{"id":21751,"date":"1998-10-15T16:05:45","date_gmt":"1998-10-15T14:05:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21751"},"modified":"2025-04-23T09:22:47","modified_gmt":"2025-04-23T07:22:47","slug":"roemer-321-28-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-321-28-3\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 3,21-28"},"content":{"rendered":"<h3>Reformationstag | 31.10.1998 | R\u00f6mer 3,21-28 | Hans Joachim Schliep |<\/h3>\n<p>Predigt zu R\u00f6mer 3,21-28 (Entwurf)<\/p>\n<p>Ev.-luth. St. Martin-Kirche Hannover-Anderten<\/p>\n<p>01.11.1998\/09.30 Uhr &#8211; Reformationsgottesdienst<\/p>\n<p>Jesus Christus: derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Amen.&lt;<\/p>\n<p>&#8222;&#8230;und denn, denn stehste vor Gott dem Vater, stehste, der allens jeweckt hat, vor dem stehste denn, und der fragt dir ins Jesichte: Willem Voigt, wat haste jemacht mit dein Leben? Und da mu\u00df ick sagen &#8211; Fu\u00dfmatte, mu\u00df ick sagen. Die hab ick jeflochten im Jef\u00e4ngnis, und denn sind se alle druff rumjetrampelt, mu\u00df ick sagen. Und Gott sagt zu dir: Jeh wech! sagt er! Ausweisung! sagt er! Daf\u00fcr hab ick dir det Leben nich jeschenkt, sagt er! Det biste mir schuldig. Wo is et? Wat haste mit jemacht?&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Aus dem Schuster Willem Voigt, einem kleinen Mann ohne Ausweis, ohne Arbeit, ohne festes Zuhause, wird der &gt;Hauptmann von K\u00f6penick&lt;. Soldaten und Zivilisten folgen seinen Befehlen. Er tr\u00e4gt ja eine Uniform. Unnachahmlich, wie Heinz R\u00fchmann ihn gespielt hat. Erinnern Sie sich? Ich habe eben zitiert aus dem Gespr\u00e4ch \u00fcber den Lebenssinn mit seinem Schwager, einem kleinen Beamten, bei dem er Unterschlupf gefunden hat.<\/p>\n<p>Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes\/die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart &#8230; Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott,\/die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus\/zu allen, die glauben. &#8230; |Sie| werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade\/durch die Erl\u00f6sung, die durch Christus Jesus geschehen ist. &#8230; So halten wir nun daf\u00fcr,\/da\u00df der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke,\/allein durch den Glauben. (R\u00f6mer 3,21-28 i. A.)<\/p>\n<p>Diese Worte aus R\u00f6mer 3 und vorher die Lebensbilanz des Schusters Willem Voigt &#8211; dazwischen liegen Welten: hier Gerechtigkeit und da Ausweisung, hier Erl\u00f6sung und da Gef\u00e4ngnis, hier Gnade und da Fu\u00dfmatte.<\/p>\n<p>Wie sollen wir umgehen mit solchen Spannungen und Widerspr\u00fcchen? Es w\u00e4re schlimm, hundsgemein w\u00e4re es, von Willem Voigt zu verlangen: Begn\u00fcge dich mit Fu\u00dfmatte! Dein Leben ist nun einmal v\u00f6llig schiefgelaufen &#8211; und schiefgelaufen ist auch, wie du Gott erfahren hast. Du kennst Gott eben nur als den Fordernden und Richtenden, als einen Erbsenz\u00e4hler guter Taten &#8211; nicht als den, f\u00fcr den eines Menschen Wert unabh\u00e4ngig ist von dessen Werk. Da kann man eben nichts machen.