{"id":21749,"date":"1998-10-15T15:58:57","date_gmt":"1998-10-15T13:58:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21749"},"modified":"2025-03-15T16:01:48","modified_gmt":"2025-03-15T15:01:48","slug":"1-thessalonicher-41-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-thessalonicher-41-8\/","title":{"rendered":"1. Thessalonicher 4,1-8"},"content":{"rendered":"<h3>20. Sonntag n. Trinitatis | 25.10.1998 | 1. Thessalonicher 4,1-8 | Richard Engelhardt |<\/h3>\n<p>Predigttext:<\/p>\n<p>&#8222;Im \u00fcbrigen meine Br\u00fcder, ermahne ich euch und fordere euch im Auftrag des Herrn Jesus auf, nach den Weisungen zu leben, die ihr von mir empfangen habt. Ihr wi\u00dft, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, und tut es ja auch. Aber es ist gut, wenn ihr darin weiterkommt. Ihr kennt ja die Regeln, die ich euch gab und die ihr im Grunde nicht von mir habt, sondern von Jesus, dem Herrn selbst. Denn das will Gott, da\u00df ihr heilig werdet. Was das im einzelnen bedeutet? Ihr sollt euch fernhalten von der Unzucht. Jeder soll mit seiner eigenen Frau verkehren und mit ihr nach Gottes Ordnung und in Ehren leben. La\u00dft euch nicht von Leidenschaften treiben wie die anderen Menschen drau\u00dfen, die von Gott nichts wissen. Ihr sollt euch im Gesch\u00e4ftsleben nicht \u00fcber euren Bruder hinwegsetzen oder ihn im Handel betr\u00fcgen, denn Gott wacht \u00fcber all dem und wird Gerechtigkeit schaffen. Ich habe es euch damals mit allem Nachdruck gesagt. Denn Gott hat uns nicht zu seinen Kindern gemacht, damit wir danach unsauber, sondern damit wir heilig leben. Wer nun meint, er sei erhaben \u00fcber alle diese einfachen Regeln, der verachtet damit nicht so sehr die Menschen, die sich daran halten, sondern Gott, der sie gab und dessen heiligen Geist ihr empfangt.&#8220; (\u00dcbertragung von J\u00f6rg Zink)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>als die Berliner Kirche vor einiger Zeit aus finanziellen Gr\u00fcnden einer Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern &#8222;betriebsbedingte&#8220; K\u00fcndigungen aussprechen mu\u00dfte, gab es ein gro\u00dfes Echo in den Medien. Da\u00df zur gleichen Zeit gro\u00dfe Konzerne Tausende von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entlie\u00dfen, um die Bilanzen f\u00fcr Aktion\u00e4re attraktiver zu machen, war dagegen kaum ein gro\u00dfes \u00f6ffentliches Thema. Von der Kirche erwartete man allerdings etwas anderes. Nicht nur, weil sie gerade ein Sozialwort ver\u00f6ffentlicht hatte und damit anderen ins Gewissen reden wollte, nein, auch und vielleicht vor allem, weil man immer noch von der Kirche ein anderes Handeln erwartet als von der Wirtschaft oder von sich selbst. Mi\u00dft die \u00d6ffentlichkeit also mit zweierlei Ma\u00df? In der Tat! Und zu Recht!<\/p>\n<p>Kirche, Gemeinschaft derer, die leben, um Gott zu gefallen, hat andere Lebensregeln. Christen unterscheiden sich von denen, die ohne Gott ihr Leben zu gestalten versuchen. &#8222;Denn das will Gott, da\u00df ihr heilig werdet&#8220;. Und genau das ist eben nicht jedermanns Sache, darauf mu\u00df man sich schon sehr bewu\u00dft und sehr konsequent einlassen.