{"id":21525,"date":"2001-12-15T12:15:35","date_gmt":"2001-12-15T11:15:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21525"},"modified":"2025-04-16T20:12:41","modified_gmt":"2025-04-16T18:12:41","slug":"offenbarung-3-1-6-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-3-1-6-3\/","title":{"rendered":"Offenbarung 3, 1-6"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">3<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Advent, 16. Dezember 2001<br \/>\nPredigt \u00fcber Offenbarung 3, 1-6, verfa\u00dft von Charlotte Hoenen<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Adventszeit ist Vorbereitungszeit. Im Evangelium zum 3. Advent h\u00f6rten wir die Anfrage Johannes des T\u00e4ufers an Jesus: Bist du, der da kommen soll? Der T\u00e4ufer rief das Volk auf umzukehren in Vorbereitung auf das Kommen Jesu.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Predigt h\u00f6ren wir heute ein Sendschreiben des Sehers Johannes aus der Offenbarung. Er rief ebenso am Ende des 1. Jahrhunderts die christlichen Gemeinden in Kleinasien auf umzukehren, nun aber in Vorbereitung auf das Wiederkommen Jesu Christi. In einer Berufungsvision hatte er von dem lebendigen Herrn den Auftrag erhalten, die Gemeinden wachzur\u00fctteln und zu st\u00e4rken in ihrer Bedr\u00e4ngnis und f\u00fcr die Auseinandersetzungen mit den politischen und religi\u00f6sen Gegnern.<\/p>\n<p>Lesung des 5. Sendschreibens aus Offenbarung 3,1-6:<br \/>\nV. 1: Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, da\u00df du lebst, und bist tot.<br \/>\nV. 2: Werde wach und st\u00e4rke das andere, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.<br \/>\nV. 3: So denke nun daran, wie du empfangen und geh\u00f6rt hast, und halte es fest und tue Bu\u00dfe! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich \u00fcber dich kommen werde.<br \/>\nV. 4: Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in wei\u00dfen Kleidern, denn sie sind`s wert.<br \/>\nV. 5: Wer \u00fcberwindet, der soll mit wei\u00dfen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.<br \/>\nV. 6: Wer Ohren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt!<\/p>\n<p>Der Stadt Sardes ging es in ihrer Geschichte wie der christlichen Gemeinde. Fr\u00fcher waren beide lebendig und bedeutend gewesen. Sardes war K\u00f6nigsstadt, der Palast wundersch\u00f6n gelegen an einem Berghang. 560 v.Chr. herrschte dort Kr\u00f6sus, der bis heute bei uns durch seinen sprichw\u00f6rtlichen Reichtum bekannt ist. Im Jahre 17 n. Chr. zerst\u00f6rte ein Erdbeben die Stadt und trotz des Wiederaufbaus blieb sie ohne Bedeutung.<\/p>\n<p>Von der christlichen Gemeinde hei\u00dft es: Du hast den Namen, da\u00df du lebst, und bist tot. Der Ruf einer ehemals lebendigen Gemeinde ist verloren gegangen. Ist das ein Kennzeichen f\u00fcr viele christliche Gemeinden?<\/p>\n<p>Was hei\u00dft: eine Gemeinde ist tot oder eine Gemeinde lebt?<br \/>\nHei\u00dft Leben einer Gemeinde:<br \/>\n-aufz\u00e4hlbare Aktivit\u00e4ten?<br \/>\n-Zahl der Gemeindeglieder und Gottesdienstbesucher?<br \/>\n-ein einigerma\u00dfen erhaltenes Kirchengeb\u00e4ude?<\/p>\n<p>In Gemeindeberichten aus der DDR-Zeit &#8211; aber auch aus dem Jahrhundert zuvor &#8211; ist zu lesen, da\u00df Gottesdienste ausfielen, weil niemand gekommen war. Ein Todesurteil f\u00fcr die Gemeinden! Die zerfallenen Dorfkirchen geben davon Zeugnis, da\u00df keiner im Dorf mehr Interesse hat am Gottesdienst in dem Geb\u00e4ude, das einst die Vorfahren daf\u00fcr errichtet hatten.