<\/p>\n<p>Da kann man eben nichts machen?<\/p>\n<p>Dabei kann es doch unm\u00f6glich bleiben!<\/p>\n<p>Aber damit es anders wird, ist eine Wende des Blicks, ein Perspektivwechsel notwendig. Irritierend einseitig spricht Paulus von geschenkter Gerechtigkeit, von Erl\u00f6sung und von Glauben: vom Himmel &#8211; nicht voller Geigen, sondern &#8211; voller Gnade. Gerade so stellt sich ein echter Kontrast ein zu all den furchtbaren Bildern von W\u00fcrdelosigkeit und Gewalt, die Willem Voigt&#8217;s Leben so gnadenlos und die unser aller Leben so erl\u00f6sungs-bed\u00fcrftig machen.<\/p>\n<p>Also fliehen von einer Welt in eine andere, bessere? Keineswegs! Es gilt, die Augen offenzuhalten und immer offener zu werden f\u00fcr das, was um uns, mit uns und in uns geschieht. Dazu m\u00fcssen wir etwas wissen von Gerechtigkeit, Gnade, Erl\u00f6sung. Woher sollten wir sonst den Blick f\u00fcr ihr Gegenteil bekommen? Meine Sorge ist, da\u00df die Bilder des B\u00f6sen, die uns t\u00e4glich vor Augen flimmern, gegen das B\u00f6se stumpf machen. Das, so bef\u00fcrchte ich, gilt auch von den Bildern des Leidens. Der Blick aber f\u00fcr das fremde Leid ist die Bedingung aller Kultur &#8211; der Blick f\u00fcr das fremde Leid und die eigene Erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftigkeit.<\/p>\n<p>&#8222;Wirklich deutlich&#8220;, sagt Vaclav Havel, &#8222;kann die Schrecken der Welt nur derjenige sehen, der Hoffnung und Glauben nicht verloren hat.&#8220; In diesem Sinn spricht Paulus von Gerechtigkeit, von Erl\u00f6sung und von Gnade. Damit zu Ende gesprochen werden kann, was nicht das letzte Wort behalten darf! Erst im Licht der Gnade und des Vergebens n\u00e4mlich kann alles aufgedeckt und ausgesprochen werden. Keine Ungnade mu\u00df verschwiegen werden und keine Schuld.<\/p>\n<p>Die Psalmen sind daf\u00fcr ein Beispiel: Da sprechen Menschen alles aus, was sie qu\u00e4lt, da werfen Menschen Gott alles vor die F\u00fc\u00dfe, was wirklich das &#8222;Letzte&#8220; ist. Eben darin ist das &#8222;Letzte&#8220; nur noch etwas &#8222;Vor-&#8220; und kein &#8222;Allerletztes&#8220;. Es ist dann, wie beim Schuster Voigt, alles gesagt &#8211; aber das ist dann keineswegs alles. Die Worte des R\u00f6merbriefes &#8211; sie widersprechen dem Allzumenschlichen. In diesem Widersprechen nehmen sie Partei f\u00fcr den Menschen. Und wie Heinz R\u00fchmann Fu\u00dfmatte sagt, spricht auch er zu Ende, was nicht das letzte Wort behalten soll.<\/p>\n<p>**<\/p>\n<p>Schuster Voigt&#8217;s Worte, seine Lebensbilanz, seine Lebensklage, sind ersch\u00fctternd und anr\u00fchrend! Und wie ehrlich und n\u00fcchtern er bleibt! Ist es nur jenes Ehrliche und N\u00fcchterne, das ber\u00fchrt und nachvollziehbar macht, was er sagt? Es ist mehr, denke ich, mehr auch als Mitgef\u00fchl. Wirkt er deshalb so unglaublich glaubw\u00fcrdig, weil etwas von Willem Voigt in uns allen steckt? Er hat etwas unverwechselbar, unaustauschbar Eigenes. Ich darf es mir nicht umstandslos zuschreiben. Doch er stellt mir die Frage: Wie siehst du dein Leben? Wie gehst du um mit den Br\u00fcchen und den Bruchst\u00fccken, mit alldem, wo deine Werke deinem Wollen widerstreiten, wo sich dein Lebenslauf deinem Lebenswillen widersetzt, wo du Anfang und Ende nicht zusammenbekommst, weil die F\u00e4den deines Lebens unverbunden bleiben?