{"id":21685,"date":"2002-05-15T15:27:22","date_gmt":"2002-05-15T13:27:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21685"},"modified":"2025-04-15T16:16:44","modified_gmt":"2025-04-15T14:16:44","slug":"2-mose-32-7-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-mose-32-7-14-2\/","title":{"rendered":"2. Mose 32, 7-14"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Rogate <\/span><span style=\"color: #000099;\">(5. Sonntag nach Ostern), 5. Mai 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 2. Mose 32, 7-14, verfa\u00dft von Rudolf Rengstorf<\/span><\/b><\/p>\n<p><b><span style=\"color: #000099;\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/aktuell-index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(-&gt; zu den aktuellen Predigten \/ www.online-predigten.de)<\/a><\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Rogate &#8211; betet &#8211; wird uns mit dem Namen dieses Sonntages zugerufen. Betet gemeinsam! Also kommt mit dem Beten heraus aus euren K\u00e4mmerlein. Sprecht Gott an auf das, was euch gemeinsam besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Die Bibelstelle, die uns dazu anstiften soll, ist keine Anleitung zu Fragen wie: Wie macht man das? Auch kein theologisches Lehrst\u00fcck \u00fcber das Thema: Warum sollen wir beten, wenn Gott doch allm\u00e4chtig und allwissend ist? Eine Geschichte wird uns erz\u00e4hlt. Sie handelt nicht von dem, was wir schon immer \u00fcber Gott zu wissen meinen. Sie verwickelt uns in eine Auseinandersetzung, die von Gott ausgel\u00f6st wird.<\/p>\n<p>Er spricht Mose an oben auf dem Berg Sinai. Dort ist Mose hinaufgestiegen, um sich den Willen Gottes f\u00fcr sein Volk einzupr\u00e4gen, die Ordnungen des Gottesdienstes und das Grundgesetz Israels zu lernen. Doch die Ruhe und die \u00fcbersicht, die er sucht, findet er nicht. Statt dessen h\u00f6rt er einen Gott, der sich aufgebracht abwenden will von dem Bund, den er gerade nach der Befreiung aus der Sklaverei in \u00c4gypten mit dem Volk in der W\u00fcste geschlossen hatte. Weil das Volk in der W\u00fcste &#8211; so la\u00dft er Mose wissen &#8211; diesen Bund schon wieder aufgegeben hat.<\/p>\n<p>Sie konnten es nicht ertragen, auf einen Gott angewiesen zu sein, den sie nur vom H\u00f6rensagen kannten. Das mochte noch angehen, solange Mose da war und mit seiner F\u00fchrung daf\u00fcr einstand, da\u00df sie es wirklich mit Gott zu tun hatten. Doch nun, da sich Mose auf den Berg zur\u00fcckgezogen hatte, brauchten sie einen handfesten Anhaltspunkt daf\u00fcr, da\u00df Gott tut, was er sagt, und sie herausf\u00fchren w\u00fcrde aus der W\u00fcste in ein Land, in dem sie sicher wohnen k\u00f6nnten. Deshalb hatten sie sich einen goldenen Stier machen lassen. Nicht weil sie einen anderen Gott haben wollten, aber weil sie Gott handfest, dauerhaft pr\u00e4sent, eindeutig und starkmachend brauchten.<\/p>\n<p>Von Abfall und G\u00f6tzendienst redeten sie nicht. Aber Gott tut das vor Mose. Denn er wei\u00df: Wenn sie erst anfangen, sich ein Bild von mir zu machen und Ausschau zu halten nach dem, was ihr Leben zu stabilisieren verspricht und woran sie sich festhalten k\u00f6nnen, dann f\u00fchren sie mich vielleicht noch im Munde, aber im Grunde bin ich abgemeldet. Weil es gar nicht mehr um mich geht, sondern nur noch um das, was sie sich von mir versprechen. Und damit letztlich nur noch um sie selbst.<\/p>\n<p>Einen entt\u00e4uschten und zutiefst verletzten Gott bekommt Mose zu h\u00f6ren: &#8222;Ich sehe, da\u00df es ein halsstarriges Volk ist.&#8220; Was soll ich mit einem Volk, auf das ich mich nicht verlassen kann? Was soll ich mit einer Volkskirche, die sich in meinem Namen nicht entschieden absetzt von der allgemeinen Gier nach Lebensgenu\u00df? Und mich auf ihren Festen aussehen l\u00e4\u00dft wie einen Onkel, der immer mal wieder warnend den moralischen Zeigefinger hebt, aber im Grund doch froh ist, da\u00df er noch etwas mit dabei sein kann.<\/p>\n<p>Komm. Mose, sagt Gott, wir \u00fcberlassen dieses Volk dem Verh\u00e4ngnis, das es sich selber auf den Hals zieht. Du und ich. Wir fangen noch einmal ganz von vorne an. Und was daraus wird, das hat Zukunft: Menschen, die ausgerichtet bleiben auf mich, die singen und sagen: &#8222;Nach Erd und Himmel frag ich nicht, wenn ich dich nur kann haben.&#8220; Und ich ein Gott, der seine Freude hat an Menschen, die aufleben unter seinem Wort und die Sch\u00f6nheit seiner Welt zu sch\u00e4tzen und zu bewahren wissen.