{"id":21747,"date":"1999-08-15T15:57:08","date_gmt":"1999-08-15T13:57:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21747"},"modified":"2025-03-15T15:58:53","modified_gmt":"2025-03-15T14:58:53","slug":"johannes-213-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-213-22\/","title":{"rendered":"Johannes 2,13-22"},"content":{"rendered":"<h3>10. Sonntag nach Trinitatis | 8. August 1999 | Johannes 2,13-22 | Friedrich Malkemus |<\/h3>\n<p>Der Zorn, mit dem Jesus die Tempelreinigung vornimmt, offenbart sein leidenschaftliches Interesse am Tempel. Neue Gottesdienstformen werden nicht gefordert, aber der ungehinderte Zugang zum Tempel. Prophetisches Zeichen aus leidenschaftlicher Liebe zum Gottesdienst und der versammelten Gemeinde. In k\u00fchner Vergegenw\u00e4rtigung r\u00fccke ich die Kirche in die Mitte der Betrachtung. Hier trifft das Wort Gottes den h\u00f6renden Menschen. Und Gottes Wort nimmt Gestalt an in dem auferstandenen, gegenw\u00e4rtigen Christus.<\/p>\n<p>Ich predige in dem traditionsgepr\u00e4gten Dorf Wasenberg, das seinen b\u00e4uerlichen Charakter aufgibt und stark verst\u00e4dtert. Die offene, einladende Kirche ist hier n\u00f6tig: St\u00e4tte der Stille und der Sendung; Wohnraum Nr. 1 in der Gemeinde.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde in Wasenberg!<\/p>\n<p>Sie haben sich bestimmt schon einmal, wenn nicht noch \u00f6fter, \u00fcber die Kirche ge\u00e4rgert. Sie ist Ihnen begegnet, wie Sie Kirche nicht erleben m\u00f6chten. Sie m\u00f6chten sie anders erleben und sehen. Aber wie soll Kirche sein? Ist unsere Erwartung \u00fcbereinstimmend? Und dann ist noch nicht ausgemacht, da\u00df unser Privatmodell Kirche im biblischen Sinne gar nicht Kirche genannt werden kann. &#8211; Ich vergr\u00f6bere einmal unseren Text und versetze ihn in die Gegenwart, in unsere Zeit. Dabei wollen wir den Ma\u00dfstab Jesu anlegen und \u00fcberlegen, ob hier auch Jesus eine Reinigung des Tempels anfangen w\u00fcrde oder gar schon die Reinigung als vollendet sehen w\u00fcrde. Da steht die Kirche, ragt mit dem Turm hoch \u00fcber die Gemeinde hinaus, ist allen sichtbar, auch den umliegenden D\u00f6rfern, eine sch\u00f6ne, stolze Kirche. Das w\u00fcrde Jesus bestimmt erfreuen, da\u00df Wasenberg eine Kirche als Geb\u00e4ude hat, eine St\u00e4tte des Zusammenkommens unter dem Wort Gottes. Jedoch &#8211; kommen die Leute hier zusammen, treten hier das Dorf Wasenberg und das verk\u00fcndete Wort zusammen? Sind es Einzelexemplare an Dorfbewohnern, die den Weg hierher finden und suchen? Wissen alle, wo die Kirche steht und wie sie von innen aussieht? Einen quicklebendigen, etwas chaotischen Tumult vor der Kirche findet er normalerweise hier nicht vor, schon gar nicht einen Geld- und Kirchenmarkt, der im Zusammenhang mit dem Gottesdienst steht. Das Marktgeschehen findet hier in der Gegend eher auf dem Floh- und Tr\u00f6delmarkt statt zur Gottesdienstzeit. Gottesdienst, Kirche: Jetzt, heute? w\u00fcrden viele sagen und fragen, warum jetzt, l\u00e4uft mir doch nicht weg! Kann doch die Kirche immer besuchen, eher dann, wenn ich alt bin. Oder etwa nicht?<\/p>\n<p>Die Vorfahren haben der Kirche hier eine markante, \u00fcberragende Gestalt gegeben und sie mit der Nr.1 bezeichnet. Das auff\u00e4lligste und gr\u00f6\u00dfte, besonders hohe Haus und Zimmer soll die Kirche sein, und sie soll jedermann von \u00fcberall her zug\u00e4nglich sein. Das soll Deine Stube Nr. 1 sein. &#8211; Deine Wohnung steht in lebendigem Bezug zu dieser Wohnung des Wortes und der Andacht. Sie soll Vorrang haben vor allen Wohnungen. Darum ist so viel Kunstfertigkeit an ihre Gestalt gewendet worden. Auch den sch\u00f6nen Tempel in Jerusalem hat Jesus oft und gerne besucht und nicht verworfen: Tut mir auf die sch\u00f6ne Pforte, das gilt auch hier!<\/p>\n<p>Wenn in den Wohlstandsjahren, die wir erleben, \u00fcber Geb\u00e4udekosten der Kirche gest\u00f6hnt wird, sollten wir nicht vergessen und nicht verschweigen, da\u00df unsere V\u00e4ter und M\u00fctter in armen, armen Zeiten Kirchen gebaut und erhalten und den Kindern als kostbares Gut \u00fcbergeben hatten. Sollten wir st\u00f6hnen unter der Pflicht, gutes Kultur- und Glaubenserbe sorgf\u00e4ltig zu bewahren? Vergleichen wir die Aufwendungen f\u00fcr andere Geb\u00e4ude rundum!