<\/p>\n<p>Zu einer angemessenen Lebenssicht &#8211; eben dazu will Paulus uns verhelfen, wenn er schreibt: So halten wir nun daf\u00fcr,\/da\u00df der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke,\/allein durch den Glauben.<\/p>\n<p>Ein schwieriger Satz, dieser Hauptsatz der Reformation. Ich will ihn sofort \u00fcbersetzen:<\/p>\n<p>Du bist, weil du geliebt bist, gut von Gott her &#8211; du mu\u00dft nicht erst gut sein, um geliebt zu werden. Du bist gerecht, weil Christus dich gerecht spricht. Du brauchst nicht mehr so angestrengt, so \u00fcberanstrengt um dein Ich zu k\u00e4mpfen &#8211; du kannst vertrauen, da\u00df Gott dich kennt. Du mu\u00dft nicht dir selbst Modell stehen und dir st\u00e4ndig ein neues Design verpassen.<\/p>\n<p>So hilft der Glaube dem Menschen, zur Welt zu kommen. Menschen k\u00f6nnen aufh\u00f6ren, f\u00fcreinander alles sein zu m\u00fcssen, ihren Mangel an Sein aufeinander abzuw\u00e4lzen und sich wechselseitig daf\u00fcr haftbar zu machen, wenn sie sich fremd f\u00fchlen in dieser Welt.<\/p>\n<p>So mutet der Glaube dem Menschen das Eingest\u00e4ndnis zu, keineswegs unendlich, unfehlbar und unschuldig zu sein. Und er macht diese &gt;endliche Freiheit&lt; (Paul Tillich) zugleich lebbar.<\/p>\n<p>Offensichtlich will Paulus mir sagen, da\u00df ich weder im besch\u00e4mten Antlitz der Verlierer noch im herauspolierten Glanz der Erfolgreichen diejenige Gestalt des Lebens erblicken kann, die Leben gelingen l\u00e4\u00dft und die vor Gott Bestand hat. Deshalb teilt er so unverwechselbar seine Lebenserfahrung mit, da\u00df \u00fcberall dort, wo ausschlie\u00dflich sein Werk den Wert eines Menschen bestimmt, das Leben zu einem Dauerpensum an Selbstrechtfertigung wird. Was dabei herauskommt, sind entweder mitleidlose Selbstdurchsetzung oder mitleidige Selbsterniedrigung.<\/p>\n<p>Ein Fu\u00dfmatte-Dasein nach dem anderen kommt dabei heraus: so viele, zu viele lassen auf sich herumtrampeln; so viele, zu viele nehmen in Kauf, da\u00df anderen nur noch Fu\u00dfmatte zu sagen bleibt. Das alles und vieles andere nennt die Bibel &#8222;S\u00fcnde&#8220; &#8211; ein altes, fast verbrauchtes, doch unaufgebbares Wort. Es hei\u00dft ja ganz einfach: Gott spielt keine Rolle &#8211; und ich bin einzig und allein auf mich gestellt: Was also kostet die Welt? Doch womit will ich denn das alles &#8222;bezahlen&#8220;, wenn alles auf meine eigene Rechnung geht?<\/p>\n<p>Willem Voigt immerhin sieht sich und sein Leben noch vor einer Instanz, der er sich verantwortlich wei\u00df. Er steht, was ich bei seinem Geschick nur allzu gut verstehen kann, in der Gefahr, aus der urteilenden eine ganz und gar verurteilende Gr\u00f6\u00dfe zu machen. Das ist heute ganz anders. Heute wollen viele davon gar nichts mehr wissen. Sie kennen nur eine einzige Sinninstanz: sich selbst.