{"id":21554,"date":"2001-12-15T14:15:24","date_gmt":"2001-12-15T13:15:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21554"},"modified":"2025-04-16T15:17:23","modified_gmt":"2025-04-16T13:17:23","slug":"hebraeer-138-9b-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-138-9b-4\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 13,8-9b"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Altjahresabend, 31. Dezember 2001<br \/>\nPredigt \u00fcber Hebr\u00e4er 13,8-9b, verfa\u00dft von Heinz Janssen<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b>Mit Vertrauen in das Neue Jahr<\/b><\/p>\n<p>Predigttext Hebr\u00e4er 13,8-9b (nach Martin Luther, Rev. 1984)<\/p>\n<p>(8) Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.<br \/>\n(9b) Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben,<br \/>\ndenn es ist ein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde,<br \/>\nwelches geschieht durch Gnade.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Es liegt erst ein paar Tage zur\u00fcck, dass wir Weihnachten feierten und sangen: &#8222;Gott wird Mensch, dir Mensch zugute &#8230;&#8220; &#8211; Da m\u00f6chte uns wieder von neuem klar werden, welche umfassende Bedeutung Jesus Christus f\u00fcr uns hat, welche Hoffnung er auch heute noch in die Welt bringt, und welche Perspektive Menschen haben, die sich an ihm orientieren.<\/p>\n<p>I. Der Predigttext aus dem Hebr\u00e4erbrief l\u00e4dt uns an der Schwelle zum Neuen Jahr 2002 ein zu bedenken, was wir an Jesus Christus haben &#8211; etwa in unserem Fragen nach der Wahrhheit, nach dem Sinn im pers\u00f6nlichen wie im gesellschaftlichen \u00f6ffentlichen Leben, in unserem Ringen um eine Lebensethik<\/p>\n<p>(V. 8) Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit&#8230;<\/p>\n<p>Friedrich von Bodelschwingh sagte zu diesem Spruch in einer Predigt aus dem Jahre 1934 in der Zionskirche in Bethel: &#8222;Hier haben wir ein kurzes bekennendes Wort aus der Gemeinde Jesu, das von allem Formelhaften, Gesetzlichen und Starren v\u00f6llig frei ist. Es springt&#8230; auf wie eine frische Quelle am Weg, wie eine Bl\u00fcte, die sich unerwartet schnell und herrlich im Sonnenschein entfaltet&#8230;. Dass Jesus Christus heute der Gleiche ist, wie er gestern war, d. h. wie er vor zweitausend Jahren in Galil\u00e4a und Jerusalem, auf Golgatha und am Ostermorgen gewesen ist. So wie er damals geredet hat, so spricht er heute &#8230;&#8220; Eine Aussage von solch gro\u00dfer Verl\u00e4sslichkeit erweckt Vertrauen bei uns Menschen, Vertrauen in eine Zukunft, die von Gott begleitet sein wird.<\/p>\n<p>(V. 9) Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade&#8230;<\/p>\n<p>Mancherlei und fremde Lehren &#8211; aus dem Zusammenhang geht nicht hervor, um welche fremde Lehren es sich handelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Verfasser des Hebr\u00e4er-Briefes die Gemeinde dazu aufrufen will, sich allem Fremden zu verschlie\u00dfen oder dass er sogar der Intoleranz das Wort redet. Vielmehr scheint er Lehren und Anschaungen abzulehnen, die Jesus Christus seine Bedeutung nehmen wollen. Ja, unsere eigene Lehre, das Christentum, ist unsere gro\u00dfe Herausforderung. Diese Lehre, in deren Tradition wir hier leben, gilt es mit Lebendigkeit zu f\u00fcllen. Nicht starre Regeln sind gefragt, sondern feste Herzen, die den Lebensstrom in seinen Bahnen flie\u00dfen lassen, Herzen, die beharrlich, immer wieder, \u00fcberall Lebensnahrung hinbringen wie Liebe, Zuwendung, Hilfe. Konzentriere dich auf den innersten Kern, das Herz der Lehre Jesu, dann kann die Jahreslosung