{"id":21565,"date":"2002-01-15T14:21:27","date_gmt":"2002-01-15T13:21:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21565"},"modified":"2025-04-16T15:14:27","modified_gmt":"2025-04-16T13:14:27","slug":"jesaja-42-1-4-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-42-1-4-4\/","title":{"rendered":"Jesaja 42, 1-4"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach Epiphanias, 13. Januar 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Jesaja 42, 1-4, verfa\u00dft von Joachim Goeze<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020113-1.html#exeg\"><b>Exegetische Vorbemerkungen und Entscheidungen<\/b><\/a><br \/>\nLiebe Mitchristen, Schwestern und Br\u00fcder,nun sind wir also wieder in gewohnter Anzahl unter uns; die Feiertage sind gelaufen, Weihnachtsb\u00e4ume abger\u00e4umt, die Kassen klingeln schon wieder durch den Euro &#8211; und das Gez\u00e4nk und Rechthabenwollen unserer Politiker zu den Treffen am Dreik\u00f6nigstag, also dem Epiphaniasfest, macht die Eindr\u00fccke vom weihnachtlichen Friedensfest vergessen. Es geht weiter wie es auch vor den Festtagen war. Ja, wir stehen als einzelne ern\u00fcchtert in jeder Beziehung, vielleicht schon mit den ersten Entt\u00e4uschungen da, mit denen unsere guten Vors\u00e4tze zu Neujahr die ersten beiden Wochen nicht \u00fcberstanden haben. Aber immerhin, heute sind wir in der Januarhelle des neuen Jahres hier versammelt, um etwas aus der Welt Gottes zu h\u00f6ren, das uns aus unserer Selbstbezogenheit und dem \u00fcblichen Gejammer \u00fcber die terrorgepr\u00e4gte Hoffnungslosigkeit unserer Welt herausziehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Mitten in der Hoffnungslosigkeit einer Fl\u00fcchtlingsexistenz, mitten im Elend fern der Heimat unter fremden G\u00f6ttern, l\u00e4sst uns ein Profet teilhaben an seiner Hoffnung f\u00fcr Gottes Volk: Jes.42,1-4:<br \/>\n&#8222;Siehe, da ist mein Knecht &#8211; ich erhalte ihn &#8211; und mein Auserw\u00e4hlter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die V\u00f6lker bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht h\u00f6ren auf den Gassen. Das zerstossene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht ausl\u00f6schen. Er wird das Recht wahrhaftig halten lehren. Er wird nicht matt werden noch verzagen, bis er auf Erden Recht aufrichte, die (entferntesten) Inseln werden auf sein Recht warten.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn das kein Gegensatz zur erb\u00e4rmlichen Lage eines Volkes im Exil ist, wenn das kein Widerspruch zu der Behauptung ist, wir lebten in einem rechtlosen, terrorgeplagten Jammertal &#8211; Hoffnung oder Illusion, was kann st\u00e4rker sein?<\/p>\n<p>M\u00fcssen wir in der Tat nicht Gott eher Pflichtvergessenheit vorwerfen, dass er soviel Leid und Rechtlosigkeit in seiner Sch\u00f6pfung zul\u00e4sst? Ist nicht solch ein Hoffnungslied, wie das vom Gottesknecht, das uns der Profet zumutet, eher ein Hohn, wo doch Gott vers\u00e4umt, die Schutzbed\u00fcrftigen zu sch\u00fctzen?<\/p>\n<p>Eine Leserbriefschreiberin geht noch einen Schritt weiter:<br \/>\n&#8222;Das ist die entlarvende Reaktion eines Menschen, der sich um keinen Preis der Einsicht stellen will, dass seine religi\u00f6sen Vorstellungen keinen Glauben verdienen. Wenn sie am Ma\u00dfstab des logischen Denkens \u00fcberpr\u00fcft werden, dann l\u00e4sst er sich nicht etwa \u00fcberzeugen, nein dann schiebt er den Schwarzen Peter lieber dem logischen Denken zu und macht es ver\u00e4chtlich. Es verdient mehr Vertrauen als die Ratschl\u00e4ge von Christen, die selbst dann noch zum unbelehrbaren Beharren auf religi\u00f6sen Vorstellungen aufrufen, wenn diese sich so schlecht mit einer Wirklichkeit voller Leid vertragen wie die Vorstellung von einem allm\u00e4chtigen und zugleich g\u00fctigen Gott.&#8220;<\/p>\n<p>Da haben wir\u00b4s wieder: hier die `Realisten\u00b4 vom FC Jammertal, dort die `Illusionisten\u00b4 von Opium f\u00fcr das Volk. Unbelehrbares Beharren auf religi\u00f6sen Vorstellungen oder Hoffnung gegen den Augenschein, Hoffnung gegen alle menschliche Berechnung, Hoffnung auf einen, der nicht daherkommt, wie die M\u00e4chtigen dieser Welt und der dennoch f\u00fcr Orientierung sorgt und daf\u00fcr, dass wir nicht untergehen in unseren selbstgemachten Leidensperspektiven.