{"id":21533,"date":"2001-12-15T12:20:37","date_gmt":"2001-12-15T11:20:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21533"},"modified":"2025-04-16T20:10:23","modified_gmt":"2025-04-16T18:10:23","slug":"1-timotheus-316-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-timotheus-316-8\/","title":{"rendered":"1. Timotheus 3,16"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Christnacht<\/span><span style=\"color: #000099;\">, 24. Dezember 2001<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Timotheus 3,16, verfa\u00dft von Hinrich Bu\u00df<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ein paar Hinweise vorweg<br \/>\n1. Die Predigt wird in der St. Jacobi-Kirche gehalten, in einer der zentralen Kirchen der Innenstadt G\u00f6ttingens. Es ist damit zu rechnen, da\u00df sie voll besetzt sein wird.<br \/>\n2. In dem Gottesdienst kurz vor Mitternacht wird die Kantorei singen. Sie gibt der Christmette ihr starkes Gepr\u00e4ge. Da\u00df es sich bei dem Predigttext um ein Lied handelt, ein fr\u00fches urchristliches, wird herausgestellt. Auch andere Liedtexte werden zitiert.<br \/>\n3. Das gro\u00dfe Geheimnis, hier auf die Geburt Jesu zugespitzt, wird in den Mittelpunkt gestellt. Da\u00df es immer R\u00e4tsel aufgibt und gerade darum seine gro\u00dfe Wirkung tut, wird in verschiedenen Facetten entfaltet.<br \/>\n4. Kernpunkt der Predigt ist die Menschwerdung Gottes und damit die Verbindung des Gegens\u00e4tzlichen, die nicht aufgehoben werden kann, die vielmehr Gott angemessen ist und dem Menschen gerecht wird bzw. ihn gerecht macht.&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde in der Christnacht,<\/p>\n<p>die meisten Geschenke sind ausgepackt. In gr\u00f6\u00dferer Ruhe als sonst und mit Sorgfalt betrachtet, es ist ja Weihnachten. Da werden nicht nur Gegenst\u00e4nde in die Hand genommen, sondern auch Gef\u00fchle ausgewickelt. Da entdeckt man verborgene Botschaften und dezent versteckte Zuneigung. Sie zu ersp\u00fcren ist das besondere Erlebnis dieses Festes. Schon beim Auspacken sind viele dem Geheimnis auf der Spur.<\/p>\n<p>So kann jemand sagen: &#8222;Die Geschenke, die ich als Kind an Weihnachten bekam, habe ich alle schon vergessen. Aber Jahr f\u00fcr Jahr stellt sich f\u00fcr mich zur Weihnachtszeit ein besonderes, unverwechselbares Gef\u00fchl ein; das verliere ich nie &#8230; die Weihnachtsgeschichten und -lieder tragen mich jedes Jahr wieder in der Erfahrung des Besonderen.&#8220;<\/p>\n<p>Das sind nicht meine Worte. Norbert Bl\u00fcm hat sie zu Papier gebracht, jener unverkennbare Mann, der viele Jahre Arbeitsminister war. Nicht von Arbeit redet er an dieser Stelle, sondern von der Erfahrung des Besonderen. Sie h\u00e4ngt an Geschenken und mehr noch an Geschichten und Liedern.<br \/>\nEin Lied m\u00f6chte ich heute vorstellen.<br \/>\nEs ist bereits fr\u00fch entstanden. Im Urchristentum. Es ist beim Schreiben in einen Brief eingeflossen und steht nun mitten zwischen allt\u00e4glichen Dingen als eine Kostbarkeit. Zu finden im 1. Timotheusbrief 3, 16:<\/p>\n<p>&#8222;Und gro\u00df ist, wie jedermann bekennen mu\u00df, das Geheimnis des Glaubens:<br \/>\nEr &#8211; Christus &#8211; ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist,<br \/>\nerschienen den Engeln, gepredigt den Heiden,<br \/>\ngeglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.&#8220;<\/p>\n<p>In denkbar knapper Form ist das Lied in Worte gekleidet. Wie ein fest verschn\u00fcrtes Paket, das Erwartung weckt beim Auspacken.<\/p>\n<p>1.<br \/>\nEin gro\u00dfes Ereignis ist bereits die Tatsache, da\u00df es diesen Jesus gegeben hat und gibt. Als Mega-Ereignis einzustufen. Was wie heutige jugendliche Sprache klingt, ist dem griechischen Wortlaut entnommen: &#8222;Mega&#8220; steht da und bedeutet &#8222;gro\u00df&#8220;. So kommen sie sich nahe, unsere jungen Menschen und die damalige junge Kirche. Es ist die Faszination des Geheimnisses, welches wirkt.