &#8211; alles, was heute morgen f\u00fcr Sie &gt;Gegenwart Gottes&lt; ausdr\u00fcckt&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Kurzes Musikst\u00fcck f\u00fcr Orgel, Fl\u00f6te, Gitarre o.\u00c4. &#8211;<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren den <b>Predigttext<\/b> des heutigen Sonntags aus Offenbarung 3, 7-13<\/p>\n<p>7 An den Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: So spricht der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schl\u00fcssel Davids hat, der \u00f6ffnet, so dass niemand mehr schlie\u00dfen kann, der schlie\u00dft, so dass niemand mehr \u00f6ffnen kann:<\/p>\n<p>8 Ich kenne deine Werke, und ich habe vor dir eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet, die niemand mehr schlie\u00dfen kann. Du hast nur geringe Kraft, und dennoch hast du an meinem Wort festgehalten und meinen Namen nicht verleugnet.<\/p>\n<p>9 Leute aus der Synagoge des Satans, die sich als Juden ausgeben, es aber nicht sind, sondern L\u00fcgner &#8211; ich werde bewirken, dass sie kommen und sich dir zu F\u00fc\u00dfen werfen und erkennen, dass ich dir meine Liebe zugewandt habe.<\/p>\n<p>10 Du hast dich an mein Gebot gehalten, standhaft zu bleiben; daher werde auch ich zu dir halten und dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die \u00fcber die ganze Erde kommen soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen.<\/p>\n<p>11 Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit kein anderer deinen Kranz bekommt.<\/p>\n<p>12 Wer siegt, den werde ich zu einer S\u00e4ule im Tempel meines Gottes machen, und er wird immer darin bleiben. Und ich werde auf ihn den Namen meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt von meinem Gott, und ich werde auf ihn auch meinen neuen Namen schreiben.<\/p>\n<p>13 Wer Ohren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt.<\/p>\n<p><b>PREDIGT<\/b>:<br \/>\nEigentlich wollte ich mich dem vorgesehenen Predigttext verweigern. R\u00e4tselhaft bizarre Vorstellungen &#8211; Engel, Schl\u00fcssel Davids, Synagoge Satans, das gro\u00dfe Weltgericht und ein neues Jerusalem &#8211; Apokalyptik ist zwar, passend zu \u00f6kologischen und politischen Entwicklungen, f\u00fcr breitere Kreise aktuell, aber eigentlich kein Thema f\u00fcr mich, ebenso wie die hier aufscheinende Triumph- und Vergeltungshoffnung einer unterdr\u00fcckten Kirche gegen\u00fcber ihren fr\u00fcheren Gegnern. Das mag alles &#8211; einschlie\u00dflich des judenfeindlichen Tonfalls &#8211; aus der damaligen Situation der Christenverfolgung in Kleinasien verst\u00e4ndlich sein. Aber f\u00fcr uns? Vielleicht k\u00f6nnen Christen, die z.B. in der DDR jahrzehntelang Situationen von Benachteiligungen und Druck durchgestanden haben, die Argumentation des Verfassers gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig nachvollziehen. Aber kann solch ein Text f\u00fcr uns, die wir bestenfalls Situationen von Spott und Gleichg\u00fcltigkeit erlebt haben, Dialogpartner sein? Nein, eigentlich wollte ich mich nicht auf den Text einlassen. Aber die bizarren Bilder lie\u00dfen mich nicht los, insbesondere dies Bild des neuen Jerusalems mit den lebendigen S\u00e4ulen&#8230;<\/p>\n<p>Das Buch der Offenbarung ist voll von r\u00e4tselhaft-faszinierenden Bildern. Der Verfasser hat sie den Sch\u00e4tzen seiner religi\u00f6sen Traditionen entnommen und neu zusammengef\u00fcgt zum Ausdruck seiner Glaubensbotschaft. Ich verstehe seinen Umgang mit den Bildern der Tradition als Ermutigung, ebenso frei mit den Sch\u00e4tzen der Tradition umzugehen&#8230; &#8222;Soll ich denn die Arznei mit der Schachtel fressen?