{"id":21732,"date":"2002-06-15T15:48:33","date_gmt":"2002-06-15T13:48:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21732"},"modified":"2025-04-15T16:22:28","modified_gmt":"2025-04-15T14:22:28","slug":"1-korinther-9-16-23-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-9-16-23-4\/","title":{"rendered":"1. Korinther 9, 16-23"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">2<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Sonntag nach Trinitatis, 9. Juni 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Korinther 9, 16-23, verfa\u00dft von Johannes Neukirch <\/span><\/b><\/p>\n<p><b><span style=\"color: #000099;\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/aktuell-index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(-&gt; zu den aktuellen Predigten \/ www.online-predigten.de)<\/a><\/span><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>&#8222;Dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht r\u00fchmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte! T\u00e4te ich&#8217;s aus eigenem Willen, so erhielte ich Lohn. Tue ich&#8217;s aber nicht aus eigenem Willen, so ist mir doch das Amt anvertraut.<br \/>\nWas ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt und von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache. Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich m\u00f6glichst viele gewinne.<br \/>\nDen Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden &#8211; obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden &#8211; obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.&#8220;Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>vor kurzem war im Thalia-Theater in Hamburg ein Gespr\u00e4ch der Fernsehmoderatorin Sandra Maischberger und dem Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt zu sehen. Ein Teil dieses Gespr\u00e4chs ging um die Frage, warum Helmut Schmidt Bundeskanzler werden wollte und ob er es noch mal machen w\u00fcrde. Helmut Schmidt sagte ganz klar, er w\u00fcrde es nicht noch mal machen. Und er betonte, dass er es vor allem aus Pflichtgef\u00fchl gemacht h\u00e4tte, nicht etwa um der Karriere willen. Sandra Maischberger wollte ihm das nat\u00fcrlich nicht so recht glauben und wollte h\u00f6ren, dass die Frage der Karriere und der Macht und der pers\u00f6nlichen Eitelkeit eine gro\u00dfe Rolle gespielt h\u00e4tten. Aber Helmut Schmidt blieb beharrlich dabei: aus Pflichtgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Unser Predigttext erinnert mich an diese Veranstaltung im Thalia-Theater. Denn Paulus verteidigt sich nicht nur in unserem Predigttext, sondern auch davor und danach lang und breit. Warum verk\u00fcndigt er das Evangelium? Nein, nicht um davon zu leben. Nein, nicht um der pers\u00f6nlichen Eitelkeit und um des Ruhmes willen. Nein, nicht einmal aus eigenem Willen heraus. Er sagt zwar in dem Abschnitt vor unserem Predigttext, dass diejenigen, die das Evangelium verk\u00fcndigen, daf\u00fcr auch bezahlt werden d\u00fcrfen &#8211; wor\u00fcber ich sehr froh bin. Sich selbst aber sieht er noch einmal in einem ganz anderen Licht: &#8222;Wehe mir&#8220;, so Paulus, &#8222;wenn ich das Evangelium nicht predigte!&#8220; Das ist also noch mal eine ganze Stufe mehr als bei Helmut Schmidt, der ja gesagt hat, er w\u00fcrde es nicht noch mal machen. Die Frage stellt sich f\u00fcr Paulus gar nicht. Er ist sozusagen von der frohen Botschaft \u00fcberw\u00e4ltigt worden, er ist in der Gewalt des Evangeliums, um es mal drastisch auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Ich finde es zwar befremdlich, dass Paulus sich selbst hier so hervorhebt und vor allem von anderen so deutlich abhebt. Auch die Betonung der Opferrolle &#8222;ich habe mich jedermann zum Knecht gemacht, damit ich m\u00f6glichst viele gewinne&#8220; l\u00f6st bei mir Unbehagen aus. Vor allem, weil Paulus ja gleichzeitig immer wieder betont, dass es allein Gott ist, der Glauben schenkt und nicht das Verdienst derer, die das Evangelium verk\u00fcndigen. Trotzdem k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass es wohl seine Gr\u00fcnde gehabt hat, dass Paulus sich in dieser Art und Weise gegen\u00fcber Angriffen verteidigt und seine Rolle bei der Verk\u00fcndigung der frohen Botschaft von Jesus Christus so darstellt und nicht anders. Wenn wir sein Leben betrachten, dann k\u00f6nnen wir tats\u00e4chlich sagen, dass es allein auf das Evangelium ausgerichtet ist, nichts anderes spielt mehr f\u00fcr ihn eine Rolle.