<\/p>\n<p>Und Mose? Der \u00fcberh\u00f6rt das Angebot. Will nichts wissen von einem Exklusiv-Verh\u00e4ltnis mit Gott. Genausowenig wie Jesus etwas wissen will von dem Angebot, das ihm alle Reiche der Welt zu F\u00fc\u00dfen legt. Ganz nebenbei: Wer sind wir, da\u00df wir Exklusiv-Vertr\u00e4ge mit Gott in Betracht ziehen, auf die sich weder der Mittler des ersten noch der B\u00fcrge des zweiten Bundes eingelassen haben? Bei aller Sympathie f\u00fcr die Freikirchen: Sie sind an diesem Punkt nicht frei von Versuchlichkeit! Mose und Jesus f\u00fchlten sich verantwortlich f\u00fcr das ganze Volk und identifizierten sich mit ihm. Sie unterscheiden dabei nicht zwischen Frommen und Gottlosen, zwischen Bekehrten und Nichtbekehrten.<\/p>\n<p>Das Gebet Moses geht genau in die entgegengesetzte Richtung. Statt Gott daf\u00fcr zu bitten, da\u00df auch die anderen so fromm werden wie er selber und sich wieder zu Gott bekehren, fleht er, ja k\u00e4mpft er darum, da\u00df Gott sich wieder zu seinem Volk bekehrt! Und daf\u00fcr f\u00fchrt er Argumente ins Feld: Was sollen denn die \u00c4gypter sagen, wenn du dein Volk fallen l\u00e4\u00dft? Was ist das f\u00fcr ein Gott, der sein Volk befreit, um es dann in der W\u00fcste umkommen zu lassen? Willst du etwa den Atheisten Recht geben mit ihrer Behauptung, einen Gott, der sich um diese Welt und die Menschen k\u00fcmmert, gibt es nicht? Dieser ist nichts als Einbildung, Erfindung, Sch\u00f6pfung des Menschen? Was wird aus deiner Ehre, wenn du deine Welt zum Teufel gehen l\u00e4\u00dft?<\/p>\n<p>Und was ist mit deinen Verhei\u00dfungen, die du hoch und heilig abgegeben hast? Da\u00df die Nachkommen Abrahams ein gro\u00dfes Volk werden und bleiben sollen mit einem Land, das ihnen geh\u00f6rt? Und das Versprechen bei jeder Taufe: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende &#8211; nichts als leere Worte? Dein Zorn ist verst\u00e4ndlich, o Herr. Doch la\u00df ihn nicht Herr werden \u00fcber dich, kehre dich ab von ihm und denke daran, da\u00df du dich f\u00fcr Worte des Lebens entschieden hast.<\/p>\n<p>Betet! Weil das Wohl und Wehe der Menschen auf dem Spiele steht. Betet, weil der gn\u00e4dige und barmherzige Gott sich vergessen k\u00f6nnte vor Zorn. Betet, weil Gott Menschen braucht, die ihn beim Wort nehmen, bei seiner Ehre packen und seinen Stolz reizen!<\/p>\n<p>Aber d\u00fcrfen wir das? Hat Jesus diesem aufs\u00e4ssigen, k\u00e4mpferischen Beten des Mose gegen\u00fcber uns im Vaterunser nicht auf ganz andere Standards festgelegt? Mu\u00df nicht am Anfang wie am Ende jedes christlichen Gebets die Bitte stehen: Dein Willle geschehe?<\/p>\n<p>Diese Frage h\u00e4tte Mose mit Sicherheit nicht besch\u00e4mt verstummen und nur noch fromme Ergebenheitsadressen murmeln lassen. Genau darum mu\u00df es uns beim Beten gehen, h\u00f6re ich ihn sagen: Gott und uns selbst daran zu erinnern, da\u00df sein Wille ganz etwas anderes ist als der Lauf der Dinge, der von blinden Zuf\u00e4llen, dem Willen von Menschen und den Auswirkungen ihrer Schuld gesteuert wird. Gott und das, was wir vor Augen haben und was sich vor unseren Augen abzuzeichnen beginnt, sind nicht dasselbe. Unser Gott l\u00e4\u00dft sich h\u00f6ren mit einer unb\u00e4ndigen Leidenschaft f\u00fcr seine Sch\u00f6pfung und seine Menschen. Daran will er von uns erinnert werden: Sein erstes Wort der Liebe soll und wird auch sein letztes sein und all dem ein Ende machen, was wir ihm aus Kleinglauben und Sicherheitswahn in den Weg gestellt haben.<\/p>\n<p>&#8222;Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.&#8220; Wer will ihm verdenken, da\u00df die Halsstarrigkeit der Menschen ihn bis aufs Blut reizt und er keine Lust mehr hat zu seiner Barmherzigkeit? Doch er ist &#8211; anders als unsere Gro\u00dfen, die sich ein &#8222;Reuen&#8220; nicht leisten k\u00f6nnen &#8211; gro\u00df genug, um sich eines Besseren zu besinnen. Weil da Beter sind. Da\u00df wir noch leben, noch glauben, noch hoffen k\u00f6nnen das haben wir auch Menschen zu verdanken, die ihre H\u00e4nde falten und ihren Mund auftun vor Gott.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Superintendent Rudolf Rengstorf<br \/>\nRitterstra\u00dfe 15<br \/>\n21682 Stade<br \/>\n<a href=\"mailto:Rudolf.%20Rengstorf@evlka.de\">Rudolf. Rengstorf@evlka.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020505-1.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020505-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Rogate (5. Sonntag nach Ostern), 5. Mai 2002 Predigt \u00fcber 2. Mose 32, 7-14, verfa\u00dft von Rudolf Rengstorf (-&gt; zu den aktuellen Predigten \/ www.online-predigten.de) Liebe Gemeinde! Rogate &#8211; betet &#8211; wird uns mit dem Namen dieses Sonntages zugerufen. Betet gemeinsam! 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