{"id":21608,"date":"2002-02-15T14:46:47","date_gmt":"2002-02-15T13:46:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21608"},"modified":"2025-04-16T15:30:54","modified_gmt":"2025-04-16T13:30:54","slug":"synoden-eroeffnungsgottesdienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/synoden-eroeffnungsgottesdienst\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 11,8\u201310"},"content":{"rendered":"<p class=\"p4\">Synoden-Er\u00f6ffnungsgottesdienst Marktkirche | 20. Februar 2002 | Hebr\u00e4er 11,8\u201310 | <span class=\"s1\">L<\/span>ANDESBISCH\u00d6FIN <span class=\"s1\">D<\/span>R<span class=\"s1\">. M<\/span>ARGOT <span class=\"s1\">K<\/span>\u00c4\u00dfMANN |<\/p>\n<p class=\"p3\">Sperrfrist: 20.02.2002 \u2013 10.30 Uhr<\/p>\n<p class=\"p3\">Es gilt das gesprochene Wort.<\/p>\n<p class=\"p1\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p class=\"p1\">wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erz\u00e4hlen \u2013 dieses Sprichwort hat sich<\/p>\n<p class=\"p1\">f\u00fcr die meisten Menschen bewahrheitet. Viele Reisegeschichten sind zu h\u00f6ren:<\/p>\n<p class=\"p1\">Wei\u00dft du noch, als in Sizilien der Koffer weg war! Erinnerst du dich an die Besichti-<\/p>\n<p class=\"p1\">gung von Notre Dame. Damals beim Urlaub in Spanien&#8230; Ja, es gibt so viel zu erz\u00e4h-<\/p>\n<p class=\"p1\">len, dass manches Mal Freunde und Verwandte schon etwas verzagen und die Ein-<\/p>\n<p class=\"p1\">ladung zum Dia-Abend h\u00f6flich absagen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Um eine Reise geht es auch im Predigttext f\u00fcr den kommenden Sonntag. Das ist ja<\/p>\n<p class=\"p1\">f\u00fcr die Predigerin die Qual der Wahl bei so einem Synodengottesdienst: Losung,<\/p>\n<p class=\"p1\">Lehrtext, Wochenspruch, Monatsspruch? Warum nicht diesen Predigttext &#8211; da k\u00f6n-<\/p>\n<p class=\"p1\">nen wir uns alle schon ein wenig vorbereiten auf den Fastensonntag Reminiscere:<\/p>\n<p class=\"p1\">Gedenke. H\u00f6ren wir also aus dem Brief an die Hebr\u00e4er Kapitel 11, die Verse 8-10:<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\"><b>ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht,<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\"><b>wo er hink\u00e4me.<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verhei\u00dfenen<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob,<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\"><b>den Miterben derselben Verhei\u00dfung.<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Bau-<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\"><b>meister und Sch\u00f6pfer Gott ist.<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\">Gott hilf uns, dein Wort zu h\u00f6ren und zu verstehen. Amen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Drei Dinge braucht der Mann, wenn er eine Reise tut \u2013 ebenso \u00fcbrigens auch die<\/p>\n<p class=\"p1\">Frau. Nein, nicht Feuer, Pfeife, Stanwell (Sie erinnern sich?), sondern Ausgangs&#8211; 2 &#8211;<\/p>\n<p class=\"p1\">punkt, Streckenf\u00fchrung und Ziel. Lassen sie uns den Predigttext von Abrahams Le-<\/p>\n<p class=\"p1\">bensreise an diesen Eckdaten verfolgen.