{"id":21640,"date":"2002-03-15T15:04:31","date_gmt":"2002-03-15T14:04:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21640"},"modified":"2025-04-15T17:17:15","modified_gmt":"2025-04-15T15:17:15","slug":"markus-161-8-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-161-8-13\/","title":{"rendered":"Markus 16,1-8"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">Ostersonntag<\/span><span style=\"color: #000099;\">, 31. M\u00e4rz 2002<br \/>\nMarkus 16,1-8, verfa\u00dft von Enno Junge<br \/>\nPredigt im Fernsehgottesdienst am Ostersonntag 2002 in Eschede<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde hier in Eschede und an den Fernsehger\u00e4ten daheim,<\/p>\n<p>wir h\u00f6rten in der Lesung den Predigttext f\u00fcr diesen besonderen Sonntag, den Ostersonntag.<br \/>\nKurz skizziert ereignet sich folgendes:<\/p>\n<p>Drei Frauen machen sich fr\u00fch morgens, als die Sonne aufgeht, auf den Weg zum Grabe Jesu. Sie wollen ihm einen letzten Liebesdienst tun und ihn salben. In welcher Verfassung m\u00f6gen sie dorthin gehen?<\/p>\n<p>Zwischen der Kreuzigung und dem Tag von Jesu Auferstehung lag der Sabbat. Ein Tag der Stille und der Vorbereitung. Wenn Sie so wollen, liebe Gemeinde, dann nimmt das Ostergeschehen dort am Tag vorher seinen Anfang. Das Wichtigste an Ostern ist die Vorbereitung: Es musste dunkel werden am Karfreitag, dem Tag, an dem das ganze Land in Finsternis geh\u00fcllt war.<\/p>\n<p>Es musste dunkel werden, damit Stille einkehren konnte, jene Stille, in der es kein verbales Get\u00f6se gab, in der der Mensch zu sich kommt, wirklich zu sich, losgel\u00f6st von dem, was ihn<br \/>\nsonst umtreibt und besch\u00e4ftigt. Darin liegt nun das Geheimnis von Ostern: In der Zeit der Vorbereitung.<\/p>\n<p>Da hatten unsere drei Frauen Gelegenheit, noch einmal zu sp\u00fcren, wie das ist, den Menschen, den sie geliebt haben, der ihnen so viel bedeutet hat, loszulassen. Ich frage: Brauchen wir das selber nicht auch manches Mal: Zeit, Stille und innere Einkehr, um Wesentliches zu bedenken, das eigene Leben, die Zeit, die wir schon erlebt haben, und die Zeit, von der wir denken, dass sie noch vor uns liegt?<\/p>\n<p>Wir brauchen auch die Erfahrung, dass es den Unterschied gibt zwischen Dunkel und Hell, zwischen niederdr\u00fcckender Trauer und begeisternder Freude. Genau das erleben auch die drei Frauen. Sie machen sich auf den Weg und bleiben somit nicht in der Trauer stecken. Bemerkenswert ist dabei schon ihre Frage: Wer w\u00e4lzt uns den Stein von des Grabes T\u00fcr? \u2013 die erste w\u00f6rtliche Rede im Predigttext.<\/p>\n<p>Mit einer Frage beginnt die Bewegung, die Ver\u00e4nderung an Ostern.<\/p>\n<p>Mit Fragen beginnen auch bei uns Erlebnisse, die bew\u00e4ltigt werden m\u00fcssen. Das kennen Sie auch, liebe Gemeinde: Wenn wir Gro\u00dfes vor haben, etwa eine Ausbildung und eine Pr\u00fcfung oder eine gro\u00dfe Operation mit ungewissem Ausgang, kommen Fragen. Fragen, die etwa so lauten: Wie wird es werden? Wie geht es aus? Kann ich das \u00fcberhaupt schaffen? Und dann kann es sein, dass wir solche Fragen stellen und nicht weiterwissen, weil wir die Antwort nicht kennen. Die drei Frauen machen es anders: Sie wissen um das Hindernis, denn sie haben ja gesehen, wie das Grab Jesu verschlossen wurde, aber sie stellen die richtige Frage. Sie wollen wissen: <b>Wer<\/b> w\u00e4lzt uns den Stein? Genauso kann man fragen: Wer hilft uns? Wer hilft mir, die Hindernisse in meinem Leben zu \u00fcberwinden? Es ist keine Schande, sich dar\u00fcber Gedanken zu machen und sich Hilfe zu holen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen, wenn wir Ostern in seiner ganzen Tiefe erfassen wollen, mit dem Anfang anfangen, will sagen, wir d\u00fcrfen das, was uns als Hindernis in unserem Leben aufgegeben wird, anschauen und uns Hilfe holen. Manchmal ist es die Hilfe unserer Mitmenschen, manchmal ist es aber auch die Hilfe