{"id":21662,"date":"2002-04-15T15:15:39","date_gmt":"2002-04-15T13:15:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21662"},"modified":"2025-04-22T17:34:04","modified_gmt":"2025-04-22T15:34:04","slug":"hebraeer-13-20-21-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-13-20-21-5\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 13, 20-21"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Konfirmationsgottesdienst | Misericordias Domini<\/span><span style=\"color: #000099;\"> | 14. April 2002 | Hebr\u00e4er 13, 20-21 | Karin Klement |<\/span><\/h3>\n<p>Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!<br \/>\nLiebe Eltern, PatInnen und alle, die heute diesen besonderen Festtag unter Gottes Wort mit uns feiern!<br \/>\nLiebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Da sitzt Ihr nun, unsere ehemals &#8222;Kleinen&#8220; &#8211; so gro\u00df herangewachsen, dass ihr mich zum Teil locker \u00fcberragt. Und heute, anders als sonst, h\u00f6chst feierlich gekleidet. Ihr erscheint mir schon fast wie Erwachsene, mit eigenen Vorstellungen und Ideen, selbstbewusst und doch manchmal noch ein wenig verunsichert. Menschen-Kinder auf der Schwelle zum Erwachsensein. Junge Leute, die oft ganz genau wissen, was sie wollen, und dann wieder zweifeln an ihrer eigenen Identit\u00e4t; die sich fragen: Wer bin ich eigentlich? Und wie bin ich?<\/p>\n<p>Eines seid ihr ganz bestimmt: Einmalig, unverwechselbar! Zwar (noch?) keine perfekten, fehlerlosen Menschen, aber auch keine unbeschriebenen Bl\u00e4tter mehr. Eher von jeder Art ein bisschen: Ob nun KreismeisterInnen im Luftpistolen- bzw. Luftgewehrschie\u00dfen oder Supercrack im Kickboard-Fahren (f\u00fcr uns etwas \u00c4ltere auf deutsch: &#8222;herausragende Meister im Rollerfahren&#8220;). Ob im Fl\u00f6tespielen Begabte oder als Ballett-T\u00e4nzerin, ob \u00dcbungsmeister im Tennis, beim Fu\u00dfball und Segeln, ob Inliner-, Snowborder- oder Ein- und Zweirad-Fahrer. Ob Computerspiele-Spezialisten oder Pferdeliebhaberinnen. In Euch stecken reichlich Begabungen und unterschiedliche Talente. Pr\u00e4gungen, die sich vertiefen lassen. Ihr testet eure F\u00e4higkeiten aus, erprobt eure St\u00e4rken und lernt, eure Schw\u00e4chen zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Eure Fingerabdr\u00fccke auf dem Liederzettel f\u00fcr diesen Gottesdienst weisen darauf hin: Sehr \u00e4hnlich schauen sie aus und sind doch, beim n\u00e4heren Betrachten, niemals deckungsgleich. Ihr seid euch in vielen Dingen \u00e4hnlich, verfolgt gemeinsame Linien und Interessen. Aber ihr bleibt dennoch jede\/r einzelne von euch ein ganz eigener Mensch. Unverkennbar, unverwechselbar und einmalig wie der pers\u00f6nliche Fingerabdruck. Kein anderer Mensch denkt und f\u00fchlt so wie ihr, keiner lacht und weint so wie ihr, keiner schaut oder st\u00f6hnt gelegentlich so wie ihr. Die Linien und B\u00f6gen eures Fingerabdrucks ver\u00e4ndern sich ein ganzes Leben lang nicht mehr. Auch wenn eure H\u00e4nde mit der Zeit vermutlich rauher werden, weniger kraftvoll, und die Empfindsamkeit eurer Fingerspitzen im Laufe der Jahrzehnte nachl\u00e4sst. Ihre vorgegebene Pr\u00e4gung verlieren sie niemals. Daran seid ihr dauerhaft zu erkennen, selbst wenn alle anderen Merkmale sich ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Ach, \u00fcbrigens, wisst ihr schon, dass jeder Mensch den &#8222;Fingerabdruck&#8220; Gottes an sich tr\u00e4gt? Zumindest, wenn jene kleine Geschichte stimmt, die davon erz\u00e4hlt, warum wir Menschen einen Bauchnabel haben. Diese Geschichte habe ich meinen Kindern gern erz\u00e4hlt, als sie noch klein waren. Sie wollten sie immer wieder h\u00f6ren, nicht wegen der Pointe, sondern wegen des Kicks in ihren Bauchnabel, der zum Abschluss mit dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Also, h\u00f6rt gut zu: Als Gott den Menschen schuf, war er sich keinesfalls sicher, ob der Mensch so, wie Gott ihn sich gedacht hatte, \u00fcberhaupt fertig war. Immer wieder probierte er etwas Neues aus: Statt der sp\u00e4teren Ohren, eine Antenne mitten auf dem Kopf. Anstelle der Beine und F\u00fc\u00dfe, Rollen (leider ohne die notwendigen Bremsen). Statt einer schlanken, aufrechten Gestalt, ein kugelf\u00f6rmiges Gebilde ohne Anfang und Ende. Doch schlie\u00dflich war Gott von seinem letzten Entwurf eines Menschen \u00fcberzeugt. ADAM hatte alles, was n\u00f6tig war: Augen, Ohren, Mund und H\u00e4nde, F\u00fc\u00dfe zum Laufen und einen sch\u00f6nen, glatten, dicken Bauch f\u00fcr all die wunderbaren Leckereien, die es im Paradies zu kosten gab. Nur eines fehlte ihm: ein Ansto\u00df, um sich in Bewegung zu setzen. ADAM wusste noch nichts mit sich und der Welt anzufangen. Also streckte Gott seinen Zeigefinger aus, piekste ADAM mitten in seinen glatten, runden Bauch und sagte: &#8222;Nun geh schon. Du bist fertig!&#8220; Und seitdem kann kein Mensch mehr auf der Stelle stehen bleiben, sobald er geboren ist. Er muss sich weiterentwickeln, Neues kennen lernen, aktiv sein. Immer, wenn wir unseren eigenen Bauchnabel betrachten, wird uns deutlich, dass das nicht alles sein kann. Es muss noch viel mehr zu entdecken geben, als nur die eigene Person.<\/p>\n<p>Ihr tragt also leibhaftig einen &#8222;Fingerabdruck&#8220; Gottes an euch, der euch einerseits best\u00e4tigt, dass ihr so, wie ihr seid, von Gott gewollt seid. Andererseits euch in Bewegung bringt, damit ihr nicht bei euch selber stehen bleibt.<br \/>\nGewiss haben auch andere schon Abdr\u00fccke <i>auf<\/i> euch und <i>in<\/i> euch hinterlassen. Z.B. eure Eltern oder Gro\u00dfeltern, Paten oder gute Freunde. Wo sie euch mit Fingerstreicheln Liebe, Zutrauen und Vertrauen entgegenbrachten, konnte euer Selbstbewusstsein wachsen. Wo sie euch fest an die Hand nahmen, um euch bei den ersten Schritten auf die Spr\u00fcnge zu helfen, konntet ihr erfahren, wie hilfreich Begleitung und Unterst\u00fctzung sein kann. Wo sie euch mit offenen H\u00e4nden und Herzen Wege weisen, st\u00e4rken sie euch darin, auch eigene Wege zu wagen.<\/p>\n<p>Durch andere Menschen werden wir ermutigt, uns selbst zu finden. Weil uns jemand zutraut, dass wir etwas k\u00f6nnen, lassen wir uns durch m\u00f6gliche Fehlschl\u00e4ge nicht entmutigen. Weil wir sp\u00fcren, dass wir wertvoll sind in den Augen jener Menschen, die uns lieben, k\u00f6nnen wir auch f\u00fcr andere Gutes tun, ihnen zum Ansto\u00df werden und zum Segen.