{"id":21745,"date":"1999-08-15T15:53:44","date_gmt":"1999-08-15T13:53:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21745"},"modified":"2025-03-15T15:56:24","modified_gmt":"2025-03-15T14:56:24","slug":"matthaeus-2128-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2128-32\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 21,28-32"},"content":{"rendered":"<h3>11. Sonntag nach Trinitatis | 15. August 1999 | Matth\u00e4us 21,28-32 | Hilmar Menke |<\/h3>\n<p>Ziemlich allt\u00e4glich, was Jesus da erz\u00e4hlt: Da kommt man mit einer Bitte oder einem Auftrag zu jemandem und h\u00f6rt ein fr\u00f6hliches &#8222;Ja&#8220; &#8211; ich freue mich \u00fcber die Bereitwilligkeit, die ich nicht unbedingt erwartete. Wieviel gr\u00f6\u00dfer ist dann die Entt\u00e4uschung, wenn ich feststellen mu\u00df, da\u00df au\u00dfer dem &#8222;Ja&#8220; nichts geschehen ist &#8211; die Bitte unerf\u00fcllt, der Auftrag unerledigt bleibt.<\/p>\n<p>Seltener geschieht das andere. Wer mag schon gern &#8222;Nein&#8220; sagen und wer traut sich schon, so offen zu bekennen: &#8222;Ich will nicht&#8220;? Aber es kommt doch vor. Und noch seltener kommt es vor, da\u00df ich dann sp\u00e4ter erkenne: Meine Bitte ist trotzdem erf\u00fcllt, der Auftrag trotzdem ausgef\u00fchrt worden. Dem Ma\u00df an \u00c4rger oder Entt\u00e4uschung \u00fcber die Ablehnung entspricht das Ma\u00df an Freude!<\/p>\n<p>Auf die Frage Jesu gibt es nat\u00fcrlich keine andere Antwort als die, die die Menschen damals gegeben haben. Eine interessante Frage \u00fcbrigens; er fragt ja nicht: &#8222;Wer hat richtig gehandelt?&#8220;. Da h\u00e4tte es dann wohl noch Diskussionen gegeben &#8211; denn ganz richtig handeln ja beide S\u00f6hne nicht &#8211; ganz richtig w\u00e4re es ja wohl &#8222;Ja&#8220; zu sagen und auch so zu handeln! Nein es geht nur um die Frage: &#8222;Wer von beiden hat des Vaters Willen getan?&#8220;.<\/p>\n<p>Wie mag denen, die Jesus zuh\u00f6rten, die diese richtige Antwort gaben, wie mag ihnen zumute gewesen sein, als sie h\u00f6ren mu\u00dften: Ihr seid gemeint &#8211; und die, die ihr f\u00fcr schlecht und gottlos haltet, die sind mitgemeint. Ihr seid wie die, die &#8222;Ja&#8220; gesagt haben und es dabei bewenden lie\u00dfen &#8211; ihr seid die, die sich f\u00fcr fromm, ja f\u00fcr vollkommen halten, und ihr tut den Willen des Vater nicht. Ihr verurteilt und verachtet die, die &#8222;Nein&#8220; gesagt haben, und merkt nicht, da\u00df viele von ihnen trotzdem den Willen Gottes tun. Sie tun ihn &#8211; nicht ihr.<\/p>\n<p>Ihr Schrecken, ihr \u00c4rger, ihr Zorn wird gro\u00df gewesen sein!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich: Es hat sie getroffen &#8211; \u00c4rger und Zorn sind immer dann am gr\u00f6\u00dften, wenn jemandem ungeschminkt die Wahrheit gesagt wird.<\/p>\n<p>Da\u00df &#8222;Hohepriester und \u00c4lteste des Volkes&#8220; Jasager und Neint\u00e4ter waren, das wissen wir ja schon lange &#8230;<\/p>\n<p>Aber vielleicht gelingt es uns ja einmal, von unseren Vorurteilen abzusehen. Vielleicht gelingt es uns einmal, uns selber hineinzuversetzen in diese, in ihre Situation.