{"id":21708,"date":"1998-10-15T15:38:18","date_gmt":"1998-10-15T13:38:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21708"},"modified":"2025-03-15T15:41:55","modified_gmt":"2025-03-15T14:41:55","slug":"epheser-422-32-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-422-32-3\/","title":{"rendered":"Epheser 4,22-32"},"content":{"rendered":"<h3>19. Sonntag n. Trinitatis | 18.10.1998 | Epheser 4,22-32 | Ulrich Wiesjahn |<\/h3>\n<p>Herr, erwecke deine Kirche, und fange bei mir an! Herr, baue deine Gemeinde, und fange bei mir an! Herr, la\u00df Frieden \u00fcberall auf Erden kommen, und fange bei mir an! Herr, bringe deine Liebe und Wahrheit zu allen Menschen, und fange bei mir an!<\/p>\n<p>So will, kann und mu\u00df ich beginnen und lesen, was als Predigtwort f\u00fcr diesen Sonntag ausgesucht wurde. Denn als blo\u00dfe Moralpauke w\u00e4re mir dieser Bibelabschnitt widerlich, wirkungslos und realit\u00e4tsfremd. Doch worum geht es? Nun es geht um Mahnungen, Hinweise und Lebensregeln aus dem Epheserbrief, und die lauten so: &#8222;Legt den alten Menschen eures vergangenen Lebens ab, der durch seinen Hang zur L\u00fcge zugrunde geht. Neu werden sollt ihr vielmehr im Geist eurer Gesinnung; den neuen Menschen sollt ihr anziehen, wie Gott ihn geschaffen hat; in Gerechtigkeit und wahrer Reinheit. So legt die L\u00fcge ab und redet die Wahrheit, jeder mit seinem N\u00e4chsten. Sind wir doch untereinander Glieder (eines Leibes)! &#8211; Z\u00fcrnt ihr, so s\u00fcndigt nicht. La\u00dft die Sonne \u00fcber eurem Zorn nicht untergehen. Und gebt dem Teufel keinen Raum. &#8211; Der Dieb stehle nicht mehr &#8211; er arbeite vielmehr, um mit seiner H\u00e4nde Werk Gutes zu wirken, das er dem zuwenden kann, der Hilfe braucht. &#8211; Keinerlei h\u00e4\u00dfliches Wort komme \u00fcber eure Lippen, sondern nur gutes Wort, das gebraucht wird, um aufzuerbauen, um den H\u00f6rern Gnade zukommen zu lassen. Und betr\u00fcbt den heiligen Geist Gottes nicht! Als euer Siegel f\u00fcr den Tag der Erl\u00f6sung habt ihr ihn empfangen. Alle Bitterkeit, Wut, Zorn, Schreiben und l\u00e4sterliches Reden und \u00fcberhaupt alles B\u00f6se bleibe euch fern. Seid vielmehr g\u00fctig zueinander, habt ein Herz f\u00fcreinander und vergebt euch, wie Gott in Christus Jesus euch vergeben hat.&#8220; (\u00dcbersetzung nach U. Wilckens).<\/p>\n<p>Eine Konfirmandin schrieb einmal zu dem Stichwort &#8222;N\u00e4chstenliebe&#8220;: &#8222;Wenn alle Menschen so denken w\u00fcrden, g\u00e4be es auf der Welt weniger Elend, Not und Kriege.&#8220; Ja, wenn&#8230;! Aber es ist leider nicht so. Es ist zum Resignieren!<\/p>\n<p>Doch nun meine ich, da\u00df genau hier der Punkt ist, den wir unter die Lupe nehmen m\u00fcssen. &#8222;Wenn alle Menschen so denken w\u00fcrden&#8230;&#8220; &#8211; warum ist es naiv, so zu denken, obwohl es so edel klingt? Ach, weil es blo\u00df der Traum vom Schlaraffenland ist! Weil man das B\u00f6se in der Welt mit solchen logischen S\u00e4tzen verkennt. Weil man dabei fast nur an den anderen denkt, der sich bessern sollte. Weil logische Gedanken Gedanken der Selbstgerechtigkeit sind.