{"id":21728,"date":"2002-06-15T15:46:06","date_gmt":"2002-06-15T13:46:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21728"},"modified":"2025-04-15T16:25:21","modified_gmt":"2025-04-15T14:25:21","slug":"5-mose-6-4-9-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/5-mose-6-4-9-3\/","title":{"rendered":"5. Mose 6, 4-9"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach Trinitatis<\/span><span style=\"color: #000099;\">, 2. Juni 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 5. Mose 6, 4-9, verfa\u00dft von Christian Tegtmeier<\/span><\/b><\/p>\n<p><b><span style=\"color: #000099;\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/aktuell-index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(-&gt; zu den aktuellen Predigten \/ www.online-predigten.de)<\/a><\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Bei einer der letzten Abendeinladungen wurde an mich als Pastor die Frage gerichtet, inwieweit ich denn auch das tue, was ich sonntags und anderswo predige oder lehre. Ehe ich mich auf die Beantwortung der pikanten Frage n\u00e4her einlassen konnte, erfolgte eine Eingrenzung auf das Gebot der N\u00e4chstenliebe: inwieweit ich also freigiebig sei im Geben von Almosen, Unterst\u00fctzungen, Opfern, Kollekten und Spenden. Und hier nur ganz gewi\u00df ohne den gesellschaftlichen Kick der Spendenquittung, denn dies sei nicht eines Pastors w\u00fcrdig. Was sonst in allen gesellschaftlich bedeutenden und einflu\u00dfreichen Kreisen und Clubs zum Know-how des sozial engagierten Zeitgenossen geh\u00f6re, zieme sich eines Religionsdieners nicht. So gesehen gebe es doch feine Unterschiede. Ich m\u00f6chte Sie, liebe Zuh\u00f6rer, nicht mit der l\u00e4ngeren Diskussion \u00fcber H\u00f6he und Anteile am Einkommen beschweren, ich m\u00f6chte Ihnen nur davon berichten, woraus nach christlicher \u00dcberzeugung sich N\u00e4chstenliebe und Barmherzigkeit ergeben. In dem Sinne durchaus aktuell und nachahmenswert, insofern mich dieser Weg vor Eigenlob, Unglaubw\u00fcrdigkeit und mangelnder Seriosit\u00e4t im Umgang mit Spenden bewahrt: also den Menschen, der mich als N\u00e4chsten ben\u00f6tigt, im Auge hat, sich ihm zuwendet und zugleich einer Forderung Jesu folgt, die uns als Christen selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>* Verlesen des Predigttextes *<\/p>\n<p>Es bedarf hier keiner langen Diskussion dar\u00fcber, liebe Gemeinde, ob denn die Liebe zum N\u00e4chsten \u00fcberhaupt ein Thema sei; insofern d\u00fcrften wir uns, liebe Gemeinde, gerade darin einig sein, da\u00df wir als moderne Menschen eine soziale Verantwortung f\u00fcr andere tragen, in n\u00e4chster N\u00e4he wie weit weg; entscheidend werden die Motive der Tat, und dar\u00fcber gibt uns der Abschnitt aus dem f\u00fcnften Buch Mose hinreichend Auskunft. Die Liebe zum N\u00e4chsten, l\u00e4\u00dft Jesus wissen, begr\u00fcndet sich in der Liebe zu Gott, die hier in den ber\u00fchmten Worten des j\u00fcdischen Glaubens ihre Wurzeln hat. Die Sch&#8217;ma Jsrael &#8211; wie man diesen Abschnitt nennt &#8211; ist das Zentrum j\u00fcdischer Gottesverehrung, gleichsam das Herzst\u00fcck der Fr\u00f6mmigkeit und ermutigt, ja fordert den Beter auf, in aller Tiefe und Weite seines Herzens Gott treu und verbunden zu sein in Liebe und Ehrfurcht. Von ihm im Laufe des Tages, im Gottesdienst der Synagoge gesprochen, gebetet, beschreibt sie den Kern seiner Hinwendung zu Gott, er\u00f6ffnet gleichsam die Br\u00fccke zu dem, der Sch\u00f6pfer dieser Welt, ihrer Religion und der besonderen Verbundenheit zu seinem auserw\u00e4hlten Volk ist. Das fordert von uns Christen vorab und unabh\u00e4ngig von dem, wie wir die Worte lesen, h\u00f6ren oder sprechen, Achtung, Respekt, ja Vorsicht vor all zu schneller Vereinnahmung; eher einen Mut in der Demut, ein Besinnen auf die Wurzeln, die mich als Christ tragen und zu meinem Glauben an Jesus Christus kommen lassen. Sie geben mir eine Antwort, wer denn mein Gott sei und in wessen Kraftfeld von G\u00fcte und Liebe ich leben darf und leben kann. Sie beschreiben die N\u00e4he des kommenden Gottes und seiner Herrschaft, benennen in meinem Bekenntnis seine Einzigartigkeit, seine Einmaligkeit und Einheit, die Klarheit meines Gottes und seiner wie meiner Verbundenheit, den Bund, der sich f\u00fcr mich als Christen durch die Taufe ergibt. Er fordert mich von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all meinen Kr\u00e4ften zur Treue, Liebe, Hingabe heraus, da\u00df ich als ganzer Mensch, mit Leib und Geist, Haut und Haaren, K\u00f6rper und Seele ihm folge und diene. Das meint &#8222;Gott lieben&#8220;, ist Gebot und Verpflichtung, Gesetz und uns auferlegt.