{"id":21593,"date":"2002-02-15T14:37:25","date_gmt":"2002-02-15T13:37:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21593"},"modified":"2025-04-15T17:24:22","modified_gmt":"2025-04-15T15:24:22","slug":"jesaja-58-1-9a-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-58-1-9a-4\/","title":{"rendered":"Jesaja 58, 1-9a"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Estomihi<\/span><span style=\"color: #000099;\">, 10. Februar 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Jesaja 58, 1-9a, verfa\u00dft von Karsten Matthis<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>was f\u00fcr ein spannungsgeladener Text: Neben gro\u00dfartigen Bildern der Hoffnung richtet der Prophet Jesaja heftige Worte der Kritik an sein Volk. Strafpredigt und Heilszusage verhalten sich nicht diese wie Feuer und Wasser zueinander? Wie hart prallen einerseits die Forderung nach radikaler Umkehr und andererseits die Worte des Heils aufeinander. Am Ende des Textes stehen wunderbare Bilder des Heils und der Rettung.<\/p>\n<p>Wenden wir uns zun\u00e4chst der Strafpredigt des Propheten zu: Der Herr befiehlt Jesaja, wie eine Posaune seine Stimme ert\u00f6nen zu lassen. Wie ein Alarmhorn soll der Prophet sein Volk aus dem Schlaf der falschen Sicherheit wecken. So deckt er doppelz\u00fcngige Reden und heuchlerisches Verhalten auf. Schonungslos legt Jesaja seinen Finger in die Wunde.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferlich war alles in Ordnung unter den Israeliten: Der fromme Schein blieb gewahrt. Es lie\u00dfe sich ja viel Lobenswertes \u00fcber die Gemeinde sagen, denn die Gottesdienste wurden rege besucht und die Fastenzeit eingehalten. Doch wie steht es um die Ernsthaftigkeit des Glaubens? Es wird nur gefastet, um Eindruck bei Gott zu schinden. Jenes Fasten ist nicht echt, es ist zu einem blo\u00dfem Ritual verkommen. Rechtes Fasten h\u00e4tte einen Bezug zum Alltag und w\u00fcrde zu einem wahrhaftigen Sinneswandel f\u00fchren. Aber alles andere geschieht: Die Fastenzeit wird genutzt, um noch intensiver zu streiten, weiterhin andere auszubeuten und zu drangsalieren. Das Volk gibt vor, Gott zu suchen, wie heuchlerisch ist dies in den Augen Jesajas. Nicht Gott hat sich von seinem Volk abgewendet, sondern das Volk war es selbst, welches Gott beiseite geschoben hat.<\/p>\n<p>&#8222;Gehorsam ist besser als Opfer.&#8220; (1. Sam. 15,22) hei\u00dft es im Samuelisbuch. Eine treffende Interpretation f\u00fcr das, was Gott den Propheten sagen l\u00e4sst. Der Herr will einen lebendigen Glauben der t\u00e4tigen N\u00e4chstenliebe. Wirkliches, echtes Fasten zeigt sich im Verh\u00e4ltnis zu den Mitmenschen. Weder im staatlichen Bereich noch im Privatleben ist der &#8222;N\u00e4chste&#8220; im Blick: Der Sklave st\u00f6hnt \u00fcber seine Arbeitslast und dem Israeliten, der unverschuldet in Not geraten ist, wird das Letzte abgepresst. Der Gefangene wird unter unmenschlichen Bedingungen in Haft gehalten. Ihnen allen wird Gerechtigkeit und Barmherzigkeit vorenthalten. Rechtes Fasten w\u00fcrde sich im Verzicht und barmherzigem Teilen zeigen: Brich mit den Hungrigen dein Brot, kleide den Bed\u00fcrftigen und beherberge den Obdachlosen!<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, Jesus hat die Worte des Propheten Jesaja in seiner Rede vom Weltgericht (Mt. 25) aufgenommen, um nachdr\u00fccklich das Gebot der uneingeschr\u00e4nkten N\u00e4chstenliebe einzufordern. In der t\u00e4tigen N\u00e4chstenliebe zeigt sich der Ernst der Nachfolge, die Ernsthaftigkeit des Glaubens. Der christliche Glaube misst sich auch daran, ob er den Mitmenschen im Blick hat und ihm zugewandt bleibt.<\/p>\n<p>Bis zum Tod am Kreuz blieb Jesus Christus den Menschen uneingeschr\u00e4nkt zugewandt. Er hat durch seinen Kreuzestod die Vers\u00f6hnung mit Gott und unsere Erl\u00f6sung gestiftet. Dass wir das Licht des Herrn hervorbrechen haben sehen wie die Morgenr\u00f6te, verdanken wir allein Christus. &#8222;Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entst\u00fcnde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi (2. Kor. 4,6)&#8220;.<\/p>\n<p>Durch diesen hellen Schein k\u00f6nnen wir heil und frei werden. Heilsein in einer zerrissenen Welt, an welcher viele von uns irre werden k\u00f6nnten. Was menschliche Boshaftigkeit und Hass, Fanatismus und Aggression, Neid und Habgier tagt\u00e4glich produzieren, ist so augenf\u00e4llig, dass es keines Beispiels bedarf.<\/p>\n<p>&#8222;Die H\u00f6lle, das sind die anderen&#8220; hei\u00dft es bei Jean-Paul Sartres Einakter &#8222;Geschlossene Gesellschaft.