<\/p>\n<p>Einer, der seinen Mitmenschen Anst\u00f6\u00dfe zum Nachdenken geben wollte, war der Schreiber einer theologischen, etwas komplizierten Abhandlung. Viel Herzblut verwandte er darauf, seine Mitmenschen zum Glauben zu ermutigen oder sie in ihrem Glauben zu st\u00e4rken. Nachdem er seine wichtigsten Gedanken \u00fcber Gott und Jesus dargelegt hat, will er zum Schluss das Gesagte nicht einfach nur zusammenfassen und wiederholen. Vielmehr sollen die zentralen Worte den Lesern wie ein Gebet \u00fcber die Lippen gehen. Wie ein unverkennbarer Fingerabdruck sollen ihnen die S\u00e4tze vor Augen sein. Der Autor m\u00f6chte ihnen die Worte fest in Herz und Verstand einpr\u00e4gen. Eng verdichtet, beinahe formelhaft schreibt er am Ende des Hebr\u00e4erbriefes:<\/p>\n<p align=\"center\">Der Gott des Friedens,<br \/>\nder den gro\u00dfen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus,<br \/>\nvon den Toten heraufgef\u00fchrt hat<br \/>\ndurch das Blut des ewigen Bundes,<br \/>\nder mache euch t\u00fcchtig in allem Guten, zu tun SEINEN Willen, und schaffe in uns, was IHM gef\u00e4llt,<br \/>\ndurch Jesus Christus,<br \/>\nwelchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!<br \/>\nAmen<\/p>\n<p>Es ist nichts anderes als ein inniger Segenswunsch, \u00e4hnlich wie wir uns von einander verabschieden und schreiben: &#8222;Viele liebe Gr\u00fc\u00dfe und mach`s gut!&#8220; Aber der Autor des Hebr\u00e4erbriefes schreibt nicht einfach nur: &#8222;Mach`s gut!&#8220; Oder in seinen Worten: &#8222;Sei t\u00fcchtig in allem Guten!&#8220; Er wei\u00df, dass unsere menschlichen F\u00e4higkeiten, Gutes zu tun, nicht von allein heranwachsen und gedeihen. Wir brauchen immer wieder Anregung, Ansto\u00df und R\u00fcckmeldung von au\u00dfen. Und sicher ben\u00f6tigen wir auch eine Vorpr\u00e4gung, die uns \u00fcberhaupt in die Lage versetzt, das Gute zu erkennen und danach zu handeln. Gepr\u00e4gt werden wir vor allem durch Erfahrungen in unserer Kindheit. Wenn ich meine Tochter ermahne, sich etwas Warmes anzuziehen, dann h\u00f6re ich mich erstaunt in genau denselben Worten reden, die meine Mutter schon gebrauchte. Aber auch sp\u00e4tere Erlebnisse und Eindr\u00fccke hinterlassen ihre Spuren in uns. Abdr\u00fccke in unserer Seele und in der Art wie wir reden und handeln. Wenn wir uns verstanden f\u00fchlen, gelobt werden und geliebt, dann k\u00f6nnen wir auch selber Liebe weitergeben, anderen ein freundliches Wort sagen oder uns um Verst\u00e4ndigung bem\u00fchen. Solche positiven Lebenserfahrungen sind wie ein unausl\u00f6schlicher Fingerabdruck in Herz und Seele, der uns ermutigt andere ebenso freundlich und liebevoll zu behandeln.<\/p>\n<p>Der Autor des Hebr\u00e4erbriefes beschreibt, was Gott l\u00e4ngst in uns allen eingepr\u00e4gt hat, worauf wir nur zur\u00fcckzugreifen brauchen: Frieden und Auferstehung, Bundesblut und die Rede vom Gro\u00dfen Hirten. Schwierige, gro\u00dfe Worte, die unser Herz ber\u00fchren und unseren Verstand bewegen wollen. Sie erinnern an den Gekreuzigten, an JESUS, der sein Leben wie ein guter Hirte opferte, damit wir Menschen heil und gerettet werden. Durch sein Blut, am Kreuz vergossen und im Abendmahl von uns symbolisch als Nahrung aufgenommen, sind wir auf ewig mit ihm verbunden. Und so, wie Gott Christus von den Toten heraufgef\u00fchrt hat, hat er auch f\u00fcr uns den Bann des Todes zerbrochen. Neues Leben ist uns geschenkt. Und mit diesem starken R\u00fcckhalt, k\u00f6nnen wir auch die schwierigen Zeiten im diesseitigen Leben bew\u00e4ltigen, k\u00f6nnen wir leben, handeln, agieren, wie Gott es will &#8211; ermutigt, gest\u00e4rkt und herausgefordert, das Gute zu tun.