{"id":21624,"date":"2002-03-15T14:54:55","date_gmt":"2002-03-15T13:54:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21624"},"modified":"2025-04-16T15:23:50","modified_gmt":"2025-04-16T13:23:50","slug":"hebraeer-13-12-14-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-13-12-14-4\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 13, 12-14"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Judika (5. Sonntag der Passionszeit)<\/span><span style=\"color: #000099;\">, 17. M\u00e4rz 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Hebr\u00e4er 13, 12-14, verfa\u00dft von Reinhard Weber<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020317-1.html#anm\">Anmerkungen zur Predigt <\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten drau\u00dfen vor dem Tor. So la\u00dft uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir.&#8220; (Hebr 13, 12-14)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wir befinden uns in der Passionszeit, und langsam n\u00e4hern wir uns ihrem H\u00f6hepunkt, dem Karfreitag, dem t\u00f6dlichen Ausgang des Jerusalemer Endgeschehens des Jesusexperimentes. Unser heutiger Predigttext weist auf dieses Geschick schon un\u00fcbersehbar hin. Er tut das im Rahmen von verschiedenartigen, locker aneinandergef\u00fcgten Ermahnungen und tr\u00f6stenden Aufforderungen des Briefschreibers an die christliche Gemeinde, welche er an den Schlu\u00df seines Schreibens gesetzt hat, das mit Kapital 13 endet. Diese Ermahnungen werden von ihm z.T. mit nachgelieferten kurzen Begr\u00fcndungen versehen. Eine solche haben wir auch in den drei Versen vor uns, um die es uns heute zu tun ist.<\/p>\n<p>Sie beziehen sich eigentlich auf die vorausstehende Anweisung (V. 9), sich nicht durch fremde, vielartige Lehren, welche in der Gemeinde auftauchen, verunsichern und im Glauben wankend machen zu lassen, sondern ein festes und unersch\u00fctterliches Herz zu behalten, welches allerdings weniger durch eigene Anstrengung ?also etwa durch die penible Einhaltung von bestimmten Speisevorschriften und kultischen Praktiken? als vielmehr allein durch die Gnade Gottes erlangt wird. Auf dieses von Gott selbst im Glauben an Christus fest und gewi\u00df gemachte Herz kommt es an. Man kann es nicht aus menschlichen Einrichtungen und Verhaltensweisen gewinnen.<\/p>\n<p>V. 9: &#8222;La\u00dft euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein k\u00f6stlich Ding, da\u00df das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die damit umgehen.&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcber das Stichwort Speisegebote kommt der Verf. dann assoziativ zum Thema Altar und Essen, womit speziell die Frage des christlichen Abendmahls anklingen d\u00fcrfte (V. 10), bei dem ja die Br\u00fccke zwischen Altar und Essen gegeben ist, denn dieses Mahl wird ja von dem Altar gegessen, der durch Jesus eigenpers\u00f6nlich gestiftet und symbolisiert ist, indem er seinen Tod als S\u00fchnopfer den Glaubenden zugut erlitten hat.<\/p>\n<p>Wir kennen das ja durch die Abendmahlsordnungen und -sitten der Kirche, in der wir Glieder sind. Und so wissen wir auch, da\u00df von diesem Altar, auf dem die Gaben von Brot und Wein als sakramentale Zeichen von Leib und Blut Jesu ihren Ort haben, zu essen und damit in den Bannkreis des Lebensopfers Jesu hineingenommen und der durch seine stellvertretende und genugtuende Lebenshingabe erwirkten Erl\u00f6sung teilhaftig zu werden, nur die an Christus Glaubenden das Recht haben, die Getauften (und Konfirmierten), nicht die Ungetauften, auch wenn diese Regel heutigentags in Vergessenheit der urchristlichen Praxis selbst von kirchlichen W\u00fcderntr\u00e4gern bisweilen mi\u00dfachtet wird.