<\/p>\n<p>Mit solchen frommen W\u00fcnschen und Tr\u00e4umen wird die Welt nicht besser &#8211; es sei denn, ich fange bei mir selbst an. Auch wenn ich mir keiner Schuld bewu\u00dft bin. Auch wenn ich ein gutes Gewissen habe. Auch wenn ich mich f\u00fcr ziemlich anst\u00e4ndig halte und mein Leben geordnet ist. Ja, gerade wenn ich mich f\u00fcr ziemlich gut halte, bin ich in der Gefahr, mich selbst zu bel\u00fcgen. Denn die Selbstgerechtigkeit und Selbstgef\u00e4lligkeit ist der erste Schritt in die Unwahrhaftigkeit. Und so haben nicht die Z\u00f6llner und S\u00fcnder Jesus ans Kreuz gebracht, sondern die hochanst\u00e4ndigen Pharis\u00e4er. Niemand ist gut genug, da\u00df er die Mahnung des Apostels nicht brauchte: &#8222;Wer sich l\u00e4\u00dft d\u00fcnken, er stehe, mag wohl zusehen, da\u00df er nicht falle.&#8220;<\/p>\n<p>Und so wollen wir einen Blick auf uns selbst werfen. Wer von uns tr\u00e4gt das gl\u00e4nzende Festkleid des Glaubens? Meist tragen wir doch die alten Lumpen des alten Menschen. Damit sind ja nicht nur die \u00dcbeltaten gemeint, von denen die Zeitungen und Medien strotzen. Zu diesen alten Lumpen geh\u00f6ren unsere M\u00fcdigkeit, unsere Gleichg\u00fcltigkeit, unsere Lebensangst, unsere geistliche Fruchtlosigkeit. Der alte Mensch &#8211; das sind wir selbst immer wieder. Und so ist es an uns, da\u00df wir zuerst die Mahnungen des Apostels h\u00f6ren, und dann wird auch unsere Welt ein klein wenig besser: &#8222;Zieht des neuen Menschen an, wie Gott ihn geschaffen hat: in Gerechtigkeit und wahrer Reinheit!&#8220; Das hei\u00dft doch: Bekommt das Gef\u00fchl f\u00fcr Qualit\u00e4tsunterschiede! Meint nicht, da\u00df alles Menschliche schon menschlich ist! Da gibt es in jedem Leben viel Untermenschliches und Unmenschliches abzulegen. Das Ziel des Glaubens hei\u00dft: Mensch werden, neuer Mensch werden. Und das Kennzeichen wahrer Menschlichkeit ist die F\u00e4higkeit zum Zusammenleben. &#8222;Wir sind doch untereinander Glieder eines Leibes!&#8220; Menschtum &#8211; so verk\u00fcndet es das Evangelium und Christentum &#8211; Menschtum zeigt sich in der herzlichen Gemeinschaft mit Gott und dem N\u00e4chsten. In der selbsts\u00fcchtigen Vereinzelung liegt die Wurzel des B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Und so h\u00f6ren wir nun die uralten und l\u00e4ngst bekannten Mahnungen, die aber nie veraltet und \u00fcberholt sind: &#8222;Legt die L\u00fcge ab und redet die Wahrheit!&#8220; Zur L\u00fcge geh\u00f6ren alle Vorurteile und Befangenheiten. Dazu geh\u00f6ren auch die ewig klagenden oder geifernden oder spitzz\u00fcngigen Reden. Auch Angst oder Ehrsucht sind Urachen f\u00fcr Unwahrheit. Uns aber ist die liebevolle und auferbauende Rede aufgetragen. &#8222;La\u00dft die Sonne \u00fcber euren Zorn nicht untergehen!&#8220; Ja, Zorn l\u00e4\u00dft sich wohl nicht verhindern. Aber da\u00df er sich eingr\u00e4bt und einnistet, das l\u00e4\u00dft sich verhindern. Und wenn sich der Zorn einfri\u00dft, dann deformiert er den Menschen. Und ein Zorn, der sich in den Tr\u00e4umen festfri\u00dft, kennt am Ende keine Vergebung mehr und wird zur kalten Rache.<\/p>\n<p>&#8222;Der Dieb stehle nicht mehr &#8211; er arbeite vielmehr, um mit seiner H\u00e4nde Werk Gutes zu wirken!&#8220; Von dieser Mahnung sollen sich auch alle Langweiler angesprochen f\u00fchlen, denn vor Gott ist so manches Diebstahl, was f\u00fcr uns wie gute Ordnung aussieht. Der alte Kirchenvater Basilius, der um 350 nach Christus lebte, schrieb einmal: &#8222;Wer ein Kleidungsst\u00fcck wegnimmt, wird Dieb genannt. Wer aber den Nackten nicht kleidet, obwohl er es k\u00f6nnte, verdient der eine andere Bezeichnung? Dem Hungernden geh\u00f6rt das Brot, das du zur\u00fcckh\u00e4lst, dem Nackten das Gewand, das du im Schrank aufbewahrst, und der Schuh, der bei dir verschimmelt, dem Bed\u00fcrftigen das Geld, das du sicher aufbewahrst.