<\/p>\n<p>Das gilt uns Erwachsenen ebenso wie euch KonfirmandInnen und allen Heranwachsenden. All die wunderbaren F\u00e4higkeiten und Begabungen, die in euch angelegt sind, pr\u00e4gen euch wie ein Fingerabdruck. Zwar k\u00f6nnen und sollen sie sich weiter entwickeln, wachsen und gedeihen; sie werden sich samt euer Pers\u00f6nlichkeit wohl auch ver\u00e4ndern. Doch die Grundstruktur, innerhalb der das geschieht, bleibt dieselbe: Ihr seid <b>gesegnete<\/b> Menschenkinder. In der Taufe wurde euch ein &#8222;Fingerabdruck&#8220; Gottes eingepr\u00e4gt, der euch zu ganz besonderen Menschen macht, zu einmaligen, unverwechselbaren Gotteskindern, die vom Anfang bis zum Ende (und dar\u00fcber hinaus!) unter Seinem Segen leben.<\/p>\n<p>Zum Abschluss eurer Konfirmation m\u00f6chte ich euch auch ein letztes Wort mitgeben, einen Segenswunsch, der so \u00e4hnlich klingt und \u00c4hnliches meint, wie die Abschiedsworte im Hebr\u00e4erbrief. Und ich w\u00fcrde mich freuen, wenn es in euch auf den Lippen bleibt wie ein Gebet und auf der Seele wie ein &#8222;Fingerabdruck&#8220; Gottes:<\/p>\n<p align=\"center\">Der barmherzige Gott gebe dir<br \/>\nSchutz und Schirm vor allem B\u00f6sen,<br \/>\nSt\u00e4rke und Hilfe zu allem Guten,<br \/>\ndamit du bewahrt werdest im Glauben<br \/>\nzum Ewigen Leben.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<p><a name=\"vor\"><\/a><b>VORBEMERKUNGEN<\/b> zur Gemeindesituation und zu Hebr\u00e4er 13, 20f<br \/>\nDieser Predigttext ist f\u00fcr einen Sonntag vorgeschlagen, an dem in unseren beiden Gemeinden die erste von zwei Konfirmationen stattfindet. Bei kleineren Gruppen nehme ich lieber anstelle des vorgeschlagenen Predigttextes die von den KonfirmandInnen selbst ausgew\u00e4hlten Bibelspr\u00fcche und lege sie als pers\u00f6nliche Anrede aus. Bei den diesj\u00e4hrigen Gruppen mit 13 bzw. 8 Jugendlichen w\u00fcrde dies allerdings zu lange dauern.<br \/>\nEin Segenswunsch zum Abschluss eines Traktates und einer gemeinsam durchlebten Zeit erscheint mir als Predigtvorlage durchaus reizvoll. Nur die geballte Ladung Theologie in komprimierter Form schreckt mich etwas ab. Worauf lege ich das Schwergewicht? Hirtensonntag (mit all den ambivalenten Empfindungen gegen\u00fcber Hirten und Schafen) oder Vers\u00f6hnung und Frieden (im Gegenzug zum eskalierenden Schrecken im Nahen Osten)? Bundesblut am Kreuz und Auferweckung von den Toten, Abendmahl oder Ermutigung Gutes zu tun?<br \/>\nIch glaube, ich m\u00f6chte den SEGEN hervorheben, der sowohl im Text als auch f\u00fcr die KonfirmandInnen im Vordergrund steht. Gesegnet zu sein ist die Grundlage f\u00fcr unser Leben und f\u00fcr ein Tun des Guten.<br \/>\nAuf das Titelblatt f\u00fcr den Liederzettel im Konfirmationsgottesdienst werde ich die Fingerabdr\u00fccke und Unterschriften unserer KonfirmandInnen abdrucken.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Pastorin Karin Klement<br \/>\nLange Stra\u00dfe 42<br \/>\n37077 G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:Karin.Klement@evlka.de\">email: Karin.Klement@evlka.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konfirmationsgottesdienst | Misericordias Domini | 14. April 2002 | Hebr\u00e4er 13, 20-21 | Karin Klement | Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Liebe Eltern, PatInnen und alle, die heute diesen besonderen Festtag unter Gottes Wort mit uns feiern! Liebe Gemeinde! 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