{"id":21813,"date":"1998-11-17T08:20:30","date_gmt":"1998-11-17T07:20:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21813"},"modified":"2025-03-17T08:23:01","modified_gmt":"2025-03-17T07:23:01","slug":"roemer-21-11-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-21-11-4\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 2,1-11"},"content":{"rendered":"<h3>Bu\u00df- und Bettag | 18.11.1998 | R\u00f6mer 2,1-11 | Uwe Erdmann |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>eine Sch\u00fclerin kam von der Schule nach Hause. Sie hatten eine Klassenarbeit wiederbekommen.<\/p>\n<p>&#8222;Na, was hast Du denn in der Arbeit?&#8220; lautete die Frage der Eltern, gerade nachdem sie zur T\u00fcr hereingekommen war.<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin nicht die Schlechteste in unserer Klasse&#8220;, antwortete sie, fast noch mit einem Anflug von Stolz in der Stimme.<\/p>\n<p>Statt mit ihrem schlechten Abschneiden herauszur\u00fccken, setzte sie sich in einen Vergleich mit anderen und konnte herausfinden, da\u00df andere noch schlechter waren als sie.<\/p>\n<p>Ich denke, es ist verst\u00e4ndlich, da\u00df Eltern diesem Kind sagen, sie soll doch bitte nicht ihre eigene Leistung verharmlosen. Eine f\u00fcnf ist eben eine f\u00fcnf. Vers\u00e4umnisse beim Lernen finden nun einmal ihren Niederschlag in schlechten Noten.<\/p>\n<p>&#8222;Das mu\u00df sich aber \u00e4ndern, du mu\u00dft flei\u00dfiger werden, mehr \u00fcben, auch einmal auf die eine oder andere Fernsehsendung verzichten&#8220;, so h\u00f6ren wir dann Eltern reagieren.<\/p>\n<p>Wenn Fehler auftreten, dann m\u00fcssen sie korrigiert werden. Auch das ist ein ganz normaler Vorgang.<\/p>\n<p>&#8222;O Mensch, du kannst dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest&#8220;, mit diesem Worten beginnt der Abschnitt aus dem R\u00f6merbrief, der f\u00fcr diesen Tag ausgew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p>Das Verhalten der Sch\u00fclerin aus unseren Tagen beschreibt einen Vorgang, der auch Paulus damals bereits bekannt war.<\/p>\n<p>Wenn wir selber etwas Schlechtes tun, wenn uns etwas mi\u00dflingt, dann versuchen wir, bei anderen etwas zu finden, was noch schlechter ist.<\/p>\n<p>Wenn wir etwas nicht gut k\u00f6nnen, dann finden wir bestimmt andere, die das noch weniger gut k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8222;O Mensch, du kannst dich nicht entschuldigen, wer du auch bist.&#8220;<\/p>\n<p>Was du auch tust, so m\u00f6chte ich hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ein hartes Urteil, ein abschlie\u00dfendes zudem. Jedenfalls h\u00f6rt es sich so an.<\/p>\n<p>Ein Mann hat sein Leben lang versucht, f\u00fcr sich und seine Lieben das Beste aus allem zu machen. Manchmal mu\u00dfte er ein wenig schlitzohrig sein. Das ging lange Jahre gut. Doch dann traf er eine Entscheidung, bei der das jemand anderes gemerkt und sich gewehrt hat. Erst war es nicht weiter schlimm, doch dann \u00e4nderten sich die Zeiten und der Mann ahnte, da\u00df das Problem nun nicht mehr zu l\u00f6sen war.<\/p>\n<p>&#8222;Die anderen wollen mich betr\u00fcgen, da mu\u00df man was gegen machen, die haben den Fehler gemacht&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Da\u00df wir so oft auf andere verweisen, da\u00df wir so oft versuchen, uns mit den Verh\u00e4ltnissen zu entschuldigen, das hat wohl damit zu tun, da\u00df wir uns selber sch\u00fctzen wollen. Sch\u00fctzen z.B. vor einem Urteil, das uns einen Fehler bescheinigt.<\/p>\n<p>Sch\u00fctzen vor der Einsicht, da\u00df wir nicht perfekt sind, obwohl doch alles um uns herum st\u00e4ndig perfekt zu funktionieren scheint. Sch\u00fctzen vor der Einsicht, da\u00df auch Vers\u00e4umnisse anderer nicht von den eigenen ablenken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sch\u00fctzen schlie\u00dflich vor der Erkenntnis, da\u00df wir nicht so leben, wie wir k\u00f6nnten, wie wir es nach Gottes Willen tun sollten.<\/p>\n<p>M\u00fcssen wir uns denn wundern, da\u00df Gott zornig ist \u00fcber all das Mi\u00dflingen, da\u00df er zornig ist dar\u00fcber, da\u00df wir es noch nicht einmal zur Kenntnis nehmen wollen, Fehler, Schuld von uns weisen und auf andere zeigen!?<\/p>\n<p>Wenn wir so handeln, so reden und denken, dann ist uns der Zorn Gottes sicher.<\/p>\n<p>Wir sind keine perfekten Wesen, eben weil wir Gesch\u00f6pfe und nicht Herren sind.<\/p>\n<p>Das hindert uns aber dennoch nicht, immer mehr in diese Richtung streben, Herren zu sein.