&#8220; hat schon Lessing bez\u00fcglich der Bibelauslegung kritisch gefragt. Muss ich das, was heilt, nicht aus der zeitgebundenen Verpackung nehmen? Aber: Was ist denn nun Arznei an unserem Text, und was ist Schachtel? Muss dies f\u00fcr jeden Text jeweils durch eine Lehrautorit\u00e4t &#8211; etwa die Kirche oder auch die Wissenschaft &#8211; gekl\u00e4rt werden? Oder kann und muss jede(r) f\u00fcr sich selbst diese Unterscheidung zwischen Arznei und Schachtel treffen?<\/p>\n<p>Ich denke, bezeugen, was heilt und tr\u00e4gt, kann jede(r) nur f\u00fcr sich selbst. Es wird also ein ganz pers\u00f6nliches Mosaik, das aus Elementen unserer biblischen Tradition vor Ihnen entsteht; und jede(r) von Ihnen wird und kann das Mosaik aus den vielf\u00e4ltigen Bildteilen f\u00fcr sich ein St\u00fcck anders gestalten.<\/p>\n<p>Zwei Grundentscheidungen trennen mich vom Verfasser: Die eine betrifft sein Gottesbild, die andere den Zeitpunkt der \u00c4onenwende.<\/p>\n<p>Der Verfasser der Offenbarung denkt Gott vor allem von der Macht her, einer Macht, die alle die Welt jetzt drangsalierenden M\u00e4chte letztlich beherrscht. Dem allm\u00e4chtigen, allwissenden \u00dcbervater zur Seite thront der erh\u00f6hte Christus, der Menschensohn, ebenfalls Herrscher und Richter. Das Weltgericht, die \u00c4onenwende, wie auch das Heil stehen noch bevor: Allen, die in Treue den rechten Glauben bewahrt und glaubensgem\u00e4\u00df gehandelt haben, werden dann k\u00f6stlichen Lohn empfangen: Verschont von Endzeitpr\u00fcfungen, f\u00fcr immer eingetragen ins Buch des Lebens, gekleidet in das Wei\u00df der Seligen, gesch\u00fctzt durch den wei\u00dfen Stein mit Christi Namen, gespeist vom Baum des Lebens, werden sie zu lebendigen S\u00e4ulen im neuen Jerusalem, ja, sie werden Anteil haben am Richter- und Herrscheramt Gottes. Dann, nach dem Endgericht \u00fcber Lebendige und Tote, wird das neue Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabkommen, und es wird als Wohnung Gottes unter den Menschen beschrieben. In Kap. 21 hei\u00dft es: Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er, Gott, wird bei ihnen sein (21,3). Er wird alle Tr\u00e4nen von ihren Augen abwischen&#8230;(21,4). Alles wird neu gemacht, hei\u00dft es. Und : Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens str\u00f6mt (21,6). Gem\u00e4\u00df der Zahlensymbolik der j\u00fcdischen Tradition werden die Ma\u00dfe des neuen Jerusalems beschrieben. Gebaut ist es aus den edelsten Materialien der damaligen Zeit, Gold, Glas, Perlen und Edelsteinen. Und dann hei\u00dft es: Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, Gott, der Herrscher \u00fcber die ganze Sch\u00f6pfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm (21,22).<\/p>\n<p>Ein faszinierendes Bild, dieses neue Jerusalem, ein Bild, das eigentlich schon Hilfen gibt, zwischen zeitgebundener Schachtel und heilendem Inhalt zu trennen. Da ist ein Raum der immerw\u00e4hrenden Gegenwart Gottes mit Menschen als lebendigen S\u00e4ulen: Ich sehe einen Wald von Lebensb\u00e4umen vor mir, die sich mit ihren Kronen ber\u00fchren, vernetzen. Gedacht ist an einen Ort unten, nicht im Himmel, eine Wohnung Gottes mitten unter den Menschen, und das hei\u00dft doch wohl auch mitten in ihrem Alltag. Diese Wohnung Gottes unten, mitten unter den Menschen in ihrer Allt\u00e4glichkeit, soll ein Ort sein, an dem alle Tr\u00e4nen abgewischt werden und wo jede(r) umsonst vom Wasser des Lebens trinken darf. Es ist ein Ort, wo das Leid nicht das letzte Wort beh\u00e4lt: Alle Tr\u00e4nen werden abgewischt. Es ist ein Ort, wo jeder, den nach neuer Lebendigkeit d\u00fcrstet, vom Wasser des Lebens trinken kann. Und das hei\u00dft doch wohl, dass jede(r) dort neu Kraft, Hoffnung, Mut und Zuversicht sch\u00f6pfen kann. Es ist ein Ort, an dem Gott selbst zum Raum geworden ist, der alles umgreift, umh\u00fcllt: Es braucht keinen Tempel mehr dort, weil Gott selbst der Tempel ist und alle in ihm wohnen &#8211; als lebendige S\u00e4ulen. Alle wohnen ihm ein, so wie er ihnen als lebendiges Wasser, als Wurzelgrund wie als Atem des Lebens einwohnt, alles mit allem verbindet: Geheimnisvolles Einssein von Gott und Mensch.