<\/p>\n<p>Aber k\u00f6nnen wir denn \u00fcberhaupt leben ohne die Meinung, das Urteil anderer &#8211; und da\u00df sie sich uns zuwenden trotz unserer Schw\u00e4chen, unserer Schatten, unserer Schuld? Und k\u00f6nnen wir wirklich leben nach der aktuellen Devise: &#8222;Erlebe dein Leben!&#8220; Stehe ich dann nicht unter dem Druck, stets und st\u00e4ndig vor mir selbst rechtfertigen zu m\u00fcssen, was ein Erlebnis, was Erfolg oder Mi\u00dferfolg ist, was mir gut tut und was ich will? Ein Leben im st\u00e4ndigen Widerschein meiner selbst hat etwas Gnadenloses und Liebloses &#8211; gegen mich selbst. Um es mit einem modernen Wort zu sagen: Identit\u00e4t gibt es doch nur, wenn sie nicht zum Zwang wird. Keine Pflanze w\u00e4chst, wenn du st\u00e4ndig an ihr ziehst. Mein Ich wird eher verk\u00fcmmern als wachsen, wenn ich dauernd daran &#8222;herummache&#8220;, es dauernd emporziehen will.<\/p>\n<p>Es gibt noch eine andere Form von modernem Rechtfertigungsdruck: Wo wir fr\u00fcher den Naturkatastrophen ausgeliefert waren, machen wir heute einen guten Teil der Katastrophen selbst. Aus &gt;Schicksal&lt; ist &gt;Machsal&lt; geworden (Odo Marquard). Mit anderen Worten: Wo nichts mehr &#8211; und sei es in Klage und Anklage &#8211; aus der &#8222;Hand Gottes&#8220; genommen, wo alles der &#8222;Hand des Menschen&#8220; \u00fcberantwortet wird, ist der Mensch auch f\u00fcr alles verantwortlich. Nur der Mensch k\u00f6nnte noch aufkommen f\u00fcr den Menschen. Aber kann ich wirklich f\u00fcr mich selber aufkommen &#8211; \u00fcberhaupt erst einmal f\u00fcr mich selber?<\/p>\n<p>Wen wundert es da noch, wenn unsere Zeitungen voll sind von Anschuldigungen und Entschuldigungen, die sich wie auf einer unendlichen Spirale antreiben und fortzeugen? Diese ewige Spirale, die sich immer schneller weiterdreht, nennt Paulus des Gesetzes Werke.<\/p>\n<p>Gegen alle Formen von Selbstbegr\u00fcndung und Selbstgerechtigkeit setzt Paulus die Gottesgerechtigkeit und den Christusglauben. So halten wir nun daf\u00fcr,\/da\u00df der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke,\/allein durch den Glauben. Mit diesem Lebensangebot er\u00f6ffnet er uns einen neuen, weiten Lebenshorizont. Wir werden im Himmel geerdet. Der Garant unseres pers\u00f6nlichen und unseres gemeinsamen Lebenshorizonts ist Jesus Christus &#8211; Jesus Christus in dem, wof\u00fcr er eingetreten ist und sein Leben eingesetzt hat.<\/p>\n<p>**<\/p>\n<p>Wir feiern, liebe Gemeinde, heute das Reformationsfest. Wir erinnern uns daran, da\u00df Martin Luthers Lebensbild jahrelang schief hing, weil sein Gottesbild schief war. Jeh wech! sagt er! Ausweisung! sagt er! Ein solches Urteil, eine solche Verurteilung durch Gott erwartete auch Luther &#8211; bis es ihm wie Schuppen von den Augen fiel: Gerechtigkeit ist zuerst und zuletzt das, was Gott gibt, und nicht das, was Gott fordert. Das erste und das eigentliche gute Werk ist der Glaube, den Christus in uns beginnt, wirkt und vollendet.<\/p>\n<p>Das Reformationsfest erinnert uns vor allem daran, da\u00df Luther in unverwechselbarer, un\u00fcberbietbarer Klarheit diese Revolution im Verst\u00e4ndnis der Religion erfa\u00dft hat. Vor der gew\u00f6hnlichen Frage: &#8222;Was sollen, was m\u00fcssen wir tun?