{"id":21769,"date":"2002-07-15T22:26:31","date_gmt":"2002-07-15T20:26:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21769"},"modified":"2025-04-21T15:50:54","modified_gmt":"2025-04-21T13:50:54","slug":"1-petrus-2-2-10-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-2-2-10-4\/","title":{"rendered":"1. Petrus 2, 2-10"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">6<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Sonntag nach Trinitatis | 7. Juli 2002 | 1. Petrus 2, 2-10 | Werner Zager |<\/span><\/b><b><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>EIN HAUS AUS LEBENDIGEN STEINEN<br \/>\nUniversit\u00e4tsgottesdienst in der Apostelkirche zu Bochum-QuerenburgPredigttext: I Petr 2,2-10<br \/>\nSeid begierig nach der vern\u00fcnftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil,<br \/>\nda ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.<br \/>\nZu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserw\u00e4hlt und kostbar.<br \/>\nUnd auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgef\u00e4llig sind durch Jesus Christus.<br \/>\nDarum steht in der Schrift (Jes 28,16): &#8222;Siehe, ich lege in Zion einen auserw\u00e4hlten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.&#8220;<br \/>\nF\u00fcr euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; f\u00fcr die Ungl\u00e4ubigen aber ist &#8222;der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist,<br \/>\nein Stein des Ansto\u00dfes und ein Fels des \u00c4rgernisses&#8220; (Ps 118,22; Jes 8,14); sie sto\u00dfen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.<br \/>\nIhr aber seid das auserw\u00e4hlte Geschlecht, die k\u00f6nigliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verk\u00fcndigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst &#8222;nicht ein Volk&#8220; wart, nun aber &#8222;Gottes Volk&#8220; seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hos 2,25).<\/p>\n<p><b>I. Ein Haus<\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<br \/>\nWer ein Haus bauen will, braucht vor allen Dingen eines: Steine.<br \/>\nEr braucht tragf\u00e4hige Steine f\u00fcr das Fundament, bruchfeste Steine f\u00fcr T\u00fcrst\u00fcrze und Fensterrahmen, sch\u00f6n anzusehende Steine f\u00fcr das sichtbare Mauerwerk, hitzebest\u00e4ndige Steine f\u00fcr den Kamin, Ziegelsteine f\u00fcr ein regendichtes Dach. Ohne Steine wird kein solides Haus. Denn nur mit Holz oder Wellblech oder Kunststoffen gebaut, wird jedes Haus zur H\u00fctte.<\/p>\n<p>Wer aber will schon in einer H\u00fctte wohnen? In einem Zelt oder einer Wellblechbaracke? Zuhause und sicher f\u00fchlen wir uns nur in einem richtigen Haus. Hinter soliden Mauern f\u00fchlen wir uns erst so richtig geborgen, gesch\u00fctzt vor Regen und Frost genauso wie vor der sengenden Hitze der Sonne, abgeschirmt vor den Augen und Ohren anderer Menschen, frei, das zu tun und zu lassen, wonach uns der Sinn steht.<\/p>\n<p>&#8222;My home is my castle&#8220;, sagt der gl\u00fcckliche Hausbesitzer &#8211; oder wie wir gerne aus der deutschen Literatur zitieren: &#8222;Hier bin ich Mensch. Hier darf ich sein.