{"id":21712,"date":"2002-05-15T15:40:29","date_gmt":"2002-05-15T13:40:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21712"},"modified":"2025-04-15T16:32:21","modified_gmt":"2025-04-15T14:32:21","slug":"apostelgeschichte-2-22-23-32-33-36-39-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-2-22-23-32-33-36-39-3\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 2, 22-23. 32-33. 36-39"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Pfingstmontag, 20. Mai 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber Apostelgeschichte 2, 22-23. 32-33. 36-39, verfa\u00dft von Karsten Matthis<\/span><\/b><\/p>\n<p><b><span style=\"color: #000099;\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/aktuell-index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(-&gt; zu den aktuellen Predigten \/ www.online-predigten.de)<\/a><\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>als ich die Pfingstpredigt des Petrus las, fiel mir eine merkw\u00fcrdige Begegnung aus meiner Studienzeit ein: Ohne gro\u00dfe Vorank\u00fcndigung predigte ein Mann mitten in der G\u00f6ttinger Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Er stellte sich auf ein mitgebrachtes Podest und verk\u00fcndigte mit einem amerikanischen Akzent &#8222;sein&#8220; Evangelium. Es war kein lautes Sprechen; nein, es t\u00f6nte eine marktschreierische Stimme durch die engen Gassen der Universit\u00e4tsstadt. Seine Botschaft weckte keine Begeisterung, sondern unter den Vor\u00fcbereilenden nur Ablehnung und Kopfsch\u00fctteln. Ganz offensichtlich konnte der seltsame Prediger weder andere noch sich selbst f\u00fcr seine Worte begeistern. Meine Kommilitonen und ich hatten das ungute Gef\u00fchl, dass der Evangelist in ein lautes Selbstgespr\u00e4ch vertieft war und seine Au\u00dfenwelt ignorierte. So werden seine drohenden Worte vom Gericht, welche eine sofortige Umkehr forderten, in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone wirkungslos verhallt sein. Sein Erscheinen wirkte zwanghaft und l\u00f6ste unter uns Studenten eher Mitleid aus. Nach einigen Tagen war der eigenartige Prediger aus der Stadt wieder verschwunden.<\/p>\n<p>Vom Kirchenvater Augustin stammt der Satz: &#8222;In dir muss brennen, was du in anderen entz\u00fcnden willst.&#8220; Die Predigt des Petrus mitten in Jerusalem vermochte die Herzen der Menschen aufzuschlie\u00dfen, weil in ihm ein Feuer brannte. Mit seiner Pfingstpredigt bewegte er viele Menschen zur Bu\u00dfe und Taufe. Anders als der fundamentalistische Prediger in G\u00f6ttingen konnte Petrus Menschen von seiner Botschaft begeistern. So schrieb die Predigt des Apostels Kirchengeschichte: Von Jerusalem aus sollte das Evangelium \u00fcber Jud\u00e4a nach Samaria schlie\u00dflich die Enden der damaligen Welt erreichen.<\/p>\n<p>Dass der Apostelkreis nicht zu einer j\u00fcdischen Sekte verk\u00fcmmerte, war f\u00fcr Lukas Werk des Heiligen Geistes, der \u00fcber die J\u00fcnger gekommen war. Nicht war das rasche Wachsen der Gemeinde Jesu Christi ein Verdienst der Apostel, sondern der Heilige Geist lie\u00df das Evangelium \u00fcber kulturelle und ethnische Grenzen springen. \u00dcber Grenzen anderer Kulturen und Sprachbarrieren hinweg erreichte das Evangelium die Menschen im gesamten Mittelmeerraum und dar\u00fcber hinaus. Der Erfolg der Mission war ein Werk des Heiligen Geistes. Lukas betont in seiner Apostelgeschichte: Wo der Heilige Geist wirkt, da entstehen christliche Gemeinden, da entsteht Kirche Jesu Christi.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, Lukas berichtet uns, dass Petrus bei seiner Pfingstpredigt vom Heiligen Geist getragen wurde. Er fasste den Mut, sich ohne Wenn und Aber zum Evangelium Jesu Christi zu bekennen. Der Fischer aus Nazareth war nach tiefer Verzweiflung und Depression \u00fcber den Kreuzestod Jesu ein Begeisterter geworden. Er hatte den Herrn mit eigenen Augen gesehen und war mit dem Heiligen Geist beschenkt worden. Dies gab Petrus die ungeheure Kraft, neu anzufangen und die Auferstehung Christi zu verk\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir uns bei der von Lukas \u00fcberlieferten Predigt den Apostel Petrus vorstellen? Sicherlich einige Phon leiser als der fundamentalistische Evangelist in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone G\u00f6ttingens. Eher bescheiden und zur\u00fcckhaltend waren Petrus Charaktereigenschaften. Gro\u00dfe Auftritte in der \u00d6ffentlichkeit waren bis zu Pfingsten seine Sache nicht. So predigte Petrus nicht aggressiv, vielmehr n\u00fcchtern und entschlossen. Die Begeisterung des Pfingsterlebnisses trug ihn, ohne Angst das Evangelium Jesu Christi zu verk\u00fcndigen. Risikolos waren seine Wort nicht, denn die Anklage gegen Israel und der Bu\u00dfaufruf an sein Volk waren h\u00f6chst provokant. Ungeheures f\u00fcr j\u00fcdische Ohren getraute sich Petrus zu sagen. Die M\u00e4nner Israels sollten wissen, dass Jesus von Nazareth einer der ihren war, in der gro\u00dfen Tradition Davids steht und von Gott auferweckt wurde. Doch sein Kreuzestod, so Petrus, bietet die Chance zum Neuanfang. Die Israeliten sollten sich zu ihm, dem Auferstandenen und Spender des Heiligen Geistes bekennen.