<\/p>\n<p>Die \u00e4u\u00dferen Merkmale sind sicher nicht die entscheidenden. Das Leben einer Gemeinde ist da, wo Gottes Geist wirkt: Es ist \u00fcberall da, wo Menschen auf das Wort Gottes h\u00f6ren, wo gebetet wird, wo Vertrauen und Hoffnung gegen Mi\u00dftrauen und Resignation gelebt werden, wo die Liebe zum N\u00e4chsten das Handeln bestimmt wo nicht der Neid und Egoismus das Miteinander der Menschen zerst\u00f6ren..<br \/>\nAuch wenn das alles nicht in Zahlen gemessen werden kann, hat es doch Auswirkungen auf \u00d6ffentlichkeit und Gesellschaft.<\/p>\n<p>Damals wie heute mu\u00df sich das Leben einer christlichen Gemeinde vielen Auseinandersetzungen stellen. Im ersten Jahrhundert wurde von allen B\u00fcrgern des r\u00f6mischen Reiches verlangt, den Kaiser als Gott zu verehren. Wer nicht mitmachte, wurde zum M\u00e4rtyrer. Viele machten Zugest\u00e4ndnisse oder schlossen Kompromisse. Damit verlor der Glaube sein Profil, er hat seine Wirkung nicht erf\u00fcllt. Heute beanspruchen andere &#8222;G\u00f6tter&#8220; unser Denken und Handeln vollkommen: der Beruf, das Geldverdienen, die verplante Zeit. Gemeinde und Glaube kommen zu kurz. Die Kirche scheint keine Wirkung mehr zu haben<\/p>\n<p>Die Gemeinde in Sardes bekommt trotz des drohenden Todes noch eine Chance: sie erh\u00e4lt den Auftrag: Werde wach und st\u00e4rke das andere, das sterben will! Eine m\u00fcde, kraftlose und erstarrte Gemeinde &#8211; und Kirche! &#8211; sie kann wach werden und neue Kr\u00e4fte bekommen!<\/p>\n<p>Eine solche Erneuerung kommt nicht aus dem eigenen Willen und Beschlu\u00df, sondern von dem Geist, der Leben schafft und mit seiner Lebensenergie Gemeinden und Menschen erf\u00fcllt. Das geht von dem aus, &#8222;der die sieben Geister hat und die sieben Sterne&#8220;. Damit hat er die sieben Gemeinden in seiner Hand, so da\u00df sie &#8222;ihren Karren an ihren Stern binden&#8220; (J\u00f6rg Zink in einem R\u00fcckblick auf sein Leben). Die sieben Gemeinden in Kleinasien haben je ihren Geist, der die geistlichen Kr\u00e4fte weckt und die Gemeinde belebt.<\/p>\n<p>Ein Beispiel aus einer Dorfgemeinde: Sie hatte jahrelang keinen Gottesdienst in ihrer Kirche. Das Geb\u00e4ude und die Gemeinde zerfielen. Zu einer Gemeindeversammlung, in der es um die Erhaltung der Kirche ging, kamen wenige alte Gemeindeglieder und meinten einstimmig, wir brauchen keine Kirche mehr. Sie kann abgerissen werden. Die Denkmalspflege sicherte notd\u00fcrftig das Dach und die abdriftende Au\u00dfenwand. Nach einem Jahrzehnt kam die Enkelgeneration und sagte: Wir haben eine Kirche, sie soll wiederhergestellt werden. Wir wollen darin Gottesdienst feiern. Wir sammeln Geld und bauen sie wieder auf. Das war erstaunlich f\u00fcr mich: jahrelang war die Gemeinde tot gesagt, und pl\u00f6tzlich ist wieder Leben da!<\/p>\n<p>In der Offenbarung wird die Weltgeschichte als Ablauf dargestellt, der einen neuen Himmel und eine neue Erde zum Ziel hat. Dieses Ziel ist nur in Kampf und Auseinandersetzung zu erreichen zwischen den Kr\u00e4ften, die von Gott wegzerren und gegen Gott w\u00fcten, und den Kr\u00e4ften des Geistes, die zum \u00dcberwinden und Standhalten ausr\u00fcsten.