Gottes, den wir nicht sehen und dem wir deswegen auch so wenig zutrauen und zumuten. In jedem Fall aber ist es eine Tatsache, dass wir nicht ohne Hilfe bleiben. Das, liebe Gemeinde, ist meine pers\u00f6nliche Erfahrung und ich w\u00fcnschte mir, dass jeder von Ihnen solche Hilfe erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Allerdings m\u00fcssen wir die Fragen, die uns und unser Leben betreffen, richtig stellen, und wir d\u00fcrfen wissen, dass wir uns an Menschen und ganz bestimmt an Gott wenden k\u00f6nnen. Die drei Frauen stehen nun vor Jesu Grab:<\/p>\n<p>Es ist schon wunderbar, was hier geschieht: Der Stein, um den sie sich gesorgt haben, ist weg. Jesus, den sie in der Grabesh\u00f6hle vermuten, ist nicht dort. Dort, wo ein Ende vermutet wurde, erwartet die Frauen nun etwas ganz anderes, etwas ganz Neues.<\/p>\n<p>Denn alle ihre Erwartungen werden nicht erf\u00fcllt, im Gegenteil: der, der tot war, ist nicht an seinem Ort und statt seiner wartet ein Bote Gottes mit einer Nachricht auf die Ank\u00f6mmlinge: <i>Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.<\/i><\/p>\n<p>Die drei Frauen sind erschrocken und entsetzt. Sie sagen zun\u00e4chst niemandem etwas \u00fcber ihr Erlebnis. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u2013 wir wissen nichts Genaues \u2013 hat sich ihr Schrecken aufgel\u00f6st und ist der Freude gewichen. Der Osterfreude \u00fcber die Auferstehung Jesu! Die drei Frauen konnten diese Freude nicht f\u00fcr sich behalten, sondern sie haben sie mitgeteilt und verk\u00fcndigt. Weil das so ist, meine ich: Diese Freude nahm damals ihren Anlauf, um sich hier in dieser Gemeinde und bei ihnen zuhause entfalten zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Das, was ganz sicher zu sein schien, dass das Leben mit dem Sterben vorbei ist, das, was bis dahin als Horizont menschlichen Denkens empfunden wurde, wird aufgel\u00f6st. Der Horizont wird durchbrochen f\u00fcr eine neue und ganz andere Sichtweise. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Sein Ort hat ihn nicht gehalten. Aus der dunklen, muffigen Grabesh\u00f6hle heraus geht es in den neuen, vom Sonnenlicht durchfluteten Tag.<\/p>\n<p>MUSIK<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie das fassen, liebe Gemeinde? Ist das f\u00fcr Sie nachvollziehbar: Ostern als Beginn einer Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Es gibt sicherlich mehrere M\u00f6glichkeiten, mit dieser Osterbotschaft: <i>Er ist auferstanden<\/i> umzugehen. Eine Sichtweise lautet: Das mit der Auferstehung ist alles Unfug, gibt es nicht, kann nicht bewiesen werden, und au\u00dferdem ist auch noch keiner wiedergekommen von denen, die gestorben sind und h\u00e4tten erz\u00e4hlt, ob denn das alles wahr ist. Und das, was in der Bibel steht, sind doch allenfalls Bilder, mehr nicht!<\/p>\n<p>Mindestens eine weitere gibt es aber auch. Es gibt Menschen, denen bin ich auch schon begegnet, die sagen: Nee, nee das Leben, das wir hier haben, kann ja nicht alles sein. Es gibt ein Leben nach dem Tod, und zwar ein Leben, von dem wir glauben, das wir es bei Gott verbringen werden. Ein neues Leben, wo Leid, Klagen, Schmerzen und Jammer weit \u00fcberwunden sein werden, ein Leben, f\u00fcr das es nur ein Wort gibt: Wunderbar!<\/p>\n<p>Vorgestern, Karfreitag, besuchte ich eine alte Frau, die im Sterben liegt. \u201eAuf Wiedersehen!\u201c, sagte sie am Ende des Gespr\u00e4ches. Sie h\u00e4lt sich fest an dem Wort Jesu: \u201eHeute noch wirst Du mit mir im Paradies sein.\u201c<\/p>\n<p>Bei Menschen, die so etwas sagen, sehe ich dann solch ein Gl\u00e4nzen in den Augen, ein Gl\u00e4nzen, das mit Freude zu tun hat, das vom Trost gen\u00e4hrt wird, dass mit diesem Leben nicht alles aus ist.<\/p>\n<p>Was ist denn nun mit der Auferstehung von den Toten?