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an die Begebenheit, die ich anfangs erw\u00e4hnte? Im Kreis der Abendgesellschaft stellte niemand die Frage, wer denn mein Gott sei, sondern es galt zu kl\u00e4ren und zu gewichten, was ich als Pastor im Umfeld sozialen Engagements tue oder lasse. Obwohl doch beides eng zusammengeh\u00f6rt, sich nicht nur durch Jesu Mahnung, sondern von der Sache her schon nahe legt, ob ich mich aus eigenem Interesse und zur Kl\u00e4rung meiner Gewissensruhe einem anderen g\u00fctig oder freigiebig zuwende &#8211; nicht ohne eigenen Vorteil; oder ob ich es tue, unabh\u00e4ngig von eigenem Kalk\u00fcl, weil ich selbst erst aus Gottes Liebe und Zuwendung als Mensch gl\u00fccklich leben und selig sterben kann. Dann w\u00e4re es Aufgabe und Herausforderung an jeden aufgeschlossenen und modernen Menschen, vorab zu kl\u00e4ren, aus welcher Kraft, aus welchen Wurzeln ich leben, schaffen, arbeiten, helfen, unterst\u00fctzen m\u00f6chte. Geschieht es zum eigenen Vorteil, wird es mit mir und meiner Einstellung insofern begrenzt sein, als da\u00df ich Vorbehalte oder Einschr\u00e4nkungen schnell benenne, wo gesellschaftliche Verpflichtung oder Opportunit\u00e4t andere Rahmenbedingungen vorgeben. Ich k\u00f6nnte ja gerade diejenigen f\u00f6rdern, die mir wohl gesonnen sind, die mich beg\u00fcnstigen, die mich in meinem pers\u00f6nlichen, wie gesellschaftlichen Aufstieg wichtig w\u00e4ren, auf da\u00df ich Punkte sammle. Dann w\u00e4re der Mensch als bed\u00fcrftiger N\u00e4chster nur Mittel zum Zweck, und ich spr\u00e4che ihm seine W\u00fcrde in aller Gr\u00fcndlichkeit ab. Oder aber, ich kann von eigenem Vorteil absehen, erinnere mich der Kraft und dem Grund meines Lebens und meiner Person, die mich ohne Ansehen der Person gelten lassen, mir helfen und ihre Liebe schenken, auf da\u00df ich gl\u00fccklich werde. L\u00e4ge die Wurzel meines Handelns in seiner Liebe zu uns Menschen, un\u00fcberbietbar und einmalig in seinem Sohn Jesus Christus bezeugt auch f\u00fcr mich begrenzten, heillosen Menschen, dann w\u00e4re ich jemand, der sein Geschenk Gottes mit anderen teilt, eben auch ohne Ansehen der Person.<\/p>\n<p>F\u00fcr das geschilderte Verhalten kennen wir, liebe Gemeinde, unz\u00e4hlige Beispiele, nicht nur das des Hl. Martins oder das selbstlose Wirken von Mutter Teresa in Kalkutta. Wenn wir von ihnen sprechen oder h\u00f6ren, ist uns dann auch die Wurzel bewu\u00dft, bekannt und zum Nachahmen wichtig, da\u00df wir \u00fcber ihren Glauben, ihre Gottesbeziehung, ihre Treue zu Jesus Christus berichten? Informieren wir uns dann auch umfassend und ausf\u00fchrlich \u00fcber das, was sie zu solchem Einsatz motiviert hat? Was sie veranla\u00dfte, unter Zur\u00fcckstellung eigener Interessen ganz dem N\u00e4chsten zu dienen? Im christlichen Leben spricht man dann gern von Opferbereitschaft und verweist wiederum auf Jesus Christus.<\/p>\n<p>Die frohe Botschaft unseres Tages, liebe Gemeinde, bewegt mich weniger darin, das Richtige zu tun und das Unangemessene zu lassen im Blick auf mein soziales Engagement; die frohe Botschaft fragt vielmehr nach meinen Beweggr\u00fcnden, nach den Motiven, die mich zu solch beispiellosen Eins\u00e4tzen oder Lebenseinstellung veranla\u00dft haben. Widme ich mich meiner Wurzeln im Herkommen, Denken, F\u00fchlen, Wollen &#8211; um die Botschaft mit Worten unserer Geistesgeschichte zu beschreiben &#8211; dann werde ich unter Umst\u00e4nden weit hinabtauchen zu den Quellen auch meiner eigenen Identit\u00e4t. Und ganz unabh\u00e4ngig davon, wo sie denn entspringen, wo sich der Baum meiner Lebensgeschichte gr\u00fcndet, wie seine Wurzeln Fu\u00df gefa\u00dft haben, in allem bleibt die Frage, ob ich es aus eigenem Kalk\u00fcl heraus tue oder meinen Grund in Jesus Christus habe. Ich brauche mich dabei nicht zu scheuen, dies auch in einer Abendgesellschaft zu bekennen, die vermutlich dar\u00fcber verwundert sein d\u00fcrfte, was mich bewegt, sowohl in meiner sozialen Verantwortung als auch vor allem in meiner Grund\u00fcberzeugung. Wer Christ werden m\u00f6chte, wer es ist und bleiben will, hat in Jesus Christus den sicheren Grund und wird frei und fr\u00f6hlich sagen:<br \/>\n&#8222;Ich will Gott, meinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzer Kraft. Und es sollen diese Worte in meinem Herzen sein.&#8220;<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Christian Tegtmeier<br \/>\nAlte Dorfstr. 4<br \/>\n38723 Kirchberg \u00fcber Seesen<br \/>\nTel.: 05381-8602 <\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020602-3.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020602-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juni 2002 Predigt \u00fcber 5. Mose 6, 4-9, verfa\u00dft von Christian Tegtmeier (-&gt; zu den aktuellen Predigten \/ www.online-predigten.de) Liebe Gemeinde! 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