<\/p>\n<p class=\"p5\"><span class=\"s3\"><b>1. D<\/b><\/span><b>ER <\/b><span class=\"s3\"><b>A<\/b><\/span><b>USGANGSPUNKT ODER <\/b><span class=\"s3\"><b>: V<\/b><\/span><b>OM <\/b><span class=\"s3\"><b>A<\/b><\/span><b>UFBRECHEN<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\">Wissen Sie, was eine Coverversion ist? Das ist ein vorhandenes Musikst\u00fcck, das<\/p>\n<p class=\"p1\">neu interpretiert wird. Dabei geht es um Songs, die schon Ohrw\u00fcrmer sind, wir haben<\/p>\n<p class=\"p1\">sie sozusagen im Ohr. Dazu kommt dann meist ein neuer Interpret oder Interpretin<\/p>\n<p class=\"p1\">und neuer Rhythmus, neue Instrumente. Viele Coverversionen sind derzeit auf dem<\/p>\n<p class=\"p1\">Markt. Denken wir allein an Robbie Williams, der mit Songs von Frank Sinatra Be-<\/p>\n<p class=\"p1\">geisterungsst\u00fcrme ausl\u00f6st. Ja es gibt sogar Songs wie \u201eFrom Sarah with Love\u201c \u2013 uns<\/p>\n<p class=\"p1\">Niedersachsen nat\u00fcrlich besonders nahe von wegen Delmenhorst &#8211; die erst kurz auf<\/p>\n<p class=\"p1\">dem Markt sind und durch die Originalinterpretin selbst eine Coverversion erfahren.<\/p>\n<p class=\"p1\">Es geht wohl vor allem darum, den Song so lange wie m\u00f6glich in den Charts zu hal-<\/p>\n<p class=\"p1\">ten oder neu in die Charts zu bringen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Das Prinzip scheint mir Folgendes zu sein: da ist eine Grundmelodie, die wir<\/p>\n<p class=\"p1\">kennen, die Vertrautes anklingen l\u00e4sst. Sie wird neu angesprochen, wir h\u00f6ren sie<\/p>\n<p class=\"p1\">gern wieder, und sie vertieft sich in der Wahrnehmung. Dieses Prinzip gilt auch f\u00fcr<\/p>\n<p class=\"p1\">das Christentum: Wir erz\u00e4hlen die alten Geschichten in jedem Jahrhundert neu, in<\/p>\n<p class=\"p1\">jedem Kontext wieder. Dadurch entsteht eine Vielzahl von Cover-Versionen, die aber<\/p>\n<p class=\"p1\">alle den Urtext anklingen lassen. Beispielsweise tut das schon der Hebr\u00e4erbrief. Er<\/p>\n<p class=\"p1\">greift immer wieder auf Texte des Alten Testamentes, auf bekannte Geschichten zu-<\/p>\n<p class=\"p1\">r\u00fcck und interpretiert sie neu. So sagt er der Gemeinde: schaut auf die Urspr\u00fcnge,<\/p>\n<p class=\"p1\">und ihr findet Anregung f\u00fcr eure Situation heute, f\u00fcr euren oft so m\u00fcde gewordenen<\/p>\n<p class=\"p1\">Glauben \u2013 ja, das gab\u2018s auch schon damals.<\/p>\n<p class=\"p1\">Und das gilt wohl auch f\u00fcr uns: von den Quellen, von der biblischen \u00dcberliefe-<\/p>\n<p class=\"p1\">rung her, wird sich die Kirche, wird sich unser Glaube erneuern. Wo immer wir auf-<\/p>\n<p class=\"p1\">brechen, reformieren, werden wir das von den biblischen Urspr\u00fcngen her tun, die wir<\/p>\n<p class=\"p1\">neu wahrnehmen, an denen wir Neues entdecken. Das <i>sola scriptura<\/i> \u2013 allein die<\/p>\n<p class=\"p1\">Schrift \u2013 der Reformatoren bew\u00e4hrt sich so immer wieder. Ein neues Schriftver-<\/p>\n<p class=\"p1\">st\u00e4ndnis des R\u00f6merbriefes stand schlie\u00dflich an der Wiege der Reformation!