{"id":21675,"date":"1998-09-15T15:23:06","date_gmt":"1998-09-15T13:23:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21675"},"modified":"2025-03-15T15:26:02","modified_gmt":"2025-03-15T14:26:02","slug":"2-timotheus-17-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-timotheus-17-10\/","title":{"rendered":"2. Timotheus 1,7-10"},"content":{"rendered":"<h3>16. S. nach Trinitatis | 27.9.1998 | 2. Tim 1,7-10 | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p>1,7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8 Darum sch\u00e4me dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir f\u00fcr das Evangelium in der Kraft Gottes. 9 Er hat uns gerettet und berufen mit einem heiligen Ruf, sieht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschlu\u00df und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unverg\u00e4ngliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>dies war nur ein kurzer Abschnitt aus einem Brief, und soviel wir daraus verstehen k\u00f6nnen, sitzt einer wegen seines Glaubens im Gef\u00e4ngnis und ermuntert den Empf\u00e4nger, sich mutig zu Gott, seinem Herrn, zu bekennen und sich deswegen nicht zu sch\u00e4men.<\/p>\n<p>Diesem Brief merkt man sogleich an, da\u00df er nicht nur aus einer anderen, l\u00e4ngst vergangenen Zeit, sondern vor allem aus einer uns nicht mehr vertrauten Situation stammt.<\/p>\n<p>Wer mu\u00df sich bei uns noch seines Glaubens sch\u00e4men? Sicher, viele unserer Zeitgenossen verstehen nicht mehr so ganz und manche gar nicht, weshalb es uns noch in die Kirchen und zum Gebet treibt, aber beim Gespr\u00e4ch etwa unter Kollegen oder Freunden h\u00f6ren wir auch, da\u00df es in ihrem Leben so etwas wie eine h\u00f6here Instanz gibt, zu der sie zwar nicht beten k\u00f6nnen, jedenfalls nicht regelm\u00e4\u00dfig, aber mit der sie doch bisweilen rechnen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>An den sch\u00f6nen Kirchen erfreuen sie sich durchaus, und mancher findet im Urlaub oder am Erntedanktag immer noch oder wieder neu den Weg hinein. Da\u00df dieses Leben, das wir leben, nicht alles sein kann, glaubt jeder nur zu gerne, und da ist es eigentlich ganz gut, jemanden zum Gespr\u00e4ch zu haben, der f\u00fcr diesen Glauben noch eintritt.<\/p>\n<p>Nein, zu sch\u00e4men brauchen wir uns als Christen nicht mehr. Mit einem Gott, der im Hintergrund bleibt und uns unauff\u00e4llig im Leben begleitet, freundet man sich gerne an. Vielleicht w\u00fcrde das gleich anders werden, wenn wir im Gespr\u00e4ch ernster mit dem Inhalt dieses kurzen Briefabschnittes machten und von unserem Glauben an Jesus Christus erz\u00e4hlten, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unverg\u00e4ngliches Wesen ans Licht gebracht hat.<\/p>\n<p>Da liegen die M\u00f6glichkeit, verlacht zu werden, und die Scham dar\u00fcber nahe. Der Tod ist eine ernste Sache, an die wir uns nur ungern erinnern lassen, denn spricht einer vom Sterben, wird uns klar, da\u00df aller Fortschritt in unserem Leben, alle Kunst des Lebens und \u00dcberlebens letztlich der Macht des Todes nicht gewachsen sind. Die Wissenschaft n\u00e4hrt zwar die Hoffnung darauf, da\u00df es irgendwann in einer fernen Zeit anders sein kann und wir auch \u00fcber den Tod triumphieren werden, doch bis dahin m\u00fcssen wir uns bescheiden und damit leben, da\u00df wir diese Zeit wohl nicht mehr erreichen werden. Der Tod geh\u00f6rt zum Leben, sagen wir, und wollen damit verbergen, da\u00df wir uns innerlich gegen nichts mehr str\u00e4uben als gegen diese Einsicht. Wir werden richtig \u00e4rgerlich, wenn einer diesen Burgfrieden st\u00f6rt und behauptet, da\u00df dem Tode die Macht schon genommen ist.<\/p>\n<p>Gerne wollen wir glauben, da\u00df Gott besch\u00fctzen und bewahren kann, aber an mehr wollen nur wenige glauben. Gott mag, vor dem Tod zu retten, aber doch nicht aus dem Tod herausrei\u00dfen.