&#8220; kommt die ungew\u00f6hnliche Frage: &#8222;Von wo empfangen wir etwas?&#8220; (Heinz Zahrnt) Religion liegt der Moral und der \u00d6konomie, der Vernunft und dem guten Willen weit voraus, Religion ordnet die innere Rangfolge neu: zuerst die bittende Hand, zuerst beschenkte, begnadete Menschen &#8211; dann die t\u00e4tige Hand, die das Empfangene austeilt. Du mu\u00dft dich nicht erst hineinarbeiten in das Vertrauen Gottes &#8211; aus diesem Vertrauen lebst du!<\/p>\n<p>Darin war Luther seiner Zeit weit voraus. Weit voraus ist er auch unserer, ist er jeder Zeit, solange es Menschen gibt, denen es wie Willem Voigt ergeht. In Zeiten, in denen der wirtschaftliche Erfolg \u00fcber allem steht, ruft Luther uns zu: Ein Mensch ist mehr wert als jeder m\u00f6gliche Mehrwert!<\/p>\n<p>Im Verst\u00e4ndnis von Gnade ist Luther ebenfalls weit voraus. Gnade sagt ja etwas ganz anderes als: Gott sei so riesengro\u00df und der Mensch um so winziger, oder als: es gehe im Leben nur darum, da\u00df der eine zum anderen sich herabbeugt und alle sich voreinander ducken m\u00fcssen. Gnade entlastet Menschen davon, sich ihre W\u00fcrde &#8211; diesen Wert, der keinen Preis hat (Immanuel Kant) &#8211; zu verdienen. Gnade macht Menschen wachsam f\u00fcr das, was durch Handeln unerreichbar ist, f\u00fcr das Sein selbst, und wachsen lassen auf das hin, was jenseits von Tat und b\u00f6sem Geschick liegt. Gnade bedeutet: Ich-sagen-k\u00f6nnen ohne alles von sich erwarten zu m\u00fcssen; Vertrauen vor Leistung; Einweisung statt Ausweisung.<\/p>\n<p>Klar erkennen zu k\u00f6nnen, was und wieviel im eigenen Leben Fu\u00dfmatte ist, und sich dennoch dem Himmel nahe zu wissen &#8211; das ist Gnade!<\/p>\n<p>Frauen und M\u00e4nner, gewachsen, ja, erwachsen geworden in solchem Glauben, k\u00f6nnen alles tun, weil sie wissen, da\u00df ihr Tun nicht alles ist. Eine Christin, ein Christ wissen sich beschenkt mit den G\u00fctern und der G\u00fcte Gottes, mit Gerechtigkeit &#8211; und in diesem verliehenen, deshalb unverlierbaren Gutsein folgen sie den Spuren Gottes und lassen Gott Gutes durch sie wirken. Das Gute mu\u00df nicht erst erfunden werden, es wird gefunden im Blick auf Jesus Christus, in seinen Spuren, in seiner Nachfolge. Dazu geh\u00f6rt der ganze Einsatz daf\u00fcr, da\u00df Fu\u00dfmatte nicht die Lebensbilanz der Menschen ist, die ihnen anvertraut sind und denen sie begegnen.<\/p>\n<p>**<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df noch einmal zur\u00fcck zu Schuster Willem Voigt. Am Ende bekommt er seine Papiere, also sein niemals mit Gnade zu verwechselndes Recht. Am Ende lachen wir dar\u00fcber, wie er unsere menschliche Eitelkeit, ja, Scheinheiligkeit entlarvt und uns allen eine geh\u00f6rige Portion von mangelnder Zivilcourage und unangebrachter H\u00f6rigkeit auf H\u00f6hergestellte vor Augen f\u00fchrt. Aber wichtiger noch ist mir dieses:<\/p>\n<p>Der Hauptmann von K\u00f6penick&lt;, wie Carl Zuckmayer ihn geschrieben hat und wie ich Heinz R\u00fchmann in dieser Rolle vor