<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus war kurze Zeit in Thessaloniki und hatte dort, als er die Stadt verlassen mu\u00dfte, eine kleine Gemeinde zur\u00fcckgelassen. Er hatte also Menschen durch seine Predigt von Jesus Christus \u00fcberzeugt, Menschen, die nach dem Sinn ihres Lebens suchten und durch die Predigt von der Liebe Gottes einen Weg gefunden hatten, ihr Leben sinnvoll zu gestalten. In Dankbarkeit Gott gegen\u00fcber wollten sie jetzt ihm durch ihre Lebensf\u00fchrung Ehre machen. Die Lebensregeln, die Paulus ihnen im Namen Jesu mitgab, empfanden sie also nicht als einen Zwang, der nun leider zum Glauben dazugeh\u00f6rt, sondern als ein Angebot, die innere Befreiung im allt\u00e4glichen Leben auszudr\u00fccken. Offenbar kamen sie damit auch ganz gut zurecht. Paulus hat einigen Grund, sie zu loben. Allerdings scheint es auch hier und da ganz handfeste Probleme gegeben zu haben, denn zwei Bereiche, die in einer Hafen- und Handelsstadt wie Thessaloniki sicherlich nicht unbedeutend waren, greift er auf, um die Lebensregeln konkret zu machen: Die Frage der ehelichen Treue und die Frage der gesch\u00e4ftlichen Redlichkeit.<\/p>\n<p>Wenn ich nun diese S\u00e4tze z.B. meinen Sch\u00fclern vorlese: &#8222;Ihr sollt euch fernhalten von der Unzucht. Jeder sollt mit seiner eigenen Frau verkehren und mit ihr nach Gottes Ordnung und in Ehren leben. La\u00dft euch nicht von Leidenschaften treiben wie die anderen Menschen.&#8220; Wenn ich also diese S\u00e4tze irgendwo vorlese, dann mu\u00df ich damit rechnen, da\u00df man mir sofort vorh\u00e4lt: Die Kirche ist leibfeindlich, lustfeindlich und frauenfeindlich. Das pa\u00dft nicht in unsere Zeit, diese verklemmte Sexualmoral. Und ich mu\u00df diesen Vorw\u00fcrfen sogar teilweise zustimmen, besonders dann, wenn ich das h\u00e4\u00dfliche Wort sehe, da\u00df Paulus in seiner griechischen Sprache hier f\u00fcr das Wort &#8222;Frau&#8220; benutzt. &#8222;Gef\u00e4\u00df&#8220;, &#8222;Topf&#8220; w\u00fcrde es w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt hei\u00dfen. Das geh\u00f6rt wirklich nicht in unsere Zeit. Ich denke mir, Paulus benutzt hier ein Wort aus dem zotigen Wortschatz der Hafenkneipen. Und wenn ich mir das so \u00fcberlege, sehen die S\u00e4tze des Apostels Paulus pl\u00f6tzlich ganz anders aus. &#8222;Nach Gottes Ordnung und in Ehren&#8220; soll ein Mann, der sich auf Jesus Christus beruft, mit seiner Frau leben. Er soll sie also nicht mehr als &#8222;Gef\u00e4\u00df&#8220;, als Gegenstand, den man auch wegwerfen kann, sehen. Sie selbst als Mensch, als Partnerin, als Gegen\u00fcber verdient Ehre. Mir f\u00e4llt dazu auch das Wort &#8222;Treue&#8220; ein. Treue ist das, was die jungen Menschen heutzutage in einer Partnerschaft als wichtigste Voraussetzung sehen. Einen Partner als Gegenstand sehen, ihn nach Belieben auszuwechseln, um einen anderen zu erobern &#8211; wie es offenbar in der Hafenstadt Thessaloniki \u00fcblich war &#8211; ist f\u00fcr jemanden, der vor Gott bestehen will (und damit auch vor den Menschen), nicht m\u00f6glich. &#8222;Gott ist Liebe&#8220;. Nachfolge hei\u00dft, diese Liebe an den anderen Menschen weiterzugeben, der mit mir auf dem Wege ist, sich auf mich verl\u00e4\u00dft, mir vertraut.