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ein Haus zu bauen&#8220; &#8211; damit locken h\u00f6chst \u00fcberzeugend die Bausparkassen &#8211; &#8222;ein Haus zu bauen, liegt in der Natur des Menschen, Miete zahlen nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Und wie ist es mit unserer Kirche? Auch der, der eine Kirche bauen will, braucht Steine. Ein tragf\u00e4higes Fundament, ein dichtes Dach, schm\u00fcckende Fassadensteine, bunte Steine f\u00fcr die Fenster. Aber das reicht nicht, um uns dort geborgen und zuhause zu f\u00fchlen. Etwas anderes macht eine Kirche zu einem Zuhause. Ganz sicher nicht ihre Steine und ihre Mauern.<\/p>\n<p>Gewiss: Ein leerer Kirchenraum kann uns innere Ruhe schenken mit seiner K\u00fchle und seiner Stille. Eine Kirche kann uns Einkehr schenken mit ihren leuchtenden Fenstern und den still brennenden Kerzen. Eine Kirche kann uns aufatmen lassen, weil sie ein Raum ist ohne Zeit- oder Termindruck und ohne Hetze.<\/p>\n<p>Aber schenkt sie uns Geborgenheit? Ein Zuhause? &#8211; Das Kirchengeb\u00e4ude allein, das aus Steinen gebaute Haus Gottes, kann das nicht. Es kann es nicht <i>allein<\/i>. Sondern nur dann, wenn in dieser Kirche auch Leben ist, Gemeinschaft sich entfaltet, Gemeinde erfahrbar wird.<\/p>\n<p>Und genau darum geht es im 1. Petrusbrief, in unserem Predigttext: Es geht um die christliche Gemeinde als eine Kirche, die nicht lediglich aus irgendwelchen Steinen gebaut ist, sondern aus lebendigen Steinen.<\/p>\n<p><b>II. Steine<\/b><\/p>\n<p>Kommen wir noch einmal zur\u00fcck auf den echten, den &#8222;toten&#8220; Stein. Bislang dachte ich immer, Steine seien tot, seien kalt. Steine sind hart und unbequem, wer sich auf einen Stein setzt, wird sp\u00fcren, welche K\u00e4lte dieser ausstr\u00f6mt. Steine sind ungenie\u00dfbar. Man kann sie nicht essen. Schon in der Bibel finden wir den Stein als Inbegriff dessen, was lebensfeindlich ist. &#8222;Wo gibt es bei euch einen Menschen, der seinem Sohn, wenn der ihn um ein Brot bittet, stattdessen einen Stein gibt?&#8220; (Mt 7,9)<\/p>\n<p>Auch im \u00fcbertragenen Sinne steht der Stein in der Bibel f\u00fcr das Leblose, das Harte. &#8222;Die Menschen haben ein Angesicht, h\u00e4rter als Stein, und wollen sich nicht bekehren&#8220;; so klagt der Prophet Jeremia (Jer 5,3).<\/p>\n<p>Den Stein als Sinnbild des Todes finden wir in den Worten Jesu, als er sich f\u00fcr das Leben der Ehebrecherin einsetzt: &#8222;Wer unter euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.&#8220; (Joh 8,7) &#8211; Oder denken wir an den Stein, der Jesu Grab verschloss. Unverr\u00fcckbar, fest, ein Sinnbild der Leblosigkeit und der Endg\u00fcltigkeit des Todes.<\/p>\n<p>Bislang dachte ich auch, alle Steine seien eigentlich gleich. Gleich hart, gleich kalt, und alle eigentlich nur zum Hausbau zu gebrauchen. Weit gefehlt! Erst eine Architektin hat mich dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, wie vielf\u00e4ltig Steine sein k\u00f6nnen. Sie haben eine Maserung &#8211; wie Holz. Sie sind in Schichten gewachsen &#8211; wie Holz. Und ein Maurer achtet darauf, ob ein Stein seiner Maserung gem\u00e4\u00df beschlagen und ins Mauerwerk eingesetzt wird. Denn man kann tats\u00e4chlich einen Stein falsch herum einmauern. Und dann verwittert er.<\/p>\n<p>Es gibt warme Steine. Und es gibt kalte Steine. Je nach ihrer Dichte ziehen sie die W\u00e4rme an oder geben sogar W\u00e4rme ab.