{"id":21790,"date":"2002-07-15T22:39:28","date_gmt":"2002-07-15T20:39:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21790"},"modified":"2025-04-21T10:54:16","modified_gmt":"2025-04-21T08:54:16","slug":"1-petrus-4-7-11-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-4-7-11-4\/","title":{"rendered":"1. Petrus 4, 7-11"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><a name=\"top\"><\/a><b><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch <\/a><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">9. Sonntag nach Trinitatis<\/span><span style=\"color: #000099;\">, 28. Juli 2002<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Petrus 4, 7-11, verfa\u00dft von Karl W. Rennstich<br \/>\n<\/span><\/b><\/div>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und n\u00fcchtern zum Gebet. 8 Vor allen Dingen habt untereinander best\u00e4ndige Liebe; denn &#8222;die Liebe deckt auch der S\u00fcnden Menge&#8220; (Spr\u00fcche 10,12). 9 Seid gastfrei untereinander ohne Murren. 10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: 11 Wenn jemand predigt, dass er&#8217;s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er&#8217;s tue aus der Kraft, die Gott gew\u00e4hrt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und n\u00fcchtern zum Gebet. Unser Text ist der Abschlu\u00df des gr\u00f6\u00dferen Zusammenhangs des christlichen Lebens in der Gesellschaft. Christen sind &#8222;ausges\u00e4t&#8220; \u00fcber die ganze Welt. Und sie sollen sich so verhalten, dass sie durch ihre Alltagsleben Menschen f\u00fcr Christus gewinnen. Der 1. Petrusbrief will Weg in die Zukunft aufzeigen. Das zeigen die folgenden Verse: habt untereinander best\u00e4ndige Liebe; seid gastfrei untereinander ohne Murren. Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.<\/p>\n<p><b>1. Wege in die Zukunft!<\/b><\/p>\n<p>Haben wir denn \u00fcberhaupt Wege, die in die Zukunft f\u00fchren, oder ist die Zukunft bereits Vergangenheit? L\u00f6st sie nicht sehr viel mehr \u00c4ngste aus, Bef\u00fcrchtungen, Hoffnungen und Freude oder vielleicht beides? Woran erinnert uns dieses Wort &#8222;Wege in die Zukunft&#8220;? Erinnert es uns an eine Vision, eine Utopie oder gar an d\u00fcstere Zukunftsaussichten? An der Schwelle zum dritten Jahrtausend jedenfalls treten f\u00fcr viele die ungel\u00f6sten und brennenden Fragen unserer Zeit in besonderer Weise ins Bewu\u00dftsein der Menschen. Propheten haben vor Christi Geburt bereits nach Antworten gesucht. Ihr Wort war &#8222;Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk&#8220;, so jedenfalls erklangen Stimmen im sechsten vorchristlichen Jahrhundert (Jes 40,1). &#8222;Gedenket nicht an das Fr\u00fchere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt w\u00e4chst es auf, erkennt ihr&#8217;s denn nicht? Ich mache einen Weg in der W\u00fcste und Wasserstr\u00f6me in der Ein\u00f6de&#8220; (Jes 43, 18-19). Wir wollen Rechenschaft geben, hei\u00dft es in 1. Petr. 4,15. Bekenntnisnot und Bekenntnisnotwendigkeiten klaffen offensichtlich auseinander. Die &#8222;Wiederkunft&#8220; Christi bekennen ist nach Eduard Buess ( Die Zeit ist nahe &#8230; Christliche Hoffnung am Ende des 20. Jahrhunderts, Edition Aussaat, Neukirchen-Vluyn 1996) heute notwendiger denn je, denn wo alle diesseitsverhafteten Hoffnungen sich als kraftlos erweisen, da mu\u00df die Hoffnung, die alles innerweltliche Hoffen \u00fcbersteigt, die ihre innewohnende Kraft kundtun. Aber nun wissen viele von uns &#8222;nicht zu sagen&#8220;, was das Kennwort unserer Hoffnung &#8222;einem modernen Bewu\u00dftsein bedeutet&#8220;. Geh\u00f6ren wir, geh\u00f6re ich nicht auch zu ihnen? Kommen wir an diesem Punkt nicht selber ins Stottern und Stammeln und ziehen uns schlie\u00dflich zur\u00fcck zum Schweigen? Um die Parusie herbeizuw\u00fcnschen, m\u00fcssen wir nur das eigentliche Herz der Erde in uns schlagen lassen, damit wir es verchristlichen.