{"id":21585,"date":"2002-02-15T14:32:32","date_gmt":"2002-02-15T13:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21585"},"modified":"2025-04-15T17:26:43","modified_gmt":"2025-04-15T15:26:43","slug":"apostelgeschichte-169-15-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-169-15-6\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 16,9-15"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Sexagesimae, 3. Februar 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Apostelgeschichte 16,9-15, verfa\u00dft von Christian-Erdmann Schott<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>unser heutiger Predigtabschnitt steht in der Apostelgeschichte; diesem besonderen Buch, das Lukas als zweiten Band seines Gesamtwerkes geschrieben und herausgegeben hat. Im ersten Band, dem Evangelium, hat er \u00fcber das Leben Jesu bis zur Himmelfahrt berichtet. In der Apostelgeschichte zeigt er, wie es nach Himmelfahrt und Pfingsten mit der Urgemeinde weitergegangen ist. Dabei liegt ihm die Verk\u00fcndigung und Ausbreitung des Evangeliums durch die christlichen Missionare besonders am Herzen. Und dabei wiederum spielt der Apostel Paulus eine herausragende Rolle. Paulus ist, obgleich er nicht zu den urspr\u00fcnglichen J\u00fcngern Jesu Christi geh\u00f6rt hat, der wichtigste Christuszeuge und Missionar, von dem die Apostelgeschichte erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>In unserem heutigen Predigtabschnitt nun geht es um eine folgenreiche Weichenstellung in diesem Missionswerk, n\u00e4mlich den \u00dcbergang des Christentums von Kleinasien nach Europa. Dabei wird ein Landstrich besonders genannt: Mazedonien, damals ein Teil von Griechenland. Dort hat es angefangen f\u00fcr Europa. Ich lese:<\/p>\n<p>&#8222;Und dem Paulus erschien ein Gesicht bei der Nacht; das war ein Mann aus Mazedonien, der stand da und bat ihn und sprach: Komm her\u00fcber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber das Gesicht gesehen hatte, da trachteten wir alsbald, zu reisen nach Mazedonien, gewi\u00df, da\u00df uns Gott dahin berufen h\u00e4tte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir aus von Troas; und geradewegs kamen wir nach Samothrake, des \u00e4ndern Tages nach Neapolis und von da nach Philippi, welches ist die Hauptstadt dieses Teiles von Mazedonien und eine r\u00f6mische Kolonie. Wir blieben aber in dieser Stadt etliche Tage. Am Tage des Sabbats gingen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, wo wir dachten, da\u00df man pflegte zu beten, und setzten uns und redeten mit den Frauen, die da zusammenkamen. Und eine gottesf\u00fcrchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurkr\u00e4merin aus der Stadt Thyatira, h\u00f6rte zu; dieser tat der Herr das Herz auf, da\u00df sie darauf achthatte, was von Paulus geredet ward. Als sie aber mit ihrem Hause getauft ward, bat sie uns und sprach: Wenn ihr mich achtet, da\u00df ich gl\u00e4ubig bin an den Herrn, so kommt in mein Haus und bleibet allda. Und sie n\u00f6tigte uns&#8220;.