<\/p>\n<p>Ein Mega-Ereignis, wie jeder best\u00e4tigen mu\u00df, sagt der Schreiber des Timotheusbriefes. Und tats\u00e4chlich, die Geburt Jesu hat nichts von der Faszination eingeb\u00fc\u00dft. Selbst das &#8222;Stille Nacht, heilige Nacht&#8220;, am hellichten Tage von einem Karussell gedudelt, kann Weihnachten nicht zerst\u00f6ren. Es dreht sich buchst\u00e4blich um das Geheimnis und zehrt von ihm.<\/p>\n<p>Bis in unsere Tage setzt dies Fest immer neue Ideen aus sich heraus. Mein Vater hatte sich zur Gewohnheit gemacht, den K\u00fchen am Heiligabend eine Getreidegarbe extra zu geben, noch jenseits von Tiermehl und BSE. Die Tiere sollten teilhaben an der Besonderheit dieser Nacht. &#8222;Freu dich Erd und Sternenzelt, Gottes Sohn kam in die Welt..&#8220; Dies ist heute, schon wegen der flie\u00dfbandm\u00e4\u00dfig ablaufenden F\u00fctterung, kaum noch m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Aber es gibt neue Einf\u00e4lle, die Geburt des Gottessohnes selbst unter Bedingungen hoch technischer Produktion zu begehen. Das VW-Werk in Wolfsburg hat seine vier Schornsteine, Symbol der Stadt, kurzerhand in Adventskerzen verwandelt. Es hat ihnen neue Lichter aufgesetzt. P\u00fcnktlich zum 1. Advent wurden in diesem Jahr erstmalig per Hubschrauber hohe Leuchtk\u00f6rper, die wie brennende Dochte aussehen, auf die Schornsteine montiert. Sie ragen nun \u00fcber 140 m in den Himmel, ganz an ihn heran reichen sie nicht. Sie sind aber im Umland von weitem zu erkennen. &#8222;Licht des Winters&#8220; ist das Event in und um die Autostadt benannt. Das klingt s\u00e4kular oder gar vorchristlich-germanisch. Doch die roten Schornsteine mit den leuchtenden Dochten sind so klar als Adventskerzen zu identifizieren, da\u00df kein Zweifel besteht, was sie darstellen: Christus, Licht der Welt. Das Geheimnis ist gro\u00df, selbst f\u00fcr VW.<\/p>\n<p>2.<br \/>\nWas aber macht das Geheimnis aus? Es wird in drei Gegensatzpaaren entfaltet: Fleisch und Geist; Engel und Heiden; irdische Welt und himmlische Herrlichkeit. Da ist Elend und Glanz versammelt; die schmutzige Tat und der Edelmut; das Niedrige und das Erhabene. Wie soll es zusammengehen? Genau dies ist Gottes Geheimnis, die strahlende Kraft seiner Menschwerdung. Mega verstehen wir gern als immer h\u00f6her, schneller, besser. &#8222;Optimieren&#8220; hei\u00dft das oft gebrauchte Modewort, was w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt keineswegs &#8222;verbessern&#8220; hei\u00dft, sondern &#8222;verbesten&#8220;. Wer immer nur steigern will, mu\u00df aufpassen, da\u00df er nicht Welt und Mensch verpestet. Wer das Leben ins Unendliche verl\u00e4ngern will, mu\u00df gew\u00e4rtigen, da\u00df es ausgeleiert wird wie ein altes Gummiband.<\/p>\n<p>Die Geburt Jesu zeigt einen anderen Weg. Das Gro\u00dfe verbindet sich mit dem Kleinen, das Erhabene gewinnt die Gestalt der Liebe. Gott steigt herunter von seinem Thron und ent\u00e4u\u00dfert sich. Man k\u00f6nnte meinen, damit verl\u00f6re er sein Gottsein. Er w\u00e4re nicht mehr er selbst. Das ist allzu menschlich gedacht.<\/p>\n<p>Jeder und jede von uns hat das Bestreben, zu sich selbst zu kommen, morgens schon und abends erst recht und am besten jeden Tag wieder. Wann aber sind wir endlich bei uns angekommen und bei Trost? Wenn er oder sie entdeckt, da\u00df der Weg zu sich selbst nur \u00fcber andere f\u00fchrt. Ohne mein alter Ego bin ich ein armer Egoist.<\/p>\n<p>Es wird nie so sp\u00fcrbar wie Weihnachten, wenn ich mich beschenkt f\u00fchle und gl\u00fccklich bin oder eben die Liebe eines Menschen empfindlich vermisse.