<\/p>\n<p>Und so wenden wir bewu\u00dft oder unbewu\u00dft Kniffe und Tricks an, um uns rein zu waschen.<\/p>\n<p>Ob da auch im Hintergrund steht, da\u00df es kein Entschulden gibt, ob da auch mit Hintergrund steht, da\u00df es keine Gnade gibt, keine neue Chance?<\/p>\n<p>So jedenfalls erleben wir es in unserer Gesellschaft. Wer einmal etwas Verwerfliches getan hat, der hat unsere Verurteilung, wem einmal etwas mi\u00dflungen ist, den belegen wir mit unserem Urteil.<\/p>\n<p>Das soll uns bitte nicht so gehen. Wir k\u00f6nnen eine endg\u00fcltige Absage, ein endg\u00fcltiges Urteil nur schwer ertragen.<\/p>\n<p>Die Gefahr ist dann, da\u00df wir vor lauter Ausfl\u00fcchten, die Wirklichkeit nicht mehr in den Blick bekommen.<\/p>\n<p>Wenn wir wie die Sch\u00fclerin auf andere verweisen, die noch schlechter sind, die noch Schlimmeres getan haben, dann hat es oft damit sein Bewenden. Wenn wir auf die Fehler anderer weisen, nehmen wir die eigenen nicht wahr. Wir bewegen uns nicht, wir versuchen, alles beim Alten zu lassen, uns nicht zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Da\u00df solches Eltern die Zornesr\u00f6te ins Gesicht treibt, kann man wohl verstehen.<\/p>\n<p>Ist es nicht die Liebe unseres Vaters im Himmel, da\u00df er uns auf den rechten Weg weisen, da\u00df er uns auf die gute Seite bringen will?<\/p>\n<p>Weil Paulus um die Wirklichkeit von Schuld und Versagen wei\u00df, weil er um die Unentschuldbarkeit wei\u00df, darum schreibt er so eifrig, darum m\u00fcssen wir uns mit dem Zorn Gottes auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Doch dann dieser Satz : &#8222;Wei\u00dft du nicht, da\u00df dich Gottes G\u00fcte zur Umkehr treibt&#8220;.<\/p>\n<p>Hast du Mensch bei allen Entschuldungsversuchen \u00fcbersehen, da\u00df es einen Weg gibt, heraus aus dem Dilemma? Hast du es \u00fcbersehen, willst du es \u00fcberhaupt bemerken?<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re die Mahnung des Paulus:<\/p>\n<p>Mensch, du mu\u00dft nicht in diesem Verhalten verharren, Mensch, du hast einen Weg, der heraus f\u00fchrt aus diesem Teufelskreis. Gott ist mit seiner G\u00fcte auf deiner Seite.<\/p>\n<p>Paulus wei\u00df, da\u00df wir s\u00fcndhaft sind, er wei\u00df, da\u00df wir immer wieder in den alten Trott zur\u00fcckfallen werden, da\u00df wir eben nicht perfekt sind, auch nicht auf dem Weg der Umkehr, auf dem Weg der Bu\u00dfe.<\/p>\n<p>Wenn wir uns denn nur eingestehen k\u00f6nnten, da\u00df wir ohne Gottes G\u00fcte nicht weiter k\u00f6nnen, wenn wir uns nur eingestehen k\u00f6nnten, da\u00df nur bei Gott Gnade und Freispruch von Schuld zu finden ist, wenn wir nur dies begreifen k\u00f6nnten, es w\u00e4re schon vieles gewonnen.<\/p>\n<p>Von einer Sch\u00fclerin w\u00fcrden wir erwarten, da\u00df sie sich hinsetzt und ihr Lernverhalten \u00e4ndert. Das ist f\u00fcr uns logisch und vern\u00fcnftig.<\/p>\n<p>Das wir unser Verhalten \u00fcberpr\u00fcfen und \u00e4ndern, ist das nicht auch logisch und vern\u00fcnftig? Gott l\u00e4dt uns dazu ein.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Uwe Erdmann, Hemmoor-Warstade<\/p>\n<p>E-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:uwe.erdmann@t-online.de\">uwe.erdmann@t-online.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bu\u00df- und Bettag | 18.11.1998 | R\u00f6mer 2,1-11 | Uwe Erdmann | Liebe Gemeinde, eine Sch\u00fclerin kam von der Schule nach Hause. Sie hatten eine Klassenarbeit wiederbekommen. &#8222;Na, was hast Du denn in der Arbeit?&#8220; lautete die Frage der Eltern, gerade nachdem sie zur T\u00fcr hereingekommen war. &#8222;Ich bin nicht die Schlechteste in unserer Klasse&#8220;, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,727,157,853,596,114,929,349,3,109,1642],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21813","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-roemer","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-buss-und-bettag","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-roemer","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-uwe-erdmann"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21813"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21814,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21813\/revisions\/21814"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21813"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21813"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21813"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21813"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}