&#8220; Er &#8222;verherrlicht&#8220; sich so, dass er uns &#8222;mitverherrlicht&#8220;. Wir werden in seinen Lichtglanz mit hineingezogen und strahlen von dem empfangenen Glanz selber aus. Jetzt noch verdeckt durch viel Finsternis, dann aber in ungebrochener Reinheit&#8230; Dasselbe Wort doxa kann auch &#8222;Ehre&#8220; bedeuten: die Ehre, die Gott als Gott geb\u00fchrt, die Ehre, die wir ihm entsprechend erweisen. Den &#8222;Lobgesang&#8220;, mit dem wir ihn preisen. Das bedeutet, die neutestamentlichen Aussagen \u00fcber die Parusie haben eine andere Bedeutung: sie r\u00fchmen das Wunder, das sich hier ereignet, und das gilt nicht nur f\u00fcr die Hymnen, sondern auch f\u00fcr die prosaischen Texte, die uns wie Lehrs\u00e4tze anmuten, sie wollen als Doxologien geh\u00f6rt und weitergegeben werden. Deshalb redet die Bibel in Bildern, wenn sie von der Wiederkunft spricht. Und wenn wir diese Bilder verstehen wollen, m\u00fcssen wir ihre Geschichte verstehen. Wir m\u00fcssen die Religionsgeschichte, die j\u00fcdische Apokalyptik, vor allem aber das Alte Testament fragen, wo und mit welcher Bedeutung kommen diese Bilder dort vor. Eines dieser Bilder ist der Begriff der &#8222;Tag&#8220; Jesus Christi. Ein anderes Bild ist das Weltgericht. Und dabei geht es um ein doppeltes Gericht, um das Gericht \u00fcber die M\u00e4chte, denen die Menschen verfallen, und \u00fcber die sich an sie wegwerfenden Menschen selber. Waren diese Menschen Phantasten und Spinner, die so redeten, oder haben wir vielleicht eine Wirklichkeit begriffen, an der sie uns teilhaben lassen wollen, eine Wirklichkeit, die unsere allt\u00e4glichen Erfahrungen sprengen und gleichzeitig durchdringen? Zweifelsohne sprechen diese Texte zentrale Themen unserer Zeit an. Themen die im Augenblick h\u00f6chst aktuell in unserer Gesellschaft sind. Es sind die Fragen der Machtverh\u00e4ltnisse, des Kr\u00e4fte Ungleichgewichts zwischen den Starken und den Schwachen. Die Frage nach Recht und nach Gerechtigkeit es sind Fragen des Machtmi\u00dfbrauchs, der Korruption.<\/p>\n<p><b>2. Vor allen Dingen habt untereinander best\u00e4ndige Liebe<\/b><\/p>\n<p>\u00dcber die Liebe wird in Anlehnung an die alttestamentliche Weisheit gesagt: &#8222;die Liebe deckt auch der S\u00fcnden Menge&#8220; (Spr\u00fcche 10,12) zu. Eine alte Geschichte sieht den engen Zusammenhang von Macht und Liebe so: Im Anfang der Zeit war es so: Die Macht und die Liebe wurden als Zwillinge geboren. Ihre Mutter war die Weisheit, ihr Vater der Mut. Die Geschwister wuchsen gl\u00fccklich miteinander auf und \u00fcberall wo sie hinkamen stifteten sie Frieden zwischen den Parteien und V\u00f6lkern. Sie verteilten diese G\u00fcter der Welt gerecht. Sie machten die Armen reich und die Reichen gl\u00fccklicher. Die Macht und die Liebe waren ein Herz und eine Seele. Und fanden sie in den H\u00e4usern der Menschen Platz, so \u00e4nderte sich alles zum Guten. Eines Tages begegneten sie dem Neid. Er hatte sich fein herausgeputzt und sah recht stattlich aus. Sein Gewand glitzerte in der Sonne und sein Geschmeide funkelte nur so im Licht. &#8222;Ich sehe Dich stets im Schatten der Liebe gehen&#8220;, sagte der Neid zur Macht. &#8222;So kannst du nie etwas werden, geh mit mir, da wirst du gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker. Du sollst sehen, die Menschen werden dir die H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe k\u00fcssen, sie werden dir schmeicheln und dir Opfer darbringen. Sie werden dir ihre Seele verkaufen nur um dich zu besitzen&#8220;. Die Macht war wie geblendet. Sie dachte eine Weile nach. Dann sagte sie zur Liebe: &#8222;Der Neid hat recht. La\u00df uns f\u00fcr eine Zeit auseinandergehen. Wenn wir uns trennen, kann sich jeder von uns selbst\u00e4ndig entwickeln.. Keine ist mehr von der anderen abh\u00e4ngig. Keine braucht mehr auf die andere R\u00fccksicht zu nehmen. Ich werde derweil bei dem Neid in die Lehre gehen. Vielleicht treffen wir uns sp\u00e4ter einmal wieder. Ehe die Liebe antworten konnte, waren die Macht und der Neid schon hinter der n\u00e4chsten Ecke verschwunden. Die Liebe sah noch, wie der Neid der Macht den Vortritt lie\u00df. Ohnm\u00e4chtig stand nun die Liebe am Wegrand und weinte. Sie erlebte sich schwach und kraftlos ohne die Macht. Sie sp\u00fcrte, wie sie allein nicht leben konnte. Wie ein Schatten legte sich die Angst auf sie, die Angst sich zu verirren, zu verletzen und nicht verstanden zu werden. Die Macht f\u00fchlte sich unterdessen frei und ungebunden. Der Neid st\u00f6rte sie nicht, weil er immer einen Schritt zur\u00fcckblieb und ihr den Vortritt lie\u00df. Die Macht merkte, wie sie dabei gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer wurde. Aber mit ihrer Gr\u00f6\u00dfe wuchs auch ihre K\u00e4lte. Es gefiel ihr, wenn sich Menschen vor ihr verkrochen, oder ihr alles opferten um sich mit ihr zu verb\u00fcnden. Sie bestieg einen gro\u00dfen Thron und lie\u00df sich \u00fcber die K\u00f6pfe der Menschen tragen. Sie geno\u00df es, umjubelt zu werden. Die Macht hatte die Liebe bald vergessen. Sie umgab sich mit Waffen und Soldaten. Sie raubte den Armen den Frieden und vertrieb sie aus ihrer Heimat. Nur wer ihr die Seele verkaufte, durfte sich in ihrer N\u00e4he aufhalten und sicher f\u00fchlen. Hinter ihr aber folgte stets der Neid. In der Welt wurde nun alles anders. Die Kriege unter den Menschen nahmen an Heftigkeit zu. Die Liebe war zu ohnm\u00e4chtig um sie zu verhindern. Viele erkannten sie auch nicht wieder und verwechselten sie mit dem Egoismus, oder mit der Schw\u00e4che. Die Liebe hatte nicht mehr die Kraft, das B\u00f6se in die Schranken zu weisen. Habgier und Gleichg\u00fcltigkeit wuchsen. Die Natur wurde ausgepl\u00fcndert und zertreten. Es wurde dunkler, k\u00e4lter in der Welt. Menschen und Tiere begannen zu frieren. Sie wurden krank und starben einsam dahin. Da beschlo\u00df die Liebe, die Macht zu suchen. Und sie machte sich auf, auch wenn der Weg weit war. Eines Tages begegneten sie sich auf einer Kreuzung. Die Macht kam gro\u00df und gewaltig daher. Vor ihr und hinter ihr war ein W\u00e4chter bis an die Z\u00e4hne bewaffnet, die sie besch\u00fctzen mu\u00dften. Die Macht sah dunkel aus. Sie war eingeh\u00fcllt in einen dicken, schweren Mantel. Ihr Gesicht war kaum noch zu sehen. Der Mantel aber war \u00fcber und \u00fcber mit Orden behaftet. Rechts und links trug man ihre Titel, damit die Menschen vor ihr in die Knie gingen. Die Liebe nahm ihren ganzen Mut und ihre ganze Weisheit zusammen die sie von ihren Eltern geerbt hatte und stellte sich der Macht in den Weg.