{"id":21589,"date":"2002-02-15T14:34:59","date_gmt":"2002-02-15T13:34:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21589"},"modified":"2025-04-15T17:25:27","modified_gmt":"2025-04-15T15:25:27","slug":"apostelgeschichte-16-6-8-9-15-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-16-6-8-9-15-2\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 16, (6-8) 9-15"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Sexagesimae, 3. Februar 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Apostelgeschichte 16, (6-8) 9-15, verfa\u00dft von Klaus Steinmetz<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde!Paulus hatte eine Erscheinung bei Nacht. War es ein Traum? Wir w\u00fcssten gern N\u00e4heres. Aber wie auch immer, Paulus und seinen Gef\u00e4hrten wird dadurch klar, wie es weitergehen soll und was sie zu tun haben. Bis dahin war gar nichts klar. Wir h\u00f6ren am Anfang ziemlich viele geographische Bezeichnungen, Namen von Gegenden in Kleinasien in der heutigen T\u00fcrkei. Und zweimal wird gesagt, in bestimmte Gebiete seien sie nicht gekommen, obwohl sie es eigentlich vorhatten. Es steht da eine merkw\u00fcrdige Formulierung: Der heilige Geist habe es nicht zugelassen. Auch hier w\u00fcrden wir gern wissen, woran ihnen das deutlich wurde, ob es \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde waren, Krankheit, fehlende Reisem\u00f6glichkeiten, Warnungen vor Gefahren. Irgendwelche Gr\u00fcnde muss es doch gegeben haben, wenn sie urspr\u00fcngliche Absichten \u00e4nderten. Aber dar\u00fcber erfahren wir nichts.<\/p>\n<p>Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es nicht ohne Ratlosigkeit und qu\u00e4lende \u00dcberlegungen abgegangen ist. Erst durch die Erscheinung bei Nacht kommt die Klarheit \u00fcber Richtung und Ziel ihres Weges. Erst im Nachhinein wird so auch f\u00fcr die verworrenen, abgebrochenen Wege so etwas wie der geheime Richtungssinn klar. Ich glaube, das gibt es manchmal im Leben: Da war zun\u00e4chst nur Widerstand, Verlust, Ausweglosigkeit. Daran haben wir uns aufgerieben. Und erst sp\u00e4ter haben wir gemerkt: Auch das, ja gerade das war F\u00fchrung, F\u00fcgung. Damit ist nicht behauptet, das m\u00fcsse immer so sein; aus allem was im Erleben, Erleiden schwer, ja sinnlos erscheint m\u00fcsse sich im Nachhinein dann doch Sinn ergeben. Und trotzdem w\u00fcnsche ich uns allen die gute Erfahrung, dass sich auch \u00fcber verworrene, abgebrochene Wege unseres Lebens das Licht legt: es war F\u00fchrung, es war in einem letzten Sinn gut so. Nun handelt es sich aber bei Paulus und seinen Gef\u00e4hrten nicht nur um eine F\u00fchrung auf ihrem pers\u00f6nlichen Lebensweg, sondern zugleich &#8211; deswegen erz\u00e4hlt Lukas es &#8211; um eine wichtige Weichenstellung auf dem Weg des Christentums zu den V\u00f6lkern: Das Evangelium von Jesus Christus kommt nach Mazedonien und damit nach Europa.