<\/p>\n<p class=\"p1\">Kommen wir damit zu- 3 &#8211;<\/p>\n<p class=\"p5\"><span class=\"s3\"><b>2. D<\/b><\/span><b>ER <\/b><span class=\"s3\"><b>W<\/b><\/span><b>EG ODER <\/b><span class=\"s3\"><b>: <\/b><\/span><b>DIE <\/b><span class=\"s3\"><b>S<\/b><\/span><b>TRECKENF\u00dcHRUNG<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\">Aus Glauben zog Abraham los. K\u00f6nnen wir uns das heute vorstellen? Oder sagen<\/p>\n<p class=\"p1\">wir: verantwortungslos, so im Alter noch einmal loszuziehen ins Ungewisse. Versp\u00e4-<\/p>\n<p class=\"p1\">tete Midlife Crisis, oder was? Ortswechsel aus Glauben? Das gab\u2018s vielleicht vor fast<\/p>\n<p class=\"p1\">hundert Jahren, als die Marienschwestern in Hamburg sich aufmachten ohne konkre-<\/p>\n<p class=\"p1\">tes Ziel, in Rotenburg landeten und dort ein gro\u00dfes diakonisches Werk aufbauten.<\/p>\n<p class=\"p1\">Aber heute?<\/p>\n<p class=\"p1\">Mobilit\u00e4t ist ja geradezu ein Kennzeichen unserer Gesellschaft. Aber doch<\/p>\n<p class=\"p1\">nicht aus Glauben. Oder gar Gehorsam! Mobilit\u00e4t kann heute vielmehr geradezu zum<\/p>\n<p class=\"p1\">Faktor von Verantwortungslosigkeit werden. Da werden Bindungen leichtfertig auf-<\/p>\n<p class=\"p1\">gegeben. Da soll alles grenzenlos sein. Freiheit ist die Freiheit, jederzeit tun und las-<\/p>\n<p class=\"p1\">sen zu k\u00f6nnen, was ich will, ohne R\u00fccksicht auf Verluste. Gehen, wohin ich will und<\/p>\n<p class=\"p1\">wann immer es mir passt. Wenn wir uns heute als Kirche auf den Weg machen, sind<\/p>\n<p class=\"p1\">wir dann vielleicht so etwas wie Auswanderer aus Glauben? Fremde wie Abraham<\/p>\n<p class=\"p1\">aus Glauben, und zwar Fremde in unserer ach so s\u00e4kularen Gesellschaft! Fremd,<\/p>\n<p class=\"p1\">weil wir versuchen, an etwas festzuhalten, was gegenl\u00e4ufig ist zum Trend. An be-<\/p>\n<p class=\"p1\">stimmten Werten, an Mitmenschlichkeit, Solidarit\u00e4t und am Glauben an Jesus Chris-<\/p>\n<p class=\"p1\">tus? Fremd-Sein, dass hat einen bitteren Beigeschmack, da brauchen wir wohl nur<\/p>\n<p class=\"p1\">einen Fl\u00fcchtling in unserem Land zu fragen.<\/p>\n<p class=\"p1\">In unserer Gesellschaft heute scheint es f\u00fcr manche tats\u00e4chlich ein Wagnis,<\/p>\n<p class=\"p1\">sich zum christlichen Glauben zu bekennen. Unsere Kirche, unsere Gemeinschaft<\/p>\n<p class=\"p1\">kann eine gegenseitige Ermutigung sein auf dem Weg, dies glaubw\u00fcrdig, \u00fcberzeu-<\/p>\n<p class=\"p1\">gend und f\u00fcr unsere Zeit und Gesellschaft relevant zu tun.<\/p>\n<p class=\"p1\">Brechen wir auf um des Glaubens willen? Oder versuchen wir nicht viel zu oft,<\/p>\n<p class=\"p1\">unsere Nicht-Aufbr\u00fcche, unser Beharrungsverm\u00f6gen mit Glauben zu rechtfertigen?