{"id":21671,"date":"2002-04-15T15:21:24","date_gmt":"2002-04-15T13:21:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21671"},"modified":"2025-04-15T17:01:17","modified_gmt":"2025-04-15T15:01:17","slug":"apostelgeschichte-17-22-31-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-17-22-31-2\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 17, 22-31"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Jubilate <\/span><span style=\"color: #000099;\">(3. Sonntag nach Ostern), 21. April 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Apostelgeschichte 17, 22-31, verfa\u00dft von Klaus Steinmetz <\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Paulus in Athen! Das Evangelium wird zum ersten Mal in der Stadt verk\u00fcndet, die als Zentrum des griechischen Geistes und Denkens gilt -ein Augenblick von h\u00f6chster Spannung und Bedeutung. An der Stelle auf dem Areopag, wo Paulus seine Rede gehalten haben soll, ist heute eine Bronzetafel angebracht, die den Text der Rede enth\u00e4lt. Nach Lukas hat Paulus in seiner Ansprache gesagt, er sei durch Athen gegangen und habe bemerkt, dass die Athener religi\u00f6s sehr interessiert seien. Keinem Gott, der es wert sei, wollten sie die ihm geb\u00fchrende Verehrung versagen. Deswegen h\u00e4tten sie sogar einem &#8222;unbekannten&#8220; Gott einen Altar errichtet. Eigentlich muss dem Juden Paulus die Verehrung vieler G\u00f6tter bei den Griechen ja ein Abscheu gewesen sein. Hier aber nimmt er diese Tatsache als Ausdruck religi\u00f6sen Eifers einigerma\u00dfen positiv auf. Ankn\u00fcpfend an seine Beobachtung f\u00e4hrt er fort: Den unbekannten Gott, den sie bisher nicht kennen, den will er ihnen bekannt machen. Diesem einen Gott gegen\u00fcber z\u00e4hlen all die vielen anderen G\u00f6tter \u00fcberhaupt nichts mehr &#8211; die Kritik ist gut verpackt. Ich versuche mir nun vorzustellen, was Paulus bei einem Gang durch unsere Stadt in religi\u00f6ser Hinsicht wohl beobachten und anschlie\u00dfend vielleicht in einer Predigt aufgreifen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, da sind zun\u00e4chst einmal unsere Kirchen. Aber die lasse ich hier aus. Sicher, durch das Kreuz als Symbol w\u00fcrde wohl auch Paulus darauf kommen, dass sie etwas mit dem Christusglauben zu tun haben m\u00fcssten. Und es w\u00e4re schon interessant, was er als jemand, der christliche Kirchen als Geb\u00e4ude ja noch gar nicht gekannt hat, zu unseren Kirchen sagen w\u00fcrde; zu den Kirchen, die uns doch viel bedeuten, vor allem wenn sie gro\u00df, sch\u00f6n und ehrw\u00fcrdig sind. Nur einen Gedanken m\u00f6chte ich einf\u00fcgen, auf den mich der Text bringt: Sind unsere Kirchen nicht inzwischen manchmal zu Erinnerungszeichen f\u00fcr den &#8222;unbekannten&#8220; Gott geworden, den wieder unbekannt gewordenen Gott? Aber, wie gesagt, die Kirchen lasse ich f\u00fcr den Rundgang des Paulus einmal aus. Worauf w\u00fcrde er sonst sto\u00dfen? Auf Stellen, wo sich direkt religi\u00f6ses Leben abspielt, wohl kaum. Trotzdem k\u00f6nnte ihm einiges Interessante auffallen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Kaufh\u00e4user etwa, in die sich ein ununterbrochener Strom von Menschen ergie\u00dft. In einigen ert\u00f6nt leise Musik, ged\u00e4mpfte Ger\u00e4usche \u00fcberall, bei allem gesch\u00e4ftigen Treiben doch auch intensives, manchmal hingebungsvolles Betrachten und Pr\u00fcfen. Was suchen die Menschen hier? Nur das, was sie sehen und ausw\u00e4hlen? Oder noch anderes, noch mehr?