<\/p>\n<p>Gut m\u00f6glich, dass Petrus sich selbst \u00fcber seine Worte wunderte. Vielleicht sprach der Fischer Petrus gar nicht so fl\u00fcssig, nicht so rhetorisch begabt, wie es der Evangelist \u00fcberlieferte. Der Apostel predigte aber als Begeisterter, der vom Heiligen Geist beschenkt worden war. Die Begeisterung des Petrus blieb nicht ohne Folgen. Seine Worte wirkten \u00fcberzeugend, es ber\u00fchrte die Zuh\u00f6rer aufs Innerste, so hei\u00dft es im Text: &#8222;Als sie aber das h\u00f6rten, ging`s ihnen durchs Herz&#8230;.&#8220; Der Heilige Geist hatte Begeisterung in den Herzen des Petrus und des Apostelkreises ausgel\u00f6st. Diese Begeisterung wirkte authentisch, deshalb stiftete sie die Zuh\u00f6rer zum Glauben an. Anders als der Prediger in G\u00f6ttingen, der keinen Passanten zu fesseln vermochte, ereichte Petrus durch seine innere Begeisterung die Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, ist Begeisterung ein sicheres Kennzeichen f\u00fcr den Heiligen Geist? Wohl nein, denn spontane Gef\u00fchlsausbr\u00fcche, Zungenreden, oder gar H\u00fcpfen und sich auf dem Boden w\u00e4lzen, sind nicht unbedingt auf den Heiligen Geist zur\u00fcckzuf\u00fchren. Unsere protestantische Gottesdienste und unsere Verk\u00fcndigung sind eher n\u00fcchtern, anders als in den Pfingstkirchen oder charismatische Gruppen, die in einer anderen kirchlichen Tradition stehen. Wir sollten nicht deren Gottesdienste imitieren und nicht deren Theologie kritiklos \u00fcbernehmen, aber ein St\u00fcck mehr Begeisterung f\u00fcr die Sache Jesu Christi t\u00e4te unseren sonnt\u00e4glichen Gottesdiensten gut. Woran erkennen Christen nun, was vom Heiligen Geist motiviert und getragen ist?<\/p>\n<p>Der Heilige Geist weist auf Jesus Christus, den Auferstandenen, hin. Er l\u00e4sst uns Jesus Christus erkennen! Der Heilige Geist gibt uns Christus in unser Herz, so werden wir Begeisterte f\u00fcr das Evangelium und sein Wort geht in uns auf. Der gute Geist Gottes bewirkt, dass das Evangelium von Jesus Christus nicht leer bleibt, sondern mit Leben erf\u00fcllt wird.<\/p>\n<p>Es ist der Heilige Geist, der g\u00f6ttliche Geist, der uns darauf hinweist, was in unserem Leben z\u00e4hlt. Er schenkt uns Orientierung, was der eigentliche Wille Gottes ist. Der Heilige Geist \u00f6ffnet uns die Augen f\u00fcr den N\u00e4chsten. Er l\u00e4sst unser Gebet zur starken F\u00fcrbitte f\u00fcr die Welt und Menschheit werden. Mit ihm gelingt es uns, \u00c4ngste zu \u00fcberwinden und mit Herausforderungen oder Anfeindungen fertig zu werden. Durch ihn erfahren wir Trost in schwierigen Situationen. Der Heilige Geist schenkt uns das rechte Wort zur rechten Zeit, wie einst Petrus zu Jerusalem. Er gibt uns die M\u00f6glichkeit Mauern zu \u00fcberspringen &#8211; wie den J\u00fcngern einst zu Jerusalem &#8211; , Br\u00fcckenschl\u00e4ge zu anderen Kulturen zu wagen und weltweit f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.<\/p>\n<p>Der g\u00f6ttliche Geist ist ein bewegender Geist, der Menschen ermutigt, wenn es angezeigt ist, neue Wege zu gehen. Er hilft der Kirche Jesu Christi, die Geister zu unterscheiden und an den Grundlagen des christlichen Glaubens festzuhalten. Der gute Geist Gottes zeigt die Chance zum stetigen Neuanfang mit Gott auf und schafft damit die M\u00f6glichkeit zur Umkehr.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe protestantische Liederdichter Paul Gerhardt hat den Heiligen Geist als den liebenden Geist Gottes in seinem Pfingstlied &#8222;Zieh ein zu deinen Toren&#8220; (eg 133) beschrieben: &#8222;Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit, willst nicht, dass uns betr\u00fcbe Zorn, Zank, Hass, Neid und Streit. Der Feindschaft bist du feind, willst, dass durch Liebesflammen sich wieder tun zusammen, die voller Zwietracht seind.&#8220; (Strophe 7)<\/p>\n<p>Gott beschenke uns immer wieder neu mit seinem Heiligen Geist, heute, morgen und bis ans Ende unserer Tage.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><b>Karsten Matthis, Dipl. Theol.<br \/>\nHochheimer Weg 11a<br \/>\n53343 Wachtberg<br \/>\n<a href=\"mailto:karsten.matthis@t-online.de\">karsten.matthis@t-online.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020520-1.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020520-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Pfingstmontag, 20. 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