<\/p>\n<p class=\"p1\">Ein sch\u00f6nes Beispiel etwa ist in j\u00fcngster Zeit das Musical GODSPELL und die Aus-<\/p>\n<p class=\"p1\">einandersetzungen darum. Die einen schimpfen, es sei Gottesl\u00e4sterung, die anderen<\/p>\n<p class=\"p1\">sagen, es sei viel zu fromm, dritte vermissen ein angemessenes Niveau. Das gibt es<\/p>\n<p class=\"p1\">leider oft in der Kirche: statt sich zu freuen und zu sagen: \u201eNa prima, zwar nicht ganz- 4 &#8211;<\/p>\n<p class=\"p1\">mein Stil, und ich habe einige \u2013wahrscheinlich berechtigte! \u2013 Anfragen, aber gut,<\/p>\n<p class=\"p1\">dass es dies gibt\u201c, kommt gleich der kritische Hammer: Dies darf nicht sein, und das<\/p>\n<p class=\"p1\">geht nicht. Hei\u00dft das, besser hocken bleiben, kein Wagnis eingehen? Und dann gibt<\/p>\n<p class=\"p1\">es dort Grabenk\u00e4mpfe und hier die Beleidigten, und wir sind wieder wunderbar mit<\/p>\n<p class=\"p1\">uns selbst besch\u00e4ftigt. Nur nicht aufbrechen, sondern stehen bleiben, verteidigen,<\/p>\n<p class=\"p1\">was wir vermeintlich festhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Das allerdings ist wahr: ein Weg k\u00f6nnte ja auch in die falsche Richtung gehen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Wer aufbricht, wagt etwas. Und wer etwas wagt, k\u00f6nnte scheitern. Sind wir aus<\/p>\n<p class=\"p1\">Angst oft so festgefahren?<\/p>\n<p class=\"p1\">Als ich \u00fcber den Text nachdachte, waren wir mit dem Auto unterwegs. Es gab<\/p>\n<p class=\"p1\">einen Stau. Das Navigationssystem zeigte eine Umleitung an. Herr Bollmann aber<\/p>\n<p class=\"p1\">hatte im Kopf, dass es einen besseren Weg geben m\u00fcsste und wehrte sich stur, dem<\/p>\n<p class=\"p1\">System zu folgen. W\u00e4hrend die freundliche Computerdame immer wieder sagte:<\/p>\n<p class=\"p1\">\u201eWenn m\u00f6glich, bitte wenden\u201c, war der selbst gefundene Weg offensichtlich besser.<\/p>\n<p class=\"p1\">Na, dachte ich, das ist doch spannend!<\/p>\n<p class=\"p1\">Liebe Synode, glauben wir, wenn wir nur dem Schema, einem vermeintlich<\/p>\n<p class=\"p1\">vorgegebenen Weg folgen, dann kommen wir schon an? Oder m\u00fcssen wir nicht im-<\/p>\n<p class=\"p1\">mer wieder \u00fcberlegen, was denn der beste Weg w\u00e4re im Glauben, etwas austesten<\/p>\n<p class=\"p1\">mit unsrer Kirche und auch einmal wagen, in einer Sackgasse zu landen oder auf<\/p>\n<p class=\"p1\">einem Feldweg. Ich bin \u00fcberzeugt, wir werden immer neu um den Weg ringen m\u00fcs-<\/p>\n<p class=\"p1\">sen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Aber da gibt es noch eine Anmerkung: es braucht Weggef\u00e4hrtinnen und Weg-<\/p>\n<p class=\"p1\">gef\u00e4hrten. Viele Jahre war f\u00fcr mich ganz pers\u00f6nlich der \u00d6kumenische Rat der Kir-<\/p>\n<p class=\"p1\">chen eine Weggemeinschaft. In den letzten Tagen habe ich zwei langj\u00e4hrige Gef\u00e4hr-<\/p>\n<p class=\"p1\">ten verloren. Am 7. Februar starb Jan Kok aus Holland, seit 23 Jahren f\u00fcr die Publi-<\/p>\n<p class=\"p1\">kationen des \u00d6RK zust\u00e4ndig, und am 12.Feburar starb Marga B\u00fchrig, Schweizerin,<\/p>\n<p