{"id":21803,"date":"1998-10-17T08:05:43","date_gmt":"1998-10-17T06:05:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21803"},"modified":"2025-03-17T08:09:26","modified_gmt":"2025-03-17T07:09:26","slug":"roemer-321-28-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-321-28-4\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 3,21-28"},"content":{"rendered":"<h3>Reformationstag |\u00a031.10.1998 | R\u00f6mer 3,21-28 | Markku Heikkil\u00e4 |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>diese Perikope, besonders die Verse von 21 bis 22, wird in der evangelischen Tradition f\u00fcr die wesentliche Stelle im R\u00f6merbrief gehalten. Darin wird der Leitgedanke f\u00fcr die Botschaft des gesamten Briefes zum Ausdruck gebracht: die Gerechtigkeit wird allein durch Christus erlangt. Der Kerngehalt der Perikope besteht in der Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Im alten Schriftfinnischen wird mit dem Begriff &#8222;Gerechtigkeit&#8220; Weisheit und Rechtschaffenheit, Weisheit auf gerechte Weise bezeichnet. &#8222;Der Gerechte lebt im Glauben&#8220; bedeutet, da\u00df der auf gerechte Weise kluge Mensch sowohl in Zeit als auch in Ewigkeit im Glauben an Jesus lebt, im Glauben an die Erl\u00f6sung durch Jesus Christus. Die Gerechtigkeit ist sowohl die Eigenschaft Gottes als auch ein Geschenk f\u00fcr den Menschen durch Jesus Christus (R\u00f6m. 1,18; 2,2.5; 3,24).<\/p>\n<p>Gott nimmt denjenigen an, der die Gabe der Gerechtigkeit durch Jesus Christus erlangt hat, und erkl\u00e4rt ihn f\u00fcr gerecht, gibt ihm Anteil an der gerechten g\u00f6ttlichen Weisheit und ihn dadurch gott-gef\u00e4llig. Nur ein solcher Mensch wird vor dem Gericht Gottes bestehen, wenn dessen Zorn vom Himmel f\u00e4llt. Die Gerechtigkeit ist die Voraussetzung der Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Nach den Versen 21 und 22 hat Gott seine Gerechtigkeit, also seine gerechte Weisheit, in Jesus Christus offenbart und erwiesen als die, die vom Gesetz und den Propheten bezeugt wurde. Der Mensch erlangt die Gerechtigkeit Jesu Christi geschenkweise ohne Bedingungen. Gott wartet nur, da\u00df der Mensch das Geschenk im Glauben an die Gerechtigkeit Jesu Christi annimmt. Damit wird die Gerechtigkeit selbst zur Gerechtigkeit im Glauben, darauf wird auch im Alten Testament hingewiesen (Gen 15,6; Jes 53,11). Gott hat jetzt durch Jesus Christus seine Gerechtigkeit ohne Gesetz erwiesen, was ohne Gesetzeswerke bedeutet. Mit anderen Worten: es bricht eine \u00c4ra neuen Gesetzes an.<\/p>\n<p>Nach den Versen 23 und 24 hat der Mensch im Glauben Teil an der Gerechtigkeit Gottes &#8211; also an der gerechten Weisheit durch die Taten Jesu Christi. Also der Mensch wird dadurch richtig weise, wenn er auf den Vers\u00f6hnungstod und auf die Auferstehung Christi als die Voraussetzung seiner Erl\u00f6sung vertraut. Das gilt f\u00fcr alle Menschen, denn sie alle haben ges\u00fcndigt. Sie sind alle gleich s\u00fcndig und verdammt vor Gott. S\u00fcndig sind nicht nur die Taten, sondern auch die Gedanken und Worte. Dasselbe gilt f\u00fcr das Geschenk Gottes f\u00fcr die Menschen. Er macht in Jesus Christus macht keinen Unterschied zwischen den Menschen; es gilt f\u00fcr alle, alle sind gleich und gleichwertig.