<\/p>\n<p>Und so hei\u00dft es denn auch in V. 10: &#8222;Wir haben einen Altar, von dem zu essen kein Recht haben, die der Stiftsh\u00fctte dienen&#8220;. Will hei\u00dfen, auch nicht die Juden, die der Stiftsh\u00fctte, also dem Heiligtum aus der Exoduszeit Israels dienen, welches in der Jesuszeit durch den Jerusalemer Tempel ersetzt ist. In ihm steht auch ein Altar, an dem geopfert und Gott das Blut der drau\u00dfen vor dem Heiligsten geschlachteten und daselbst verbrannten Tiere zur Ents\u00fcndigung des Volkes Israel dargebracht wird. Diesem Altar im j\u00fcdischen Tempel, den es ja z.Zt. des Hebr real gar nicht mehr gab, ist der christliche Altar gegen\u00fcbergestellt, mit dem jedoch ebenfalls nicht prim\u00e4r der reale Abendmahlstisch, sondern Jesus selbst als himmlischer Hohepriester, der das letztg\u00fcltige und singul\u00e4re Opfer mit seinem eigenen Blut vollzogen hat, gemeint ist, wie es dem ganzen Hebr entspricht.<\/p>\n<p>Dies alles f\u00fchrt schon weit \u00fcber den eigentlichen Anla\u00df des Exkurses hinaus und bringt eine eigenst\u00e4ndige Gedankenfolge zum Tragen, mehr noch das Folgende, in welchem der Schreiber diesen assoziativen Exkurs zum Anla\u00df nimmt, um nun begr\u00fcndend auf einen bestimmten Punkt im Lebenschicksal und ?ausgang Jesu zu sprechen zu kommen, um den es ihm zentral zu gehen scheint, n\u00e4mlich da\u00df er drau\u00dfen vor den Toren der Stadt gekreuzigt und zu Tode gebracht wurde.<\/p>\n<p>V. 11: &#8222;Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als S\u00fcndopfer in das Heilige getragen wird, werden au\u00dferhalb des Lagers verbrannt&#8220; (vgl. Lev 16, hier bes. V. 27)<br \/>\nV. 12: &#8222;Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten drau\u00dfen vor dem Tor.&#8220;<\/p>\n<p>Darin also findet der Hebr eine Analogie zu den Opfertieren des priesterlichen Tempelkultes, obwohl man doch gerade hier den Unterschied vermutet h\u00e4tte, der die Exklusivit\u00e4t des christlichen Abendmahles legitimieren sollte. Auf die Abendmahlsfrage scheint es hier also gar nicht anzukommen, das ist gar nicht das eigentliche Thema des St\u00fcckes, sie klingt gleichsam nur nebenbei an, das merken wir jetzt. Wir k\u00f6nnen sie darum hier vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>Aber worum geht es dann? Beide, die j\u00fcdischen Opfertiere und auch Jesus werden drau\u00dfen, jenseits des heiligen Kultraumes, zu Tode gebracht und vernichtet (der K\u00f6rper Jesu wird allerdings nicht verbrannt, und sein Blut wird auch nicht ins Allerheiligste des Tempels gebracht), die Tiere im Au\u00dfenbezirk des Tempels (bzw. vor dem Lager in der W\u00fcstenzeit), Jesus auf der Sch\u00e4delst\u00e4tte vor der Stadt, Golgatha. Da herrscht eine gewisse Parallelit\u00e4t. Darin kann also die Abgrenzung nicht liegen. Hier geht es zun\u00e4chst nur um die Analogie des &#8222;Drau\u00dfen&#8220;. Sie hat auch ihre Bedeutung, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen.<\/p>\n<p>Die Differenz wird nun aber in einer anderen Hinsicht gesucht: anstatt da\u00df wie im j\u00fcdischen Kult das Blut der Tiere in das Allerheiligste hineingetragen und am Altar ausgesch\u00fcttet wird, man also die Bewegung von au\u00dfen nach innen vollziehen mu\u00df, um am Heilsgeschehen Anteil zu bekommen, sollen die Christen von innen nach au\u00dfen gehen, um zu Jesus zu kommen und an seinem Lebensopfer zu partizipieren. Sein stellvertretendes Leiden hat sich drau\u00dfen vor dem Tor vollzogen, und nach dort drau\u00dfen mu\u00df man sich begeben, wenn man mit ihm verbunden sein, wenn man seine Tat f\u00fcr sich gelten lassen und in Anspruch nehmen, wenn man ihrer heilschaffenden Kraft teilhaftig werden will. Man mu\u00df sich unter sein Schicksal stellen, es mit ihm gemeinsam tragen, das Ausgesto\u00dfensein. Der heilschaffende Altar ist jenseits der bewohnten Stadt aufgerichtet, denn dieser ist der Gekreuzigte selbst, und er bleibt auch da drau\u00dfen, er kann nicht wieder kultisch oder staatlich oder gesellschaftlich oder sonstwie vereinnahmt werden wie das Tierblut, und so die Weltordnung stabilisieren, das b\u00fcrgerliche Recht, den gesellschaftlichen, sozialen status quo, nein, man