&#8220; Sch\u00e4rfer kann man es wohl kaum sagen. Was nicht zum Gemeinnutz da ist, ist Diebstahl.<\/p>\n<p>&#8222;Keinerlei h\u00e4\u00dfliches Wort komme \u00fcber eure Lippen!&#8220; Und doch &#8211; wie oft rei\u00dfen wir nieder durch Boshaftigkeit, Schadenfreude oder Ironie, statt aufzubauen. Wie oft ist auch unsere Zunge Ursprung des \u00dcbels.<\/p>\n<p>&#8222;Betr\u00fcbt den heiligen Geist Gottes nicht! Als Siegel f\u00fcr den Tag der Erl\u00f6sung habt ihr ihn empfangen.&#8220; Wir haben also den heiligen Geist. Wir besitzen das h\u00f6chste Geschenk der Menschheit. Wir haben das Bewu\u00dftsein von der menschlichen Vollkommenheit. Wir kennen Gottes Frieden. Heiliger Geist &#8211; das ist Christus in uns. Aber wir &#8211; wir verleugnen ihn immer wieder, t\u00e4glich und st\u00fcndlich. Und doch ist er unsere alleinige Kraftquelle.<\/p>\n<p>&#8222;Alle Bitterkeit, Wort, Zorn, Schreien und l\u00e4sterliche Reden und \u00fcberhaupt alles B\u00f6se bleibe euch fern. Seid vielmehr g\u00fctig zueinander, habt ein Herz f\u00fcreinander und vergebt euch, wie Gott in Christus Jesus euch vergeben hat!&#8220; Das ist der neue Mensch. Das ist \u00fcberhaupt erst ein Mensch &#8211; der Hingebungsvolle, der Gro\u00dfz\u00fcgige, der Opferbereite, der Weitherzige. Christus ist auf die Welt gekommen, um den Menschen menschliche Z\u00fcge zu verleihen. Und so wollen wir in tiefer Dankbarkeit diese Ermahnungen h\u00f6ren und beherzigen. Und weil es nicht anders geht, wollen wir beten:<\/p>\n<p>&#8222;Herr, erwecke deine Kirche, und fange bei mir an! Herr, baue deine Gemeinde, und fange bei mir an! Herr, la\u00df Frieden \u00fcberall auf Erden kommen, und fange bei mir an! Herr, bringe deine Liebe und Wahrheit zu allen Menschen, und fange bei mir an!&#8220; Dir sei Lob in Ewigkeit!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Ulrich Wiesjahn, Goslar<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge aus: Gottesdienst &#8211; Arbeitshilfe zur Erneuerten Agende, 5. Lieferung, 11. Jg., hrsg. von der Liturgischen Konferenz Niedersachsens e.V., Tel.: 0511-1241-486:<\/p>\n<p>EG 130 (O heilger Geist, kehr bei uns ein)<\/p>\n<p>EG 133 (Zieh ein zu deinen Toren)<\/p>\n<p>EG 171 (Bewahre uns Gott)<\/p>\n<p>EG 293 (Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all)<\/p>\n<p>EG 325, 1.3.5. (Sollt ich meinem Gott nicht singen)<\/p>\n<p>EG 383 (Herr, du hast mich anger\u00fchrt)<\/p>\n<p>EG 390 (Erneure mich, o ewigs Licht)<\/p>\n<p>EG 404 (Herr Jesu, Gnadensonne)<\/p>\n<p>Liederbuch f\u00fcr die Jugend (LfJ:) Herr, wir bitten, komm und segne uns<\/p>\n<p>LfJ: Wir haben Gottes Spuren festgestellt<\/p>\n<p>LfJ: Ich will bei euch wohnen<\/p>\n<p>LfJ: Alle Knospen springen auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19. Sonntag n. Trinitatis | 18.10.1998 | Epheser 4,22-32 | Ulrich Wiesjahn | Herr, erwecke deine Kirche, und fange bei mir an! Herr, baue deine Gemeinde, und fange bei mir an! Herr, la\u00df Frieden \u00fcberall auf Erden kommen, und fange bei mir an! 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