{"id":21764,"date":"2002-06-15T22:24:56","date_gmt":"2002-06-15T20:24:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21764"},"modified":"2025-04-21T15:51:43","modified_gmt":"2025-04-21T13:51:43","slug":"2-thessalonicher-3-1-5-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-thessalonicher-3-1-5-5\/","title":{"rendered":"2. Thessalonicher 3, 1-5"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">5. Sonntag nach Trinitatis | 30. Juni 2002 | 2. Thessalonicher 3, 1-5 | Gottfried Sprondel |<\/span><\/h3>\n<p>&#8222;Weiter, liebe Br\u00fcder, betet f\u00fcr uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch und dass wir erl\u00f6st werden von den falschen und b\u00f6sen Menschen. Denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.<br \/>\nAber der Herr ist treu; der wird euch st\u00e4rken und bewahren vor dem B\u00f6sen. Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi!&#8220;<br \/>\n( 2. Thessalonicher 3, 1-5 )<\/p>\n<p>Seit es Christen in der Welt gibt, qu\u00e4len sie sich mit einer Frage herum, die andere Leute nicht haben, die sie selber auch nicht h\u00e4tten, w\u00e4ren sie nicht Christen. Sie lautet: wo stehen wir eigentlich mit unserem Glauben, so wie wir heute sind, in der gro\u00dfen Geschichte der Welt, der Religion, der Entwicklung? Ganz am Anfang, mitten im Gang der Dinge nach vorn und oben, oder schon am Abend, wo die Schatten l\u00e4nger werden, die Gewissheiten schw\u00e4cher, die Hoffnungen m\u00fcder? Der Grund f\u00fcr dieses Fragen ist ein ganz einfacher: Der Glaube der Christen sagt ihnen: mit ihrem Herrn Jesus Christus habe etwas Neues begonnen, sogar eine neue Sch\u00f6pfung, und sie dr\u00e4ngt auf ein Ziel zu; er wird wiederkommen und die Welt vollenden, die sich jetzt noch so m\u00fchsam und widerspr\u00fcchlich dahinschleppt. Irgendwo auf dieser Linie sind wir selber, aber wo? Geht es wirklich voran mit uns oder stehen wir st\u00e4rker unter dem Eindruck: es wird alles weniger und ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu Ende ist?<\/p>\n<p>Die kleine Gemeinde in Saloniki muss solche Fragen bei sich bewegt haben, als sie eines Tages einen Brief bekam, aus dem wir einen wichtigen Abschnitt vernommen haben. Dabei sind wir erst in der zweiten Generation der Gemeindegeschichte. Anfang und Ursprung sind noch lebhaft in Erinnerung als die Botschaft der Apostel sie erreicht hatte. Da war es begeisternd zugegangen, Schuppen waren ihnen von den Augen gefallen, auf einmal war alles klar, und sie w\u00fcrden es noch miterleben, dass der gekreuzigte und auferstandene Herr Christus, der von Gott gekommen und zu Gott zur\u00fcckgekehrt war, vor aller Menschen Augen die Herrschaft \u00fcber die ganze Welt antreten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber was war gekommen? Der m\u00fchsame Alltag einer kleinen Gemeinde, die von ihrer Umgebung kaum wahrgenommen wird und selber mit sich einen Haufen von Problemen hat.<\/p>\n<p>Kurz: das, was wir heute immer noch kennen, etwa 60 Generationen weiter und an einer ganz anderen Ecke Europas.<\/p>\n<p>Wie h\u00e4lt man das durch? H\u00e4lt man es \u00fcberhaupt durch? Spricht nicht alles dagegen? Oder geht es nur, indem man lauter Abstriche macht und sich eben auf kleine Verh\u00e4ltnisse einrichtet, weil man nun doch dazugeh\u00f6rt und nicht ganz von der Fahne gehen m\u00f6chte? Neulich sagte mir ein nachdenklicher Mitchrist: der Haupteinwand gegen meinen Glauben ist die Tatsache, dass neben mir Menschen leben, die ohne einen Funken Glauben auskommen, durch ihre Lebenszeit marschieren und dennoch angenehme Zeitgenossen sind. Soll ich allen Ernstes annehmen, dass sie f\u00fcr immer verloren sind?