mu\u00df also aus den festen Lagern ausziehen, um ihn aufzusuchen. Auf die Weltordnung in jedwedem Sinne kommt es jetzt nicht mehr an, die Stadt als deren Symbol beibt vielmehr hinter dem Glaubenden zur\u00fcck. Der Glaubende befindet sich im Exodus. Das Kreuz ist nur einmal aufgerichtet, es kann nicht wiederholt werden, es ist ein singul\u00e4res geschichtliches Ereignis, das nicht in eine menschliche Kultpraxis \u00fcberf\u00fchrt zu werden vermag, sondern zu dem man sich hinbegeben mu\u00df. Es steht drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Identit\u00e4t und Differenz zum j\u00fcdischen Opferkult m\u00fcssen beide ber\u00fccksichtigt werden, wenn man erfassen will, worum es dem Autor des Hebr hier geht.<\/p>\n<p>V. 13: &#8222;So la\u00dft uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.&#8220;<br \/>\nDies ist wieder eine neue Aufforderung an die Glaubenden, die sich aus den \u00fcberschie\u00dfenden Assoziationen des Vf.s ergab und die auf dem Faktum der Passion Jesu aufruht. Und sie wird auch gefolgt von einer neuen Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p>V. 14: &#8222;Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir.&#8220;<br \/>\nHier wird deutlich, da\u00df der Vf. des Hebr allgemeing\u00fcltig redet: mit dem Jesusgeschehen ist etwas Grunds\u00e4tzliches im Lauf der Welt passiert, was nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden kann, sondern das gesamte Weltverh\u00e4ltnis des Glaubenden ver\u00e4ndert und durchgehend bestimmt. Hier geschieht eine un\u00fcbersehbare Gewichtsverlagerung. Der Mensch tritt heraus aus seinem Kosmos, seiner selbstverfertigten, nat\u00fcrlichen, gesellschaftlichen Welt, wenn er Jesus begegnet und ihm nachfolgt, er ver\u00e4ndert seinen Standpunkt, sein Lebenszusammenhang wird unterbrochen, und er wird in ein neues Koordinatensystem gestellt. Alles bekommt ein anderes Gesicht. Alles r\u00fcckt unter eine neuartige Perspektive. Der Christ kann sich nicht mehr aus dem selbsterrichteten und bisher g\u00f6ttlich sanktionierten st\u00e4dtischen Leben verstehen. Er baut sich seine Welt nicht mehr mit Gott als deren \u00dcberh\u00f6hung und letzte metaphysische Garantie auf. Die Jesusnachfolge ist ein Exodus aus der wohlvertrauten b\u00fcrgerlichen Welt, aus dem umhegten st\u00e4dtischen Raum, aus dem Zusammenhang von Gottespr\u00e4senz im Tempel als Garanten der gesellschaftlichen Ordnungen und des menschlichem Sicherungstrebens und Lebenswillens, all unserer nat\u00fcrlichen W\u00fcnsche und Illusionen. Das alles wird im Kontext der Jesusnachfolge zur\u00fcckgelassen und transformiert, jetzt gilt es, in eine andere, neue Bewegung einzutreten, die aus all dem herausf\u00fchrt, die ein neues Paradigma setzt bzw. durch ein solches gesetzt ist.<\/p>\n<p>An Jesus stirbt die bekannte Stadt, die sich der Mensch &#8211; auch religi\u00f6s &#8211; aufgebaut hat, ihren Tod. Der Christ tritt unter das Kreuz drau\u00dfen. Da ist der Altar, da ist die Gottesgegenwart. Seine Orientierung ist hinfort eine andere. Gott vollendet nicht mehr das nat\u00fcrliche menschliche Sicherungsstreben, er ist nicht mehr das i-T\u00fcpfelchen auf dem Haus des Menschen, der kr\u00f6nende Abschlu\u00df auf unseren naturhaften Strebungen und Vollkommenheitsw\u00fcnschen, dessen sanktifikatorische \u00dcberh\u00f6hung. Gott west drau\u00dfen vor dem Tor, in der unbewohnten Welt, jenseits der Zivilisation, in der t\u00f6dlichen W\u00fcste, als ein Herausgedr\u00e4ngter, als ein t\u00f6dlich Verwundeter.<\/p>\n<p>Und hier schlie\u00dft sich die Argumentation: Das ist der neue Halt, der das Herz fest macht, dieser haltlose Halt. Genau so ist es: der Christ macht sich im Nichts der Welt fest, er hat seine Sache auf nichts gestellt. So jedenfalls mu\u00df es von der Welt her scheinen. Von der Gnade erreicht werden, hei\u00dft dann, zum Exodus gerufen werden, herausgerufenwerden aus dem System der weltlichen Welt in die neue Sch\u00f6pfung, die auf dem Selbstopfer Jesu gr\u00fcndet, auf seiner scheinbaren Niederlage, auf seiner Exklusion, auf seinem t\u00f6dlichen Scheitern. Da stehen die Dinge, nach nat\u00fcrlichen Ma\u00dfst\u00e4ben betrachtet, auf dem Kopf. Da kehrt sich alles Selbstverst\u00e4ndliche um. Da versagen die \u00fcblichen Szenarien.