<\/p>\n<p>Ja, kein Ausweg aus der Frage, wo Gott sei und wie und ob er eingreift in unsere Welt &#8211; m\u00f6gen zur Zeit auch noch so viele Engelfilme in den Fernsehserien laufen. Ja, kein Wegsehen m\u00f6glich, Leid und Terror und Ungerechtigkeit herrschen in dieser Welt. Ja, die Wegwerfgesellschaft und die Anbetung des Rechtes der St\u00e4rkeren feiern Triumphe. Nietzsche hat es schon vor hundert Jahren in Worte gefasst:<br \/>\n&#8222;Was ist gut? Alles, was das Gef\u00fchl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erh\u00f6ht.<br \/>\nWas ist schlecht? Alles, was aus der Schw\u00e4che stammt.<br \/>\nWas ist Gl\u00fcck? Das Gef\u00fchl davon, dass die Macht w\u00e4chst -da\u00df ein Widerstand \u00fcberwunden wird.<br \/>\nDie Schwachen und Mi\u00dfratenen sollen zu Grunde gehen: erster Satz u n s e r e r Menschenliebe.<br \/>\nUnd man soll ihnen noch dazu helfen.<br \/>\nWas ist sch\u00e4dlicher als irgendein Laster? Das Mitleiden der Tat &#8230;das Christentum.&#8220;<br \/>\n(Antichrist).<\/p>\n<p>Das ist der Wind, der heute den Menschen guten Willens ins Gesicht bl\u00e4st, das sind die heimlichen Werte der Wegwerf- und \u00dcberflussgesellschaft, das sind und waren &#8211; die Werte irdischer Macht und Herrlichkeit. Aber das ist eben auch nicht alles.<\/p>\n<p>Ganz unscheinbar daher kommt Gott wie das Kind in unsere Wirklichkeit, zu Weihnachten wie zu Epiphanias nur von wenigen erkannt, wirkt Gott. &#8222;Er wird nicht schreien noch rufen und seine Stimme wird man nicht h\u00f6ren auf den Gassen&#8220;. Er sendet seine Beauftragten, begabt sie mit seinem Geist der Empathie und der F\u00e4higkeit, mitzuleiden und schickt sie an unsere Seite.<\/p>\n<p>Und dennoch inmitten des Chaos dieser Welt gibt Gott durch lebendiges Beispiel wie eh und je mit seiner Liebe und seinem Recht, das gerade nicht an St\u00e4rke und Rache, sondern an mitf\u00fchlender Liebe ausgerichtet ist.<\/p>\n<p>Und das war so und ist so und will erkannt und gesucht werden, (Hebr.11,1)und der Weg der Hoffnung gegen allen Augenschein mu\u00df gegangen werden. Und Gott tut den ersten Schritt immer wieder &#8211; dass wir suchen und finden k\u00f6nnen, was uns menschlich bleiben und die Liebe suchen und finden l\u00e4sst mitten im Leid und der Ungerechtigkeit dieser Welt. Das ist und bleibt die Logik der Liebe.<\/p>\n<p>Und so ein nicht ungef\u00e4hrdet zu gehender Weg &#8211; das ist die Hoffnung, die ` Illusion\u00b4, von der Christen nicht lassen sollten, der Ausweg, die Welt nur als Jammertal zu sehen. Und das sollten Christen auch andere wissen lassen. Dann werden wir auch etwas von der Solidarit\u00e4t Gottes mit seinem Beauftragten Jesus und dessen Leuten sp\u00fcren: sich daran zu beteiligen, die Geknickten nicht zu zerbrechen, sondern aufzurichten und denen, deren Licht zu verl\u00f6schen droht, neue Glut der Liebe zu schenken. Das war und ist die Aufgabe des Volkes Gottes damals wie heute, im gro\u00dfen wie im kleinen, f\u00fcr uns selbst und f\u00fcr andere &#8211; selbst wenn Diakonie heute fachgerecht und highspeed organisiert werden mu\u00df. (Projekte f\u00fcr die Kirchengemeinde nennen, auch: EKD: Menschenrechte aktuell Nr.17 Info Dienst Dezember 2001.Tel.0511 27964348. www.ekd.de\/menschenrechte\/ Redaktion:Corinna Schellenberg.)<\/p>\n<p>Auf dem Weg, uns und andere Geknickte wieder aufzurichten, wird es uns so ergehen wie dem Freundlichen aus Bertolt Brechts Geschichte:<br \/>\nAls sie die Stadt gebaut hatten, kamen sie zusammen und f\u00fchrten einander vor ihre H\u00e4user und zeigten einander die Werke ihrer H\u00e4nde- Und der Freundliche ging mit ihnen , von Haus zu Haus, den ganzen Tag \u00fcber, und lobte sie alle. Aber er selber sprach nicht vom Werk seiner H\u00e4nde und zeigte keinem ein Haus. &#8211; Und es ging gegen Abend, da auf dem Marktplatz, trafen sie sich wieder alle und auf einem erh\u00f6hten Bretterger\u00fcst trat jeder hervor und erstattete Bericht \u00fcber die Art und Gr\u00f6\u00dfe seines Hauses und die Baudauer, damit man herausfinden konnte, welcher von ihnen das gr\u00f6\u00dfte Haus gebaut hatte, oder das sch\u00f6nste und in wie viel Zeit.