class=\"p1\">Jahrgang 1915, eine der Pionierfrauen in der \u00f6kumenischen Bewegung. Beide haben<\/p>\n<p class=\"p1\">mir pers\u00f6nlich viel bedeutet, und ich sp\u00fcre diesen Verlust auf dem Weg, den wir<\/p>\n<p class=\"p1\">doch miteinander immer wieder gesucht haben. Ja, den Weg k\u00f6nnen wir nicht allein<\/p>\n<p class=\"p1\">gehen, da braucht es andere an unserer Seite&#8230;- 5 &#8211;<\/p>\n<p class=\"p5\"><span class=\"s3\"><b>3. V<\/b><\/span><b>OM <\/b><span class=\"s3\"><b>ZIEL <\/b><\/span><b>ODER<\/b><span class=\"s3\"><b>: D<\/b><\/span><b>IE <\/b><span class=\"s3\"><b>S<\/b><\/span><b>TADT UNSERER <\/b><span class=\"s3\"><b>H<\/b><\/span><b>OFFNUNG<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\">Auf dem Weg sein hei\u00dft, ein Ziel vor Augen haben. Das Abraham verhei\u00dfene Land,<\/p>\n<p class=\"p1\">von dem im Hebr\u00e4erbrief die Rede ist, wird zur erwarteten Stadt. Diese erwartete<\/p>\n<p class=\"p1\">Stadt ist eine Cover-Version f\u00fcr viele eschatologische Hoffnungstexte der Bibel: ei-<\/p>\n<p class=\"p1\">nes Tages, wenn Gott unter uns wohnt! Ja, sie hei\u00dft Jerusalem als Symbol der Hoff-<\/p>\n<p class=\"p1\">nung auf die endg\u00fcltige Gemeinschaft mit Gott. Aber gerade Jerusalem! Wenn wir<\/p>\n<p class=\"p1\">die biblischen Bez\u00fcge, so manchen Psalmvers lesen, wird uns erst recht bewusst,<\/p>\n<p class=\"p1\">wie weit wir von dem Ziel der endg\u00fcltigen Gottesherrschaft entfernt sind, vom Frie-<\/p>\n<p class=\"p1\">densreich Gottes, in dem die V\u00f6lker vers\u00f6hnt miteinander leben werden. Jerusalem<\/p>\n<p class=\"p1\">ist heute Symbol f\u00fcr Terror und Gewalt, f\u00fcr Unterdr\u00fcckung und Aggression und Rat-<\/p>\n<p class=\"p1\">losigkeit, aber auch f\u00fcr den Unfrieden der drei gro\u00dfen Weltreligionen untereinander,<\/p>\n<p class=\"p1\">die sich auf Abraham beziehen. Kann es sein, dass Jerusalem heute geradezu ein<\/p>\n<p class=\"p1\">Symbol daf\u00fcr ist, dass wir die Hoffnung auf Gottes Zukunft verloren haben? Nicht nur<\/p>\n<p class=\"p1\">die Naherwartung, die Wiederkehr des Christus abgeschrieben, sondern auch jede<\/p>\n<p class=\"p1\">Fernerwartung? Hoffnungslos verloren im Gestr\u00fcpp der Auseinandersetzung mit un-<\/p>\n<p class=\"p1\">ser friedlosen Welt? Und deshalb die Parole: lieber festhalten, blo\u00df nicht aufbre-<\/p>\n<p class=\"p1\">chen?<\/p>\n<p class=\"p1\">Oder haben wir das Ziel nur noch formelhaft vor uns in Phrasen sozusagen,<\/p>\n<p class=\"p1\">aber nicht mehr im Herzen. Hand auf\u2018s Herz: was glaubst du, was glaube ich? Ver-<\/p>\n<p class=\"p1\">k\u00fcndigen wir den Tod des Herrn, \u201ebis er kommt\u201c, in dem festen Glauben, <i>dass<\/i> er<\/p>\n<p class=\"p1\">kommt? Glaube, so sagt der Hebr\u00e4erbrief im ersten Vers desselben Kapitels, \u201eist ei-<\/p>\n<p class=\"p1\">ne feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man<\/p>\n<p class=\"p1\">nicht sieht\u201c. Eine sch\u00f6ne Definition! Glaube lebt eben von der Hoffnung auf etwas,<\/p>\n<p class=\"p1\">was wir nicht in Formeln beweisen k\u00f6nnen. Vielleicht ist er gerade deshalb so provo-<\/p>\n<p class=\"p1\">zierend in einer Welt, die meint, alles analysieren und fassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p1\">In diesem Fall gilt nicht: \u201eDer Weg ist das Ziel\u201c. Nein, das Ziel, die biblischen<\/p>\n<p class=\"p1\">wie unsere eigenen Bilder von der Stadt Gottes beeinflussen unser Leben heute.