<\/p>\n<p>Dazu ist wahrhaft ein neues Selbstverh\u00e4ltnis und Selbstverst\u00e4ndnis n\u00f6tig. Christsein hei\u00dft, sich aus diesem Tod heraus verstehen, nicht mehr und nicht weniger, und deshalb das Kreuz auf sich nehmen, wissend, da\u00df darin die Wahrheit \u00fcber das eigene Leben gesprochen ist. Also Gewi\u00dfheit gewinnen, wo nichts mehr zu sichern ist, ek-sistieren, herausstehen aus der Stadt der Versicherungen, hineingehalten ins Nichts des Glaubens. Aber das nicht als Irrationalismus einer haltlosen, unbegr\u00fcndeten Entscheidung, einer blinden Kopflosigkeit, eines sacrificium intellectus oder gar eines fundamentalistischen Radikalismus, oder eines prometheischen Existentialismus, sondern aus der Einsicht in das Sein der Welt und die Eigenart der Sendung Jesu heraus: diesem Glauben liegt eine Einsicht zugrunde, er ist denkender Glaube.<\/p>\n<p>Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern sind nur auf der Durchreise. Aber das nicht als allgemeine Durchschnittsweisheit. Sondern die Stadt, auf die wir im Glauben hingeordnet sind, gr\u00fcndet auf dem geschicklichen Lebensopfer Jesu. Das ist eine ganz spezifische Distanz zum normalen Leben mit seinen irdischen Verstrickungen, die darin begr\u00fcndet ist, in diesem einmaligen Leben, welches weltgeschichtliche Folgen gehabt hat. Das ist eine Souver\u00e4nit\u00e4t und Welt\u00fcberlegenheit, die in ihm grundgelegt ist, die weder stoisch noch epikureisch sich darstellt, denn sie macht uns nicht resignativ und gleichg\u00fcltig und desinteressiert oder zynisch gegen\u00fcber unserem nat\u00fcrlichen Leben und den Ordnungen dieser uns umgebenden Welt, sie macht uns nicht jenseitsfl\u00fcchtig oder weltverachtend und ?verneinend, nein, sie gibt uns vielmehr die Freiheit, im Weltlichen das \u00dcberweltliche zu bezeugen, im Endlichen \u00fcber das Endliche hinaus zu sein, es in seiner Begrenztheit wahrzunehmen und es nicht zum Unendlichen aufspreizen und damit \u00fcberreizen und \u00fcberfordern zu m\u00fcssen, sondern im Horizont seiner \u00dcberwindung verantwortlich, und d.h. uns selbst begrenzend mit ihm umzugehen: Welche Entlastung! Welche Befreiung! Welche Befriedung! Und auf nichts anderes kommt es heute so an wie darauf. Wer es noch nicht gemerkt hat, schaue sich um. Und wo sind die Christen, die danach leben unter all den Verstrickten, die von ihren Leidenschaften getrieben, die von ihrem Willen versklavt, die von ihren W\u00fcnschen beherrscht werden? Wo sind die zum Wohnen in der Stadt Gottes durch den Tod Christi Befreiten, die nicht mehr am Leben anhaften wie an einem Fliegenf\u00e4nger, denen m\u00fc\u00dfte man das doch ansehen, an denen m\u00fc\u00dfte man doch diese Freiheit und Souver\u00e4nit\u00e4t wahrnehmen k\u00f6nnen, sie, die ihr Selbst-Bewu\u00dftsein nicht mehr aus den Welterfolgen ihres Ich ableiten. Wo sind sie, die das Leiden Gottes an der Welt in der Welt mitleiden und ihn so in dieser pr\u00e4sent halten, als Nachfolger des Nazareners? Wenn irgendwo, dann drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><a name=\"anm\"><\/a><b>Anmerkungen zur Predigt:<\/b><br \/>\nDas von der Perikopenordnung f\u00fcr den kommenden Sonntag vorgesehene Textsegment Hebr 13,12-14 ist exegetisch gesehen eines der umstrittensten des NT, wobei gerade die neuesten Auslegungen zur Verwirrung nicht unerheblich beigetragen haben. An vorderster Stelle ist hier der in der EKK-Reihe in drei gewichtigen B\u00e4nden mit zusammen \u00fcber tausend Seiten erschienene Kommentar von Erich Gr\u00e4\u00dfer zu nennen, der in einer unglaublichen F\u00fclle von Material und ausgebreiteten