<\/p>\n<p>Auf der Stra\u00dfe drau\u00dfen k\u00f6nnte Paulus St\u00e4nde entdecken, an denen Menschen nicht nur Waren, sondern auch Informationen und \u00dcberzeugungen anbieten und daf\u00fcr werben, politische wie jetzt im Wahlkampf, aber auch weltanschauliche, ja manchmal auch ausgesprochen religi\u00f6se. Und sie finden offensichtlich Menschen, die sich darauf ansprechen lassen. In den Buchhandlungen w\u00fcrde er viele B\u00fccher von Reisen und fernen L\u00e4ndern entdecken. Und in einer meist nicht gerade kleinen Ecke Schriften und B\u00fccher \u00fcber das Horoskop und \u00fcber weltanschaulich-religi\u00f6se Themen, nicht nur aus dem christlichen Bereich: von Spiritualit\u00e4t, von Heil und Ganzheit und Universalit\u00e4t ist da die Rede. Vielleicht w\u00fcrde Paulus \u00fcberlegen, warum so viele das kaufen.<\/p>\n<p>Weiter w\u00fcrde er vielleicht die vielen Arztpraxen und Apotheken wahrnehmen und, wenn er etwas weiter hinausk\u00e4me, die gro\u00dfen Krankenh\u00e4user. Was den Menschen am wichtigsten ist, das bauen sie auch am gr\u00f6\u00dften. Er w\u00fcrde da viel Leid und Elend zu sehen bekommen, aber auch viel an Sehnsucht und Hoffnung, an Entt\u00e4uschungen und an Vertrauen. Abends w\u00fcrde er vielleicht auf eine Diskothek sto\u00dfen, und drinnen neben Krach und Ausgelassenheit auch das Versunkensein junger Menschen bemerken, ihr Verlangen nach Verbundenheit und menschlicher N\u00e4he und W\u00e4rme. Ich breche hier ab. Da ist immer wieder, wenn auch manchmal versteckt, so etwas wie Sehnsucht und Suche nach mehr vorgekommen; oft nat\u00fcrlich in einem ganz \u00e4u\u00dferen Sinn: Mehr haben wollen. Aber manchmal ist doch auch erkennbar geworden, dass es nicht um das \u00c4u\u00dfere geht, dass es um Mehr in einem tieferen Sinn geht: Mehr Leben, wirkliches, echtes Leben.<\/p>\n<p>Ob Paulus das alles so positiv aufnehmen k\u00f6nnte wie den religi\u00f6sen Eifer der Athener, wei\u00df ich nat\u00fcrlich nicht. Aber warum eigentlich nicht? Dann w\u00fcrde er vielleicht sagen: Das was ihr sucht, oft sehr unklar und verworren, das m\u00f6chte ich euch sagen und bringen. Ihr sucht das Leben ; ich nenne euch den, der das Leben, die Erf\u00fcllung ist &#8211; Gott! Weil euer Leben, weil ihr selbst, wie \u00fcberhaupt alles, von Gott kommt und ihm geh\u00f6rt, auch wenn ihr das nicht wisst oder vergessen habt, k\u00f6nnt ihr Erf\u00fcllung, Sinn und Leben nur in ihm finden und haben. Der Theologe und Kirchenvater Augustin hat diese \u00dcberzeugung knapp 400 Jahre nach Paulus in folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: Du, Gott, hast uns auf dich hin geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir. In einer unter Umst\u00e4nden versch\u00fctteten, und doch unausrottbaren Weise sitzt eine Ahnung davon tief im Menschen drin. Der Mensch ist hoffnungslos religi\u00f6s &#8211; so formuliert das ein Satz aus unserer Zeit.