<\/p>\n<p>Es gibt Steine, die klingen. Und Steine, die stumm sind. Klingende Steine sind intakte Steine &#8211; so wie ein Glas ohne Sprung. Und stumme Steine sind schlechte Steine, sie sind por\u00f6s oder zerst\u00f6rt, wie eine angeschlagene Tasse. &#8211; Und ein Steinmetz h\u00f6rt allein am Klang seines leichten Klopfens, an welcher Stelle er einen Stein spalten oder abschlagen kann.<\/p>\n<p>Es gibt also so etwas wie &#8222;Leben&#8220; in ganz gew\u00f6hnlichen Steinen.<br \/>\nUmso interessanter wird uns das Bild vom Haus aus lebendigen Steinen! Unsere Kirche ist ein Haus, aus Steinen gebaut. Und unsere Gemeinde ist ein Haus, aus Steinen gebaut, die lebendig sind. Aus Steinen, die wachsen k\u00f6nnen, die klingen k\u00f6nnen oder W\u00e4rme ausstr\u00f6men.<\/p>\n<p><b>III. Der Tempel<\/b><\/p>\n<p>Noch etwas klingt mit in diesen Worten aus dem 1. Petrusbrief: das priesterliche Selbstverst\u00e4ndnis der Gemeindeglieder.<\/p>\n<p>Nicht einzelne Priester sind es, die Gott besonders nahe stehen. Sondern wir alle stehen in Gottes N\u00e4he. Wir sind alle erm\u00e4chtigt und verpflichtet, zu tun, was Priestern vorbehalten ist, n\u00e4mlich Gott zu dienen. Und dazu sind wir nicht durch die Erf\u00fcllung bestimmter kultischer Gesetze bef\u00e4higt, sondern durch die Taufe, durch Gottes Ja zu uns sind wir berufen zu seinem Dienst.<\/p>\n<p>Nicht Opfergaben wie Weihrauch und Widder sind es, die wir Gott darbringen sollen, sondern Gaben des Herzens wie Dankbarkeit, wie Vertrauen und Gehorsam.<\/p>\n<p>Nicht festgebaute Tempelh\u00e4user sind es, die Gottes Gegenwart verb\u00fcrgen, sondern unsere Herzen sind es, in denen Gott Wohnung nehmen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Hier im 1. Petrusbrief hei\u00dft es:<br \/>\n<i>Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgef\u00e4llig sind durch Jesus Christus.<\/i><\/p>\n<p>Und damit wird die Vision eines neuen Tempels gezeichnet &#8211; eine Vision, die bereits jetzt schon in unserer Gegenwart wirklich werden kann und soll. Der Tempel, in dem Gott erfahrbar sein will, wird nicht aus Steinen gebaut, sondern aus der Liebe und aus dem Vertrauen derer, die sich von Gottes Willen leiten lassen. Dort gibt es keine Priesterschaft, die sich als etwas Besseres f\u00fchlt als die normalen Gl\u00e4ubigen. Dort schenkt man sich als Opfer gegenseitig Liebe, wahrt den Frieden und gew\u00e4hrt sich gegenseitig Freiheit. So dass jeder Mensch ein menschlicher Mensch sein darf, vor Gott, vor dem anderen und vor sich selbst.<\/p>\n<p><b>Fassen wir also zusammen:<\/b><br \/>\nI. <b>Ein Haus<\/b> und auch eine Kirche werden gebaut, um Menschen eine Zuflucht zu sein. Geborgenheit schenken sie aber nur durch die Menschen, die darin leben.<br \/>\nII. <b>Steine<\/b> sind nicht wirklich tot, sondern sind lebendiger, als wir \u00fcblicherweise denken.<br \/>\nIII. Und ein <b>Tempel<\/b>, wie Gott ihn sich w\u00fcnscht, ist kein Raum des t\u00f6tenden Gesetzesbuchstabens, wo nur einige wenige den Ton angeben, sondern ein Raum der Freiheit, des Lebens und der Liebe f\u00fcr alle.<\/p>\n<p><b>IV. Wo ist mein Platz? Was kann ich tun?<\/b><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, wir feiern unseren Gottesdienst heute in einer Kirche. Gebaut aus Steinen, Glas und Ziegeln.