<\/p>\n<p>Warum ist dies Gef\u00fchl gerade zu Weihnachten derart ausgepr\u00e4gt? Weil Gott mit seinem Beispiel vorangeht. Weil er in die Geburt Jesu seine g\u00f6ttliche Zuneigung legt. Wo denn bliebe er in der himmlischen Erhabenheit mit seiner Liebe? Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Nie ist Gott so sehr er selbst, nie ist er mehr Gott, als in dem Moment, in dem er in der Krippe liegt. In der Tat: Das Geheimnis ist gro\u00df. Alle Jahre wieder mu\u00df man sich ihm neu stellen, um auch nur ein Fitzelchen davon zu begreifen. Das Gro\u00dfe im Kleinen, im Kind der Erhabene, im Ohnm\u00e4chtigen der Allm\u00e4chtige. &#8222;Gott ist im Fleische, wer will dies Geheimnis verstehen?&#8220;<\/p>\n<p>3.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise wird durch Weihnachten der Mensch nicht vergottet &#8211; das w\u00e4re nicht auszuhalten, Paschas gibt es schon zu viele! Durch die Geburt Jesu wird Gott nicht zu einem beliebigen Menschen und damit eine weitere armselige Kreatur, auch davon gibt es schon mehr als genug. Die Verbindung des Gegens\u00e4tzlichen ist es, die etwas aufblitzen l\u00e4\u00dft. Die Ber\u00fchrung des G\u00f6ttlichen ist es, die uns anr\u00fchrt und uns menschlich macht.<\/p>\n<p>Es ist erstaunlich, wie sehr Krippen Menschen von heute faszinieren. Kinder dr\u00fccken sich die Nase platt, wenn sie eine im Schaufenster entdecken. Durch die Johanniskirche gehen alle Jahre wieder Scharen von Jung und Alt und sehen sich die ausgestellten G\u00f6ttinger Krippen an, hingerissen von der kunst- und liebevollen Gestaltung von Rind und Esel, Maria und Joseph, Hirten und Weisen und nat\u00fcrlich vom Jesuskind. Gerade wenn die Figuren scharf geschnitten sind, kommt um so st\u00e4rker die tiefe Zuneigung zum Zuge.<\/p>\n<p>&#8222;Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;<br \/>\nund weil ich nun nicht weiter kann, bleib ich anbetend stehen.<br \/>\nO da\u00df mein Sinn ein Abgrund w\u00e4r, und meine Seel ein weites Meer,<br \/>\nda\u00df ich dich k\u00f6nne fassen!&#8220;<\/p>\n<p>Am 6. Dezember habe ich eine besondere Erfahrung gemacht. Ich hatte die Aufgabe, in Nikolausberg, einem d\u00f6rflichen Ortsteil G\u00f6ttingens, eine Kinderbisch\u00f6fin im Alter von 9 Jahren einzuf\u00fchren und so das Team der Drei wieder zu komplettieren. Sie haben die Aufgabe, f\u00fcr Belange der Kinder einzutreten und auch Erwachsene daf\u00fcr zu gewinnen. Ein Mann war ihnen besonders aufgefallen durch sein kinderfreundliches Verhalten, daf\u00fcr wurde er in diesem Gottesdienst ausgezeichnet. Ein Kind hielt die Laudatio. Auf den Erwachsenen. Mit treffenden und gerade darum anr\u00fchrenden Worten. Der mit Lob \u00dcberh\u00e4ufte war sichtlich erfreut. Und sprach es aus: Danke, danke, lieber Kinderbischof.<\/p>\n<p>Da waren die Rollen vertauscht. Der Weihnachtszeit angemessen. Nat\u00fcrlich spielt ein Kinderbischof auch wieder im Matsch oder macht sich sonst die H\u00e4nde dreckig. Steht das seiner Aufgabe entgegen? Gewi\u00df nicht. Das g\u00f6ttliche Geheimnis ist gro\u00df und Weihnachten darum unverw\u00fcstlich. Es macht menschenfreundlich und gottselig.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Dr. Hinrich Bu\u00df<br \/>\nLandessuperintendent f\u00fcr den Sprengel G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:lasup.goettingen@evlka.de\">E-Mail: lasup.goettingen@evlka.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/011224-2.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=011224-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Christnacht, 24. Dezember 2001 Predigt \u00fcber 1. Timotheus 3,16, verfa\u00dft von Hinrich Bu\u00df Ein paar Hinweise vorweg 1. 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