<\/p>\n<p>Zu diesem im Text gezeichneten Bild vom neuen Jerusalem verh\u00e4lt sich das Gottesbild eines herrschenden \u00dcbervaters sperrig. Wohnung mitten unter den Menschen, ihnen die Tr\u00e4nen abwischen, mit ihnen eins sein als umh\u00fcllender Raum: Wo bleibt da der Abstand, die Hierarchie? Nein, so kann und will ich Gott nicht denken, nicht von den Bildern des neuen Jerusalems her und auch sonst nicht. D\u00e4chte ich Gott als allwissenden, allgegenw\u00e4rtigen Herrscher, so m\u00fcsste ich ihm die Opfer von Auschwitz, von Afghanistan, von Hunger- und Erdbebenkatastrophen anlasten, ihn des Sadismus und Zynismus zeihen. Dieser allm\u00e4chtige \u00dcbervater, der Jahrhunderte lang theologisches Denken innerhalb einer autorit\u00e4tsfixierten Gesellschaft bestimmt hat, geh\u00f6rt f\u00fcr mich zur Schachtel: Ich kann nichts Heilendes an ihm entdecken, weder f\u00fcr mich, noch f\u00fcr andere. Was aber dann? Wie kann ich Gott anders denken?<\/p>\n<p>Bei dem Versuch, die Sprachbilder unseres Textes in heute Anschaubares zu \u00fcbersetzen &#8211; also das neue Jerusalem hier vor uns entstehen zu lassen &#8211; kam ich auf das Bild eines Gewebes f\u00fcr Gott: Gott als umgreifende Verbundenheit, als Kraft der Beziehung, (Das bunte Netzwerk wird entrollt und hochgehalten), Gott als liebende und mitleidende Verbundenheit, die unsere Allt\u00e4glichkeit zugleich enth\u00e4lt und \u00fcbersteigt. Eigentlich m\u00fcsste es in dynamischer Form ausgedr\u00fcckt werden, was gemeint ist mit diesem Gott, der sich ereignet in lebendigen, Freude und Schmerz teilenden Beziehungen zwischen Gesch\u00f6pfen. &#8211; Gott zeigt sich mir als Netzwerk, das die gro\u00dfen und kleinen, die festen und die zerbrechlicheren S\u00e4ulen miteinander verbindet und sie h\u00e4lt. Dies bunte Gewebe aus vielen Netzen, der Versuch einer Metapher, beschr\u00e4nkt wie jeder unserer Versuche, Gott mit allen Sinnen zu erfassen. Aber dies Netzwerk hilft mir zu verstehen: Gott ist eines, &#8211; ein Etwas, das alles und alle umh\u00fcllt. Und zugleich ist Gott eine Vielheit von Verbundenheiten, von unterschiedlichen lebendigen Netzwerken. Dies Gewebe kommt nicht glanz- und machtvoll daher, es beherrscht niemanden. Es ist \u00e4rmlich, verletzlich, hat zerrissene Stellen: Im Kreuz von Golgatha, in den Schmerzen unendlich vieler Gesch\u00f6pfe begegnen wir dem ohnm\u00e4chtig leidendem Gott auf der Seite der Opfer. &#8211; Und zugleich sehe ich zarte Verbundenheit, trotz der \u00c4rmlichkeit des Einzelnen eine festlich-warme Buntheit, besch\u00fctzend unterst\u00fctzend, Raum gebend f\u00fcr Atem und Entfaltung. Wenn Gottes Gegenwart unter den Menschen so aussieht, dann kann ich mir vorstellen, dass dies ein Ort ist, wo Tr\u00e4nen abgewischt werden, wo jede(r) vom Wasser des Lebens trinkt&#8230; Da w\u00e4re ich schon gern.