{"id":21571,"date":"2002-01-15T14:24:45","date_gmt":"2002-01-15T13:24:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21571"},"modified":"2025-04-16T15:12:04","modified_gmt":"2025-04-16T13:12:04","slug":"2-petrus-1-16-19-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-petrus-1-16-19-4\/","title":{"rendered":"2. Petrus 1, 16-19"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias, 20. Januar 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 2. Petrus 1, 16-19, verfa\u00dft von Peter Kusenberg<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>16 Denn wir sind nicht ausgekl\u00fcgelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.<br \/>\n17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der gro\u00dfen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.<br \/>\n18 Und diese Stimme haben wir geh\u00f6rt vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.<br \/>\n19 Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.Liebe Gemeinde,ich behaupte: Menschen glauben gern an Fabeln und M\u00e4rchen. Und ihr Glaube daran ist unabh\u00e4ngig vom Alter und von der Zeit, in der sie leben.<\/p>\n<p>Vielleicht m\u00f6chte jemand widersprechen und dagegen halten: &#8222;Unabh\u00e4ngig von Zeit und Alter? Das stimmt doch nicht. Fr\u00fcher wurden doch viel mehr M\u00e4rchen erz\u00e4hlt oder gelesen als heute. Und M\u00e4rchen sind doch etwas f\u00fcr Kinder, aber nicht f\u00fcr Erwachsene.&#8220;<\/p>\n<p>Aber ich bleibe dabei: Auch heute, im Zeitalter der bemannten Raumstationen und der weltweiten Computernetze glauben Menschen aller Altersstufen gern an M\u00e4rchen. Es sind allerdings nicht mehr die Volksm\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm oder von Hans Christian Andersen, sondern moderne Fabeln und M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Ich nenne ein paar Beispiele daf\u00fcr. Die Geschichten um den jungen Zauberlehrling Harry Potter &#8211; als B\u00fccher und inzwischen auch verfilmt ein Millionenerfolg: ein M\u00e4rchen. Ebenso steht es mit dem &#8222;Herrn der Ringe&#8220;: ein M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Nicht nur in den USA gibt es die Freizeit- und M\u00e4rchenparks f\u00fcr die ganze Familie, und auch viele so genannte &#8222;Fantasy&#8220;-Computerspiele sind moderne M\u00e4rchen, in denen sogar mitspielen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte die Aufz\u00e4hlung von Beispielen noch beliebig fortsetzen. Doch es reicht wohl, um zu erkennen, dass sich zwar die Gestalten und die Schaupl\u00e4tze gewandelt haben, dass aber die Freude und der Glaube an M\u00e4rchen heute ebenso vorhanden sind wie zu fr\u00fcheren Zeiten.<\/p>\n<p>Was hat das nun mit dem Predigttext zu tun? Folgendes: Sind vielleicht auch die Geschichten um Jesus M\u00e4rchen? Sind die Berichte in den Evangelien etwa auch sagenhafte \u00dcberlieferungen? K\u00f6nnte es nicht sein, dass der ganze christliche Glaube nichts weiter ist als das F\u00fcr-Wahr-Halten von &#8222;ausgekl\u00fcgelten Fabeln&#8220;, wie es der Predigttext ausdr\u00fcckt?<\/p>\n<p>Fragen, die sich nicht so einfach vom Tisch wischen lassen. Und wir sehen, dass diese Fragen schon im fr\u00fchesten Christentum laut werden. Es sind also nicht nur Fragen, die als skeptischer Vorwurf von au\u00dfen an die Christengemeinde kommen, sondern auch Fragen, die ihre Wurzel in inneren Glaubenszweifeln haben.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, dass viele von uns so manchmal ihre Schwierigkeiten haben mit den unglaublichen Dingen, die von Jesus \u00fcberliefert sind: Wasser in Wein verwandeln, Kranke durch ein Wort heilen, sogar Tote erwecken. Das ging den fr\u00fchen Christen nicht anders. Je weiter die Zeit fortschritt, desto mehr verblasste die unmittelbare Erinnerung an den Menschen Jesus.<\/p>\n<p>Hier meldet sich Petrus als Weggef\u00e4hrte Jesu und Augenzeuge der Ereignisse zu Wort. &#8222;Wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen&#8220;, schreibt er. Die Geschichten um Jesus, die Berichte \u00fcber ihn sind keine M\u00e4rchen. Ich, Petrus, war dabei. Was euch im R\u00fcckblick m\u00e4rchenhaft erscheint, haben wir, seine Freunde und Begleiter, miterlebt und k\u00f6nnen es bezeugen.<\/p>\n<p>So wie Petrus haben auch die anderen Frauen und M\u00e4nner, die Jesus pers\u00f6nlich begegnet sind, ihre Erlebnisse weitergesagt. Sie haben es immer wieder geschildert, wie es ihnen ergangen ist in der Gesellschaft dieses Jesus aus Nazareth. Sie hatten es miterlebt &#8211; manche vom ersten Zusammentreffen bis zum bitteren Ende in Jerusalem, und weiter bis zum Erscheinen des Auferstandenen in ihrer Mitte.<\/p>\n<p>Anders h\u00e4tte sich, meine ich, das Christentum wohl auch kaum so schnell und so weit ausbreiten k\u00f6nnen, wenn nicht hinter allem die Gewissheit gestanden h\u00e4tte: dies wird bezeugt von Menschen, die selbst dabei gewesen sind.