<\/p>\n<p>Ich denke, wir geh\u00f6ren zu denen, die &#8222;Ja&#8220; gesagt haben &#8211; &#8222;Ja&#8220; zu Gott und seinen Geboten, &#8222;Ja&#8220; zu Jesus Christus und zu dem, was er Menschen auftr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wir haben &#8222;Ja&#8220; gesagt &#8211; was haben wir getan?<\/p>\n<p>Menschen, die uns, unsere Gemeinden, unsere Kirche von au\u00dfen betrachten, vermissen oft dieses Tun. &#8222;Christen m\u00fc\u00dften eigentlich erl\u00f6ster aussehen&#8220;, so hat es einmal jemand formuliert; d.h.: Ihr redet von Erl\u00f6sung und wirkt doch eher bedr\u00fcckt; oder: Ihr redet von der frohen Botschaft und der gro\u00dfen Freude, die aller Welt widerfahren soll und wirkt doch eher freudlos; ihr sprecht so viel von der Liebe, und es gibt oft so wenig Freundlichkeit unter euch und so wenig Liebe f\u00fcr andere; ihr sprecht davon, da\u00df die Botschaft allen gilt, und bleibt doch am liebsten unter euch; ihr redet von der Einladung Gottes an alle, und eure Kirchent\u00fcren sind verschlossen; ihr redet davon, da\u00df vor Gott alle gleich sind und ihr verachtet Menschen, die nicht so leben wie ihr; ihr sagt &#8222;Wir sind allzumal S\u00fcnder&#8220; und haltet euch doch f\u00fcr besser als andere &#8230;<\/p>\n<p>Und die, die &#8222;Nein&#8220; gesagt haben? Gibt es nicht unter ihnen auch Menschen, die in ihrem Leben mehr verwirklichen von dem, was Jesus Christus als Gottes Willen vorlebte und verk\u00fcndigte &#8211; mehr an Liebe, mehr an Einigkeit, Vertrauen, Verst\u00e4ndigungsbereitschaft, mehr auch an Selbstkritik?<\/p>\n<p>Ich will versuchen, mich weder \u00fcber das eine noch das andere zu \u00e4rgern, es nicht abzutun mit allerlei Argumenten; ich will es so h\u00f6ren, als h\u00e4tte Jesus Christus es zu mir gesagt &#8211; und ich will mich pr\u00fcfen, damit ich nicht der sprichw\u00f6rtliche &#8222;Pharis\u00e4er&#8220; werde oder bleibe, der viel von sich h\u00e4lt und vor Gott doch nichts ist &#8211; und der seine Glaubw\u00fcrdigkeit verliert auch vor den Menschen.<\/p>\n<p>&#8222;Ja&#8220; sagen und &#8222;Nein&#8220; tun &#8211; ich kann mich davon nicht freisprechen; &#8222;Nein&#8220; sagen und &#8222;Ja&#8220; tun &#8211; auch das kommt vor.<\/p>\n<p>&#8222;Herr Pastor, Sie m\u00fcssen mich unbedingt besuchen&#8220; &#8222;Ja, in dieser Woche geht es nicht, da habe ich zwei Beerdigungen und die Kreise und die Sitzungen &#8230; &#8211; Sie wissen ja! Aber, sobald ich etwas Luft habe, komme ich&#8220; &#8211; und dann ist beides m\u00f6glich: da\u00df ich den Besuch immer weiter hinausschiebe, vergesse, verdr\u00e4nge (vielleicht in der stillen Hoffnung, der Bittende k\u00f6nne es auch vergessen haben!) &#8211; und auch, da\u00df ich dann doch komme, schon bei der n\u00e4chsten Gelegenheit, am n\u00e4chsten Tage (vielleicht, weil ich die Dringlichkeit der Bitte sp\u00fcre!).