<\/p>\n<p>Europa &#8211; das Wort kommt zwar hier und auch sonst im Neuen Testament nicht vor. Aber in dem geschichtlichen Zusammenhang, in dem wir stehen, k\u00f6nnen wir es doch gar nicht anders sehen, als dass hier vom Anfang des Christentums in Europa berichtet wird. F\u00fcr uns stehen beim Stichwort &#8222;Europa&#8220; zwar in der Regel andere Dinge im Vordergrund, zur Zeit gerade der Euro. Wer k\u00f6nnte bestreiten, dass das eine \u00e4u\u00dferst wichtige Angelegenheit ist. Gleichzeitig wissen oder ahnen wir: Geld kann doch nicht alles sein, wenn es um Europa geht. Die Apostelgeschichte erinnert hier an eine andere Dimension, ohne die Europa nicht zu denken ist: das Christentum. Europa und das Christentum &#8211; das ist eine Geschichte mit gro\u00dfartigen H\u00f6hen, aber auch abgr\u00fcndigen Tiefen. Europa und das Christentum &#8211; das geh\u00f6rt untrennbar zusammen, jedenfalls bis heute. Allerdings, wenn wir hier an die Anf\u00e4nge des christlichen Glaubens in Europa erinnert werden, dann dr\u00e4ngt sich wie von selbst die Frage auf: Wie wird es in Zukunft sein?<\/p>\n<p>Stehen wir heute m\u00f6glicherweise am Ende des Christentums in Europa? Wir h\u00f6ren so viel vom R\u00fcckgang der pr\u00e4genden Kraft des christlichen Glaubens im pers\u00f6nlichen und \u00f6ffentlichen Leben, vom Abnehmen der Kirchenmitgliederzahl, der Beteiligung am kirchlichen Leben und so weiter. . . Jener Mann in der n\u00e4chtlichen Erscheinung rief: Komm her\u00fcber und hilf uns! Er erwartete Hilfe. Wir, denen der christliche Glaube &#8211; davon gehe ich einmal aus &#8211; etwas bedeutet, verstehen diesen Mann intuitiv. Wir w\u00fcrden auch sagen, dass der Glaube hilfreich ist, auch wenn wir sicher etwas \u00fcberlegen m\u00fcssten, worin denn diese Hilfe besteht. Aber f\u00fcr viele andere, durchaus sch\u00e4tzenswerte Zeitgenossen, die wir kennen &#8211; bedeutet Glaube, Kirche ihnen etwas Hilfreiches, wonach sie fragen?<\/p>\n<p>Andererseits: Wenn heute nach Orientierung, Werten, Sinn f\u00fcr das Leben in der allgemeinen Beliebigkeit und Aufl\u00f6sung \u00fcberkommener Normen gerufen wird, dann richten sich viele Erwartungen auch und gerade an die Christen, die Kirchen. Da fragt man sich manchmal ganz erstaunt: Woher kommt diese Erwartung? Haben wir \u00fcberhaupt die Kraft, dem gerecht zu werden? Oder besser: Wird sie uns geschenkt? Schnelle Antworten auf diese Fragen oder gar Patentrezepte hat niemand, das h\u00e4tte sich doch wohl inzwischen herumgesprochen. Betrachtet man nach solchen \u00dcberlegungen noch einmal den Bericht in der Apostelgeschichte, dann kann einem auffallen, wie klein und unscheinbar damals alles angefangen hat. Zwar haben die M\u00e4nner um Paulus Klarheit f\u00fcr ihre Pl\u00e4ne gewonnen. Aber was man nach der Traumerscheinung h\u00e4tte vermuten k\u00f6nnen, geschieht nicht. Beim Einlaufen in den Hafen steht am Ufer keine Menge wartend bereit, am Stadttor ist niemand, der sie begr\u00fc\u00dft. Nach ihrer Ankunft in der Stadt Philippi passiert erstmal &#8211; gar nichts. Es hei\u00dft also Abwarten, Sehen, ob und wo sich vielleicht etwas machen l\u00e4sst. So sind sie dann wohl darauf gesto\u00dfen, dass am Fluss ein Treffpunkt einer kleinen j\u00fcdischen Gruppe ist; eine richtige Synagoge scheint es nicht gegeben zu haben. Und als sie am Sabbat hinkommen, wen treffen sie dort an? Nur (bitte dieses &#8222;nur&#8220; jetzt nicht missverstehen&#8216;), nur Frauen. Sie beginnen mit ihnen zu reden. Die Frauen waren zum Beten gekommen, eine gewisse religi\u00f6se Aufgeschlossenheit war also zu