<\/p>\n<p>Laut der Verse 25 und 26 erl\u00e4\u00dft Gott die S\u00fcnden der Menschen aufgrund der Taten Jesu Christi, straft nicht, erweist er den Menschen seine g\u00f6ttliche Weisheit und spendet sie den Menschen, die an Jesus Christus glauben. Der Apostel Paulus benutzt in den Versen 23 bis 26 drei Bilder:<\/p>\n<ol>\n<li>Gott ist die Gerechtigkeit selbst, und er hat seine Gerechtigkeit dadurch erwiesen, da\u00df er alle diejenigen, die an Jesus Christus glauben, vor seinem Gericht freigesprochen hat. Die Gerechtigkeit oder gerechte Weisheit kostet nichts, sie ist bedingungslos, sie besteht nur in seiner Gnade, Anteil an der gerechten Weisheit, an der Gerechtigkeit Gottes.<\/li>\n<li>Sklavenmarkt: Die Sklaven werden durch die Taten Jesu Christi losgekauft.<\/li>\n<li>Im Tempel aller Heiligen bzw. vor dem Gnadenstuhl: Vor ihm geschieht die Vers\u00f6hnung durch das Blut Jesu Christi. Der Blut bezeichnet den Tod und dadurch Opfer. Das Allerheiligste im Tempel wird mit Blut gestrichen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Gleich dem Glaubensbekenntnis werden die Verse 23 bis 26 im evangelischen Glaubensverst\u00e4ndnis f\u00fcr kristallisierte Grundlagen der Gerechtigkeit im Glauben gehalten. Mit ihnen steht und f\u00e4llt die Lehre der Kirche. Sie ist die Lehre, aus der allein Gottes Gemeinde entstehen kann.<\/p>\n<p>In den Versen 27 und 28 wird der Grundgehalt der vorangegangenen Verse wiederholt: wir k\u00f6nnen nicht mit unseren Taten und mit keinem Menschlichen prahlen, &#8222;Denn unser Urteil lautet: Der Mensch wird durch den Glauben gerecht, ohne Gesetzeswerke&#8220;. Nach Luther will Gott uns nicht wegen der menschlichen Weisheit und der daraus entstehenden Taten erl\u00f6sen, sondern durch seine eigene Weisheit und die dadurch bedingte Tat, durch Vers\u00f6hnung Jesu Christi. Deswegen soll nur diese au\u00dferhalb des Menschen existierende, vom Himmel herabsteigende Weisheit gelehrt werden und die eigene Weisheit des Menschen mit seinen Werken ab-gewurzelt werden. Gottes Gerechtigkeit und die Erl\u00f6sung offenbart sich in Wort und Sakrament. Die Gerechtigkeit wird in ihnen angeboten als dem Kern der Kirche nach evangelischer Glaubensauffassung.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Markku Heikkil\u00e4, E-Mail: <a href=\"mailto:markku.heikkila@Helsinki.FI\">markku.heikkila@Helsinki.FI<\/a><\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge aus: Gottesdienst &#8211; Arbeitshilfe zur Erneuerten Agende, 5. Lieferung, 11. Jg., hrsg. von der Liturgischen Konferenz Niedersachsens e.V., Tel.: 0511-1241-486:<\/p>\n<p>EG 351 (Ist Gott f\u00fcr mich, so trete)<\/p>\n<p>EG 378 (Es mag sein, da\u00df alles f\u00e4llt)<\/p>\n<p>EG 357 (Ich wei\u00df, woran ich glaube)<\/p>\n<p>EG 317, 4+5<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reformationstag |\u00a031.10.1998 | R\u00f6mer 3,21-28 | Markku Heikkil\u00e4 | Liebe Gemeinde, diese Perikope, besonders die Verse von 21 bis 22, wird in der evangelischen Tradition f\u00fcr die wesentliche Stelle im R\u00f6merbrief gehalten. 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