&#8220; Du siehst ungl\u00fccklich aus&#8220;, sagte die Liebe und blickte der Macht gerade ins Gesicht. &#8222;Deine Augen sind finster. Fr\u00fcher hast du gestrahlt und warst sch\u00f6n&#8220;. &#8222;Geh mir aus dem Weg&#8220;, sagte die Macht. &#8222;Ich kenne dich nicht&#8220;. &#8222;Erinnerst du dich nicht&#8220;, sagte die Liebe, &#8222;wie wir miteinander durch die Welt zogen. Du trugst ein leichtes Kleid. Du konntest tanzen und springen. Du liefst mit mir zu den Menschen und sie alle nahmen uns mit offenen Armen auf. Wir konnten Frieden stiften und alle hatten alles gemeinsam. Du warst mit mir m\u00e4chtig ohne Waffen. Du brauchtest dich nicht zu sch\u00fctzen und hinter dir zog nicht der Neid. La\u00df uns wieder miteinander gehen. Schick sie alle wieder weg, die dich jetzt umgeben und fernhalten von den Menschen und auch von mir. Auch ich brauche dich, denn ohne dich bin ich schwach und ohnm\u00e4chtig. Ohne dich glauben mir die Menschen nicht. Die Menschen lachen mich aus. Sie verletzen und mi\u00dfbrauchen mich&#8220;. W\u00e4hrend die Liebe diese und andere Worte sprach, wurde die Macht immer w\u00e4rmer und weil auch die Macht ein Kind der Weisheit und des Mutes war, taute sie langsam auf und wurde kleiner und kleiner bis sie wieder so gro\u00df war wie die Liebe. Da glitt der Mantel von ihrer Schulter und die Orden zersprangen am Boden. Die W\u00e4chter fielen wie tot um und die Titel flogen im Winde davon. Ehe sich die Liebe und die Macht versahen, standen sie sich allein gegen\u00fcber. Da lachten sie einander zu und fielen sich in die Arme. Der Neid, der die Macht begleitet hatte, war gewichen und von der Liebe war der Schatten der Angst geflohen. Seither gehen sie wieder miteinander, die Liebe und die Macht und sind zusammen stark geworden, die beiden. Und wenn du sie triffst, dann halte sie fest und warte bis ich komme, damit ich mit euch ziehen kann.<\/p>\n<p>Liebe war da, bevor der Mensch wurde. Das Lebensfundament ist also bereits gelegt. Wir k\u00f6nnen darauf aufbauen. Die Liebe sei wie ein Backofen, sagte Martin Luther einmal. Die Hitze macht aus dem Teig s\u00fc\u00df duftendes Brot. Liebe zieht an. Liebe schmeckt! Lieben ist eine Kunst. Kunst mu\u00df man lernen. Tobias Brocher meint bez\u00fcglich der Liebe: &#8222;Es ist ein Wagnis, in dieser erkaltenden Welt zur Liebe zu ermutigen. Und doch ist sie das einzige Mittel, das uns helfen k\u00f6nnte, jene Mauern niederzurei\u00dfen, die wir gegeneinander aufgebaut haben. Liebe ist nicht m\u00f6glich ohne Glaube und Hoffnung und wer k\u00f6nnte annehmen, dass wir diese drei aus eigener Kraft gefunden und entwickelt h\u00e4tten? K\u00f6nnten wir ohne sie leben?&#8220; Tiefgegr\u00fcndetes Leben gibt es nur im Wurzelboden der Liebe. Zur Kunst der Liebe geh\u00f6rt aber wie zu allen anderen K\u00fcnsten: Selbstdisziplin, Konzentration und viel Geduld und ein unbedingtes Interesse am anderen Menschen. Das ist die Voraussetzung. Lieben kann man nur lernen, indem man liebt.<\/p>\n<p>Hermann Hesse schreibt in seinem kleinen Essay, Die Kapelle: &#8222;Der Weg zur Fr\u00f6mmigkeit mag f\u00fcr jeden ein andrer sein. F\u00fcr mich lief er \u00fcber viel Irrt\u00fcmer und Leiden, \u00fcber viel Selbstqu\u00e4lerei, durch stattliche Dummheiten, Urw\u00e4lder von Dummheiten. (..) Ich wu\u00dfte nicht, dass Frommsein Gesundheit und Heiterkeit bedeutet. Frommsein ist nichts andres als Vertrauen. Vertrauen hat der einfache, gesunde, harmlose Mensch, das Kind, der Wilde. Unsereiner, der nicht einfach noch harmlos war, mu\u00dfte das Vertrauen auf Umwegen finden. (&#8230;) Der Gott, an den wir glauben m\u00fcssen, ist in uns innen. Wer zu sich selber nein sagt, kann zu Gott nicht ja sage. &#8220;<\/p>\n<p><b>3. An ihren Fr\u00fcchten sollt ihr sie erkennen<\/b><\/p>\n<p>Wenn jemand predigt, dass