{"id":21653,"date":"2002-04-15T15:12:20","date_gmt":"2002-04-15T13:12:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21653"},"modified":"2025-04-15T17:12:57","modified_gmt":"2025-04-15T15:12:57","slug":"apostelgeschichte-10-34a-36-43-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-10-34a-36-43-4\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 10, 34a.36-43"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Ostermontag, 1. April 2002<br \/>\nApostelgeschichte 10, 34a.36-43, verfa\u00dft von Johannes Neukirch<br \/>\n<\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Apostelgeschichte 10, 34a.36-43<br \/>\nPetrus tat seinen Mund auf und sprach: Gott hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verk\u00fcndigt durch Jesus Christus, welche ist Herr \u00fcber alle. Ihr wi\u00dft, was in ganz Jud\u00e4a geschehen ist, angefangen von Galil\u00e4a nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan im j\u00fcdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz geh\u00e4ngt und get\u00f6tet. Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und ihn erscheinen lassen, nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erw\u00e4hlten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten. Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, da\u00df er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten. Von diesem bezeugen alle Propheten, da\u00df durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der S\u00fcnden empfangen sollen.Liebe Gemeinde,&#8220;Bewegungsfreiheit&#8220; ist f\u00fcr mich ein sehr hohes Gut. Ich liebe das Gef\u00fchl, mich frei bewegen zu k\u00f6nnen, reisen zu k\u00f6nnen genau so wie das Gef\u00fchl, frei denken und reden zu k\u00f6nnen, beides ist, wie wir wissen, nicht selbstverst\u00e4ndlich. Selbstverst\u00e4ndlich bewege ich mich, wie alle anderen Menschen auch, in bestimmten Grenzen. Ich kann auch nur dann wegfahren, wenn meine Frau und ich Urlaub haben. Ich bewege mich, ich f\u00fchre mein Leben nach bestimmten Regeln und Konventionen. Trotzdem habe ich ganz grunds\u00e4tzlich das Gef\u00fchl von Bewegungsfreiheit.<\/p>\n<p>Ich komme auf diesen Begriff &#8222;Bewegungsfreiheit&#8220;, weil er am Ende eines faszinierenden Werbespots steht, der zur Zeit im Fernsehen ausgestrahlt wird. Ein junger Mann steht in einem leerger\u00e4umten nichtssagenden Raum, sein Gesicht in Nahaufnahme dr\u00fcckt ernste Entschlossenheit aus. Musik von H\u00e4ndel setzt ein. Dann f\u00e4ngt dieser Mann an zu rennen, rennt durch den Raum auf die Wand zu und einfach durch die Wand hindurch. Er rennt weiter, von Raum zu Raum, immer durch die W\u00e4nde hindurch, quer zu den offenen Fluren, die in die andere Richtung gehen. Neben ihm taucht eine junge Frau auf, auch sie durchbricht die W\u00e4nde. Beide rennen durch die letzte Wand des Geb\u00e4udes, sind in einem Wald und laufen einen riesigen Baum hoch. Sie werden immer schneller, die Musik wird immer dramatischer, schlie\u00dflich sind sie am Wipfel des Baums, aber sie halten nicht an, sie rennen weiter und springen in den blauen, endlosen Himmel hinein. Dann wird das Wort &#8222;Bewegungsfreiheit&#8220; eingeblendet. Das Ganze ist \u00fcbrigens ein Werbespot f\u00fcr eine Jeanshose.<\/p>\n<p>Noch nie sah ich einen Drei\u00dfig-Sekunden-Film, der so intensiv Freiheit und die Sehnsucht nach \u00dcberwindung von Grenzen darstellt. Die Grenzen durchbrechen, Mauern \u00fcberwinden und sich dann in den blauen Himmel fallen lassen. Das ist ja auch die Aufgabe derer, die Werbung machen: Sie m\u00fcssen unsere Sehns\u00fcchte treffen und abbilden, sie m\u00fcssen uns sagen: mit diesem Produkt hebst du dich \u00fcber dein graues allt\u00e4gliches Leben hinaus. Mit diesem Produkt kommst du weiter, bist du mehr.<\/p>\n<p>Bewegungsfreiheit &#8211; da f\u00e4llt mir sofort ein, wo die Bewegungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt ist. In Fl\u00fcchtlingslagern, in Kriegsgebieten, dort wo M\u00e4dchen verboten wird, die Schule zu besuchen, \u00fcberall wo Menschen unterdr\u00fcckt werden, wo sie hungern, wo sie keine Arbeit haben. Auch eine Krankheit kann die Bewegungsfreiheit enorm einschr\u00e4nken. Genau so schlimm ist es, wenn man seine Meinung nicht frei \u00e4u\u00dfern kann, wenn man im Denken und F\u00fchlen behindert wird. Und was es bedeutet, wenn sich die Menschen gegenseitig die Bewegungsfreiheit nehmen, das sehen wir zur Zeit in Israel.<\/p>\n<p>Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Der Abschnitt aus der Apostelgeschichte, den ich als Predigttext vorgelesen habe, ist ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, wie Menschen mehr Bewegungsfreiheit geschenkt wurde.