<\/p>\n<p>Wir haben diesem Feuereifer des Paulus sehr viel zu verdanken. Er wird oft der &#8222;V\u00f6lkerapostel&#8220; genannt, weil er daf\u00fcr gesorgt hat, dass das Christentum die Grenzen des vorderen Orients \u00fcberwunden hat! Er war der Dolmetscher des christlichen Glaubens. Ber\u00fchmt ist zum Beispiel seine Rede in Athen: Er einen Altar gesehen, der von den Athenern f\u00fcr den &#8222;unbekannten Gott&#8220; aufgestellt war. Das war f\u00fcr ihn ein guter Ankn\u00fcpfungspunkt und er sagte ganz einfach: das ist der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und er erz\u00e4hlte den Athenern von Gottes Sohn Jesus Christus, der von den Toten auferweckt wurde. Manche spotteten \u00fcber ihn, manche wurden an diesem Tag gl\u00e4ubige Christen. Ohne Paulus jedenfalls h\u00e4tte die Botschaft des Jesus von Nazareth ihren Siegeszug rund um die Welt nicht in so kurzer Zeit geschafft<\/p>\n<p>Wie hat er das hinbekommen?<\/p>\n<p>&#8222;Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden &#8211; obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden &#8211; obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.&#8220; Kurz: Den Juden wird er ein Jude, den Griechen ein Grieche, den Schwachen ein Schwacher.<\/p>\n<p>Paulus m\u00f6chte die Menschen f\u00fcr das Evangelium gewinnen &#8211;<br \/>\n&#8211; nicht von oben herab, so als h\u00e4tte er die absolute Wahrheit im Gep\u00e4ck und die anderen m\u00fcssten sich in allen Punkten aufs i-T\u00fcpfelchen genau danach richten.<br \/>\n&#8211; nicht mit Gewalt, nicht mit einem Kreuzzug, sondern durch gewinnende Worte<br \/>\n&#8211; nicht oberlehrerhaft, nicht prahlerisch, nicht wie ein Besserwisser, nicht f\u00fcr den eigenen Vorteil<br \/>\n&#8211; nicht abgrenzend, sondern so, dass Grenzen \u00fcberwunden werden.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich hat Paulus ein festes Ziel &#8211; er will, dass alle gerettet werden durch den Glauben an Jesus Christus. Aber er will sich dabei nicht selbst im Wege stehen. Er will nicht, dass es um seine Person, um seine Meinung und um Rechthaberei geht. Er will sich sozusagen durchsichtig machen f\u00fcr die Botschaft von der Freiheit und der Erl\u00f6sung durch Jesus Christus.<\/p>\n<p>Wir sind nicht Paulus, liebe Gemeinde, und haben auch nicht den Ehrgeiz, ein V\u00f6lkerapostel zu werden. Aber im kleinen Ma\u00dfstab kann das auch f\u00fcr uns ein Ziel unseres christlichen Lebens sein und ein Ma\u00dfstab, mit dem wir manche Reden und Debatten vielleicht besser einordnen k\u00f6nnen. In dem was wir sagen und tun und wie wir uns verhalten, soll es um das Evangelium, um die frohe Botschaft, um Vers\u00f6hnung und Liebe gehen. Dabei k\u00f6nnen wir uns auf alles und auf alle einlassen &#8211; ohne Ansehen der Person, ohne Ansehen der Religion, ohne Ansehen der Hautfarbe, ohne Ansehen der Konfession. Ohne Sprachenkenntnisse k\u00f6nnen wir Dolmetscherinnen und Dolmetscher der befreienden Botschaft sein &#8211; nur dadurch, dass wir sagen: wir wollen durchsichtig werden f\u00fcr die Liebe Gottes.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><b>Dr. Johannes Neukirch<br \/>\n<a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">E-Mail: johannes.neukirch@evlka.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020609-2.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020609-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 2. Sonntag nach Trinitatis, 9. Juni 2002 Predigt \u00fcber 1. 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