<\/p>\n<p>Wir sind heute eine Gemeinde, zusammengekommen aus verschiedenen Lebensbereichen und Lebensaltern, zusammengekommen als Einzelne, und doch heute vereint beim H\u00f6ren des Wortes Gottes und sp\u00e4ter sogar vereint als Abendmahlsgemeinschaft im gro\u00dfen Kreis rund um den Tisch des Herrn.<\/p>\n<p>Da wird sich jeder von uns der Frage stellen: Wo ist eigentlich mein Platz in diesem Haus der Gemeinde Gottes? Bin ich ein Stein, der einen festen Platz hat. Wer steht neben mir und st\u00fctzt mich? Wer steht unter mir und h\u00e4lt mich? Und wer steht \u00fcber mir und verl\u00e4sst sich darauf, das ich ihn trage? In einem Mauerwerk sind die Steine aufeinander angewiesen. Sie tragen und st\u00fctzen sich gegenseitig. Und jede Mauer ist nur so stark, wie ihr schw\u00e4chster Stein. Wo habe ich meinen Platz in diesem Geb\u00e4ude, das wir Kirchengemeinde nennen?<\/p>\n<p>Habe ich \u00fcberhaupt einen Platz in dieser Gemeinde, oder liege ich am liebsten nutzlos am Rand herum, damit mich keiner gebraucht, vielleicht sogar belastet?<\/p>\n<p>Vielleicht bin ich aber auch einer von den bedauernswerten Atlanten, die auf ihren Schultern fast die halbe Last des Gew\u00f6lbes tragen, weil ich mich nicht traue oder zu stolz bin, andere um Hilfe zu bitten.<\/p>\n<p>Es gibt solche und solche Steine in unseren Gemeinden: Es gibt solche, die z\u00f6gern und am liebsten nur zuschauen, es gibt solche, die st\u00e4ndig meckern und n\u00f6rgeln, und solche, die fast die ganze Last der Verantwortung alleine tragen. Das aber ist nicht das Traumbild einer Kirche, wie Gott sie sich w\u00fcnscht. &#8222;Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erf\u00fcllen&#8220;, so hei\u00dft es im Galaterbrief (6,2). Also, einer st\u00fctze den anderen. Die Last werde verteilt auf viele Schultern. Und so wird auch die Freude aller wachsen, der Zusammenhalt und die Liebe untereinander zunehmen.<\/p>\n<p>Und ein Weiteres: Was gibt es, das ich einbringen k\u00f6nnte, damit das Haus unserer Gemeinde Stabilit\u00e4t erlangt? Steine k\u00f6nnen klingen, Steine k\u00f6nnen wachsen, Steine k\u00f6nnen W\u00e4rme speichern und abgeben, haben wir vorhin erkannt. Was kann ich als Teil unserer Gemeinde einbringen, als Gabe, an Talent, an Fachwissen?<\/p>\n<p>Ein Mensch, der gut zuh\u00f6ren kann, findet seinen Platz vielleicht am Bett eines Kranken &#8211; und ein Mensch, der gut erz\u00e4hlen kann, findet seinen Platz als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin im Kindergottesdienst.<\/p>\n<p>Ein Mensch, der \u00fcber gro\u00dfes Fachwissen und Lebenserfahrung verf\u00fcgt, sollte sich aufstellen lassen zur Kirchenvorstandswahl &#8211; und ein Mensch, der einfach gerne zupackt, darf beim n\u00e4chsten Gemeindefest nicht zuhause bleiben.<\/p>\n<p>Ein Mensch, der gerne in der Stille betet, sollte mit offenen Augen durch die Gemeinde gehen und die Not, die er sieht, vor Gott bringen &#8211; und ein Mensch, dem daf\u00fcr die Worte fehlen, der sollte hingehen und helfen.<\/p>\n<p>Ein Mensch, der die Traditionen kennt und liebt, sollte sie behutsam bewahren und weiter entwickeln helfen &#8211; und ein Mensch, der neugierig ist auf Neues, sollte frischen Wind in unsere Gemeinden bringen.<\/p>\n<p>Ein Haus aus lebendigen Steinen ist nicht nur eine Vision f\u00fcr die Zukunft &#8211; f\u00fcr ein fernes Reich Gottes, liebe Gemeinde. Dieses Haus aus lebendigen Steinen, das k\u00f6nnen wir heute schon werden.