er&#8217;s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er&#8217;s tue aus der Kraft, die Gott gew\u00e4hrt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Die gro\u00dfe Gefahr der Christen in der Diaspora besteht darin, dass sie sich in Gruppen gegen einander organisiert und jeder meint, dass er den rechten Glauben habe. Das nennt man dann Sekte. Das gelebte Leben ist dann nicht mehr so wichtig. Das Weitergeben der Botschaft mit dem Ziel, Menschen f\u00fcr Christus zu gewinnen tritt in den Hintergrund. Prim\u00e4r sind sie Eigeninteresse der Gruppe. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit in den 50er Jahre als ich als Theologiestudent den Lebensunterhalt f\u00fcr mein Studium verdienen mu\u00dfte. Ich arbeitete damals in dem selben Betrieb, in dem ich auch meine Ausbildung als Automechaniker gemacht hatte. Ich wurde damals genau beobachtet. An meinem Verhalten im allt\u00e4glichen Leben in der Werkstatt wurde mein Glaube gepr\u00fcft, nicht an frommen Floskeln. Daran hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert. Ich brauchte damals den sonnt\u00e4glichen Gottesdienst dringend als Kraftquelle f\u00fcr die folgende Woche und h\u00f6rte der Predigt besonders aufmerksam zu, um &#8222;Material&#8220; f\u00fcr die Diskussionen \u00fcber den Gottesglauben in der folgenden Woche zu erhalten, &#8222;damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus.&#8220; Seither wei\u00df ich, dass zwischen Predigth\u00f6ren und Predigen ein enger Zusammenhang besteht sowohl f\u00fcr &#8222;\u00c4lteste&#8220; als auch f\u00fcr das &#8222;Priestertum aller Gl\u00e4ubigen&#8220;, also f\u00fcr Pfarrer und sogenannte Laien.<\/p>\n<p>Amen<a name=\"ex\"><\/a><\/p>\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Dogmatische und homiletische Entscheidung<\/span><\/b><\/p>\n<p>Der Erste Petrusbrief ist nach Walter Rebell eine &#8222;der wichtigsten und profiliertesten ekklessiologischen Entw\u00fcrfe des gesamten Neuen Testaments&#8220; und hat &#8222;gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit der johanneischen Konzeption von Gemeinde&#8220; ( Zum neuen Leben berufen (M\u00fcnchen 1990, S. 191). Beide beeinflu\u00dften sich jedoch nicht gegenseitig. Sie geh\u00f6ren v\u00f6llig anderen Linien im Urchristentum an. Im 1Pterusbrief sind paulinische Gedanken weiterentwickelt. Die Gemeinsamkeiten von 1Petrus und dem Johannesevangelium kommen von der Gemeindesituation her. Die Bedr\u00e4ngnis von au\u00dfen, eine real existierend Verfolgung der Christen, bestimmt das theologische Denken. Es besteht die Gefahr des R\u00fcckzugs aus der Welt. J.H. Elliots wichtige Untersuchung des 1Petrusbriefs, A Home for the Homeless zeit das sehr deutlich. Die Solidarit\u00e4t wird einerseits durch das Symbol der Gruppenidenti\u00e4t geistliches Haus, (2,5) und auserw\u00e4hltes Geschlecht (2,9) und andererseits durch den relativ h\u00e4ufigen Gebrauch von syn- Komposita wie beispielsweise synoikountes (zusammenwohnend 3,7) sygkl\u00e9ronomois (Miterbinnen 3,7) symphatheis (mitf\u00fchlend 3,8) vor. Von den acht Ausdr\u00fccken kommen vier nur im 1Petrusbrief vor; es gibt keine vorchristliche Belegstelle. Dahinter steckt nach Elliot eine besondere Strategie. Der Druck von au\u00dfen f\u00f6rdert die ungeheuchelte Bruderliebe. Das Thema Liebe taucht immer wieder auf als br\u00fcderlich- schwesterliche Gemeinde.