<\/p>\n<p>Jesus trennt den Gottesdienst von falschen Beigaben und Verfremdungen. Er vertreibt den Rummel aus dem Tempelbereich. &#8211; Denkt er hier an die St\u00f6rung, die dem Besuch des Gottesdienstes und der Heiligung des Ortes im Wege steht?<\/p>\n<p>Was verfremdet heute und hier den Gottesdienst? Was m\u00fc\u00dfte neu gestaltet werden? Der Zugang soll ein ungehinderter sein, das hat Jesus in der temperamentvollen Erz\u00e4hlung nicht angegriffen. Von allen Seiten sollten die Leute schon kommen k\u00f6nnen, und dabei ist der Zugang nicht beschr\u00e4nkt auf eine Stunde in der Woche. Die sch\u00f6ne, angenehme Stille der Kirchenr\u00e4ume darf durchaus dem Suchenden, Fragenden, dem Anbetenden und Nachdenklichen offenstehen. Mancher findet im Haus den Raum der Stille nicht &#8211; hier ist er und wartet und bietet sich an.<\/p>\n<p>Das Sprechen und Singen mu\u00df in unserer Sprache erfolgen. Luther hat das Deutsch, die Landessprache, in den Gottesdienst eingebracht! Wir m\u00fcssen unser Liedgut auf die Sprache unserer Zeit bringen und haben es in langwierigen Prozessen getan. Die Pfarrer m\u00fcssen eine Sprache der Zeit finden, um Notlagen begegnen zu k\u00f6nnen und die Interessenlage der Leute zu treffen. Der Konfirmandenspruch: Ich verstehe hier nichts &#8211; alles bla-bla &#8211; mu\u00df uns aufhorchen lassen. Die Gemeinde darf nicht \u00fcber Langeweile st\u00f6hnen, sie soll sich freuen an der Sch\u00f6nheit und Frische des Gottesdienstes.<\/p>\n<p>Denn in ihm lebt und ist gegenw\u00e4rtig Jesus und Herr. Kirche seid ihr und Kirche ist er, der Herr. Da spricht die Stimme der Ewigkeit mit dem Menschen unserer Zeit. Das lebendige Kirchesein ist abh\u00e4ngig von zwei Faktoren, die Kirche bilden: Das ist die Gemeinde hier, und das ist Christus da. Beide begegnen sich und werden lebendige Kirche. Da erf\u00fcllt sich das Wort: Und siehe, ich bin bei euch &#8211; ich bin der Weinstock &#8211; ihr seid die Reben! &#8211; Manche sagen auch v\u00f6llig korrekt, &#8222;Heute ist erst um 11 Uhr Kirche&#8220; &#8211; und meinen nicht das Geb\u00e4ude, sondern das Geschehen. &#8222;Heute h\u00e4lt Pfarrer Fulda die Kirche&#8220; ist allerdings falsch, denn er hat die Predigtaufgabe, und die Kirche wird gehalten von der geistlichen Gemeinschaft der Menschen mit Christus. Deshalb k\u00f6nnen manche auch sagen, wenn ein Waldgottesdienst stattfinden soll: &#8222;Wir haben heute am Waldrand Kirche!&#8220; Im strengen und aktuellen Sinne: Kirche ist Wortgeschehen und Gemeindebegegnung, dabei und w\u00e4hrenddessen. Und damit trittst Du in den Kreis der Betrachtung: Du bist Kirche, Baustein, lebendiges Gestein, aus dem die Kirche Jesu erbaut wird. Und darfst auch von Dir sagen: &#8222;Ich bin Kirche, Teil der Kirche&#8220;; &#8222;Ich bin bei der Kirche&#8220; ist noch zu schwach ausgesagt.<\/p>\n<p>Jesus liebt die Gemeinde, die nach Gottes Wort sucht und unter ihm zusammenkommt. Er liebt sie als Kirche, als sichtbare Kirche unter den Menschen so sehr, da\u00df er sich f\u00fcr sie am Kreuz dahingibt und Ostern aufersteht. Er schenkt sich dem Menschen ganz und l\u00e4dt ein: Wie ihr hier an der Kirchenpforte steht! Kommt her zu mir alle! &#8211; M\u00f6ge die Begegnung dahin f\u00fchren, da\u00df wir wie die J\u00fcnger an das Wort glauben, das er gesagt hatte.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Friedrich Malkemus<\/p>\n<p>Dekan i.R. Kirchenrat<\/p>\n<p>Wolfgang-Zeller-Str. 13<\/p>\n<p>34613 Schwalmstadt-Ziegenhain<\/p>\n<p>Tel. 06691 &#8211; 71642<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10. Sonntag nach Trinitatis | 8. August 1999 | Johannes 2,13-22 | Friedrich Malkemus | Der Zorn, mit dem Jesus die Tempelreinigung vornimmt, offenbart sein leidenschaftliches Interesse am Tempel. Neue Gottesdienstformen werden nicht gefordert, aber der ungehinderte Zugang zum Tempel. Prophetisches Zeichen aus leidenschaftlicher Liebe zum Gottesdienst und der versammelten Gemeinde. 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