&#8220; Die Quintessenz des St\u00fcckes lautet: Die H\u00f6lle ist \u00fcberfl\u00fcssig, weil die Welt eine H\u00f6lle ist. Nach \u00dcberzeugung Satres besitzen Menschen die F\u00e4higkeit, den Mitmenschen das Leben zur H\u00f6lle zu machen. Sartre war \u00e4u\u00dferst pessimistisch, dass es gelingen k\u00f6nnte, ein friedliches menschliches Zusammenleben zu erreichen, weil der menschliche Drang nach Selbstverwirklichung zu stark sei.<\/p>\n<p>Christlicher Glaube schlie\u00dft sich dieser Sicht menschlicher Existenz nicht an, obwohl dieser um das B\u00f6se im Menschen und den Hang zur Selbstzerst\u00f6rung wei\u00df. Nach christlichem Verst\u00e4ndnis bleibt der Mensch nicht auf sich geworfen und steht nicht allein dar. Nicht hoffnungslos ist er auf sich selbst gestellt und seiner eigenen totalen Verantwortung ausgeliefert. Nein, einem hoffnungslosen Pessimismus redet der christlicher Glaube nicht das Wort, denn eine Vorahnung vom Reich Gottes kann in der christlichen Gemeinschaft erahnbar werden.<\/p>\n<p>Ein Bruchst\u00fcck von wahrer Liebe, Mitmenschlichkeit und Gemeinsinn unter Menschen ist in der Gemeinschaft Jesu Christi erfahrbar. Christen haben die feste Hoffnung auf Erl\u00f6sung und Auferstehung. Aufgrund dieser gro\u00dfartigen Verhei\u00dfung treten Christen f\u00fcr eine gerechtere Welt ein und sorgen sich um das Schicksal ihres N\u00e4chsten. Weil der Tod von Christus \u00fcberwunden wurde und das Reich Gottes mit ihm angebrochen ist, werden wir zum Dienst am N\u00e4chsten ermutigt . Nicht resigniertes Schulterzucken ist angesagt, sondern aktives Engagement f\u00fcr den N\u00e4chsten. Es ist gut, dass die Kirchen immer an das Menschengerechte in der Welt erinnern. Professionelles, diakonisches Handeln geschieht tagt\u00e4glich in vielen kirchlichen Einrichtungen. Hilfe zur Selbsthilfe wird in 3. Welt-Arbeit von vielen kirchlichen Tr\u00e4gern und ihren Mitarbeitern mit gro\u00dfem Einsatz geleistet. In den Kirchengemeinden geschieht diese Zuwendung zum N\u00e4chsten auf vielf\u00e4ltige Weise in kleinen Schritten, verborgen und unscheinbar.<\/p>\n<p>Und dennoch &#8211; trotz aller unserer Anstrengungen, k\u00f6nnen wir uns nicht selbst erl\u00f6sen. Gott l\u00e4sst sich nicht n\u00f6tigen, und wir k\u00f6nnen uns nicht mit sozialem Engagement seine Zuneigung erkaufen. Vielmehr bleibt unser Handeln nur St\u00fcckwerk und eine umfassend bessere und gerechtere Welt wird uns trotz aller Kraftanstrengungen nicht gelingen. Es liegt in seiner Hand, wann er sein Reich herbeif\u00fchrt und die Welt erl\u00f6st. Jesaja hat sein Volk und uns anno 2002 erneut in das &#8222;Bilderbuch der Verhei\u00dfung&#8220; schauen lassen. In der Dunkelheit der Welt und des Lebens sind die Verhei\u00dfungen Gottes wie das Licht der Morgenr\u00f6te. Auf Gottes gro\u00dfe G\u00fcte und Barmherzigkeit d\u00fcrfen wir vertrauen! Amen.<\/p>\n<p><b>Karsten Matthis, Dipl. Theol.<br \/>\nHochheimer Weg 11a<br \/>\n53343 Wachtberg<br \/>\n<a href=\"mailto:karsten.matthis@t-online.de\">karsten.matthis@t-online.de<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>Literatur<\/b>:<br \/>\nGerd Schmoll : Estomihi, Jesaja 58, 1-9 a, Deutsches Pfarrerblatt, Heft 1\/2002<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020210-2.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020210-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Estomihi, 10. Februar 2002 Predigt \u00fcber Jesaja 58, 1-9a, verfa\u00dft von Karsten Matthis Liebe Gemeinde, was f\u00fcr ein spannungsgeladener Text: Neben gro\u00dfartigen Bildern der Hoffnung richtet der Prophet Jesaja heftige Worte der Kritik an sein Volk. Strafpredigt und Heilszusage verhalten sich nicht diese wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,2,727,157,853,114,674,155,1589,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21593","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jesaja","category-at","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-estomihi","category-kapitel-58-chapter-58-jesaja","category-karsten-matthis","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21593"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21594,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21593\/revisions\/21594"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21593"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21593"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21593"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21593"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}