wie eine Antwort \u00fcber dem Neuen Jahr stehen: JA, GOTT IST MEINE RETTUNG; IHM WILL ICH VERTRAUEN UND NIEMALS VERZAGEN (Jesaja 12,2). (Hier kann die Jahreslosung von einem Chor und\/oder der Gemeinde angestimmt werden, etwa in der Vertonung von Heinz Janssen, ver\u00f6ffentlicht in: Mitteilungen der Evangelischen Landeskirche in Baden 6\/2001, S. 21)<\/p>\n<p>II. &#8230;denn es ist kein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde&#8230;<\/p>\n<p>&#8222;Manches Herz ist nicht &#8222;fest&#8220;, sondern ersch\u00fcttert, verzweifelt, verbittert, trostlos tief verwundet. Oder versteinert, starr und kalt unter Schl\u00e4gen des Schicksals. Das Herz hat aufgeh\u00f6rt zu lieben, zu glauben und zu hoffen, dabei ist es zwar hart geworden, jedoch nicht durch Gnade. Hart werden manche auch unter der Macht des Gestern. Auch im Leben der V\u00f6lker kommt es mit unter dazu, dass l\u00e4ngst totgeglaubte Gespenster sich wieder regen. Alte Schuld wird ausgegraben&#8230;&#8220; &#8211; Ja, es gibt Zeiten, in denen unser Herz so verletzlich ist, dass es unm\u00f6glich &#8222;fest werden&#8220; kann und umso mehr Schutz braucht.<\/p>\n<p>Orgelchoral EG 376, 2 In dein Erbarmen h\u00fclle mein schwaches Herz<\/p>\n<p>&#8230; denn es ist ein k\u00f6stlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade&#8230; Gnade &#8222;befestigt&#8220; das Herz, so h\u00f6ren wir in unserem Predigttext. Das &#8222;feste Herz&#8220; hat nichts mit Sturheit zu tun. Durch Gottes Gnade empfangen Menschen ein festes Herz, und bei diesen<\/p>\n<p>Menschen k\u00f6nnen wir sp\u00fcren, dass sie Liebe und Freundlichkeit verstr\u00f6men, dass sie von Herzen schenken k\u00f6nnen und sich anderen zuwenden k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Jesus hat von der grenzen\u00fcberschreitenden Gnade und G\u00fcte Gottes gesprochen, sie zu den Menschen gebracht und sie gelebt &#8211; wie wir es am Anfang des Gottesdienstes mit den Worten des 103 Psalmes geh\u00f6rt haben.: &#8222;Barmherzig und gn\u00e4dig ist Gott, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte&#8220;. &#8211; Gnade im Hebr\u00e4erbrief meint sehr konkret: Gott wendet sich in in Jesus Christus uns zu und fragt nicht, ob wir das verdient haben. Es ist sein Angebot, uns zu helfen und beizustehen, besonders wenn \u00c4ngste \u00fcberm\u00e4chtig werden, wir verzagen wollen und die rettende Hilfe brauchen. Dies gilt f\u00fcr den einzelnen Menschen ebenso wie f\u00fcr die Gemeinschaft, in der wir uns befinden.<\/p>\n<p>Orgelchoral EG 347, 1 Ach bleib mit deiner Gnade bei uns Herr Jesu Christ<\/p>\n<p>III. Gnade wird vielf\u00e4ltig erlebt, z. B., wenn nach einem Unfall die Beteiligten vor dem Schlimmsten und vor gesundheitlichen Sch\u00e4den bewahrt blieben, bei Genesung von einer schweren Krankheit und im Annehmen-K\u00f6nnen einer unheilbaren Krankheit, &#8211; wenn wir Kinder gut heranwachsen sehen, in der Erfahrung, geliebt zu werden und lieben zu k\u00f6nnen &#8211; oder auch so: der Mathematiker Carl Friedrich Gau\u00df beschreibt, wie sich f\u00fcr ihn das Problem der Vorzeichenbestimmung l\u00f6ste, heute bekannt als &#8222;Gau\u00dfsche Summen&#8220;: &#8222;Seit 4 Jahren wird selten eine Woche hingegangen sein, wo ich nicht einen oder den anderen vergeblichen Versuch, diesen Knoten zu l\u00f6sen , gemacht h\u00e4tte&#8230; Endlich vor ein paar Tagen ist&#8217;s gelungen, aber nicht meinem m\u00fchsamen Suchen, sondern blo\u00df durch die Gnade Gottes, m\u00f6chte ich sagen: Wie der Blitz einschl\u00e4gt, hat sich das R\u00e4tsel gel\u00f6st. Die Gnade f\u00fcr