<\/p>\n<p>Paulus redet auf dem Areopag also, wenn man so will, von der selbstverst\u00e4ndlichen, einfachen Seite unseres Glaubens. Wir sind es heute eher gewohnt, von der schwierigen Seite des Glaubens zu reden, ihn in Frage gestellt zu sehen und selber in Frage zu Stellen: Kann das sein? Ist das wirklich so? Wie verh\u00e4lt sich das mit dem Glauben zu unseren modernen Erkenntnissen? &#8211; Das sind auch wichtige und richtige Fragen. Aber genauso, ja im Grunde noch mehr z\u00e4hlt doch auch die andere, die einfache und selbstverst\u00e4ndliche Seite unseres Glaubens: Wenn Gott wirklich, wie wir bekennen, der Grund und Sch\u00f6pfer von allem ist, dann ist alles, dann sind auch wir selbst nur durch ihn und in ihm: In ihm leben, weben und sind wir, sagt Paulus. Ohne ihn w\u00e4re gar nichts. Ohne ihn k\u00f6nnten wir auch gar nicht nach ihm fragen, erst recht nicht ihn in Frage stellen. Unser Sein und Leben ist in ihm begr\u00fcndet. Ob wir das erkennen und wahrnehmen, ist eine ganz andere Sache .<\/p>\n<p>Gott &#8211; so selbstverst\u00e4ndlich und notwendig wie die Luft, die wir atmen, wie das Brot, das wir essen. Gott &#8211; durch den und von dem wir alles haben. Paulus kann deswegen auch nicht anders, als von der G\u00fcte dieses allumfassenden Gottes reden, die er allen zuwendet, durch alles, was sie zum Leben haben und brauchen; auch durch die Menschen, deren Liebe und G\u00fcte unser Leben erm\u00f6glicht und gepr\u00e4gt hat, von Mutterleib und Kindesbeinen an. Gott &#8211; die umfassende und selbstverst\u00e4ndliche Grundlage von allem: Dessen m\u00f6chte ich im Anschluss an Paulus uns in dieser Predigt vergewissern. Denn das Selbstverst\u00e4ndliche ist uns nicht einfach und immer selbstverst\u00e4ndlich. Es gibt auch das andere, dass wir dies vergessen k\u00f6nnen, dass Gott uns fraglich wird. Es verr\u00e4t viel \u00fcber uns, dass es dazu kommen kann, zu solcher Entfremdung. S\u00fcnde nennt die Bibel das.<\/p>\n<p>Wenn es dazu kommt, dann ist das aber nicht nur und oft gar nicht in erster Linie eine Sache des Denkens und der Erkenntnis. Es gibt auch Ursachen, die im Erleben und Leiden liegen, dass Gott uns fernr\u00fcckt, fremd wird. Da ist dann \u00fcberhaupt nichts mehr einfach und selbstverst\u00e4ndlich. Da ist dann auch noch von anderem zu reden, da wird Jesus Christus wichtig, ja n\u00f6tig. Paulus kommt auf ihn ganz am Schluss seiner Predigt. Dass nichts, auch Leiden und Schuld, ja zuletzt auch der Tod nicht, uns von Gott trennen k\u00f6nnen, daf\u00fcr steht uns Jesus Christus. Daf\u00fcr brauchen wir nicht nur allgemeine Gedanken und Ideen, daf\u00fcr brauchen wir einen Menschen, ein menschliches Gesicht, das uns ansieht: das Angesicht Jesu Christi: Um seinetwillen verlass dich darauf, in allem und trotz allem, was du erlebst und erleidest und was um dich her geschieht, dass Gott an dir liegt und dich liebt und dass er diese, seine Welt nicht aus der Hand gibt.<\/p>\n<p>Der unergr\u00fcndliche, alles umfassende Gott tr\u00e4gt und liebt dich, so wie er die ganze Welt tr\u00e4gt und liebt, das ist das Geheimnis unseres Glaubens. Das Selbstverst\u00e4ndliche und das \u00fcberhaupt nicht Selbstverst\u00e4ndliche sind darin vereint. Gott schenke uns diesen Glauben, jeden Tag neu &#8211; um Jesu Christi willen. Amen<\/p>\n<p><b>Klaus Steinmetz, Sup.i.R.<br \/>\nHainholzweg 8<br \/>\n37085 G\u00f6ttingen<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020421-3.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020421-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jubilate (3. Sonntag nach Ostern), 21. April 2002 Predigt \u00fcber Apostelgeschichte 17, 22-31, verfa\u00dft von Klaus Steinmetz Liebe Gemeinde! Paulus in Athen! Das Evangelium wird zum ersten Mal in der Stadt verk\u00fcndet, die als Zentrum des griechischen Geistes und Denkens gilt -ein Augenblick von h\u00f6chster Spannung und Bedeutung. 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