vermuten. Trotzdem stelle ich mir die ganze Situation bei diesem Zusammentreffen ziemlich offen und eher allt\u00e4glich vor. Da konnte man nicht sofort anfangen zu predigen, zu verk\u00fcndigen, wie das im Rahmen eines nach fester Ordnung ablaufenden Gottesdienstes selbstverst\u00e4ndlich ist. Es war wohl eher wie bei einem Besuch, wo es heute auch f\u00fcr einen Pastor sich nicht einfach von selbst ergibt, religi\u00f6s oder gar fromm zu reden. &#8222;Von Gott war nur am Rande die Rede&#8220;, hat ein Pastor einmal seine dies bez\u00fcglichen Erfahrungen \u00fcberschrieben. Da muss man meist sehr aufmerksam ersp\u00fcren, ob und was man von Gott reden kann, jedenfalls wenn es hilfreich sein soll. Paulus ist das offensichtlich gelungen. Aber damals wie heute gilt: Das Gelingen liegt nicht einfach in der Hand dessen, der redet. Da hat noch ein anderer seine Hand mit im Spiel. &#8222;Lydia tat der Herr das Herz auf&#8220;, h\u00f6ren wir.<\/p>\n<p>Ohne Umschweife wird dann erz\u00e4hlt &#8211; auch hier m\u00f6chten wir gern die n\u00e4heren Umst\u00e4nde erfahren &#8211; dass sie getauft wird. Und sofort erweist sie, die t\u00fcchtige Gesch\u00e4ftsfrau, sich als resolute Christin, die wei\u00df, was richtig ist und es auch sagt: Wenn ihr mich als Gl\u00e4ubige, als Schwester in Christus anerkennt, dann k\u00f6nnt ihr mir nicht abschlagen, G\u00e4ste in meinem Haus zu sein. Sie n\u00f6tigte sie mit sanftem Druck.<\/p>\n<p>Glauben schafft Verbundenheit. Und gerade die Form der Hausgemeinschaft, um einen Tisch herum, erweist sich immer wieder als konstitutiv. &#8222;Neu anfangen&#8220; hei\u00dft eine Werbe- und Einladungsaktion, die in den letzten Jahren in mehreren St\u00e4dten und Regionen Deutschlands durchgef\u00fchrt worden ist. \u00dcber Telefon wird eingeladen zu kleinen Gruppen, Treffpunkten in Privath\u00e4usern, um miteinander zu reden, Fragen zu ersp\u00fcren und so den Glauben ins Gespr\u00e4ch zu bringen.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass Gott auch mit unseren gro\u00dfen Kirchen etwas vorhat und machen kann. Dabei denke ich in erster Linie an die Gemeinschaft und die Institution unserer Kirche, aber durchaus auch an die Kirchengeb\u00e4ude. Aber die Geschichte von Philippi kann uns darauf aufmerksam machen, dass er dies m\u00f6glicherweise auch auf unvermuteten, unscheinbaren Wegen tut, mit denen wir nicht gerechnet h\u00e4tten: etwa in der offenen Situation eines normalen Gespr\u00e4ches, wenn Menschen zusammen sind in einem Haus und Zimmer &#8211; und pl\u00f6tzlich ist er mitten unter ihnen. Er wird schon daf\u00fcr sorgen, dass dabei Frucht entsteht. Denn wenn er sein Wort ausstreut, ist das nie umsonst.<br \/>\nAmen<\/p>\n<p><b>Klaus Steinmetz, Sup. i. R.<br \/>\nHainholzweg 8, 37085 G\u00f6ttingen<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020203-3.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020203-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Sexagesimae, 3. Februar 2002 Predigt \u00fcber Apostelgeschichte 16, (6-8) 9-15, verfa\u00dft von Klaus Steinmetz Liebe Gemeinde!Paulus hatte eine Erscheinung bei Nacht. War es ein Traum? Wir w\u00fcssten gern N\u00e4heres. 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