<\/p>\n<p>Jeder in der Gemeinde tr\u00e4gt die volle Verantwortung f\u00fcr das Ganze. Der Ausdruck allgemeines Priestertum formuliert die Reflexion dieser Verantwortung f\u00fcr die Gemeinde in klassischer Weise. So wie die Glieder des Leibes organisch zusammenwirken so solle das geistliche Haus (oikos pneumatikos) eine harmonische Einheit bilden. Es erinnert deutlich an das paulinische Bild von der Gemeinde als Leib. Doch der 1Petrusbrief kennt nur zwei Gaben (4,11) reden (lallein) und dienen (diakonein) und fa\u00dft damit wohl alle anderen paulinischen Gnadengaben ( Charismen) zusammen. Doch trotz aller bruderschaftlichen Grundstruktur kennt auch der 1Petrusbrief das Amt des &#8222;\u00c4ltesten&#8220;, ist jedoch von einer hierarchischen Gemeindestrukutur weit entfernt. Die Wichtigkeit des kommunikativen Netzwerks der Amtsf\u00fchrung unterstreicht die Par\u00e4nese 5, 1-4. Wenn auch nicht sicher ist, ob die &#8222;\u00c4ltesten&#8220; amtliche Personen in unserem heutigen Verst\u00e4ndnis waren, oder nur &#8222;weise&#8220; Gemeindeglieder bezeichnet, so ist doch un\u00fcbersehbar, dass sie eine Gruppe sind, die in der Gemeinde eine besondere Verantwortungen tragen, bei denen Amt und Lebensstil \u00fcbeinstimmten. Als Verfasser des 1Petrusbriefs werden Petrus, Silvanus und &#8222;mein Sohn (Johannes) Markus&#8220; genannt. Nach altkirchlicher Tradition wurde der Brief zur Zeit des Kaisers Nero (64 oder 67 n.Chr.) von Rom aus geschrieben. Der Brief richtet sich &#8222;an die Auserw\u00e4hlten, die als Fremde in Pontus, Galatien, Kappadozien, in der Provinz Asien und Bithynien in der Zerstreuung leben&#8220;. Fremdsein und Verfolgung bestimmen das Leben der Christen. Die Empf\u00e4nger werden ermahnt, dem Glauben treu zu bleiben und den Glauben zu bezeugen, zu dem sie als Getaufte berufen sind.<\/p>\n<p>Diaspora in der Bibel<br \/>\nDer Ausdruck kommt von diaspeir\u00f3 und bedeutet &#8220; Zerstreuung&#8220;. Das Wort wurde in der Septuaginta, der griechischen \u00dcbersetzung des Alten Testaments gepr\u00e4gt und findet sich au\u00dfer bei Plutarch nur in j\u00fcdischer und christlicher Literatur. Es ist die Gemeinschaft der in die Fremde verschlagenen. Die erste j\u00fcdische Gro\u00dfdiaspora entstand in Babylon. Dorthin hatte Nebukadnezzar einen Teil der besiegten Juden deportiert. Das Leben in der Diaspora wurde zun\u00e4chst als Strafgericht interpretiert, sp\u00e4ter aber entwickelte sich daraus ein positives Verh\u00e4ltnis zu der neuen Situation. Durch Deuterojesaja wird es dann zum Anla\u00df der fast weltweiten Missionst\u00e4tigkeit des Sp\u00e4tjudentums. Im Neuen Testament erh\u00e4lt das Wort dann besonders im 1Petrusbrief eine spezifische, theologische Bedeutung des &#8222;Ausgestreutseins&#8220; der Christen \u00fcber weite Welt und bezeichnet die Existenz der christlichen Gemeinde in der globalen Gesellschaft. Die eigentliche Heimat der J\u00fcnger Christi ist nicht ihr Wohnsitz, sondern nach Philipper 3,20 der Himmel, das obere Jerusalem (Galater 4, 26). Christen sind Fremde auf dieser Erde. Sie sind eine &#8222;Aussaat&#8220; Gottes, der Frucht am der gro\u00dfen Sammlung (Matth\u00e4us 24, 31) sichtbar werden wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Prof. Dr. Karl W. Rennstich<br \/>\n<a href=\"mailto:kwrennstich@gmx.de\">kwrennstich@gmx.de<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<p><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-4\/020728-2.html#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=020728-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch 9. Sonntag nach Trinitatis, 28. Juli 2002 Predigt \u00fcber 1. Petrus 4, 7-11, verfa\u00dft von Karl W. Rennstich 7 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. 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