Augen habe, entwickelt gerade in der kl\u00e4glichen und beklagenswerten Lebensbilanz eine verschmitzte W\u00fcrde. Die ganze Verschmutzung und Besch\u00e4mung, die sich \u00fcber diesen Mann ergossen haben, haben ihn zu einem tief Verletzten gemacht. Im Letzten geblieben aber ist ihm eine widerst\u00e4ndige Lebensgewitztheit, die er mit dem &gt;braven Soldaten Schweijk&lt; teilt: Er widersetzt sich dem Untertanengeist seines Schwagers, dem er seine bittere Lebensbilanz klagt! Er l\u00e4\u00dft sich weder beschwichtigen &#8211; noch versteckt er die Fu\u00dfmatte &#8211; noch besch\u00f6nigt er sein Leben! Er setzt sein Leben Gott und Gott seinem Leben aus!<\/p>\n<p>Stecken in seiner Lebensgewitztheit Reste von Lebensgewi\u00dfheit, eine widerst\u00e4ndige W\u00fcrde der Gotteskindschaft? Ja, ich bin davon \u00fcberzeugt: Es ist so &#8211; einfach, weil Schuster Voigt mit seiner bitteren Lebensbilanz zwar seinen Schwager anspricht, sie aber vor Gott ausspricht, weil er weder sich selbst etwas erspart noch Gott ausspart. Ein Gotteskind lebt ja immer, auch wenn nichts als Fu\u00dfmatte bleibt, auch wenn die Reste von Lebensgewi\u00dfheit versiegen, von der Wirklichkeit, die Gott in Jesus Christus gestiftet hat: &#8222;&#8230; von der Gerechtigkeit &#8230;,\/die da kommt durch den Glauben&#8220;.<\/p>\n<p>Mit einem zweiten Satz m\u00f6chte ich alle ansprechen, die sich in Wilhelm (!) Voigt wiedererkennen. Er hat mit Gnade zu tun, wo alle Lebensgewitztheit an&#8217;s Ende gelangt und wo das Recht schweigen mu\u00df. Denn am Ende, vor Gottes Angesicht, kommt es einzig auf Liebe und Erbarmen an:<\/p>\n<p>Du gehst am Schlu\u00df nicht leer aus. Mit Jesus Christus vor dir hast du den guten Schlu\u00df immer schon hinter dir. Du kannst jetzt schon sagen: &#8222;Ich bin gewollt, geliebt, gebraucht.&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Hans Joachim Schliep<\/p>\n<p>Direktor des Amtes f\u00fcr Gemeindedienst<\/p>\n<p>der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers<\/p>\n<p>d: Archivstr. 3 &#8211; 30169 Hannover<\/p>\n<p>0511-1241 415\/416<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:Hans-Joachim.Schliep@evlka.de\">Hans-Joachim.Schliep@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>p: Berlageweg 4 &#8211; 30559 Hannover<\/p>\n<p>0511-52 75 88<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge aus: Gottesdienst &#8211; Arbeitshilfe zur Erneuerten Agende, 5. Lieferung, 11. Jg., hrsg. von der Liturgischen Konferenz Niedersachsens e.V., Tel.: 0511-1241-486:<\/p>\n<p>EG 351 (Ist Gott f\u00fcr mich, so trete)<\/p>\n<p>EG 378 (Es mag sein, da\u00df alles f\u00e4llt)<\/p>\n<p>EG 357 (Ich wei\u00df, woran ich glaube)<\/p>\n<p>EG 317, 4+5<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reformationstag | 31.10.1998 | R\u00f6mer 3,21-28 | Hans Joachim Schliep | Predigt zu R\u00f6mer 3,21-28 (Entwurf) Ev.-luth. St. Martin-Kirche Hannover-Anderten 01.11.1998\/09.30 Uhr &#8211; Reformationsgottesdienst Jesus Christus: derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. 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