<\/p>\n<p>&gt;Das geht nicht &lt; sagt der Verfasser der Offenbarung, &gt;jetzt noch nicht. Nach den Schrecken der Endzeit kommt noch das gro\u00dfe Weltgericht, und erst dann beginnt das Reich Gottes, das neue Jerusalem&lt;. Nein, sag ich, das ist Schachtel f\u00fcr mich. Dazu habe ich in den Evangelien und bei Paulus etwas anderes gelernt. Die entscheidende Wende liegt hinter uns. Das Reich Gottes &#8211; verk\u00fcndigte Jesus &#8211; beginnt hier und heute. &#8222;Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade&#8230;&#8220; lese ich bei Paulus (2 Kor 6,2). Hier und heute findet beides statt, Gericht oder Heil. Hier und heute kann ich mich abkoppeln von der Kraft der Verbundenheit und in Selbstverkr\u00fcmmung und Isolation mein Leben verfehlen. Abgetrennt vom Gewebe werde ich aus der Quelle der Liebe und Lebendigkeit nicht sch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Das ist Gericht hier und heute schon. Aber hier und heute kann sich Gott unter uns auch als Kraft der Verbundenheit ereignen; hier und heute wird dann alles neu: Wo solche Verbundenheit gelebt wird, da geschehen auch heute, mitten im Alltag Wunder. Da werden Hungrige gespeist, Ersch\u00f6pfte gekr\u00e4ftigt, Entwurzelte aufgefangen, Alte begleitet, Kranke geheilt. In jedem von uns steckt &gt;Das-von-Gott&lt; als F\u00e4higkeit zum Mitsein. Jede(r) kann seine Kraft &#8211; und sei sie noch so klein &#8211; hier und heute als Kraft der Verbundenheit leben und damit ein St\u00fcckchen Welt verwandeln.. Jede(r), der die ihm anvertraute Kraft so lebt, ist &#8211; mitten im Alltag &#8211; tragende lebendige S\u00e4ule im Tempel der Gegenwart Gottes, christusf\u00f6rmig als Mensch f\u00fcr andere, in Verbindung mit allem, was lebt, &#8211; gebend und empfangend. Der Name Gottes, der Name Jesu ist auf diese lebendigen S\u00e4ulen geschrieben, hei\u00dft es im Text. Es kann sein, dass Menschen nichts davon wissen (vgl. Mt 25, 31-46) und doch l\u00e4ngst schon S\u00e4ulen sind in dem geheimnisvoll dunklem Raum, der uns alle n\u00e4hrt&#8230; Bei Kurt Marti lese ich<\/p>\n<p>dunkle leuchtende h\u00f6hle<br \/>\nwo wir<br \/>\nw\u00e4rme suchen und zuflucht<br \/>\nbei feuer und freunden<br \/>\nsch\u00f6ne h\u00f6hle du gott<br \/>\nin der wir<br \/>\nimmer schon gingen<br \/>\nund wussten es nicht&#8230;<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus, unserem Bruder. Amen<\/p>\n<p><b>FORTSETZUNG der GESTALTUNG<\/b>:<br \/>\n&#8222;Ich lade Sie ein, jetzt auf Ihren Zettel Ihren Namen zu schreiben und damit zur Mitte zu kommen. Wir wollen gemeinsam ein Bild zu unserem Text gestalten. Jede(r) nimmt sich einen ihm passenden Zweig, eine S\u00e4ule, befestigt mit einem kleinen Gummi sein Papier daran und stellt die S\u00e4ule mittels eines Tonklumpens dort auf, wo er oder sie in unserem Tempel stehen m\u00f6chte. Dann werden wir alle S\u00e4ulen durch unser Gewebe miteinander zu einem Raum verbinden. In die Mitte kommt ein Licht. Danach bilden wir einen Kreis um unser Tempelbild.&#8220; &#8211; Der Umgang mit Papier, Zweig und Tons\u00e4ule wird vorgemacht; die Gemeinde kommt zur Mitte und gestaltet gemeinsam das Geb\u00e4ude. Es wird eingeladen zu dem lateinamerikanischen Weihnachtstanz &gt;Navidadau&lt; [Der Tanz ist extrem einfach, d.h. kann nach einmaliger Erkl\u00e4rung auch von Tanzunge\u00fcbten sofort mitgetanzt werden; w\u00e4hrend des Tanzes tr\u00e4gt jede\/r ein brennendes Teelicht]: Die Gemeinde tanzt. Danach werden die Kerzen um den &#8222;Tempel&#8220; gestellt und alle nehmen wieder Platz. W\u00e4hrend des Tanzes sollte das elektrische Licht gel\u00f6scht sein).<\/p>\n<p>Lied: Gott ist gegenw\u00e4rtig, EKG 165, Verse 1,5-6<\/p>\n<p><b>F\u00fcrbittengebet<\/b>:<br \/>\nGott, wir bitten dich f\u00fcr alle Gesch\u00f6pfe dieser Welt:<br \/>\nLass uns erkennen,<br \/>\ndass alles Lebendige zusammengeh\u00f6rt als deine Sch\u00f6pfung, die du uns anvertraut hast!