<\/p>\n<p class=\"p1\">Das Ziel bestimmt unseren Weg! Weil Gott einst alle Tr\u00e4nen abwischen wird, deshalb<\/p>\n<p class=\"p1\">trocknen wir heute Tr\u00e4nen ab. Weil Gerechtigkeit und Frieden sich k\u00fcssen werden,- 6 &#8211;<\/p>\n<p class=\"p1\">ringen wir auf dem Weg in Gottes Zukunft um Gerechtigkeit und Frieden. Weil die da<\/p>\n<p class=\"p1\">Leid tragen getr\u00f6stet werden sollen, deshalb tr\u00f6sten wir. Auf Hoffnung, auf Gottes<\/p>\n<p class=\"p1\">Ziel hin.<\/p>\n<p class=\"p1\">Liebe Gemeinde, auch diese Synode begibt sich auf eine Reise. Eine sechs-<\/p>\n<p class=\"p1\">j\u00e4hrige zun\u00e4chst. Sie wird sich zuallererst ihres Grundes versichern m\u00fcssen, deshalb<\/p>\n<p class=\"p1\">beginnen wir die Tagung und auch jeden Tagungstag mit Gottesdienst oder Andacht.<\/p>\n<p class=\"p1\">Und wir feiern die Gemeinschaft, die uns geschenkt ist \u00fcber alle Differenzen hinweg:<\/p>\n<p class=\"p1\">die Gemeinschaft mit Gott und untereinander im Abendmahl. \u00dcber den Reiseweg<\/p>\n<p class=\"p1\">wissen wir noch nicht viel, aber einige H\u00fcrden und Klippen k\u00f6nnen wir uns vorstellen,<\/p>\n<p class=\"p1\">vielleicht auch Feldwege. Die Synode wird Gottes Beistand brauchen, um unserer<\/p>\n<p class=\"p1\">Kirche Wegmarkierungen vorzugeben. Und das Ziel? Das himmlische Jerusalem<\/p>\n<p class=\"p1\">werden wir wohl nicht erreicht haben in sechs Jahren, bzw. das liegt nicht in unserer<\/p>\n<p class=\"p1\">Entscheidung. Wenn aber eine Cover-Version unserer Kirche zu Beginn des 21.<\/p>\n<p class=\"p1\">Jahrhunderts entstanden ist, wenn die Hoffnung auf Gottes Zukunft Spuren im Hier<\/p>\n<p class=\"p1\">und Jetzt legt, dann w\u00e4re das Ziel gewiss erreicht. Machen wir uns also mutig auf die<\/p>\n<p class=\"p1\">Reise wie einst Abraham. Aus Glauben.<\/p>\n<p class=\"p1\">Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle menschliche Vernunft,<\/p>\n<p class=\"p1\">bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Landesbisch\u00f6fin Dr. Margot K\u00e4\u00dfmann<\/p>\n<p class=\"p1\">E-Mail: Landesbischoefin@evlka.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Synoden-Er\u00f6ffnungsgottesdienst Marktkirche | 20. Februar 2002 | Hebr\u00e4er 11,8\u201310 | LANDESBISCH\u00d6FIN DR. MARGOT K\u00c4\u00dfMANN | Sperrfrist: 20.02.2002 \u2013 10.30 Uhr Es gilt das gesprochene Wort. Liebe Gemeinde, wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erz\u00e4hlen \u2013 dieses Sprichwort hat sich f\u00fcr die meisten Menschen bewahrheitet. 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