Aspekten dennoch oder vielleicht gerade deshalb dem Leser kaum ein \u00fcbersichtliches, konzises und zugriffsf\u00e4higes Bild des Textes (und seines Umfeldes), seiner Probleme und der entsprechenden L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten bietet, sondern durch z.T. \u00e4u\u00dferst eigenwillige und bisweilen gar abseitig anmutende Entscheidungen und Theorien die eh nicht einfache Sachlage \u00fcberfl\u00fcssigerweise noch zus\u00e4tzlich kompliziert. Allerdings k\u00f6nnen sich auch die \u00e4lteren Komm. (O. Michel, H. Windisch, H.F. Wei\u00df, H. Hegermann etc.) nicht gerade r\u00fchmen, ein klares und \u00fcberzeugendes Bild der Sache trotz z.T. eminenten exegetischen Aufwandes und ausf\u00fchrlicher Analysen geliefert zu haben. Nahezu ganz unbrauchbar f\u00fcr den Prediger ist etwa der rein philologische Komm. von H. Braun (hier allerdings wenigstens partiell dem Charakter des HNT geschuldet, wenn auch reichlich \u00fcberzogen), ein detailversessenes Alterswerk, welches sich gewi\u00df einem lebenslangen enormen und zweifelsohne auf seine Weise bewundernswerten Sammlerflei\u00dfes verdankt und von diesem ein \u00fcberbordendes Denkmal ablegt, jedoch weitestgehend ohne jede hermeneutische Reflexion auskommt und sich demzufolge praktisch darin ersch\u00f6pft, endlose Stellenbelege meist sprach- und wortgeschichtlicher Natur aneinanderzureihen, bei denen es den alsbald erm\u00fcdeten Leser zu der Frage treibt: cui bono?<\/p>\n<p>Auf die einschl\u00e4gigen Predigtmeditationen braucht hier nicht gesondert hingewiesen zu werden, sie sind allgemein bekannt, zeigen jedoch nur allzuoft, da\u00df die Textgrundlage selten hermeneutisch und systematisch durchreflektiert wird, sondern die meditativen Expektorationen dem assoziativen Charakter des Textes geschuldet sind und ihrerseits ein mitunter etwas willk\u00fcrlich anmutendes Spiegelbild desselben bieten.<br \/>\n\u00dcberraschend auch die unerwartete Tatsache, da\u00df in der ver\u00f6ffentlichten Predigtliteratur (ca. 30 unterschiedliche Predigtb\u00e4nde wurden ausgewertet!) die Textstelle praktisch nie auftaucht (anders Hebr 13,9).<\/p>\n<p>M.E. ist es f\u00fcr den Prediger von zentraler Bedeutung, da\u00df er sich einerseits nicht nur mit der exegetischen Problematik eingehend auseinandersetzt (und hier insbes. den engeren und weiteren Kontext mitber\u00fccksichtigt), sondern andererseits sich mit dergleichen Intensit\u00e4t von den immanenten Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten zu der Frage f\u00fchren l\u00e4\u00dft, wo er den Skopos des Textes sieht und in welches hermeneutische Koordinatenssystem er ihn verorten will. Dies ist entscheidend f\u00fcr den Aufbau und die Aussage der Predigt. Wie ich meinerseits dieses Problem gel\u00f6st habe wird, wie ich hoffe, aus dem folgenden Text implizit selbst ersichtlich. Dabei wurde nicht davor zur\u00fcckgeschreckt, der h\u00f6renden Gemeinde am Beginn des dritten Jahrtausends die Radikalit\u00e4t des fr\u00fchchristlichen Denkens und Lebensgef\u00fchles des ausgehenden ersten Jahrhunderts zuzumuten. Darum kommt man auch nicht umhin, nah am Text zu bleiben und sich der Anstrengung nicht zu versagen, ihn Punkt f\u00fcr Punkt sprechen zu lassen, ohne sich in blo\u00dfer Repetition zu ersch\u00f6pfen. Daher war es mir wichtig, am Ende eine klare und unmi\u00dfverst\u00e4ndliche Aussage zu formulieren, auch wenn man daf\u00fcr einen etwas l\u00e4ngeren Anmarschweg ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>PD Dr. Reinhard Weber<br \/>\nRudolf Bultmann Str. 4<br \/>\n35039 Marburg<br \/>\nTel. 06421-969111<br \/>\nFax. 06421-969399<br \/>\n<a href=\"mailto:weber@esg-marburg.de\">Mail: weber@esg-marburg.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020317-1.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020317-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Judika (5. 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