<br \/>\nGib den M\u00e4chtigen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, aber auch uns selbst<br \/>\nmitf\u00fchlende Aufmerksamkeit, Sachverstand, Kraft und Mut,<br \/>\ndie zerst\u00f6rerischen Strukturen und Gewohnheiten zu ver\u00e4ndern,<br \/>\ndie unser aller Leben bedrohen.<\/p>\n<p>Gott, lass uns zu Werkzeugen deiner Verbundenheit werden:<br \/>\ndass wir Liebe wagen, wo man sich hasst,<br \/>\ndass wir verzeihen, wo man sich beleidigt,<br \/>\ndass wir schlichten, wo Streit ist,<br \/>\ndass wir mittragen, wo Lasten qu\u00e4len,<br \/>\ndass wir Angst, Not und Trauer teilen statt wegzusehen,<br \/>\ndass wir Hoffnung wecken, wo Verzweiflung qu\u00e4lt,<br \/>\ndass wir ein Licht anz\u00fcnden, wo Finsternis regiert.<\/p>\n<p>Gott, lass uns das Geheimnis deiner lebensspendenden Verbundenheit erfahren:<br \/>\ndass wir getr\u00f6stet werden, wenn wir tr\u00f6sten,<br \/>\ndass wir verstanden werden, wenn wir verstehen,<br \/>\ndass wir empfangen, wenn wir schenken,<br \/>\ndass wir geliebt werden, wenn wir lieben,<\/p>\n<p>Gemeinsam beten wir: (Mutter und) Vater unser im Himmel&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wird Christus tausendmal<br \/>\nin Bethlehem geboren<br \/>\nund nicht in dir,<br \/>\ndu bleibst doch ewiglich verloren<\/p>\n<p><b>Angelus Silesius<\/b><\/p>\n<p>weihnacht<br \/>\ndamals<br \/>\nals gott<br \/>\nim schrei der geburt<br \/>\ndie gottesbilder zerschlug<br \/>\nund<br \/>\nzwischen marias schenkeln<br \/>\nrunzelig rot<br \/>\ndas kind lag<\/p>\n<p><b>kurt marti<\/b><\/p>\n<p>Ich bin ein Baum<br \/>\nund atme mein<br \/>\nfl\u00fcsterndes Laub<\/p>\n<p>Vom Himmel<br \/>\nkommt ein Engel<br \/>\nund k\u00fc\u00dft<br \/>\nmeine Wurzeln<\/p>\n<p><b>Rose Ausl\u00e4nder<\/b><\/p>\n<p>Solange wir leben,<br \/>\nist Gott in uns,<br \/>\nund nach dem Tode<br \/>\nsind wir in ihm<\/p>\n<p><b>Seneca<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Prof. Dr. Anna-Katharina Szagun, Universit\u00e4t Rostock<br \/>\n<a href=\"mailto:anna-katharina.szagun@theologie.uni-rostock.de\">anna-katharina.szagun@theologie.uni-rostock.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/011209-1.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=011209-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 2. Advent, 9. Dezember 2001 Predigt \u00fcber Offenbarung 3, 7-13 , verfa\u00dft von Anna-Katharina Szagun Vorplanung: Soll ein Familiengottesdienst oder eine Gottesdienstgestaltung mit st\u00e4rker aktivierenden Elementen z.B. f\u00fcr einen abendlichen Adventsgottesdienst vorbereitet werden, kann die Predigt eingebunden werden in eine vorausgehende und eine nachfolgende [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[612,62,1593,727,157,853,114,818,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21517","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-2-advent","category-offenbarung","category-anna-katharina-szagun","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-03-chapter-03-offenbarung","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21517"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21517\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22777,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21517\/revisions\/22777"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21517"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21517"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21517"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21517"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}