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rt sich einfach an. Erst wenn man genauer hinsieht, merkt man, da\u00df diese Geschichten sehr kunstvoll gestaltet und zusammengef\u00fcgt sind. Drei Gesichtspunkte oder Themenkreise scheinen mir besonders wichtig:<\/p>\n<p>I. Die Geschichte von der Landung des Paulus und seiner Begleiter im mazedonischen Philippi liest sich zun\u00e4chst wie ein historischer Bericht, und das soll er ja durchaus auch sein. Danach mu\u00df der Anfang ziemlich entt\u00e4uschend gewesen sein &#8211; jedenfalls zun\u00e4chst. Nach dem Gesicht, das hei\u00dft nach dem Traum, den Paulus getr\u00e4umt hatte, konnte man annehmen, da\u00df die christlichen Missionare in Europa erwartet werden. Als sie ankommen, werden sie von den Menschen \u00fcberhaupt nicht beachtet. Das Leben in der Stadt bleibt davon ganz unber\u00fchrt Niemand erwartet sie. Niemand begr\u00fc\u00dft sie. Niemand freut sich \u00fcber ihr Kommen. Sie selber m\u00fcssen schlie\u00dflich etwas unternehmen, um irgendwo und irgendwie mit Menschen Kontakt zu bekommen. Und so beschlie\u00dfen sie, den Sabbat abzuwarten und dann eine Gebetsst\u00e4tte aufzusuchen. Vielleicht k\u00f6nnte sich dort etwas ergeben?<\/p>\n<p>Und es ergibt sich eine Begegnung. Sie treffen auf einige Frauen. Eine von ihnen, Lydia, \u00f6ffnet ihr Herz, kommt zum Glauben, l\u00e4\u00dft sich taufen und nimmt die Missionare in ihr Haus auf.<\/p>\n<p>Das ist der Anfang des Christentums in Europa. Das Haus der Lydia ist die erste Missionsstation. Im Grunde ist das eher bescheiden, sehr einfach. Aber man darf diesen geringen Anfang nicht isoliert sehen. Lukas hat ja dann auch erz\u00e4hlt, wie es weitergegangen ist. Mit zunehmendem Staunen erfahren die Leser, wie aus diesem winzigen Anfang in einer gleichg\u00fcltigen Welt eine gro\u00dfe, immer weiterwachsende Bewegung geworden ist: eine Bewegung, die noch nicht an ihr Ende gekommen ist, die weitergeht, in der wir selbst auch drin stehen, die zu immer wieder neuen Anf\u00e4ngen f\u00fchrt, so oder so \u00e4hnlich: Menschen \u00f6ffnen ihr Herz f\u00fcr das Wort Gottes, fangen an zu glauben, finden ihren Lebenssinn und ihre Ausrichtung auf Gott, suchen Gemeinschaft und bieten Gemeinschaft f\u00fcr andere.<\/p>\n<p>Zugleich wird deutlich, da\u00df die Apostel sich durch die Gleichg\u00fcltigkeit, auf die sie stie\u00dfen, nicht beirren lie\u00dfen. Weder entmutigt noch verunsichert haben sie an ihrem Glauben und an ihrem Ziel, Menschen f\u00fcr den Glauben zu gewinnen, festgehalten, haben strategisch klug operiert und am Ende war es dann doch ein Erfolg.<\/p>\n<p>II. Wir k\u00f6nnen diese Geschichte aber auch heilsgeschichtlich lesen. Dann m\u00fcssen wir sie in den gro\u00dfen Zusammenhang des Ringens Gottes um die Menschen hineinstellen. Gott hat die Trennung, die die Menschen wollten, nie akzeptiert. Auch wenn sie ihn los und unter sich sein wollten, Gott hat um die Verbindung mit uns gek\u00e4mpft und dabei immer wieder neu angesetzt: Nach der Sintflut zum Beispiel. Sie kennen die sch\u00f6ne Geschichte mit dem Regenbogen, der nach dem Opfer des Noah als Zeichen eines neuen Anfangs und Bundes aufleuchtet. Sp\u00e4ter dann ist es die Aufforderung an Abraham, aus seinem Vaterland zu gehen, in ein anderes Land. Das ist dann der Anfang des Gottesvolkes in Israel. Dieser Anfang war bald wieder verbraucht. Schon die Enkel Abrahams zogen nach \u00c4gypten. Dort blieben sie 600 Jahre. Am Ende hatten sie ihren Gott fast vergessen. Aber Gott hatte sie nicht vergessen. Er berief Mose. Mit ihm schlie\u00dft er am Sinai wieder einen neuen Bund. Aber dann kam es trotz des Protestes der Propheten wieder zum Abfall und in dessen Folge zur Verbannung ins Exil nach Babylon. Auch das war nicht das Ende. Gott holte das Volk Israel aus dem Exil in die Heimat zur\u00fcck. Er lie\u00df es wieder in Israel leben &#8211; um schlie\u00dflich in Jesus Christus dem Volk Israel und dar\u00fcber hinaus allen V\u00f6lkern der Erde ein neues Angebot zu machen. Dieses Angebot erreicht schlie\u00dflich