die Zukunft, die wir ersehnen, um die wir beten, ist der Friede. &#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens&#8220;. Diese Engelsbotschaft, die die eigentliche Mitte des Weihnachtsevangeliums bildet, soll uns in den Ohren und Herzen nachklingen und im Neuen Jahr leiten. Was in der Welt an Unfriede geschieht, darf jetzt nicht mehr als schicksalhaft hingenommen werden. Es gilt, Zeichen des Friedens zu setzen, im Namen der Menschlichkeit, im Namen Gottes und in Jesu Namen. Gott hat die Menschen nicht gegeneinander, sondern f\u00fcreinander geschaffen. Wir sind Menschen seines Wohlgefallens. Dass wir Menschen doch lernen, friedvoll miteinander zu leben, Konflikte, weil sie oft unvermeidlich sind, fair, fair, gerecht und ohne Gewalt zu l\u00f6sen. Das B\u00f6se in der Welt hat derzeit die Namen Terrorismus, Fanatismus, auch religi\u00f6ser Fanatismus, angenommen. Diese Namen d\u00fcrfen in unserem Herzen keinen Platz einnehmen, sondern Namen wie rettendes Handeln zum Trotz gegen all diese Schrecken, gegen alles menschenverachtende und sch\u00f6pfungsfeindliche Handeln.<\/p>\n<p>IV. Um vertrauensvoll in das Neue Jahr zu gehen, hat uns Gott eine Lebensethik mit auf den Weg gegeben: die Lehre Jesu. Diese wie auch sein beispielhaft im Einklang mit Gott und seinen Geboten gelebtes Leben ist keine religi\u00f6se Droge zur Weltflucht und um vom Elend der Welt wegzusehen. Sie fordert uns vielmehr heraus, mit Herz und Verstand zu handeln &#8211; beherzt die Konflikte und die Not, der wir begegnen, wahrzunehmen, nicht vor\u00fcberzugehen, sondern stehenzubleiben, um zu helfen, mitzugehen, um zu begleiten, miteinander weiterzugehen. So lassen wir einander sp\u00fcren, dass Gott Zukunft schenkt. So sehen Wege des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe aus.<\/p>\n<p>&#8222;Menschen des Weges&#8220; &#8211; so lautet eine der \u00e4ltesten Bezeichnungen f\u00fcr die Christen. Sich an Jesus Christus halten hei\u00dft weitergehen, ohne einander, ja unsere gesamte Mitwelt, zu \u00fcbergehen &#8211; weil Jesus als der Christus, als der von Gott gesandte Messias, den Weg weist, auf gute Wege lenkt. &#8222;Siehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir, ein Gerechter uns ein Helfer&#8220;, h\u00f6rten wir in der Advents- und Weihnachtszeit. Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit &#8211; in der Sprachwelt der Antike war diese drei-Zeiten-Wendung gel\u00e4ufig, um die besondere Bedeutung einer Person auszudr\u00fccken (HNT 14, 1984, S 459).<\/p>\n<p>Jesus Christus &#8211; dieser Name steht daf\u00fcr, dass Gott uns nicht aufgibt. Gott wei\u00df Mittel und Wege, mit uns mit dem, was gestern war und heute ist, weiterzugehen &#8211; in das Neue Jahr, das f\u00fcr uns Zeit seiner Gnade ist. Das Abendmahl, zu dem wir nachher eingeladen sind, m\u00f6chte uns auf diesem Weg st\u00e4rken. Amen.<\/p>\n<p><b>Heinz Janssen, Pfarrer an der Providenz-Kirche zu Heidelberg,<br \/>\nAnschrift: Evang. Pfarramt Providenz<br \/>\nKarl-Ludwig-Str. 8a, 69117 Heidelberg<br \/>\nEMail: <a href=\"mailto:providenz@aol.com\">providenz@aol.com<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/011231-2.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=011231-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Altjahresabend, 31. Dezember 2001 Predigt \u00fcber Hebr\u00e4er 13,8-9b, verfa\u00dft von Heinz Janssen Mit Vertrauen in das Neue Jahr Predigttext Hebr\u00e4er 13,8-9b (nach Martin Luther, Rev. 1984) (8) Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 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