{"id":21773,"date":"2002-07-15T22:29:00","date_gmt":"2002-07-15T20:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21773"},"modified":"2025-04-21T15:49:07","modified_gmt":"2025-04-21T13:49:07","slug":"1-petrus-2-2-10-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-2-2-10-6\/","title":{"rendered":"1. Petrus 2, 2-10"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">6<\/span><span style=\"color: #000099;\">. Sonntag nach Trinitatis | 7. Juli 2002 | 1. Petrus 2, 2-10 | Christian-Erdmann Schott |<\/span><\/b><b><\/b><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>&#8222;2 Seid begierig nach der vern\u00fcnftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf da\u00df ihr durch dieselbe zunehmet zu eurem Heil, 3 wenn anders ihr geschmeckt habt, da\u00df der Herr freundlich ist. 4 Zu ihm kommet als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott ist er auserw\u00e4hlt und k\u00f6stlich. 5 Und bauet auch ihr euch als lebendige Steine zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus. 6 Darum steht in der Schrift (Jes. 28,16): &#8222;Siehe da, ich lege einen auserw\u00e4hlten, k\u00f6stlichen Eckstein in Zion; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden&#8220;.<br \/>\nEuch nun, die ihr glaubet, ist er k\u00f6stlich; den Ungl\u00e4ubigen aber ist er &#8222;der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der zum Eckstein geworden ist, 8 ein Stein des Ansto\u00dfes und ein Fels des \u00c4rgernisses&#8220; (Ps. 118,22; Jes. 8,14): denn sie sto\u00dfen sich, weil sie an das Wort nicht glauben, wozu sie auch verordnet sind. 9 Ihr aber seid das auserw\u00e4hlte Geschlecht, das k\u00f6nigliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, da\u00df ihr verk\u00fcndigen sollt die Wohltaten des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; 10 die ihr vormals &#8222;nicht ein Volk&#8220; waret, nun aber &#8222;Volk Gottes&#8220; seid, und vormals nicht in Gnaden waret, nun aber in Gnaden seid (Hos. 2,25)&#8220;.Liebe Gemeinde,&#8220;Was kommt heute an?&#8220; &#8211; Das ist die Kernfrage, die sich Medienmacher, Entertainer, Style-Berater bei der Entwicklung ihrer Programme stellen. Die Abnahme entscheidet. Einschaltquoten geben den Ausschlag \u00fcber Fortgang oder Ende von Sendungen und Karrieren. Was nicht &#8222;ankommt&#8220;, kann man vergessen. Es z\u00e4hlt nicht. Es ist faktisch ohne Bedeutung und ohne Wert.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist es schon eine starke Provokation, wenn die Kirche es wagt, ihre Pastoren an einem Sonntag mitten in der sch\u00f6nsten Urlaubszeit \u00fcber diesen Abschnitt aus dem Ersten Petrusbrief predigen zu lassen. Denn das, was dort gesagt ist, ist mit Sicherheit nicht nach diesem Motto unserer Zeit &#8222;Was kommt heute an?&#8220; ausgesucht, sondern nach der Kernfrage der Christenheit &#8222;Was sagt Gott ?&#8220;.<\/p>\n<p>Es lohnt, diese Frage ins Zentrum der Predigt zu stellen, weil auf diese Weise deutlich werden kann, woher die Christenheit ihre Kraft und den Glauben an ihre Existenzberechtigung erh\u00e4lt &#8211; nicht von den Menschen, sondern von Gott. Drei Gedanken k\u00f6nnen das zeigen:<\/p>\n<p>I. Die Entstehung der Christenheit geht zur\u00fcck auf das Wunder der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Dieses Wunder ist weder durch Absprache noch mit Zustimmung der Menschen geschehen, sondern allein aus dem Willen Gottes hervorgegangen. Im Gegenteil, Gott hat Jesus Christus in unsere Welt gesandt und die Menschen haben ihn letztlich nicht gewollt. Sie haben ihn &#8222;verworfen&#8220; (V.4, 7), so wie Bauleute einen Stein als nicht brauchbar verwerfen, wegwerfen. Gegen diesen erkl\u00e4rten Willen vieler Menschen hat Gott trotzdem an dem Sohn festgehalten und durch Gottes Kraft ist Jesus Christus dann &#8211; wie durch ein zweites Wunder &#8211; zum Ausgangspunkt (&#8222;Eckstein&#8220; V. 6, 7) einer gro\u00dfen Bewegung geworden.