<\/p>\n<p>Petrus erz\u00e4hlt von Jesus &#8211; aber nicht irgendjemandem, sondern dem r\u00f6mischen Hauptmann Kornelius. Dieser hatte zwei seiner Leute zu Petrus geschickt, um ihn zu sich zu holen. Wie Petrus und Kornelius zusammenkommen, ist eine komplizierte, aber interessante Geschichte. Eigentlich ist zwischen ihnen eine Mauer, eine religi\u00f6se Mauer, die zwischen dem Juden Petrus und dem Heiden Kornelius, der aus der Sicht des Petrus unrein war, ein Fremder, jemand, zu dem man eigentlich keinen Kontakt aufnimmt. In der Apostelgeschichte wird nun sowohl von Kornelius als auch von Petrus berichtet, dass sie Erscheinungen hatten. Kornelius hatte die Erscheinung eines Engels, der zu ihm sagte, er solle Petrus zu sich holen. Petrus wiederum hatte eine Erscheinung, die ihm klar machte, dass die Unterscheidung von rein und unrein, von Jude und Heide keine gottgewollte Unterscheidung ist! Sie sehen, liebe Gemeinde, es waren Umwege und gro\u00dfe Anstrengungen n\u00f6tig, bis sich die beiden treffen konnten. Aber es war ein historisch \u00fcberaus bedeutsames Treffen: der christliche Glaube \u00fcberwindet die Mauer zwischen Juden und Heiden, nur so konnte er sich weiter und schlie\u00dflich auch zu uns hin ausbreiten: Bewegungsfreiheit.<\/p>\n<p>Nun ist Petrus also im Haus des Kornelius, das er vor kurzem noch erst gar nicht betreten h\u00e4tte, sitzt mit ihm und seiner Familie an einem Tisch. Was geschieht?<\/p>\n<p>&#8222;Petrus tat seinen Mund auf und sprach&#8220; hei\u00dft es in aller N\u00fcchternheit und dann fasst Petrus in wenigen Worten den Kern des christlichen Glaubens zusammen, er bezeugt den Grund christlicher Freiheit: Dass Jesus von Nazareth durch die Lande gezogen ist, voll des heiligen Geistes und voller Kraft, dass er Gutes getan hat, alle gesund gemacht hat, die in der Gewalt des Teufels waren, dass sie ihn get\u00f6tet haben und dass Gott ihn am dritten Tag auferweckt hat.. Dass er danach als Auferstandener einigen erschienen ist und ihnen befohlen hat, das alles weiterzuerz\u00e4hlen &#8211; n\u00e4mlich dass alle, die an ihn glauben, die Vergebung ihrer S\u00fcnden bekommen.<\/p>\n<p>In aller Schlichtheit bezeugt Petrus das, was geschehen ist. Nicht ohne Folgen: &#8222;W\u00e4hrend Petrus noch diese Worte redete,&#8220; hei\u00dft es, &#8222;fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuh\u00f6rten&#8220;.<\/p>\n<p>Bewegungsfreiheit &#8211; pl\u00f6tzlich war sie da, eine neue Bewegungsfreiheit. Worte sind gefallen, die den Horizont ge\u00f6ffnet haben. Ob rein oder unrein, ob Jude oder Heide, alle Schranken sind gefallen und der Heilige Geist hat Kornelius und sein ganzes Haus in Ekstase versetzt. Sie &#8222;redeten in Zungen&#8220; hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, wenn Kornelius an diesem Tag diesen Werbespot, von dem ich erz\u00e4hlt habe, h\u00e4tte sehen k\u00f6nnen &#8211; er h\u00e4tte gesagt: das trifft genau meine Stimmung: Ich kann Mauern durchbrechen, ich bin frei. Denn ich wei\u00df jetzt von dem, der mich befreit hat, der f\u00fcr mich gestorben ist, der von Gott von den Toten auferweckt worden ist und f\u00fcr uns diesen Weg freigemacht hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich, liebe Gemeinde, gibt Ostern die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Bewegungsfreiheit, die ich mir vorstellen kann. &#8222;Er hat zerst\u00f6rt der H\u00f6llen Pfort, die Seinen all herausgef\u00fchrt&#8220; hei\u00dft es in einem Osterlied. Und was das f\u00fcr uns bedeutet, wird in dem Lied beschrieben, das wir zum Schlu\u00df singen werden: &#8222;Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen. Ermuntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu umfangen, der heute durch des Todes T\u00fcr gebrochen aus dem Grab herf\u00fcr der ganzen Welt zur Wonne.&#8220;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, es geht nicht &#8211; aber ich w\u00fcrde gerne der Werbeagentur diesen Spot abkaufen und nur den Schluss leicht \u00e4ndern. Wenn die beiden den Baum hoch gerannt sind und in den freien Raum springen, m\u00fcsste man einblenden: Ostern gibt Bewegungsfreiheit. Denn der Herr ist auferstanden &#8211; er ist wahrhaftig auferstanden.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Dr. Johannes Neukirch<br \/>\n<a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">E-Mail: johannes.neukirch@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020401-3.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020401-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Ostermontag, 1. 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