<\/p>\n<p>Und das ist der Unterschied zu M\u00e4rchen oder Fabeln, die frei erfunden sind oder allenfalls einen Kern von Wahrheit in sich tragen. Die Apostel aber waren keine Dichter, die ihrer Phantasie freien Lauf gelassen haben, sondern Augenzeugen.<\/p>\n<p>Wenn heute beispielsweise irgendwo ein Autounfall passiert (und das geschieht ja leider oft genug), dann wird hinterher niemand die Beobachtungen der Augenzeugen als M\u00e4rchen oder Erfindung abtun. Ganz im Gegenteil: ihre Aussagen werden m\u00f6glicherweise sehr gro\u00dfe Bedeutung haben, wenn es um die Kl\u00e4rung von Ursache und Schuldfrage geht.<\/p>\n<p>Augenzeugen sind wertvoll. Sie stehen mit ihrem Wort f\u00fcr das ein, was sie erlebt oder beobachtet haben. Das betont auch Petrus in seinem Brief: &#8222;Wir haben uns nicht auf geschickt erfundene M\u00e4rchen gest\u00fctzt, als wir euch das machtvolle Kommen unseres Herrn Jesus Christus bekannt machten.&#8220;<\/p>\n<p>Und er f\u00e4hrt fort: &#8222;Sondern wir haben mit eigenen Augen seine g\u00f6ttliche Hoheit gesehen, als er von Gott, seinem Vater, geehrt und verherrlicht wurde. Gott, der die h\u00f6chste Macht hat, sagte zu ihm: &#8218;Dies ist mein Sohn, \u00fcber den ich mich von Herzen freue. Ihn habe ich erw\u00e4hlt&#8216;. Als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren, haben wir diese Stimme vom Himmel geh\u00f6rt.&#8220;<\/p>\n<p>Petrus bezieht sich auf das Erlebnis der drei J\u00fcnger, die Jesus auf den Berg Tabor begleiteten. Johannes, Jakobus und Petrus hatten dort oben jene unerkl\u00e4rbare Vision, die in der ersten Lesung dieses Gottesdienstes beschrieben wurde.<\/p>\n<p>Ich habe auch zweimal auf der Spitze dieses Berges gestanden &#8211; dort steht zur Erinnerung an dieses Ereignis eine Kirche &#8211; und es war jedes Mal ein ganz eigenartiges Gef\u00fchl, geheimnisvoll und unerkl\u00e4rbar auch nach fast 2000 Jahren.<\/p>\n<p>Dort auf diesem Berg ist den J\u00fcngern deutlich geworden, dass in Jesus Gott selbst bei ihnen war, dass durch ihn Gott selbst redete und handelte. Diese Gewissheit gab ihnen Sicherheit und Kraft, am Glauben festzuhalten, selbst sp\u00e4ter in Anfechtung, Verfolgung und M\u00e4rtyrertod. Ein M\u00e4rchen h\u00e4tte ihnen solche Kraft nicht geben k\u00f6nnen. Selbsterfundene Phantasien zerplatzen da wie Seifenblasen.<\/p>\n<p>Und wir heute? Wir k\u00f6nnen nicht wie die J\u00fcnger zusammen mit Jesus auf einen Berg steigen, um seine Vollmacht zu erleben. Aber wir haben seine Worte, seine Botschaft im Neuen Testament, die an uns ebenso gerichtet ist wie an die Menschen damals. Im Evangelium spricht Jesus auch zu uns, in ihm k\u00f6nnen auch wir seine Vollmacht erkennen.<\/p>\n<p>Im Predigttext ist das so formuliert: &#8222;Darum glauben wir umso fester der Botschaft, die von den Propheten verk\u00fcndet wurde. Ihr tut gut daran, sie ernst zu nehmen. Sie ist wie eine Lampe, die in der Dunkelheit brennt, bis der Tag anbricht und das Licht des Morgensterns eure Herzen hell macht.&#8220;<\/p>\n<p>Ein treffendes Bild. Mein Leben hat oft dunkle Ecken, das wei\u00df ich selbst am besten. Leid, Angst, Unsicherheit &#8211; das macht oft meinen Alltag finster. Neid, Abneigung, Kampf um F\u00fchrungsrollen &#8211; dies alles verdunkelt oft mein Gesichtsfeld, manchmal so weit, bis ich andere Menschen nicht mehr richtig erkenne.<\/p>\n<p>Im Dunkeln gehe ich unsicher, verliere schnell die Orientierung und habe Angst, den n\u00e4chsten Schritt zu tun. Das Evangelium von Jesus Christus, im Neuen Testament \u00fcberliefert und in der Kirche gepredigt, kann mir wie ein Licht helfen, mich im Dunklen zurecht zu finden.<\/p>\n<p>Lasse ich dagegen mein Leben von den Ma\u00dfst\u00e4ben leiten, die mir das Evangelium zeigt, dann merke ich, wie ich mehr Sicherheit und Klarheit gewinne. Es ist mir tats\u00e4chlich schon vorgekommen, als ob ein Licht in die Dunkelheit scheint. Licht, das sichere Wege ohne Angst vor Fehltritten und Irrwegen erlaubt, Licht, das dem bedrohlichen Dunkel ringsum widersteht. Das mir nicht zuletzt auch hilft, andere Menschen &#8222;im rechten Licht&#8220; und nicht durch eine Brille von Vorurteilen zu sehen.<\/p>\n<p>Ein solches Licht ist wirksamer als die zauberkr\u00e4ftigste Wunderlampe aus Tausendundeiner Nacht. Denn &#8211; das Evangelium ist eben mehr als ein M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Peter Kusenberg, Pastor und freier Journalist<br \/>\nAdelebsen-Erbsen<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:peter.kusenberg@kirche-erbsen.de\">peter.kusenberg@kirche-erbsen.de<\/a><br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020120-1.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020120-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Letzter Sonntag nach Epiphanias, 20. Januar 2002 Predigt \u00fcber 2. 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