<\/p>\n<p>Wir brauchen dieser Frage nicht auszuweichen, denn wir haben vorhin zusammen das Bekenntnis gesprochen:<\/p>\n<p><b><i>Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. <\/i><\/b><\/p>\n<p>So ein Bekenntnis sagen wir nicht einfach daher. T\u00e4ten wir das, dann w\u00e4re es nur eine leere H\u00fclse. Wohl gemerkt, liebe Gemeinde, es geht nicht um die leibhaftige Auferstehung. Im Mittelpunkt steht das, was ein anderer Zeuge des Neuen Testamentes, n\u00e4mlich Paulus, sagt: Wir werden alle verwandelt werden (1. Kor. 15, 51). Um Verwandlung geht es also.<\/p>\n<p>Und das hei\u00dft f\u00fcr mich konkret: Ich glaube, dass alle \u00c4ngste und Belastungen von uns abfallen werden, um Platz zu machen f\u00fcr das Gef\u00fchl der Geborgenheit, f\u00fcr W\u00e4rme und Licht und ein unermessliches Spektrum an Farben.<\/p>\n<p>Dann wird das, woran wir uns jetzt festmachen, &#8211; denn nichts anderes hei\u00dft Glauben &#8211; , an uns wahr werden. Ostern, vielleicht so: Alles wird wieder gut, aber nicht wie es einmal war.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nes gibt ein Leben danach: Diese Erfahrung durften wir alle machen vor nun fast vier Jahren, als Eschede, so titelte damals die ZEIT, zum <i>Ort der entgleisten Hoffnung<\/i>wurde. Es gab und gibt ein Leben nach dem 3. Juni 1998 und das haben nicht nur wir in dieser Gemeinde erfahren d\u00fcrfen. Aber wer gestaltet dieses Leben, woher kommt die Kraft weiter zu machen, entgegen allem Anschein? Woher kam und kommt der Mut, nach vorne zu schauen und wieder und wieder das Wort Zukunft zu buchstabieren?<\/p>\n<p>Das kann nicht aus eigener Kraft kommen. Wir bringen zwar einiges auf den Weg durch eigene M\u00f6glichkeiten, aber dazu reicht es denn doch nicht. Ich kann sehr gut verstehen, dass Menschen, die einen lieben Angeh\u00f6rigen verloren haben, mit Gott hadern und ich w\u00fcnschte mir, dass sie eine neue Erfahrung mit Ostern machen k\u00f6nnen und dass sie erfahren, dass Auferstehung hat eine weitere Dimension hat.<\/p>\n<p>Ich nenne es einmal \u201eAuferstehung mitten im Leben\u201c. Das kann vieles bedeuten. Zum einen kann es hei\u00dfen:<\/p>\n<p>Daran zu glauben, dass die Verstorbenen, die Freunde und Angeh\u00f6rigen, nicht ins Ungewisse hinein gegeben wurden, sondern dass sie einzig und alleine Gott \u00fcberlassen sind.<\/p>\n<p>Und das hei\u00dft f\u00fcr uns Hoffnung, ein neues Licht, f\u00fcr unser Leben und f\u00fcr unseren Glauben.<\/p>\n<p>Auferstehung &#8211; das Leben geht weiter?<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen diese Frage getrost mit <b>Ja<\/b> beantworten, denn wir alle d\u00fcrfen damit rechnen, verwandelt zu werden; schon jetzt in der Gegenwart und erst recht dereinst. Und so k\u00f6nnen wir aus dem Fragezeichen ein Ausrufungszeichen machen, denn das Leben geht weiter!<\/p>\n<p>Glauben Sie an die Auferstehung von den Toten, liebe Gemeinde hier in Eschede und liebe Zuschauer daheim?<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Philosoph Voltaire, der bekannt war f\u00fcr seinen bei\u00dfenden Spott \u00fcber den christlichen Glauben, gab zum Thema Auferstehung einmal eine Antwort, die man kaum von ihm erwartet h\u00e4tte. Eine Dame hatte ihn gefragt, wie es m\u00f6glich sei, dass es \u00fcberhaupt Menschen g\u00e4be, die an die Auferstehung glauben.<\/p>\n<p>Voltaire antwortete: \u201eMadame, die Auferstehung ist die einfachste Sache von der Welt. Der, der den Menschen einmal geschaffen hat, kann ihn auch zum zweiten Mal schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als alle Eure Vernunft, der bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Pastor Enno Junge<br \/>\nAn der Kirche 4<br \/>\n29348 Eschede<br \/>\n<a href=\"mailto:enno@junge-net.com\">e-mail: enno@junge-net.com<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020331-2.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020331-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Ostersonntag, 31. 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