-<\/p>\n<p>Und nach seiner Stelle im Alphabet wurde auch der Freundliche aufgerufen. Er erschien unten, vor dem Podium, und einen gro\u00dfen T\u00fcrstock schleppend. -Er erstattete seinen Bericht. Dies hier, der T\u00fcrstock,war, was er von seinem Haus gebaut hatte. Es entstand ein Schweigen. Dann stand der Versammlungsleiter auf.- &#8222;Ich bin erstaunt&#8220;, sagte er, und ein Gel\u00e4chter wollte sich erheben.<\/p>\n<p>Aber der Versammlungsleiter fuhr fort: &#8222;Ich bin erstaunt, da\u00df erst jetzt die Rede darauf kommt. Dieser da war w\u00e4hrend der ganzen Zeit des Bauens \u00fcberall, \u00fcber dem ganzen Grund und half \u00fcberall mit. F\u00fcr das Haus dort baute er den Giebel, dort setze er ein Fenster ein, ich wei\u00df nicht mehr, welches, f\u00fcr das Haus gegen\u00fcber zeichnete er den Grundplan. Kein Wunder weiter, da\u00df er hier mit einem T\u00fcrstock erscheint, der \u00fcbrigens sch\u00f6n ist, da\u00df er aber selber kein Haus besitzt.<\/p>\n<p>In Anbetracht der vielen Zeit, die er f\u00fcr den Bau unserer H\u00e4user aufgewendet hat, ist der Bau dieses sch\u00f6nen T\u00fcrstocks ein wahres Wunderwerk, und so schlage ich vor, den Preis f\u00fcr gutes Bauen ihm zuzuerteilen.&#8220;<\/p>\n<p>M\u00f6ge Gott uns im neuen Jahr an seinem Reich so bauend finden, \u00fcber unserem M\u00fchen mit<br \/>\nso barmherziger Anteilnahme urteilen und uns zeigen, worauf es wirklich ankommt.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><a name=\"exeg\"><\/a><b>Exegetische Vorbemerkungen und Entscheidungen <\/b><\/p>\n<p>In diesem Gottesknechtslied treffen zwei Traditionen um Mittler-Gestalten des Alten Testaments zusammen: die des charismatischen Richters und die des Retters mit dem Auftrag, das Volk Gottes aus dem Exil zu holen, aus der Herrschaft der Herrscher zum Recht Gottes, so &#8222;da\u00df sein Tun dem harten Gesetz der Welt, da\u00df das Zerbrochene und Verl\u00f6schende sterben mu\u00df, widerspricht.&#8220; (Westermann, ATD Jesaja z.St.).<\/p>\n<p>Wer ist dieser Knecht, der neues Recht proklamiert und selbstlos f\u00fcr die Menschenrechte eintritt? Nat\u00fcrlich nehme ich die Kirchenjahreszeit Epiphanias zum homiletischen Anla\u00df, diese Frage christologisch zu beantworten mit allen ekklesiologischen Konsequenzen. Die individuelle Deutung, der Gottesknecht sei Christus, der Bevollm\u00e4chtigte, der Erl\u00f6ser Gottes verbinde ich mit der ekklesiologisch kollektiven Deutung, diese Bevollm\u00e4chtigten seien das Volk Gottes, die sich en christo um das Lebensrecht derer k\u00fcmmern, die &#8222;geknickt und am Zerbrechen sind&#8220; .Dabei habe ich die Exegese auf meiner Seite, denn so Westermann: &#8220; Hier s o l l verbergend, verh\u00fcllend geredet werden.&#8220; Die Predigt wird also von der unterschiedlichen Rechts-und Werteordnung zu reden haben und sich dabei mit unserer herrschenden Gesellschaftsreligion befassen &#8211; auf dem Hintergrund der Herrschaft des epiphanen GottKindes: der Gottesknecht macht keinen L\u00e4rm z.B. als Gegenbild des `Starken\u00b4. Gott f\u00e4ngt einfach an. Mit nichts als dem guten Geist bewaffnet wird er seinen und seine Bevollm\u00e4chtigten daran arbeiten lassen, Leben zu erhalten und zu f\u00f6rdern &#8211; ein Gegenbild zu allen Weltuntergangsstimmungen und terrorgef\u00f6rderten Hoffnungslosigkeiten : nicht zerbrechen, nicht Ausl\u00f6schen sollt ihr, Menschenrechte f\u00f6rdern f\u00e4ngt im Kopf an. (Goldene Regel). Daf\u00fcr habt ihr meinen Beistand und meinen Segen auch im neuen Jahr, verspricht Gott Hoffnung gegen alle Untergangslogik, das ist besser als alle Resignation.<\/p>\n<p><b>Dr. Joachim Goeze, Wolfsburg<br \/>\n<a href=\"mailto:joachim.goeze@web.de\">joachim.goeze@web.de <\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020113-1.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020113-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 1. Sonntag nach Epiphanias, 13. 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