<\/p>\n<p>Indem wir zulassen, dass unsere schon ganz hart und kalt gewordenen Herzen mit unserem menschlichen Gegen\u00fcber wieder mitempfinden,<br \/>\ndass unsere manchmal schon resigniert verschlossenen Augen sich wieder f\u00fcreinander \u00f6ffnen,<br \/>\nund unsere auf Durchzug gestellten Ohren wieder auf das h\u00f6ren, was der andere sagt.<\/p>\n<p>Unsere Gemeinde wird wieder lebendig, wenn wir selbst wieder lebendig werden. Und unsere steinernen Herzen wieder Herzen aus Fleisch und Blut.<\/p>\n<p><b>V. Und wer h\u00e4lt das Ganze zusammen?<\/b><\/p>\n<p>Bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen, liebe Gemeinde: Wer h\u00e4lt letztendlich denn diesen ganzen, lebendigen Bau zusammen?<\/p>\n<p>Mein erster Gedanke war bei der Vorstellung eines Geb\u00e4udes aus lebendigen, sich bewegenden Steinen n\u00e4mlich der, dass solch ein Geb\u00e4ude eigentlich sehr instabil sein m\u00fcsse. Da wackelt ja alles, war meine Bef\u00fcrchtung. Das h\u00e4lt doch nie.<\/p>\n<p>Und genau diese Bef\u00fcrchtung, liebe Gemeinde, l\u00e4hmt auch unsere Gemeinden! Wenn jetzt jeder das einbringt, was er oder sie kann, die Lustigen und die Ernsten, die Traditionalisten und die Erneuerer, die Z\u00f6gernden und die Forschen, die Frommen und die Freigeister &#8211; gibt denn das alles nicht ein heilloses Durcheinander? Ein instabiles Geb\u00e4ude, in dem keiner wei\u00df, wo es langgeht? Und das letztlich in sich zusammenf\u00e4llt?<\/p>\n<p>Als h\u00e4tte der Verfasser des 1. Petrusbriefes geahnt, wie \u00e4ngstlich wir Menschen doch bei solch einer Vorstellung sind. Er sagt uns:<br \/>\nKommt zu Jesus Christus als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserw\u00e4hlt und kostbar. Er ist zum Eckstein geworden.<\/p>\n<p>Zwar haben die &#8222;Bauleute&#8220;, d.h. die Menschen, die sich ihre Welt selbst bauen wollen &#8211; ohne R\u00fccksicht auf Verluste -, Jesus als einen f\u00fcr ihren Bau ungeeigneten Stein weggeworfen. Und dies geschieht bis zum heutigen Tag immer wieder. Aber Gott hat ihn zum Eckstein einer Gemeinschaft von Menschen gemacht, die zuerst nach seinem Willen fragen und bereit sind, als verantwortliche Menschen zu leben. <i>Ohne<\/i> den Eckstein st\u00fcrzt alles zusammen. Aber <i>mit<\/i> diesem Eckstein werden wir nicht zuschanden werden.<\/p>\n<p>Unsere Kirche, unsere Gemeinde wird bestehen, solange sie sich auf Jesus Christus gr\u00fcndet. Und solange sie ihn als Herrn anerkennt und keine anderen Herren neben ihm. Dann werden wir in aller Vielfalt unserer Lebendigkeit vereint sein &#8211; n\u00e4mlich in einem gemeinsamen Ziel: ein Tempel Gottes zu werden, so wie Gott selbst ihn will. Ein Haus des Friedens, des Lebens und der Freiheit. Mit Jesus Christus als Eckstein. Und mit uns als vielen verschiedenen, einzigartigen und lebendigen Steinen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Prof. Dr. Werner Zager<br \/>\nRuhr-Universit\u00e4t Bochum<br \/>\nEvangelisch-Theologische Fakult\u00e4t<br \/>\nD-44780 Bochum<br \/>\n<a href=\"mailto:dwzager@t-online.de\">dwzager@t-online.de<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020707-1.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020707-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 6. Sonntag nach Trinitatis | 7. 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