<\/p>\n<p>In der biblischen Geschichte, die wir gerade als Evangelium geh\u00f6rt haben, wird freilich genau dies erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p>Jesus, der Sohn Gottes, holt Lazarus aus dem Tod zur\u00fcck. Lazarus lag schon vier Tage im Grab. Martha, seine Schwester gibt sich mit dem Trost der Freunde nicht zufrieden. Sie glaubt an Jesus, den Sohn Gottes, der die Auferstehung und das Leben ist. Jesus ruft: Lazarus, komm heraus! Und Lazarus kommt heraus. Da kann das genaue Hinh\u00f6ren zum Er-leben werden, wenn wir uns herausrufen lassen aus dem Grab und Ernst machen wollen damit, da\u00df dem Tode die Macht genommen ist.<\/p>\n<p>Nur m\u00fcssen wir zuerst anerkennen, da\u00df der Tod unumst\u00f6\u00dfliche Macht \u00fcber uns hat und da\u00df wir der Rettung bed\u00fcrfen. Wir wollen zu gern diese Macht aus unserem t\u00e4glichen Leben blenden und seine Wirklichkeit nur noch als die Zeit verstehen, die wir dem Leben nicht mehr abringen konnten, als die Zeit nach dem Ende. Seine Vorboten, Krankheit, Alter und Gebrechlichkeit wollen wir zwar bek\u00e4mpfen, aber eigentlich nicht zu uns vorlassen, erst dann, wenn es denn gar nicht mehr geht, nehmen wir sie zur Kenntnis und sch\u00e4men uns vielleicht noch wegen ihrer Botschaft. Den gro\u00dfen St\u00f6rfall im Leben, die Niederlage, als die wir den Tod empfinden, blenden wir am liebsten so lange aus, bis er unausweichlich geworden ist<\/p>\n<p>Die frohe Botschaft von der Errettung macht uns provokativ bewu\u00dft, da\u00df es den Tod immer noch gibt. Diese Botschaft wirkt bald anst\u00f6\u00dfiger noch als der Tod selbst, weil sie deutlich macht, da\u00df hier ein anderer f\u00fcr uns gehandelt hat und handeln mu\u00df, da\u00df unsere Kr\u00e4fte, unsere Selbstbestimmung sehr begrenzt sind.<\/p>\n<p>Die Verl\u00e4ngerung des Lebens kann zwar als unser Werk angesehen werden, die \u00dcberwindung des Todes aber nie. Daran zu glauben, hei\u00dft nicht nur, die Macht des Todes \u00fcber uns Menschen zu akzeptieren, sondern ihm ins Auge blicken zu k\u00f6nnen. Diesem Blick weichen wir gerne aus, vielleicht weil wir \u00fcber das erschrecken k\u00f6nnten, was in unserem Leben alles noch aussteht. Das kann doch nicht alles gewesen sein?, so fragen sich viele angesichts des nahen Todes und meinen in solchen resignierenden Augenblicken, da\u00df ihr Leben vielleicht einiges, zuletzt aber doch nicht viel mehr gewesen ist, als ihnen jetzt noch bleibt. Der Tod kommt anscheinend h\u00e4ufig zu fr\u00fch, und wir m\u00fcssen zur\u00fccklassen, was unvollkommen geblieben ist und bleiben wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Hinterbliebenen werden wir bleiben, was wir in ihren Augen gewesen sind, und werden damit ganz der Kraft ihrer Erinnerung ausgeliefert sein. Durch Verkl\u00e4rung werden sie hinzutun, was einem runden Bild von uns noch fehlt, aber zuletzt wird dieses Bild verschwimmen und mit ihnen sterben.<\/p>\n<p>Nur wer dem Tode die Macht nimmt, kann den Verstorbenen eine wirkliche Zukunft geben. F\u00fcr die Angeh\u00f6rigen hei\u00dft das: Trost, mit der Hoffnung zu leben, da\u00df ihre Lieben nun bei Gott sind.<\/p>\n<p>Errettung geschieht dann aber bereits im Leben vor dem Tod. Errettung meint n\u00e4mlich das Ungeheuerliche, da\u00df nicht nur die Lebenden, die Jungen und Kraftvollen eine Zukunft haben, sondern auch die Schwachen, die Sterbenden und die Gestorbenen. Gerade an ihnen kann uns bewu\u00dft werden, da\u00df wir zwar mit eigenen Kr\u00e4ften leben, aber leben k\u00f6nnen nur aus der Kraft des Geistes, der jedem von uns, den Gesunden, wie den Kranken, den Lebenden, wie den Toten geschenkt wird.<\/p>\n<p>Gott will uns diesen Geist des Glaubens schenken. Im Brief hei\u00dft er der Geist der Liebe und der Besonnenheit.<\/p>\n<p>Amen!<\/p>\n<hr \/>\n<p>Herrn Dr. Friedrich Seven Im Winkel 6 37412 Scharzfeld Tel. 05521 2429<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16. S. nach Trinitatis | 27.9.1998 | 2. 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