<\/p>\n<p>In dem Sendschreiben an die Gemeinde in Sardes wird das endzeitliche Ziel in drei Bildern beschrieben. Nur in Bildern k\u00f6nnen wir versuchen, uns vorzustellen, wie Gottes Welt sein wird:<\/p>\n<p>&#8211; Als erstes: Wer durchh\u00e4lt und \u00fcberwindet, soll mit wei\u00dfen Kleidern angetan werden. Die Sieger werden strahlend wei\u00dfe Kleider erhalten als Zeichen daf\u00fcr, da\u00df sie zu Gottes Welt des Lichtes geh\u00f6ren werden. Weil die Welt des Lichtes mit der Taufe beginnt, haben Christen das wei\u00dfe Gewand im \u00fcbertragenen Sinn schon angezogen. Doch es erh\u00e4lt im Lauf des Lebens Dreckflecke, es bleibt nicht wei\u00df. Auch Christen behalten keine saubere Weste in den Auseinandersetzungen und Versuchungen des Lebens, sie werden schuldig an Gott und den Mitmenschen. Entscheidend ist, dass sie das geschenkte Kleid nicht ausziehen und wegwerfen, sondern darauf vertrauen, da\u00df es durch &#8220; Christi Blut und Gerechtigkeit&#8220; (EG 350) wieder stahlend wei\u00df und erneuert wird. Diese Deutung f\u00fchrt allerdings \u00fcber das hinaus, was der Seher Johannes schrieb.<\/p>\n<p>&#8211; Das zweite Bild ist das Buch des Lebens. In ihm sind die Namen der Menschen aufgeschrieben, die bei Gott nicht vergessen werden. Ihre Namen sind unausl\u00f6schlich. Jeder ist wichtig. Deshalb sollen wir uns selbst und unser Christsein nicht wegwerfen. Jeder z\u00e4hlt, weil Gott auf jeden z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&#8211; Das letzte Bild: Wer mit Jesus einhergeht in wei\u00dfen Kleidern, sich zu ihm bekennt und damit zu seiner Taufe steht, zu dem wird auch Jesus stehen: Er wird seinen Namen vor Gott und seinen Engeln bekennen.<\/p>\n<p>Diese Bilder, die uns Gottes Welt vorstellen, ermutigen uns, unser Christsein zu leben.<\/p>\n<p>Unsere Geschichte erreicht ihr Ziel, wenn Jesus wiederkommt.<br \/>\nDas ist unplanbar und nicht berechenbar, denn er wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Zeit und Stunde kann keiner vorher wissen.<br \/>\nDie Christen im ersten Jahrhundert haben mit dem baldigen Ende der Zeit gerechnet.<br \/>\nWir leben nun schon \u00fcber die Jahrhunderte hinweg nicht mehr in der damaligen Naherwartung, aber in dem Bewu\u00dftsein: am Ende der Zeit wird unser Herr kommen. Nach den Terrorakten in den USA (New York) sind die Szenarien des apokalyptischen Weltuntergangs bewu\u00dft gemacht worden. Sie erzeugen Angst und Unsicherheit. Aber der christliche Glaube macht gewiss, dass wir nicht im Chaos untergehen, weil Jesus Christus auf uns zukommt. Das l\u00e4sst uns gelassener auf die Zukunft zugehen, und es r\u00fcttelt uns wach, unsere Kr\u00e4fte f\u00fcr das Leben einzusetzen.<\/p>\n<p>Advent ist die Vorbereitungszeit auf die Ankunft Jesu in einem doppeltem Sinn: Wir feiern Weihnachten, weil in Jesus Gott uns nahe gekommen ist : er wurde der menschliche Gott an unserer Seite, Mensch wie wir. Zugleich erwarten wir von dem g\u00f6ttlichen Kind eine Zukunft, die unsere Welt ver\u00e4ndert in einen neuen Himmel und eine neue Erde, weil dieser Jesus das Leben von der Todesbedrohung befreit hat. Daraus sch\u00f6pfen wir die Kr\u00e4fte der Erneuerung f\u00fcr uns selbst, f\u00fcr die Gemeinden und die Welt.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Charlotte Hoenen, Superintendentin i.R.<br \/>\nLieskau<br \/>\n<a href=\"mailto:rhoenen@t-online.de\">E-Mail: rhoenen@t-online.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/011216-2.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=011216-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 3. Advent, 16. Dezember 2001 Predigt \u00fcber Offenbarung 3, 1-6, verfa\u00dft von Charlotte Hoenen Liebe Gemeinde! Adventszeit ist Vorbereitungszeit. 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