<\/p>\n<p>Da stehe ich dann mit all meinen Inkonsequenzen, sowohl Jasager wie Neinsager, sowohl das Richtige tuend wie versagend, sowohl Glaubender wie Zweifelnder, sowohl Gerechter wie S\u00fcnder. Wohin geh\u00f6re ich in der Geschichte, die Jesus erz\u00e4hlt? Zu den &#8222;Hohenpriestern und \u00c4ltesten&#8220; oder zu den &#8222;Z\u00f6llnern und Huren&#8220;?<\/p>\n<p>Ich glaube, Jesus geht es gar nicht darum, die Menschen, so zu unterscheiden, zu &#8222;typisieren&#8220;, einzuordnen in ein festes Schema. Es geht im sicher auch nicht darum, die Neinsager, die &#8222;Z\u00f6llner und Huren&#8220; als leuchtendes Beispiel darzustellen &#8211; wie viele von ihnen bleiben werden wohl f\u00fcr immer bei ihrem &#8222;Nein&#8220; bleiben &#8211; und w\u00e4re nicht ein klares &#8222;Ja&#8220; &#8211; gesagt wie getan &#8211; der eigentlich richtige Weg?<\/p>\n<p>Jesus will, so glaube ich, nicht Menschen zu Mustern &#8211; mit oder ohne Wert &#8211; machen, sondern Wege aufzeigen, M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, Einsicht f\u00f6rdern:<\/p>\n<p>Selbsterkenntnis vor allem, Selbsterkenntnis, die zustande kommt, wenn Menschen ihm begegnen. Daf\u00fcr sind die ein positives Beispiel, die so handeln, wie der Sohn im Gleichnis, der zun\u00e4chst nicht will und sich dann besinnt. Sie haben erkannt, wer sie waren: Menschen fern von Gott &#8211; Menschen, die nicht nach seinem Willen leben &#8211; Menschen, die verloren waren und ohne Hoffnung, und die zugleich sahen: Es gibt Hoffnung, weil Gott sie nicht abschreibt und verloren gibt &#8211; weil er seine Liebe anbietet, die Menschen \u00e4ndern und erneuern kann. Sie haben das schon erkannt, als sie Johannes dem T\u00e4ufer zuh\u00f6rten &#8211; sie haben geglaubt, als sie Jesus begegneten, geglaubt in dem ganz tiefen und ganz einfachen Sinn. Sie haben ihr Vertrauen auf Gott gesetzt und nicht auf sich selbst, haben alles von ihm erwartet, er ist ihre ganze Hoffnung.<\/p>\n<p>Die Geschichte von Zach\u00e4us, dem Oberz\u00f6llner, illustriert das so anschaulich und zeigt auch, was dann folgen kann:<\/p>\n<p>Er will Jesus nur sehen &#8211; der aber l\u00e4dt sich selber ein in sein Haus. Diese Zuwendung, dieses Zeichen der Gemeinschaft, macht ihn zu einem neuen Menschen &#8211; und macht ihn dann frei dazu, das Unrecht, das er tat wiedergutzumachen &#8211; Folge, nicht Voraussetzung &#8230;<\/p>\n<p>Das Befreiende an dem, was Jesus sagt und tut, erkenne ich auch in der Geschichte von den beiden S\u00f6hnen. Auch der, der &#8222;Ja&#8220; sagt und dann nicht folgt, bleibt Sohn des Vaters. Und der Vater h\u00f6rt nicht auf, zu bitten: Mein Sohn, geh&#8216; hin und arbeite in meinem Weinberg.<\/p>\n<p>Auch &#8222;Hohepriester und \u00c4lteste&#8220; sind weiter eingeladen, den Willen Gottes zu tun.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Hilmar Menke<\/p>\n<p>Superintendent in Cadenberge<\/p>\n<p>e-mail: <a href=\"mailto:HHFJMenke@aol.com\">HHFJMenke@aol.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. Sonntag nach Trinitatis | 15. 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