<\/p>\n<p>Diese Bewegung, die inzwischen weite Teile der Welt erfa\u00dft hat, die anh\u00e4lt und weitergeht, ist weder verbraucht noch an ihr Ende gekommen. W\u00e4hrend sie in Europa alt und verbraucht erscheint, ist sie in anderen Teilen der Welt &#8211; zum Beispiel in China &#8211; von vitaler Kraft und Lebendigkeit. Diese Vitalit\u00e4t entspringt nicht ihrer Anpassung an die politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, sondern umgekehrt ihrem Bekenntnis zu dem von den Menschen abgelehnten, aber von Gott gest\u00fctzten Jesus Christus, weil sie erkennen, da\u00df er ihnen das &#8222;Heil&#8220; (V.2) aufschlie\u00dft; das hei\u00dft, da\u00df er uns in die Gemeinschaft mit Gott, dem Herrn unseres Lebens und Sch\u00f6pfer der Welt, einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>II. Das Selbstbewu\u00dftsein der Christen gr\u00fcndet sich auf ihre Berufung durch Jesus Christus beziehungsweise durch Gott. Es ist nat\u00fcrlich angenehm, wenn die Menschen um uns herum die Christen und die christlichen Werke loben. Aber das kann die Begr\u00fcndung unseres christlichen Selbstbewu\u00dftseins nicht sein. Vielmehr ist es Gott selbst, der uns immer wieder wissen l\u00e4\u00dft durch vertrauensw\u00fcrdige Zeugen, wie diesen Apostel, der hinter dem Ersten Petrusbrief steht: &#8222;Ihr seid das (von Gott) auserw\u00e4hlte Geschlecht, das k\u00f6nigliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums&#8220; (V. 8). Im Kern l\u00e4uft das auf eine Nobilitierung durch Gott hinaus. Eine Nobilitierung, die wir glauben d\u00fcrfen und m\u00fcssen. Tun wir es nicht, werden wir unsicher und suchen unsere Best\u00e4tigung bei den Menschen. Diese aber sind nicht verl\u00e4\u00dflich, mit ihren eigenen schnell wechselnden Interessen und Moden besch\u00e4ftigt, dabei latent gegen den Herrschaftsanspruch Gottes gerichtet, &#8211; und darum f\u00fcr die Erhaltung und St\u00e4rkung des christlichen Selbstbewu\u00dftseins keine wirkliche, das hei\u00dft dauerhaft-zuverl\u00e4ssige St\u00fctze. Besser und richtiger ist, wenn die Christen sich auf die Berufung zu ihrem Christsein durch Gott in der Taufe verlassen und daraus ihr christliches Selbstbewu\u00dftsein ableiten.<\/p>\n<p>Hinzu kommt das Wort Gottes. Der Apostel benutzt hier das sehr sprechende Bild von der &#8222;vern\u00fcnftigen, lauteren Milch&#8220;, die die neugeborenen Kinder zur Erhaltung ihrer Existenz und zum Wachstum unbedingt brauchen. So braucht der Christ f\u00fcr die Fundierung seines Glaubens und seines christlichen Selbstbewu\u00dftseins das Wort, das ihm in der Bibel, im Gottesdienst (Lesungen, Predigt) in den Zeugnissen anderer Christen, in den Liedern des Gesangbuches und auf viele andere Weisen zug\u00e4nglich ist und begegnen kann Er wird es nicht langweilig finden oder als Belastung, der man m\u00f6glichst aus dem Wege geht. Vielmehr wird er es gern &#8222;h\u00f6ren und lernen&#8220; (Martin Luther), &#8222;wenn anders er geschmeckt hat, da\u00df der Herr freundlich ist&#8220; (V. 3); das hei\u00dft, wenn er erfahren hat, da\u00df es den Horizont erweitert, zur inneren Ordnung verhilft, erfreut, tr\u00e4gt, st\u00e4rkt, ermutigt.<\/p>\n<p>Ein weiteres wichtiges Mittel zur St\u00e4rkung der christlichen Identit\u00e4t ist der Anschlu\u00df an eine Gemeinde. Dazu ruft der Apostel ausdr\u00fccklich auf: &#8222;bauet auch ihr euch als lebendige Steine zum geistlichen Hause&#8220; (V. 5) Dabei geht es um eine doppelte Best\u00e4rkung und Auferbauung: Die Gemeinschaft mit den anderen kann mich st\u00fctzen, ich kann aber auch die anderen st\u00fctzen. Es herrscht ein gegenseitiges Geben und Nehmen, nun aber nicht im Sinne einer Selbsterfahrungsgruppe, sondern im Sinne einer auf das Fundament oder den Eckstein Jesus Christus sich gr\u00fcndenden Lebensgemeinschaft.<\/p>\n<p>Die Betonung der Gemeinschaft (der Kirche) f\u00fcr den Glauben unterscheidet das Christentum von anderen, vor allem asiatischen Religionen (zum Beispiel vom Buddhismus). Den Satz &#8222;Ich kann auch ohne Kirche Christ sein&#8220; kann ein Buddhist sinnvoller Weise sagen. F\u00fcr den Christen kann er nicht richtig sein, weil Gott Gemeinschaft, weil Gott Kirche will und es f\u00fcr nicht gut h\u00e4lt, wenn wir uns abkapseln und als eigenbr\u00f6dlerische Egomanen durchs Leben gehen. Ich denke, da\u00df diese Sicht vom Menschen als eines gemeinschaftsbezogenen Wesens die Bed\u00fcrfnisse unserer Natur besser trifft als die Religionen Asiens oder die individualistischen Tendenzen des gegenw\u00e4rtigen Zeitgeistes. In seinem Wesen ist der Mensch und nat\u00fcrlich auch der Christ auf Gemeinschaft angelegt, gemeinschaftsbed\u00fcrftig und in Gemeinschaft auch lebensfroher.