<\/p>\n<p>&#8222;Der Glaube ist nicht jedermanns Ding&#8220;, steht auch in dem Brief nach Saloniki. M\u00fcsste er das nicht eigentlich?<\/p>\n<p align=\"center\">*<\/p>\n<p>Das Fragen der Gemeindeglieder von Saloniki hat freilich einen gro\u00dfen Fehler, der ihm ausgeredet werden muss. Es fragt viel zu sehr nach sich selbst, ist sich selbst interessant und deshalb auch leicht aus dem Takt zu bringen. Unsere Briefstelle stellt uns vor, wie man sich davon freimacht. Sie hat alles vor Augen, was den Menschen Unruhe macht. Sie wei\u00df von den &#8222;falschen und b\u00f6sen Menschen&#8220;, die sich querlegen, von den Hundehaaren, die immer wieder in die gute Botschaft gehackt werden. Immer sind es Menschen, auf die man dabei st\u00f6\u00dft, damals wie heute.<\/p>\n<p>Aber dieser Befund &#8211; wo gilt er eigentlich nicht? &#8211; ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass &#8222;das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch&#8220;. Die gute Nachricht von Christus hat Beine, und manchmal mu\u00df man ihr Beine machen, dass sie l\u00e4uft. Aber nicht mit der Peitsche, auch nicht mit Trainingsprogrammen, sondern mit Beten. Wer betet, sieht von sich selbst weg, ja kann sogar f\u00fcnf gerade sein lassen, was ihn sonst nerv\u00f6s macht.<\/p>\n<p>Aber kann ein Wort laufen? Von wo l\u00e4uft es? Schlicht von Mund zu Mund. Ist es nicht ein Wunder, dass gar nicht nur die zweite Generation von Saloniki, sondern jede neue Generation in der Kirche das Wort am Laufen h\u00e4lt, dass immer wieder Menschen da sind, die es annehmen und weitertragen, oft genug trotz unserer selbst, oft genug auf seltsame und ungewohnte Weise, ja manchmal auch so, dass sie einfach hinweggehen \u00fcber unsere altgewordenen Probleme und Problemchen und ihre eigene Stra\u00dfe ziehen. Das ist so, und dass es gut geht, mu\u00df nicht unsere Sorge sein. &#8222;Der Herr ist treu, der wird euch st\u00e4rken und bewahren vor dem B\u00f6sen&#8220;. Das hei\u00dft doch: es ist l\u00e4ngst gesorgt daf\u00fcr, dass es weitergeht und wir nicht auf verlorenem Posten stehen. Die Treue, die alles h\u00e4lt und voranbringt, ist anderswo verankert als in unseren Worten und Bef\u00fcrchtungen. Unsere Treue ist etwas ganz anderes: ruhig und gelassen weitergehen auf dem St\u00fcck Leben, das wir noch haben, uns keine Sorgen machen, die nicht unsere Sache sind, uns nur von Zeit zu Zeit den Kurs korrigieren lassen, wenn wir ihn zu verlieren drohen, &#8222;unsere Herzen ausrichten lassen auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi&#8220;, um es mit unserem Brief zu sagen. Das ist schon Arbeit genug.<\/p>\n<p>Dann wird uns auch die Frage, an welchem Punkt unser Glaube und unsere Kirche sich gerade befindet auf der Stra\u00dfe der Geschichte, unwichtig werden. Wo Treue des Herrn an den Platz unserer Sorgen ger\u00fcckt ist, sind wir diese Sorgen los.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Landessuperintendent i.R. Dr. Gottfried Sprondel<br \/>\nAn der Wiho Kirche 1<br \/>\n49078 Osnabr\u00fcck<br \/>\nTel.: 0541 \u2013 445871 Fax: 0541 &#8211; 46555<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag nach Trinitatis | 30. Juni 2002 | 2. 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