Europa. Es wird den Kontinent ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Hinter allen diesen Neuaufbr\u00fcchen steht die Treue Gottes &#8211; oder anders: der lange Atem Gottes. Es ist sehr tr\u00f6stlich, das aus der Heilsgeschichte zu sehen. Wir Menschen sind kurzsichtige Wesen. Aus der Bibel k\u00f6nnen wir die gro\u00dfen, \u00fcbergreifenden Perspektiven Gottes erkennen. Wenn wir uns in sie hineinziehen lassen, werden wir viele Sorgen um die Zukunft der Religion und des Glaubens beiseite legen k\u00f6nnen. Denn die gro\u00dfe Botschaft auch dieser Geschichte ist: Gott gibt nicht auf. Gott hat auch Europa nie aufgegeben.<\/p>\n<p>III. Heute wissen wir: Europa ist durch die Verbindung seiner Kr\u00e4fte, wie sie zum Beispiel die griechisch-r\u00f6mische Antike entwickelt hat, mit dem Christentum gro\u00df geworden. In vielen Bereichen sind wir seit Jahrhunderten zun\u00e4chst allein, jetzt zusammen mit Nordamerika, Weltspitze. Das h\u00e4ngt zutiefst mit dem christlichen Glauben zusammen. Aber dieser Glaube ist keine Erfindung Europas. Europa hat das Christentum weder erfunden noch entwickelt. Die christliche Botschaft kam von au\u00dfen. Sie ist wie ein Licht zu uns gekommen, das Gott selbst angez\u00fcndet hat: &#8222;Das ewig Licht geht da herein, gibt Europa einen neuen Schein&#8220;.<\/p>\n<p>Dieses Kommen von au\u00dfen wird durch den Traum, den Paulus in der Nacht gehabt hat, unterstrichen. Tr\u00e4ume und Engel sind h\u00e4ufig Mittel Gottes, um seinen Willen bekannt zu machen. Dieser Befehl Gottes wird auf der anderen, menschlichen Seite unterstrichen durch die Bitte des Europ\u00e4ers &#8222;Komm her\u00fcber &#8230; und hilf uns!&#8220;. Da\u00df die Botschaft von Jesus Christus zu uns gekommen ist, ist darum ein Grund zu gro\u00dfer Dankbarkeit gegen Gott.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kennen wir die nicht selten ge\u00e4u\u00dferte Meinung: Ja, das war damals. Nichts gegen die historische Wahrheit, Europa verdankt dem Christentum tats\u00e4chlich sehr viel. Aber heute hat sich Europa emanzipiert. Es ist aus diesen christlichen Anf\u00e4ngen herausgewachsen. Es geht seinen Weg allein weiter. Gott &#8211; brauchen wir den wirklich noch?<\/p>\n<p>Unsere Antwort aus dem Glauben heraus kann doch nur sein: Es sieht manchmal tats\u00e4chlich so aus, als ob Europa Gott weder will noch braucht. Wenn man allerdings an den Anfang in Mazedonien zur\u00fcckdenkt, sieht man, da\u00df es damals im Grunde nicht wesentlich anders war. Zu unserem gro\u00dfen Gl\u00fcck hat Gott danach nicht gefragt. Er hat die Missionare in Bewegung gesetzt. Er hat den Anfang gemacht. Und er wird schlie\u00dflich auch das Ende herauff\u00fchren, den Tag, an dem seine Liebe f\u00fcr alle sichtbar sein wird und siegt.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns aber hei\u00dft das: Achten wir nicht zu sehr auf das, was Menschen wollen oder nicht wollen. Achten wir vielmehr auf das, was Er will oder nicht will. Das gibt innere Freiheit, Gelassenheit, Geborgenheit, Zuversicht, Hoffnung; genau das, was wir als Kinder Gottes brauchen &#8211; und jeden Tag haben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Brandstr\u00f6m-Str. 21<br \/>\n55124 Mainz<br \/>\nTel.: 06131-690488<br \/>\nFax: 06131-686319<br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020203-1.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020203-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Sexagesimae, 3. 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