<\/p>\n<p>Neben der Taufe, neben dem Wort in seinen vielf\u00e4ltigen Spielarten aber kann und soll auch die Gemeinschaft mit Glaubenden den eigenen Glauben festigen. Es kann vieles sein, was in einer Gemeinde angeboten und getan wird. Als Fundament und Mitte aber mu\u00df der Glaube an Jesus Christus erkennbar sein und bleiben. Im Kern gilt f\u00fcr den Einzelnen wie f\u00fcr die christliche Gemeinde insgesamt, was der schw\u00e4bische Kirchenliederdichter Phillip Friedrich Hiller(1699-1769) einmal in die Worte gefa\u00dft hat: &#8222;&#8230; und sie lebet, weil sie glaubt&#8220; (EG 123,6).<\/p>\n<p>III. Die Verk\u00fcndigung des Evangeliums, die der Christenheit aufgetragen ist, kann und mu\u00df sich an der Geschichte Gottes mit der Menschheit, am Handeln Gottes in Jesus Christus, an den &#8222;Wohltaten des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht&#8220; (V.9 c) orientieren &#8211; nicht an der Frage &#8222;Was kommt heute an?&#8220;. H\u00e4tte sich Gott, h\u00e4tten sich die Christen in den beiden Jahrtausenden der Kirchengeschichte an dieser Frage orientiert, die Christenheit w\u00e4re nie entstanden oder l\u00e4ngst untergegangen.<\/p>\n<p>Die Ausrichtung an den &#8222;Wohltaten&#8220; Gottes aber kann der Ausbreitung des Wortes Gottes den Weg zu den Menschen zeigen. Denn das sind die Kennzeichen der Zuwendung Gottes: Er spricht uns in Liebe, freundlich, einladend, werbend, geduldig, verst\u00e4ndlich an. Er sucht die Gemeinschaft mit uns. Er gibt nie auf. Er l\u00e4\u00dft sich durch unsere Abweisung, Gleichg\u00fcltigkeit, durch unseren Eigenwillen nicht abweisen. Und so sollten wir alle, ob wir nun Pfarrer oder Laien sind, mit den Menschen sprechen &#8211; mit unseren Familienangeh\u00f6rigen, mit unseren Freunden und Bekannten &#8211; weil wir alle berufen sind zu Priestern, also zu Menschen, die zwischen Gott und den anderen Menschen vermitteln. Die beste Art, wie solche Vermittlung und Einladung zum Glauben geschehen kann, d\u00fcrfte der Apostel Paulus im &#8222;Hohen Lied der Liebe&#8220;, im Ersten Korintherbrief Kapitel 13, beschrieben haben:<\/p>\n<p>1 &#8222;Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und h\u00e4tte der Liebe nicht, so w\u00e4re ich ein t\u00f6nend Erz oder eine klingende Schelle.<br \/>\n2 Und wenn ich weissagen k\u00f6nnte und w\u00fc\u00dfte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und h\u00e4tte allen Glauben, so da\u00df ich Berge versetzte, und h\u00e4tte der Liebe nicht, so w\u00e4re ich nichts.<br \/>\n3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen g\u00e4be und lie\u00dfe meinen Leib brennen und h\u00e4tte der Liebe nicht, so w\u00e4re mir&#8217;s nichts n\u00fctze.<br \/>\n4 Die Liebe ist langm\u00fctig und freundlich. Die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bl\u00e4het sich nicht,<br \/>\n5 sie stellet sich nicht ungeb\u00e4rdig, sie sucht nicht das Ihre, sie l\u00e4\u00dft sich nicht erbittern, sie rechnet das B\u00f6se nicht zu,<br \/>\n6 sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit;<br \/>\n7 sie vertr\u00e4gt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.<br \/>\n8 Die Liebe h\u00f6ret nimmer auf.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Pfarrer em. Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Braendstroem-Str. 21<br \/>\n55124 Mainz (Gonsenheim)<br \/>\nTel.: 06131\/690488<br \/>\nFax: 06131\/686319<br \/>\n<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020707-3.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020707-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 6. Sonntag nach Trinitatis | 7. Juli 2002 | 1. 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