<\/p>\n<p>Und nun kann ich dem Vorwurf, Paulus sei hier verklemmt, lustfeindlich oder \u00e4hnlich nicht mehr zustimmen. Ich denke, das, was der Apostel hier an die Thessalonicher schreibt, ist auch mehr als ein historischer Text, den nur die Geschichtsforscher noch interessant finden k\u00f6nnen. Hier wird den Christen, die aus ihren herk\u00f6mmlichen Gewohnheiten und Denkformen noch nicht so ganz herausfinden, eine Wegweisung gegeben, die auch uns keineswegs so ganz selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>Und das trifft auch auf das zweite Beispiel mit der Ehrlichkeit beim Handel zu. Eben nicht das Gesch\u00e4ft um jeden Preis ist einem Christen m\u00f6glich. Der Kunde hat seine Ehre und W\u00fcrde. Wenn die verletzt wird, wird Gott verletzt. Wer da den versteckten Fehler beim Verkauf des alten Wagens verschweigt, um einen guten Preis zu erzielen, mag zwar ein Schlitzohr sein und von seinen Stammtischbr\u00fcdern bewundert werden. Einer, der sich dessen bewu\u00dft ist, da\u00df er nur dank der Liebe Gottes sinnvoll leben kann, ist er doch wohl nicht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wird ein ehrlicher Gesch\u00e4ftsmann nicht so schnell reich wie einer, der gelegentlich die Arglosigkeit seiner Gesch\u00e4ftspartner ausnutzt. Aber erstens beh\u00e4lt der ehrliche Gesch\u00e4ftsmann seine Gesch\u00e4ftspartner und macht sie sich nicht zu Gesch\u00e4ftsgegnern und zweitens &#8211; und f\u00fcr einen Christen ist dies der wichtigste Grund f\u00fcr die Lebensregeln &#8211; zweitens kann er sich in der Liebe Gottes geborgen f\u00fchlen. Er wei\u00df: Mein Leben hat seinen Sinn. Und dieser Sinn geht \u00fcber den Tag hinaus, reicht weit in die Zukunft. &#8222;Gott will, da\u00df ihr heilig werdet.&#8220;<\/p>\n<p>Heilig, das ist ein Zustand, der mit Reinheit, Klarheit, Unantastbarkeit verbunden ist. Ein Zustand, dem wir uns ann\u00e4hern k\u00f6nnen dadurch, da\u00df wir unsere Lebensplanung nicht auf die Scheinziele wie Lustgewinn oder Reichtum oder Macht ausrichten, sondern nach dem Sinn unseres Lebens fragen, der uns auch tr\u00e4gt, wenn Krankheit oder Todesgedanken alles, was wir leisten konnten, fragw\u00fcrdig werden lassen. Nat\u00fcrlich wei\u00df jeder, der sich in der Liebe Gottes geborgen sieht, der sein Leben als Christ gestalten m\u00f6chte, da\u00df er die Ordnungen auch immer wieder einmal vergi\u00dft. Er wei\u00df aber auch, da\u00df er in dem, was Christen vor ihm gesagt und gedacht haben, Wegweisung finden kann, da\u00df er sich korrigieren kann und da\u00df es das gibt, was die Kirche seit alten Zeiten nennt, &#8222;den Tr\u00f6ster, den Heiligen Geist&#8220;. Diese Kraft hat Gott denen zugesagt, die ihre Lebensplanung in seinem Namen wagen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastor Richard Engelhardt, G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge aus: Gottesdienst &#8211; Arbeitshilfe zur Erneuerten Agende, 5. Lieferung, 11. Jg., hrsg. von der Liturgischen Konferenz Niedersachsens e.V., Tel.: 0511-1241-486:<\/p>\n<p>EG 161 (Liebster Jesu, wir sind hier)<\/p>\n<p>EG 404, 1.2.4.6-8 (Herr Jesu, Gnadensonne)<\/p>\n<p>EG 414 (La\u00df mich, o Herr, in allen Dingen)<\/p>\n<p>EG 420 (Brich mit dem Hungrigen dein Brot)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. Sonntag n. Trinitatis | 25.10.1998 | 1. Thessalonicher 4,1-8 | Richard Engelhardt | Predigttext: &#8222;Im \u00fcbrigen meine Br\u00fcder, ermahne ich euch und fordere euch im Auftrag des Herrn Jesus auf, nach den Weisungen zu leben, die ihr von mir empfangen habt. 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